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Das Politikverständnis von Hannah Arendt

Termpaper, 2004, 18 Pages
Author: Friedrich Bielfeldt
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V35095
ISBN (E-book): 978-3-638-35126-3
ISBN (Book): 978-3-638-95360-3
File size: 178 KB
Notes :
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem politischen Verständnis von Hannah Arendt unter besonderer Berücksichtigung ihrer Totalitarismus-Studie.


Abstract

Hannah Arendt ist sicher eine bedeutende Philosophin des 20. Jahrhunderts, bei der persönliche Erfahrungen und philosophisches Denken eine unauflösliche Symbiose eingegangen sind. Nicht nur ihre Erfahrungen des Exils, in welches sie als Jüdin während des III. Reiches gehen musste, sondern auch ihre ambivalente Beziehung zu ihrem Mentor, Lehrer und zeitweiligen ‚Lebensgefährten’ Martin Heidegger aus der Marburger Zeit, sowie ihre Lehrzeit bei Karl Jaspers in Heidelberg, bei dem sie über den Heiligen Augustinus promovierte, wirkten stark und bleibend in ihrer Philosophie und ihrer politischen Theorie nach. Ihre bahnbrechende Studie „Elemente und Ursprung totalitärer Herrschaft“ von 1951 mit seinen Abhandlungen über Antisemitismus sind beispielhaft dafür, genauso wie ihr Prozessbericht „Eichmann in Jerusalem“ von 1965, der hier jedoch nicht behandelt soll, ebenso wie die Ausführungen zum Antisemitismus in der Totalitarismus-Studie. Die rechtsphilosophischen und verfassungstheoretischen Dimensionen von Hannah Arendts Werk sollen in dieser Hausarbeit Gegenstand der Betrachtung sein und im Spiegel des 20. Jahrhunderts erörtert werden.


Excerpt (computer-generated)

Das Politikverständnis von Hannah Arendt

von: Friedrich Bielfeldt

 


Inhalt

1. Hannah Arendt im Spiegel der Zeit I  2

2. Hannah Arendts Biographie 2

3. Hannah Arendts Politische Theorie  4

3.1. Politik als Pluralität  4
3.2. Politik als Freiheit  5
3.3. Die Republik 7

4. Der Totalitarismus und seine Folgen 8

4.1. Totalitäre Herrschaft versus Freiheit  9

4.1.1. Die Entstehung des Totalitarismus 9
4.1.2. Totalitäre Machtergreifung 10
4.1.3. Das neue Element am Totalitarismus  11

4.2. Die Vorurteile gegen Politik 12

5. Hannah Arendt im Spiegel der Zeit II  13

6. Literaturverzeichnis 15
 


 

1. Hannah Arendt im Spiegel der Zeit I

Hannah Arendt ist sicher eine bedeutende Philosophin des 20. Jahrhunderts, bei der persönliche Erfahrungen und philosophisches Denken eine unauflösliche Symbiose eingegangen sind. Nicht nur ihre Erfahrungen des Exils, in welches sie als Jüdin während des III. Reiches gehen musste, sondern auch ihre ambivalente Beziehung zu ihrem Mentor, Lehrer und zeitweiligen ‚Lebensgefährten’ Martin Heidegger aus der Marburger Zeit, sowie ihre Lehrzeit bei Karl Jaspers in Heidelberg, bei dem sie über den Heiligen Augustinus promovierte, wirkten stark und bleibend in ihrer Philosophie und ihrer politischen Theorie nach. Ihre bahnbrechende Studie „Elemente und Ursprung totalitärer Herrschaft“ von 1951 mit seinen Abhandlungen über Antisemitismus sind beispielhaft dafür, genauso wie ihr Prozessbericht „Eichmann in Jerusalem“ von 1965, der hier jedoch nicht behandelt soll, ebenso wie die Ausführungen zum Antisemitismus in der Totalitarismus-Studie. Die rechtsphilosophischen und verfassungstheoretischen Dimensionen von H. Arendts Werk sollen in dieser Hausarbeit Gegenstand der Betrachtung sein und im Spiegel des 20. Jahrhunderts bzw. der westlichen Demokratien erörtert werden.

2. Hannah Arendts Biographie

Um die im Anschluss vorgestellten Theorien H. Arendts besser zu verstehen, könnte an dieser Stelle ein Streifzug durch ihre Biographie hilfreich sein. H. Arendt wird am 14. Oktober 1906 in Hannover als Tochter wohlhabender jüdischer Eltern geboren und wächst in einem großbürgerlichen, idealistisch und romantisch geprägten Milieu auf.

1924 macht sie ihr Abitur und geht im selben Jahr nach Marburg, um dort bei Martin Heidegger Philosophie und bei Rudolf Bultmann Theologie zu studieren. Mit dem 15 Jahre älteren Martin Heidegger verbindet sie bald eine unglückliche Liebesbeziehung, die unter strenger Verschwiegenheit und mit Unterbrechungen bis 1928 dauert, zumal Martin Heidegger verheiratet ist und zwei Kinder hat. H. Arendt wird später neben Herbert Marcuse, einem der Mitbegründer der Frankfurter Schule, sowie Hans-Georg Gadamer, dem Schüler Heideggers und Begründer der philosophischen Hermeneutik, zu Martin Heideggers größten Bewunderern gehören, die in erster Linie auf Grundlage seines epochalen Werkes „Sein und Zeit“ von 1928 zu verstehen ist, welches starken Einfluss auch auf Leute wie Theodor W. Adorno und Max Horckheimer hatte.

Aus Martin Heideggers Begriff der ‚Wahrheit’ (aletheía), als dasjenige, was sich dem unverstellten Blick zeigt und dann offen zutage liegt, hat Hannah Arendt später den politischen Begriff der ‚Öffentlichkeit’ und der ‚öffentlichen Macht’ abgeleitet.1 1926 verlässt H. Arendt Marburg und wechselt nach Heidelberg, um ihr Studium bei Karl Jaspers mit einer Dissertation über den heiligen Augustinus zu beenden. Der Grund ihres Wechsels ist Martin Heidegger, dem sie 25 Jahre später in einem Brief gesteht: „I left Marburg exclusively because of you.“2 1926 heiratet sie den Publizisten Günter Stern (Pseudonym: Günter Anders), zu dessen Hauptwerk sicher „Die Antiquiertheit des Menschen“ zählt. Im Juli 1933 wird H. Arendt von der Gestapo verhaftet, jedoch nach einer Woche wieder freigelassen, bevor sie im August 1933 beschließt, ins Exil zu gehen, nicht zuletzt, weil sie mit ansehen muss, wie schnell ihr nahe stehende Menschen wie Martin Heidegger, aber auch ihr ehemaliger Studienkollege Benno von Wiese, den Nationalsozialismus verkennen und eine Zeitlang als Chance eines Neuanfangs fehlinterpretieren.

Über Prag, Genua und Genf kommt sie nach Paris, wo sie neben Walter Benjamin auch ihren späteren zweiten Ehemann, den damaligen Kommunisten Heinrich Blücher, kennen lernt. Sie heiratet ihn 1937 im Jahr der Scheidung von Günter Stern und der Aberkennung ihrer deutschen Staatsbürgerschaft. 1941 wird sie als ‚feindliche Ausländerin’ in ein Konzentrationslager an der französisch-spanischen Grenze deportiert, das sie fünf Wochen später in den Wirren der Kapitulation Frankreichs und mit Hilfe ihres Mannes wieder verlassen kann. H. Arendt flieht daraufhin mit ihrem Mann und ihrer Mutter im Mai 1941 über Lissabon nach New York, wo sie die amerikanische Staatsbürgerschaft annimmt. Sie arbeitet dort als Lektorin und freie Schriftstellerin, sie unterrichtet als Privat- Dozentin Politische Theorie in Berkley, Princeton und Harvard, und seit 1963 als Professorin an der Universität in Chicago sowie ab 1967 an der New School for Social Research in New York.

Am 04. Dezember 1975 verstirbt H. Arendt in New York an einem Herzinfarkt. 1951 erscheint ihre bereits erwähnte Totalitarismus-Studie im direkten Umfeld des McCarthyismus mit seiner fast schon wahnhaften Kommunistenverfolgung. In den 1950er Jahren trifft H. Arendt mehrfach Martin Heidegger in Freiburg wieder und erhält den Kontakt zu ihm aufrecht. Aller Wut über Martin Heideggers politische Vergangenheit zum Trotz verhält sie sich ihm gegenüber loyal, und sie rechtfertigt sein Verhalten der beginnenden 1930er Jahre öffentlich als ‚Irrtum’, der sich ohne Probleme in eine Reihe vieler ‚Irrtümer’ großer Geister seit Platon einreihen und sich mit dem Begriff „déformation professionelle“ belegen ließe.3 Weitere wichtige Daten sind ihre Laudatio auf Karl Jaspers zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in Frankfurt/ Main 1958, die Verleihung des Lessing-Preises der Stadt Hamburg 1959 sowie die Verleihung des Sigmund Freud-Preises der Deutschen Akademie für Sprache und Bildung 1967.

3. Hannah Arendts Politische Theorie

[...]


1 In: H. Brunckhorst, 1999; aus: H. Arendt „Einführung in die Politik“, Manuskript, 1967, S. 12 ff.

2 In: H. Brunckhorst, 1999; aus: E. Ettinger „Hannah Arendt. Martin Heidegger“,1995, S. 20.

3 In: H. Arendt, 1989, S. 177 f.


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