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Termpaper, 2004, 21 Pages
Author: Natalie Buch
Subject: Film Science
Details
Tags: Bühne, Filmen, Stanley, Kubrick
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35177-5
ISBN (Book): 978-3-638-80215-4
File size: 185 KB
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Abstract
„Die meisten Filme sind wirklich kaum mehr als Bühnenstücke mit mehr Atmosphäre und Handlung.“ Stanley Kubrick selbst hat diesen Vergleich gebracht und damit vielleicht ziemlich radikal geurteilt. In jedem Fall ist die strukturelle Verwandtschaft zwischen Film und Theater nicht zu leugnen und immer wieder deutlich erkennbar - auf beiden Seiten. Was das Werk Stanley Kubricks betrifft, so ist seinen Kritikern, bewundernd oder ablehnend, eines aufgefallen: In manchen Momenten beschleicht den Zuschauer das Gefühl, er sehe keinen Film, sondern eben Theater. Wodurch entsteht dieser Eindruck? Alle Filme Kubricks enthalten theatralische, oder besser gesagt bühnenartige Elemente. Diese sind zum Teil sehr deutlich, wie Kostüme oder die Verwendung einer realen Bühne. In anderen Szenen verfolgen Akteure als Zuschauer ein Geschehen, sogar ein Schauspiel in ihrer Mitte. Diese imaginäre Bühne findet sich in Kubricks Œuvre ebenso häufig wie die sogenannte symbolische Bühne, die Kubrick durch subtile Mittel wie Kamera und Montage, Licht und Sprache entstehen läßt. Die Arbeit beginnt mit einem Exkurs über Voyeurismus bei Kubrick, da Voyeurismus ein zentrales Thema in vielen seiner Filme ist, aber auch in seiner Art und Weise, diese zu drehen. „Im Kino nämlich dürfen wir gesellschaftlich ungestraft unserem Voyeurismus frönen und uns an der Darstellung von Erotik und Gewalt erfreuen“, sagt Kay Kirchmann. Dies macht sich Stanley Kubrick auf seine eigene Art und Weise zunutze.
Excerpt (computer-generated)
Johann- Wolfgang- Goethe- Universität Frankfurt
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften
Seminar: Theaterraum/ Kinoraum: Stanley Kubrick und andere
Die Bühne in Filmen von Stanley Kubrick
von: Natalie Buch
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exkurs: Voyeurismus bei Kubrick
3. Die Bühne
3.1. Die reale Bühne
3.2. Die imaginäre Bühne
4. Die „symbolische Bühne“
4.1. Motorik, Musik und Performance
4.2. Kamera und Montage
4.3. Verkleidung, Schminke, Maske
4.4. Licht
4.5. Sprache
5. Fazit
6. Literaturangaben
1. Einleitung
„Die meisten Filme sind wirklich kaum mehr als Bühnenstücke mit mehr Atmosphäre und Handlung.“1
Stanley Kubrick selbst hat diesen Vergleich gebracht und damit vielleicht ziemlich radikal geurteilt. In jedem Fall ist die „strukturelle[n] Verwandtschaft“2 zwischen Film und Theater natürlich nicht zu leugnen und immer wieder deutlich erkennbar - auf beiden Seiten. Was das Werk Stanley Kubricks betrifft, so ist vielen Kritikern, bewundernd oder ablehnend, aufgefallen, was auch ich persönlich beim Schauen von seinen Filmen bemerkt habe: In manchen Momenten beschleicht einen das Gefühl, man sehe keinen Film, sondern eben Theater. Wodurch entsteht dieser Eindruck?
„Kubricks LOLITA ist wahrhaft eine ‘Aufführung’“3, so Georg Seesslen und Fernand Jung in ihrem Buch Stanley Kubrick und seine Filme. Doch nicht nur LOLITA (1962) erinnert zuweilen an ein Bühnenstück, gerade BARRY LYNDON (1975) erweckt oftmals den Eindruck, eher auf eine Bühne zu gehören, denn auf eine Leinwand, was durch unterschiedliche Elemente zustande kommt, von denen das augenscheinlichste natürlich die Kostüme sind, aber nicht das einzige. Meiner Meinung nach enthalten alle Filme Kubricks theatralische, oder besser gesagt bühnenartige Elemente. Diese sind zum Teil sehr deutlich, wenn eine richtige Bühne verwendet wird, wofür ich einige Beispiele unter Punkt 3.1. nennen werde. In anderen Szenen ist zwar keine reale Bühne im Sinne eines Podiums vorhanden, aber Zuschauer verfolgen ein Geschehen, sogar ein Schauspiel in ihrer Mitte. Dies möchte ich als imaginäre Bühne bezeichnen und unter Punkt 3.2. vorstellen.
Die dritte Art der in Kubricks Filmen vorkommenden Bühne nenne ich symbolische Bühne. Hierzu möchte ich unter Punkt 4. einige subtilere Mittel aufführen, die benutzt werden, um den Eindruck eines Theaterstückes entstehen zu lassen, so zum Beispiel Kamera und Montage, das Licht oder die Sprache. Ich beginne meine Hausarbeit mit einem kurzen Exkurs über Voyeurismus bei Kubrick, denn ich halte Voyeurismus für ein zentrales Thema in vielen seiner Filme, aber auch in der Art, diese zu drehen. „Im Kino nämlich dürfen wir gesellschaftlich ungestraft unserem Voyeurismus frönen und uns an der Darstellung von Erotik und Gewalt erfreuen.“4 Dies macht sich Stanley Kubrick auf seine eigene Art und Weise zunutze.
2. Exkurs: Voyeurismus bei Kubrick
Laut Duden versteht man unter einem Voyeur jemanden, „der durch [heimliches] Zuschauen bei sexuellen Handlungen anderer Lust empfindet.“5 Stanley Kubrick wird zuweilen als solcher bezeichnet und in allen seinen Filmen finden sich immer wieder Beispiele für Voyeurismus. Als Auffälligstes ist hier natürlich die Orgie in EYES WIDE SHUT (1999) zu nennen, bei der Hunderte von Menschen in Masken anderen beim Geschlechtsverkehr zusehen. Schon in SPARTACUS (1960) aber möchte die römische Gesellschaft den Sklaven nicht nur beim Kampf in der Arena zuschauen, sondern auch in der Gladiatorenschule und schließlich beim Sex. Spartacus’ Reaktion darauf, sein Ausruf: “Wir sind keine Tiere“, lässt Georg Seesslen und Fernand Jung den Begriff des Menschenzoos einführen.6 Dies meint, dass Menschen in Kubricks Filmen andere Menschen gerne beobachten, besonders wenn diese eingesperrt sind, oder sich zumindest an einem zentralen Ort in der Mitte der Zuschauer befinden - auf dem Präsentierteller sozusagen, oder eben auf einer Bühne. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf sexuelle Handlungen, sondern ebenso auf Gewalt. Denn auch gewalttätige Handlungen, wie beispielsweise die Duelle in BARRY LYNDON, finden vor den Augen von Zuschauern statt.
In A CLOCKWORK ORANGE (1972) findet sich die Kombination aus beidem, wenn Alex Mr. Alexander zwingt, bei der Vergewaltigung seiner eigenen Frau zuzusehen, und ihm dabei noch „Viel Spaß“ wünscht. Dadurch, dass er hier aber direkt in die Kamera spricht, wünscht er die gute Unterhaltung nicht nur dem Mann des Opfers, sondern auch direkt dem Publikum. Und genauso wenig wie Mr. Alexander sehen wir weg. Auf diese Szene werde ich unter verschiedenen Punkten genauer eingehen, da sie mir im Zusammenhang mit meinem Thema der Bühne eine der wichtigsten in Kubricks gesamtem Werk zu sein scheint.
Bezeichnend finde ich, dass schon Kubricks erster Film, eine Dokumentation mit dem Titel DAY OF THE FIGHT (1951), von einem Boxer handelt und diesen unter anderem im Ring zeigt, wo er vor Zuschauern kämpft. Auch Davy Gordon, Hauptfigur in Kubricks zweitem Spielfilm KILLER’S KISS (1955), ist ein Boxer, dessen Kämpfe von anderen Menschen mit Genuß betrachtet werden. Doch nicht nur das, Davy ist auch Voyeur, denn er beobachtet Gloria durchs Fenster. Und mit ihm, weil wir ebenso hinschauen, wird wiederum das ganze Kinopublikum zu Voyeuren. Stanley Kubrick zeigt seine Figuren häufig durch den Blick anderer, vor allem aber auch im Blick anderer. Und dazu stellt er sie gerne auf eine Bühne, damit sie für jeden gut sichtbar sind, für die anderen Figuren im Film, sowie für das Publikum vor der Leinwand. Das muss nicht immer so augenscheinlich geschehen, wie wenn eine reale Bühne aufgebaut ist, auf der Handlungen stattfinden, sondern kann auch durch eine imaginäre Bühne entstehen, wie ich zeigen werde.
[...]
1 Stanley Kubrick zitiert nach Ciment, Michel: Kubrick. München 1982, S. 188
2 Monaco, James: Film verstehen. Hamburg 1980, S. 52
3 Seesslen, Georg/ Jung, Fernand: Stanley Kubrick und seine Filme, Marburg 1999, S. 136
4 Kirchmann, Kay: Stanley Kubrick - Das Schweigen der Bilder. Marburg 2001, S. 154
5 Dudenredaktion (Hg.): Duden. Fremdwörterbuch. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Mannheim 2001
6 vgl. Seesslen, Georg/ Jung, Fernand: Stanley Kubrick und seine Filme, Marburg 1999, S. 61
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