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Berliner Beziehungsgeflechte - Zum Verhältnis von Politikern, Politikvermittlungsexperten und Parlamentskorrespondenten von Printmedien

Untertitel: Eine Befragung
Autor: Rüdiger Strauch
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

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Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 138
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 216  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 853 KB
Archivnummer: V35043
ISBN (E-Book): 978-3-638-35089-1
ISBN (Buch): 978-3-638-70459-5
Anmerkungen :
Die vorliegende Arbeit macht es sich zum Ziel, das Verhältnis zwischen Politikern des Bundestages, Politikvermittlungsexperten (Pressesprecher von Bundesministerien und Parteien) sowie Korrespondenten von Printmedien zu beschreiben. Hierzu wurden Interviews mit neun Bundestagsabgeordneten, sieben Pressesprechern von Bundesministerien und Parteien sowie sechs Parlamentskorrespondenten geführt. Sie alle gaben Einblick in die Beziehungsgeflechte zwischen Vertretern von Politik und Medien.

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Examensarbeit macht es sich zum Ziel, die Beziehungen zwischen Hauptstadtjournalisten von Printmedien, Abgeordneten des Bundestages und Pressesprechern von Bundesministerien und Parteien zu analysieren; dabei wird in einem theoretischen Teil kritisch auf Erklärungsmodelle der Kommunikationswissenschaft eingegangen, bevor in einem empirischen Teil die eigenen Erkenntnisse dargelegt werden. Grundlage des empirischen Teils bieten mehr als zwanzig Leitfaden-Interviews, die mit Angehörigen der drei zu analysierenden Gruppen geführt wurden.

Textauszug (computergeneriert)

Kommunikationswissenschaft

Berliner Beziehungsgeflechte – Zum Verhältnis von Politikern,
Politikvermittlungsexperten und Korrespondenten von Printmedien

Eine Befragung

Hausarbeit

zur Erlangung des Grades eines Magister Artium
der Philosophischen Fakultät
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Westfalen

vorgelegt von

Rüdiger Strauch

2004

 

Inhalt

1 Einleitung ...  S. 5
1.1 Erkenntnisinteresse  ...  S. 6
1.2 Fragestellung  ...  S. 6
1.3 Aufbau der Arbeit  ...  S. 7

2 Politik, Medien, Öffentlichkeit – Ein makroanalytischer Bezugsrahmen  ...  S. 8
2.1 Politik und politische Kommunikation  ...  S. 8
2.2 Politische Öffentlichkeit  ...  S. 10
2.3 Massenmedien und politischer Prozess  ...  S. 12
2.3.1 Politische Funktionen der Massenmedien  ...  S. 13
2.3.2 Erklärungsansätze zum Verhältnis von Politik und Medien  ...  S. 14
2.3.2.1 Medien als Vierte Gewalt: Das Autonomie-Modell  ...  S. 14
2.3.2.2 Starke Medien, schwache Medien: Die Steuerungsmodelle  ...  S. 15
2.3.2.3 Wechselseitige Abhängigkeiten: Interdependenz-Modell, Supersystem, Symbiose  ...  S. 16
2.3.3 Öffentliche Kommunikation über Politik als Vermittlungsleistung  ...  S. 18
2.3.4 Politische Öffentlichkeitsarbeit  ...  S. 19
2.3.4.1 Funktionen  ...  S. 20
2.3.4.2 Methoden  ...  S. 21
2.3.4.3 Exkurs: Deutungsversuche zum Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und journalistischem System  ...  S. 22
2.3.4.3.1 Determinationsansatz  ...  S. 22
2.3.4.3.2 Intereffikationsmodell  ...  S. 23
2.3.4.3.3 Interpenetrationsmodell  ...  S. 24
2.4 Zwischenfazit  ...  S. 25

3 Politik und Medien im Wandlungsprozess – Entwicklungen und Tendenzen  ...  S. 27
3.1 Gesellschaftlicher und politischer Strukturwandel  ...  S. 27
3.1.1 Ausdifferenzierung, Komplexitätssteigerung, Individualisierung, Globalisierung  ...  S. 27
3.1.2 Politik zwischen neuen Anforderungen und Akzeptanzverlust  ...  S. 29
3.1.2.1 Die Politisierung des vorpolitischen Raums  ...  S. 29
3.1.2.2 Politikverdrossenheit und Volatilität der Wähler  ...  S. 30
3.2 Medien und Mediensystem im Strukturwandel  ...  S. 31
3.2.1 Kommerzialisierung, verschärfter Wettbewerb, Diversifizierung  ...  S. 31
3.2.2 Beschleunigung, Informationsflut, Arbeitsteilung  ...  S. 32
3.3 Mediatisierung öffentlicher Kommunikation über Politik  ...  S. 33
3.3.1 Symbolische Politik  ...  S. 34
3.3.2 Personalisierung und Unterhaltungsorientierung  ...  S. 35
3.4 Professionalisierung politischer Öffentlichkeitsarbeit  ...  S. 38
3.5 Neuer Deutungsversuch: Interpenetrationsmodell und -zone(n)  ...  S. 40
3.6 Zwischenfazit  ...  S. 42

4 Akteure öffentlicher Kommunikation über Politik und die Situation in Berlin - Ein mikroanalytischer Bezugsrahmen (Forschungsstand)  ...  S. 44
4.1 Akteursrollen  ...  S. 44
4.1.1 Politische Akteure  ...  S. 44
4.1.1.1 Politiker  ...  S. 45
4.1.1.2 Politikvermittlungsexperten  ...  S. 46
4.1.2 Medienakteure: Journalisten/Hauptstadtkorrespondenten  ...  S. 47
4.2 Politisch-journalistische Produktionsgemeinschaft  ...  S. 49
4.2.1 Interaktionsformen auf Vorder- und Hinterbühne politischer Öffentlichkeit  ...  S. 51
4.2.1.1 Pressekonferenzen, -mitteilungen und Interviews  ...  S. 51
4.2.1.2 Gesprächszirkel und Hintergrundkreise  ...  S. 53
4.2.2 Die Situation am Regierungssitz Berlin  ...  S. 55

5 Methodisches Vorgehen  ...  S. 56
5.1 Erkenntnisinteresse und forschungsleitende Fragen  ...  S. 56
5.1.1 Leitfragen an die Hauptstadtkorrespondenten von Printmedien  ...  S. 57
5.1.2 Leitfragen an die Bundestagsabgeordneten  ...  S. 58
5.1.3 Leitfragen an die Politikvermittlungsexperten  ...  S. 58
5.2 Erhebungsmethode, Stichprobe und Vorgehen  ...  S. 58
5.2.1 Konzeption der Leitfäden  ...  S. 59
5.2.2 Auswahl der Gesprächspartner und Profil der Befragten  ...  S. 59
5.2.3 Durchführung der Interviews  ...  S. 63
5.2.4 Methodisches Auswerten – Die qualitative Inhaltsanalyse  ...  S. 64

6 Darstellung der Ergebnisse: Berliner Beziehungsgeflechte. Zum Verhältnis von Politikern, Politikvermittlungsexperten und Hauptstadtkorrespondenten von Printmedien  ...  S. 65
6.1 Berufliches Selbstverständnis bzw. Bedeutung von Pressearbeit für Politiker und deren Einstellung zu Pressearbeit  ...  S. 65
6.1.1 Berufliches Selbstverständnis der Hauptstadtkorrespondenten  ...  S. 66
6.1.2 Einstellung der Politiker zur Pressearbeit  ...  S. 67
6.1.3 Berufliches Selbstverständnis der Politikvermittlungsexperten  ...  S. 69
6.1.4 Zwischenfazit  ...  S. 71
6.2 Interaktionsbedingungen und -muster  ...  S. 72
6.2.1 Interaktionsbedingungen und -muster zwischen Hauptstadtkorrespondenten und Politikern  ...  S. 72
6.2.2 Interaktionsbedingungen und -muster zwischen Hauptstadtkorrespondenten und Politikvermittlungsexperten  ...  S. 75
6.2.3 Interaktionsbedingungen und -muster zwischen Politikvermittlungsexperten und Politikern  ...  S. 77
6.2.4 Zwischenfazit  ...  S. 79
6.3 Fremdbilder (vermutete Erwartungen der anderen)  ...  S. 80
6.3.1 Hauptstadtkorrespondenten: Vermutete Erwartungen von Politikern und Politikvermittlungsexperten  ...  S. 80
6.3.2 Politiker: Vermutete Erwartungen von Hauptstadtkorrespondenten und Politikvermittlungsexperten  ...  S. 82
6.3.3 Politikervermittlungsexperten: Vermutete Erwartungen von Politikern und Hauptstadtkorrespondenten  ...  S. 85
6.4 Erwartungen an die anderen Akteure  ...  S. 88
6.4.1 Gegenseitige Erwartungen von Politikern und Hauptstadtkorrespondenten  ...  S. 88
6.4.2 Gegenseitige Erwartungen von Hauptstadtkorrespondenten und Politikvermittlungsexperten  ...  S. 90
6.4.3 Gegenseitige Erwartungen von Politikvermittlungsexperten und Politikern  ...  S. 91
6.4.4 Zwischenfazit  ...  S. 92
6.5 Beschreibung des Verhältnisses zwischen den Akteuren aus Sicht der Befragten  ...  S. 94
6.5.1 Politiker und Hauptstadtkorrespondenten: Beschreibung des Verhältnisses zueinander  ...  S. 94
6.5.2 Hauptstadtkorrespondenten und Politikvermittlungsexperten: Beschreibung des Verhältnisses zueinander  ...  S. 96
6.5.3 Politikvermittlungsexperten und Politiker: Beschreibung des Verhältnisses zueinander  ...  S. 97
6.5.4 Zwischenfazit  ...  S. 97
6.6 Probleme und Konflikte zwischen Hauptstadtkorrespondenten und politischen Akteuren  ...  S. 98
6.6.1 Hauptstadtkorrespondenten: Probleme und Konflikte im Verhältnis zu Politikern und Politikvermittlungsexperten  ...  S. 98
6.6.2 Politiker und Politikvermittlungsexperten: Probleme und Konflikte im Verhältnis zu Hauptstadtkorrespondenten  ...  S. 101
6.6.3 Zwischenfazit  ...  S. 103
6.7 Beurteilung der Einflussverhältnisse zwischen Politik und Medien  ...  S. 103
6.7.1 Hauptstadtkorrespondenten: Beurteilung der Einflussverhältnisse zwischen Politik und Medien  ...  S. 104
6.7.2 Politiker und Politikvermittlungsexperten: Beurteilung der Einflussverhältnisse zwischen Politik und Medien  ...  S. 105
6.7.3 Zwischenfazit  ...  S. 108

7 Schlussbetrachtungen  ...  S. 109

8 Literaturverzeichnis  ...  S. 111

9 Audiovisuelle Quellen und Audioquellen  ...  S. 124

Anhang 1: Anschreiben  ...  S. 125
Anhang 2: Interviewleitfaden Hauptstadtkorrespondenten  ...  S. 126
Anhang 3: Interviewleitfaden Politiker  ...  S. 130
Anhang 4: Interviewleitfaden Politikvermittlungsexperten  ...  S. 133
Anhang 5: Transkriptionsregeln und transkribierte Interviews  ...  S. 136
Anhang 6: Abbildungs- und Tabellenverzeichnis  ...  S. 137
Anhang 7: Abkürzungsverzeichnis und Hinweise  ...  S. 138

 

1 Einleitung

Der Kanzler war zu fast schon erwartungsgemäßer Hochform aufgelaufen. Eine schmeichelnde Bemerkung hier, eine mit Augenzwinkern vorgetragene Rüge dort – und alle, anwesende Journalisten wie auch Gerhard Schröder, fanden die Debatte irgendwie... munter. So drückte es der Bundeskanzler selbst aus, nachdem die Podiumsdiskussion zwischen ihm und Vertretern der Magazine DER SPIEGEL und stern zu Ende gegangen war. Man hatte sich unter gleichlautendem Titel über Die Rolle der Medien (vgl. Leinemann/Jürgs 2003) im politischen Prozess ausgetauscht, gegenseitige Wahrnehmungsmuster offen angesprochen und regelmäßiges Gelächter verzeichnen können (vgl. ebd.). Alle Teilnehmer und Besucher machten den Eindruck, rundum zufrieden zu sein. Mittendrin der Kanzler, dessen ins NDR-Mikrofon gesprochenes und in die Blöcke der schreibenden Journalisten diktiertes Wort vom „munter[en]“ (ebd.: 102) Gespräch mit kaum milderem Lächeln hätte versehen werden können (vgl. N.N. 2003x1).

So fröhlich die Diskussion auch zu sein schien: Einen Zeitpunkt gab es, an dem Gerhard Schröder seine staatsmännische Miene aufsetzte und ernst wurde. Wie er denn seine Beziehung zu Journalisten charakterisieren würde, war Deutschlands mächtigster Politiker da gefragt worden. „Ich würde mein Verhältnis zu Journalismus als ein Arbeitsverhältnis beschreiben, bei dem jede Seite weiß, dass man aufeinander angewiesen ist“ (zit. n. Leinemann/Jürgs 2003: 90), gab er zur Antwort. Und es hatte den Anschein, als sei der Bundeskanzler, den zu dessen eigenem Ärgernis (vgl. Gaus 2003x) nicht wenige bereits zum „Medienkanzler“ (Meng 2002) ausgerufen haben, an dieser Stelle nachdrücklich darum bemüht, betont sachlich zu formulieren. Tunlichst keine Gedanken an allerlei denkwürdige Geschichten aufkommen lassen, die allzu leicht daran erinnern könnten, dass Schröder das Spiel mit den Medien liebt und eine „Offenheit gegenüber Journalismus“ (zit. n. Gaus 2003x) pflegt.

An jene vergleichsweise harmlose Anekdote zum Beispiel, als sich Herausforderer Schröder im Wahlkampf 1998 während eines Abstechers in die amerikanische Hauptstadt Washington vor dem begleitenden Journalisten- Tross aufbaute und es ihm gelang, alle zu animieren, unter seinem Dirigat Ehefrau Doris – ehemals selbst Journalistin – übers Handy ein Geburtstagsständchen darzubringen (vgl. Niejahr/Pörtner 2002: 69). Kein Gedanke auch daran, dass Schröder zeitweise sogar dazu übergegangen war, engsten Berater aus den Reihen einzelner Chefredaktionen – beispielsweise jener einer heute nicht mehr existierenden Wochenzeitung – zu rekrutieren. Als bloßes Arbeitsverhältnis jedenfalls ist dies kaum zu deuten, und die Reihe der Vorkommnisse, bei denen nicht nur der Kanzler, sondern auch übrige Politiker und Journalisten eine zumindest frag- und untersuchungswürdige Liaison eingingen und dies weiterhin tun, ließe sich fast beliebig fortsetzen.
Schröder als Parsprototo, als Symptom der fortschreitenden Annäherungen von Politik und Medien? Beide scheinen sich zu brauchen, sich gegenseitig anzuziehen und gleichzeitig regelrecht abzustoßen, wie zahlreiche Skandale, die durch Journalisten aufgedeckt wurden, aber auch kolportierte, mutmaßliche Äußerungen von Regierungsmitgliedern wie jene Joschka Fischers, Journalisten seien nichts anderes als „Fünf-Mark- Nutten“ (zit. n. Mertes 2001: 65), belegen. Im Berliner Regierungsviertel, wo die Akteure der Bundespolitik und der Presse unmittelbar aufeinander treffen, wird das ambivalente Verhältnis, das beide Gruppen zu pflegen scheinen, gleichsam spürbar: Eben noch rauschen Spitzenpolitiker, aber auch einfache Abgeordnete wortlos an den Presseleuten vorbei, wimmeln Fragen mit gönnerhaften Gesten ab; später sitzen dieselben Politiker mit denselben Journalisten, die zuvor kaum eines Blickes gewürdigt wurden, vorgeblich einträchtig in den Cafés rund um das Haus der Bundespressekonferenz oder die Abgeordnetenbüros zusammen und tauschen sich im Gespräch aus.

Ob dabei Diskretion oder Geschwätzigkeit überwiegt? Will man jedenfalls im Bild bleiben, das BILD-Chefredakteur Kai Diekmann zeichnet, indem er das tägliche Geschäft der Hauptstadtkorrespondenten als „journalistische[n] und politische[n] Teppichhandel“ (zit. n. Koelbl 2001: 112) darstellt, so gleicht der Berliner Gendarmenmarkt zeitweilig einem Basar. Auf ihm scheint es trotz des möglicherweise vorhandenen und von außen kaum zu beurteilenden Bemühens um Diskretion nicht zuletzt auch deswegen manchmal turbulent zuzugehen, weil noch eine dritte Akteursgruppe mitmischt, die in Diensten der Politik steht und deren Profession es ist, ein wachsames Auge auf die abgewickelten Geschäfte zu werfen: Experten der Politikvermittlung, die sich darauf verstehen müssen, das Bestmögliche für ihre Auftraggeber aus der Politik herauszuschlagen und gleichzeitig deren Geschäftspartner, die Journalisten, nicht zu verärgern, um aus beider Mund ein Gerne wieder! vernehmen zu dürfen. Wie auf seinem orientalischen Abbild in Marrakesch oder anderswo geht unter Umständen aber auch in Berlin nicht jedes Geschäft glatt und im Einvernehmen aller über die Bühne. Daraus ließe sich ableiten, dass in allen drei Gruppen raffinierte und weniger geschickte Händler anzutreffen sind. Die ganz menschlichen Folgen wären dann – außer den intensiven Kontakten auf der Grundlage zufrieden stellender Geschäftsbeziehungen – zeitweilig zu verzeichnende Probleme, Kränkungen oder auch verbaler und schriftlicher Schlagabtausch.

1.1 Erkenntnisinteresse 

All diese denkbaren Handlungen vollziehen sich vor dem Hintergrund einer sich stetig komplexer gestaltenden – auch politischen – Landschaft. Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft hat dazu geführt, dass sich den Bürgern Geschehnisse des politischen Bereichs im Wesentlichen medienvermittelt präsentieren. Die Ansichten, die Menschen zu Fragen politischen Belangs entwickeln, speisen sich in der Hauptsache aus denjenigen Informationen, die den Filter des journalistischen Bereichs durchlaufen haben und sie durch Fernsehen, Hörfunk, Zeitungen, Zeitschriften oder Internet erreichen. Wenn Luhmann festhält, dass wir alles, was wir über unsere Gesellschaft, also auch über Politik, wissen, durch die Massenmedien wissen (vgl. 2004: 9), gewinnt die Kommunikation auf dem oben hypothetisch entworfenen politischen Basar eine allgemeine, öffentliche Bedeutung. Sie gilt es demnach ebenso wissenschaftlich zu ergründen – und dies auch, zumal die Vielzahl der hierzu ausgearbeiteten, meist makroanalytischen Analysen nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass sich die tatsächlichen Kommunikationsprozesse zwischen Politik und Medien sowie damit verbundene Erwartungen und Einstellungen der Akteure dem Blick der Öffentlichkeit fast immer entziehen.

1.2 Fragestellung 

Die vorliegende Arbeit macht es sich zum Ziel, das einleitend auf der Basis begründeter Vermutungen skizzierte Verhältnis zwischen Politikern, Politikvermittlungsexperten und Hauptstadtkorrespondenten von Printmedien zu beschreiben. Ohne Gefahr zu laufen, Vorfestlegungen bezüglich des Verhältnisses der beteiligten Akteure zu treffen, steht die allgemein gehaltene Frage im Vordergrund, wie sich das Beziehungsgeflecht zwischen den drei Akteursgruppen gestaltet. In diesem Zusammenhang ist von Interesse, welches Selbstverständnis sie ihrer Tätigkeit zugrunde legen, welche Interaktionsmuster zwischen den handelnden Personen konkret gestaltet, welche Hintergedanken hierbei eine Rolle spielen, welche Erwartungen sie an die jeweils anderen hegen, wie sie die Arbeit der mit ihnen in Kontakt tretenden Akteure wahrnehmen, ob und welche Probleme sich aus der Interaktion ergeben und wie sie die Einflussverhältnisse zwischen Politik und Medien einschätzen.

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