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Thesis (M.A.), 2001, 105 Pages
Author: Henning Schmidt
Subject: Sociology - Media, Art, Music
Details
Tags: Musik-Fans, Teil, Jugendkultur, Beispiel, Fans, Band, Depeche, Mode, Techno, Punk, Kultur, Gahan, Gore, Fletcher, Jugend, Jugendliche, Soziologie, Depeche Mode, Musik
Year: 2001
Pages: 105
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 68 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34969-7
File size: 643 KB
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Abstract
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Musik-Fans fällt verhältnismäßig gering aus. Sie ist ein weißer Fleck auf der sozialwissenschaftlichen Landkarte. Ist vom Fan die Rede, wird oft genug ein negativ konnotierter Stereotyp herbeizitiert, der als eine Art kulturindustrielle Marionette hoffnungslos den kapitalistischen und manipulierenden Medienmächten wie Radio, Fernsehen und Jugendzeitschriften ausgeliefert zu sein scheint. Ist von Musik-Fans die Rede, spielen stets Bilder von Boygroups und kreischenden, meist weiblichen Teenagern, eine zentrale Rolle. Wer vom Fan spricht nimmt sogleich eine zumeist negative Wertung vor. Bei aller Aburteilung dieses Stereotyps bleibt aber ungeklärt, ob Fan-Sein nun individuelle Eigenschaften meint oder eher eine Frage des Alters ist, Ausdruck etwa eines temporären Stadiums psychischer Entwicklung, des Geschlechts oder einer – womöglich schichtspezifischen – Gruppenzugehörigkeit. Deshalb will ich versuchen zu beantworten, ob Musik-Fans als Teil von Jugendkultur in ihrer Gemeinschaft von Gleichgesinnten eine Möglichkeit suchen, subjektive Missstände der Gesellschaft wie beispielsweise fehlende Solidarität auszugleichen. Oder ist gar das Gegenteil der Fall und Musik- Fans verfügen entgegen aller Vorurteile über eine starke und stabile Identität? Was bringt Jugendliche demnach zur Popmusik und vor allem dazu, sich als Fans zu engagieren? Um den Antworten auf diese Frage näherzukommen, habe ich eine Befragung von Fans der Gruppe Depeche Mode durchgeführt, die in meinen Augen eines der besten Beispiele für langfristige Bindungen von Fans an Stars sind. Interessant ist für mich dabei die Frage, wie Musik Menschen bzw. Fans begleitet oder ob sie sogar dabei helfen kann, zu einer eigenen Identität zu finden. Hier findet sich die Verbindung von Musik, Fans und Jugendkultur. Die Bedeutung von Popularmusik für Jugendliche und Jugendkultur steht dabei im Vordergrund.
Excerpt (computer-generated)
“Musik-Fans als Teil von Jugendkultur
am Beispiel der Fans der Band Depeche Mode”
Magisterarbeit
zur Erlangung des Magistergrades (M.A.)
am Fachbereich für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
der Technischen Universität Braunschweig
vorgelegt von
Henning S c h m i d t
2001
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
2. Theoretische Grundlagen ... 7
2.1 Zum Jugendbegriff ... 7
2.2 Zum Begriff Postadoleszenz ... 10
3. Jugendkultur ... 13
3.1 Zum Begriff Jugendkultur ... 13
3.2 Geschichte der Jugendkultur in Deutschland ... 17
3.2.1 Jugendkultur 1900 – 1945 ... 17
3.2.2 Jugendkultur 1945 – heute ... 21
3.2.2.1 Beatniks ... 30
3.2.2.2 Rocker und Halbstarke ... 31
3.2.2.3 Hippies ... 33
3.2.2.4 Englische Jugendkulturen: Mods und Teds ... 34
3.2.2.5 Punks ... 35
3.2.2.6 Skinheads ... 37
3.2.2.7 Rap, HipHop, Techno, Rave ... 38
3.3 Jugendkultur statt Subkultur ... 40
3.4 Die Funktionen von Jugendkultur ... 42
4. Pop- und Rockmusik als Jugendkultur ... 47
4.1 Zur Terminologie von Rock, Pop und Popular ... 47
4.1.1 Pop ... 49
4.1.2 Rock ... 50
4.1.3 Popular ... 51
4.2 Entstehung von Popularmusik ... 52
4.3 Ästhetik der Popularmusik ... 53
4.4 Funktion von Rock- und Popmusik für Jugendliche ... 56
5. Fans ... 59
5.1 Zum Fanbegriff ... 60
5.2 Verschiedene Fantypen ... 64
5.2.1 Fußballfans ... 64
5.2.2 Fans von Teenie-Idolen – Das Boygroupphänomen ... 66
5.3 Langfristige Bindungen von Fans ... 68
6. Untersuchungsgegenstand Depeche Mode ... 72
6.1 Kurzbiografie der Band Depeche Mode ... 72
6.2 Virtuelle Gemeinschaft: Depeche-Mode-Fans in Deutschland ... 75
6.3 Befragung von Depeche-Mode-Fans ... 79
6.3.1 Art und Durchführung der Umfrage ... 79
6.3.2 Umfrageergebnisse ... 81
7. Zusammenfassung und Schlussbemerkung ... 87
8. Literatur ... 90
9. Anhang ... 95
1. Einleitung
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Musik-Fans fällt verhältnismäßig gering aus. Sie ist ein weißer Fleck auf der sozialwissenschaftlichen Landkarte. Ist vom Fan die Rede, wird oft genug ein negativ konnotierter Stereotyp herbeizitiert, der als eine Art kulturindustrielle Marionette hoffnungslos den kapitalistischen und manipulierenden Medienmächten wie Radio, Fernsehen und Jugendzeitschriften ausgeliefert zu sein scheint. Ist von Musik-Fans die Rede, spielen stets Bilder von Boygroups und kreischenden, meist weiblichen Teenagern, eine zentrale Rolle.
Wer vom Fan spricht nimmt sogleich eine zumeist negative Wertung vor. Bei aller Aburteilung dieses Stereotyps bleibt aber ungeklärt, ob Fan-Sein nun individuelle Eigenschaften meint oder eher eine Frage des Alters ist, Ausdruck etwa eines temporären Stadiums psychischer Entwicklung, des Geschlechts oder einer – womöglich schichtspezifischen – Gruppenzugehörigkeit.
Deshalb will ich versuchen zu beantworten, ob Musik-Fans als Teil von Jugendkultur in ihrer Gemeinschaft von Gleichgesinnten eine Möglichkeit suchen, subjektive Missstände der Gesellschaft wie beispielsweise fehlende Solidarität auszugleichen. Oder ist gar das Gegenteil der Fall und Musik- Fans verfügen entgegen aller Vorurteile über eine starke und stabile Identität? Was bringt Jugendliche demnach zur Popmusik und vor allem dazu, sich als Fans zu engagieren?
Um den Antworten auf diese Frage näherzukommen, habe ich eine Befragung von Fans der Gruppe Depeche Mode durchgeführt, die in meinen Augen eines der besten Beispiele für langfristige Bindungen von Fans an Stars sind. Interessant ist für mich dabei die Frage, wie Musik Menschen bzw. Fans begleitet oder ob sie sogar dabei helfen kann, zu einer eigenen Identität zu finden. Hier findet sich die Verbindung von Musik, Fans und Jugendkultur. Die Bedeutung von Popularmusik für Jugendliche und Jugendkultur steht dabei im Vordergrund.
Da ich jedoch den Forschungsgegenstand der Fan- und Jugendkulturen kaum ganz zu erfassen im Stande bin, kann ich nur eine Momentaufnahme dieses weiten Feldes liefern. Es ist nicht möglich, Fans an und für sich zu untersuchen, da es in allen Bereichen des täglichen Lebens Fans von ir- gendetwas gibt. Selbst im Bereich der Musik ist die Anzahl der Untersuchungsmöglichkeiten unüberschaubar groß, so dass ich mich dafür entschieden habe, Fans einer bestimmten Band herauszufiltern. Kontakte zu weiteren Fans aus anderen Bereichen herzustellen würde sehr viel mehr Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen, als es mir mit dieser Arbeit möglich ist.
Ich erhebe nicht den Anspruch, diese Ergebnisse später zu verallgemeinern. Dennoch erhoffe ich mir ein Ergebnis, das die Tabuisierung und Feminisierung des Fan-Seins zu erklären hilft und gegebenenfalls dazu beitragen kann, Fans von einem Teil der negativen Konnotationen zu befreien.
Zu diesem Zweck ist es notwendig zunächst einige Begriffe zu klären, die einen theoretischen Bezugsrahmen herstellen. In Kapitel 2 soll es deshalb zunächst um das Thema Jugend gehen, da das Fan-Sein im Bereich der Popmusik auf Entwicklungen in dieser Lebensphase beruht oder auf Schlüsselereignisse zurückzuführen ist. Wichtig in diesem Zusammenhang ist vor allem die Entwicklung der Lebensphase Jugend im Verlauf der Jahrhunderte, da sich auch die Bedeutung des Jugendbegriffes verändert hat und die zentrale Bedeutung von Popularmusik für Jugendliche deutlich werden soll.
Popularmusik ist zentrales Element vieler Jugendkulturen. Kapitel 3 ist deswegen ein wichtiger Bestandteil der vorliegenden Arbeit. Hier werde ich mich mit dem Begriff und dem Thema Jugendkultur intensiv auseinander setzen. Jugendliche sind in dieser Zeit oft Teil irgendeiner Jugendkultur, wie auch Musik-Fans zur Jugendkulturen gehören. Selbst wenn sich Jugendliche keiner speziellen Szene zugehörig fühlen, wachsen sie innerhalb der Jugendkultur auf. Diese wird ihnen mittels der Medien, die speziell auf Jugendliche ausgerichtet sind, vermittelt. Der Schwerpunkt liegt dabei in erster Linie auf der Entwicklung der Jugendkultur nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich versuche ebenfalls zu klären, welche Funktionen Jugendkulturen für heutige Jugendliche haben. Hierbei soll es um die Frage gehen, ob Jugendkulturen heute sogar als Sozialisationsinstanz anzuerkennen sind.
Im 4. Kapitel ist es notwendig, noch einmal gesondert auf Rock- und Popmusik zu sprechen zu kommen, auch wenn dieses Thema im Zusammenhang mit denen in Kapitel 3 vorgestellten Jugendkulturen immer wieder angeschnitten worden ist. Um aber die Bedeutung von Popularmusik für Jugendliche zu erklären ist es unerlässlich, diese Art der Musik auch theoretisch und historisch zu beleuchten. Nur so kann man den Versuch unternehmen, die Wirkung von Rock- und Popmusik auf Jugendliche zu beschreiben und Anhaltspunkte für die Hilfe bei der Identitätsfindung Jugendlicher sammeln.
Kapitel 5 wird sich dann mit dem Thema Fans befassen. Bei der Literatursuche zu diesem Thema fällt auf, dass es fast nur Untersuchungen und Literatur zum Thema Fußballfans gibt. Leider wird auch allzu oft darauf verzichtet, den Begriff Fan zu definieren. Selbst Lexika, ob wissenschaftlich oder nicht, verzichten nur allzu oft auf diesen Begriff. Zumeist wird man lediglich auf den Stamm des Wortes, den Fanatiker verwiesen. Ob dieser Verweis jedoch zu kurz greift und zu einer Verzerrung des Bildes vom Fan führt, soll Kapitel 5 zeigen. Aus Mangel an Definitionen habe ich deshalb versucht, den Begriff Fan eigens für diese Arbeit zu operationalisieren, so dass ich von vornherein allen gängigen Klischees mit denen Fans behaftet sind zu entgehen versuche. Ich werde den Fanbegriff zu differenzieren versuchen, um den Unterschied zwischen Fußball-, Teenie-Idol- und Musik-Fans als Spezies, die sich über einen langen Zeitraum mit bestimmter Musik befasst, herauszuarbeiten. Im Anschluss daran, will ich die von mir durchgeführte Umfrage vorstellen. Natürlich werde ich nicht im Stande sein, repräsentative Ergebnisse zu liefern, will und muss ich mich daher auf eine Momentaufnahme des Fanspektrums beschränken.
Da es sich bei den von mir ausgewählten Fans um Fans der Gruppe Depeche Mode handelt, werde ich in Kapitel 6 eine kurze Biografie der Band anbringen und auf die Situation der Fans in Deutschland eingehen. Der letzte Punkt dieses Kapitels soll dann der Auswertung der Ergebnisse vorbehalten bleiben.
In einer Schlussbetrachtung will ich dann meine im Verlauf der Arbeit gewonnenen Kenntnisse darstellen.
2. Theoretische Grundlagen
Im Folgenden werde ich die Begriffe Jugend und Postadoleszenz klären und differenzieren. Dieser theoretische Bezugsrahmen soll im weiteren Verlauf der Arbeit helfen, jugendkulturelle Phänomene oder die Affinität Jugendlicher zur Popularmusik zu verstehen. Jugend und Postadoleszenz stehen meiner Meinung nach in einem unauflöslichen Zusammenhang. Es gibt keine klare Trennlinie zwischen diesen beiden Lebensphasen – sie gehen fließend ineinander über. Trotzdem werde ich versuchen, ihre wesentlichen Merkmale zu klären.
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