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Impulse der Erlebnispädagogik für eine ökosystemische Heilpädagogik

Termpaper, 2004, 24 Pages
Author: Heike Kellner-Rauch
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 24
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 40  Entries
Language: German
Archive No.: V35194
ISBN (E-book): 978-3-638-35188-1
ISBN (Book): 978-3-640-44221-8
File size: 225 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter Beispiele aus der Literatur das gegenwärtige kulturelle Selbstverständnis Kanadas. Hierzu werden die Romane Der lange Traum von Margaret Atwood, In der Haut eines Löwen von Michael Ondaatje und Fort von Jane Urquhart auf ihre Hauptthemen und Botschaften hin analysiert. Als Hinführung zu dieser Analyse wird im ersten Teil der Arbeit ein Überblick über die his-torisch-kulturelle Entwicklung Kanadas – beginnend im 16. Jahrhundert – gegeben. Der Entwurf eines Ausstellungsprojektes zum Thema „Kanada“, der sowohl eine Auswahl an Titeln zu Geographie, Gesellschaft und Politik dieses Landes, als auch an aktueller kanadischer Belletristik enthält, dient als Ergänzung zu dieser Untersuchung. Abgerundet wird die Arbeit durch ein Interview mit Astrid Holzamer, der Kulturreferentin der kanadischen Botschaft in Deutschland. This diploma thesis examines Canada’s contemporary cultural self-perception based on selected examples of literature. The novels Surfacing by Margaret Atwood, In the Skin of a Lion by Michael Ondaatje and Away by Jane Urquhart are analysed for their main themes and messages. As an introduction to this analysis, the first part of the thesis gives a summary of the historical and cultural development of Canada starting in the 16th century. The study is supplemented by an outline for a display on the topic “Canada”, containing a selection of titles relating to Canadian geography, society, politics and contemporary fiction. The thesis is completed by an interview with Astrid Holzamer who is the cultural attachée of the Canadian embassy in Germany.


Excerpt (computer-generated)

Impulse der Erlebnispädagogik für
eine ökosystemische Heilpädagogik

von : Heike Kellner-Rauch

 


Gliederung

1 Darlegung des Fragehorizonts und des Erkenntnisinteresses 4

2 Darstellung der Grundlagen und Lernmodelle der Erlebnispädagogik 4

2.1 Was ist Erlebnispädagogik? 4
2.2 Lernen im Konzept der Erlebnispädagogik 5
2.2.1 Wie ist Lernen in den Konzepten der Erlebnispädagogik charakterisiert? 5
2.2.2 Welche Ziele verfolgt Erlebnispädagogik? 7
2.2.3 Lern- und Wirkungsmodelle der Erlebnispädagogik 9

3 Anthropologischen Grundannahmen in der Heil- und der Erlebnispädagogik 11

3.1 Warum überhaupt die Frage nach der Anthropologie? 11
3.2 Die Grundannahmen einer ökologisch orientierten Heilpädagogik 11
3.2.1 Ein Wort zuvor: Warum Specks Darlegungen? 12
3.2.2 Die anthropologischen Grundaussagen Specks in Thesenform 12
3.3 Die anthropologischen Grundannahmen der Erlebnispädagogik 15
3.4 Schlussfolgerungen 17

4 Erlebnispädagogische Arbeit in heilpädagogischen Feldern – Welche Impulse hat die Erlebnispädagogik für die Heilpädagogik? 18

5 Zusammenfassung 21

6 Literatur 23

 


1 Darlegung des Fragehorizonts und des Erkenntnisinteresses

In meiner beruflichen Praxis bin ich auf der Suche nach einen (didaktischen) Konzept, das hilft meinen Anspruch bei Jugendlichen „Stärken zu stärken“ umzusetzen. Über verschiedene „Zufälle“ bin ich in Kontakt mit Methoden der Erlebnispädagogik gekommen, die in mir eine Ahnung geweckt haben, wie Lernen (und Lehren) funktionieren kann, das wirklich an den Voraussetzungen des Einzelnen ansetzt, das mit Stärken arbeitet und vermittelt, dass das Risiko Leben gewagt werden kann – trotz aller Fragezeichen und Schwierigkeiten. Besonders anziehend ist für mich dabei die Abkehr von rein kognitiven Vermittlungsformen hin zu einem Einbezug des Körpers in den Lernprozess. Eine Begründung dieser Ahnungen und Eindrücke fehlt mir bislang und lässt sich in der erlebnispädagogischen Literatur auch nur bruchstückhaft finden. Ein anderer Zugang zu diesem Thema verläuft über das Studium des Studienbriefs von Otto Speck 1994. Das dargelegte Konzept einer Pädagogik, die auf die Lebenszusammenhänge schaut und die die Spannungsverhältnisse zwischen Individuum und Umwelt wahrnimmt, die den Menschen als Person betrachtet und nicht etikettiert beeindruckt mich, besonders das Wortbild des „heimisch werdens“: Pädagogik kann helfen, dass ein Mensch bei sich selbst zu Hause ist – und so Leben gelingen kann. Die von mir wahrgenommene Nähe von Erlebnispädagogik und ökosystemischer Heilpädagogik ist der Ausgangspunkt dieser Arbeit. Sie soll klären, welche Ziele mit erlebnispädagogischen Arbeitsweisen erreicht werden können, welche Annahmen von dem, was der Mensch ist, mit diesen Methoden und Arbeitsprinzipien vermittelt werden, und wie Lernen in erlebnispädagogischer Konzeption „funktioniert“. Diese Klärung möchte ich zum einen der heilpädagogischen Anthropologie Specks gegenüber stellen und zum anderen nach konkreten Impulsen der Erlebnispädagogik für heilpädagogische Handlungsfelder fragen.

2 Darstellung der Grundlagen und Lernmodelle der Erlebnispädagogik

2.1 Was ist Erlebnispädagogik?

Die moderne Erlebnispädagogik (ein Rückblick auf den „geistigen Vater“ Kurt Hahn findet sich z.B. bei Heckmair/Michl 1993, S. 17f) kann ein wachstumsorientiertes Konzept für selbstorganisiertes, ganzheitliches, erlebnisorientiertes und handlungsorientiertes Lernen vorlegen (vgl. Reiners 2003, S. 12; Gilsdorf 1999a; siehe auch die Definitionsversuche von Heckmair/Michl; Senninger; u.a). Dieses Konzept ist kein einheitliches, theoretisch gegründetes didaktisches Modell; mehr ein Praxismodell mit gemeinsamen Zielhorizont und Methoden und vielfältigen Ausdrucksformen. Gemeinsam ist auch der Anspruch „Kopf, Herz und Hand“ im Lernprozess gleichberechtigt zu fordern und zu fördern. Eine wichtige Rolle spielen psychische, physische und soziale Herausforderungen. Ziel ist die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und die Befähigung zur verantwortlichen Gestaltung der Lebenswelt. Eine besondere Rolle spielt das Soziale Lernen, so zielen erlebnispädagogische Aktionen meist auf Gruppen ab. Im Mittelpunkt steht jedoch immer das subjektive und intensive Erleben des Einzelnen mit sich selbst und den anderen: "Erlebnisse sind (...) Ausgangssituation für ein selbstbewusstes Lernen. Nur wenn Erlebnisse auch reflektiert werden, lassen sich Erkenntnisse gewinnen und Erfahrungen sammeln. Indem das Erlebte mit der eigenen Lebenssituation in Verbindung gebracht wird und die TeilnehmerInnen daraus neue Visionen und Ziele formulieren können, grenzt sich die Erlebnispädagogik von bloßem Erlebniskonsum ab." (Senninger, S. 7). Die Erlebnisse treffen den Einzelnen im Kern seiner Persönlichkeit (vgl. Reiners 2003, S. 15). Weitere Voraussetzungen, um erlebnispädagogische Aktionen von reiner „action“ abzugrenzen, sind die pädagogisch gesetzten Rahmenbedingungen mit ihren intendierten Zielen und Verantwortungs- und Unterstützungsstrukturen. Erlebnispädagogik umfasst sowohl natursportliche Aktivitäten (Segeln, Kanu fahren, Höhlenklettern, Bergwandern und vieles mehr), wie auch Problemlöseaufgaben und inszenierte „Abenteuer“ (z.B. in den Kooperativen Abenteuerspielen) und auch Aktionen im musisch- kulturellen, künstlerischen Bereich. Entsprechend unterschiedlich sind die konkreten Orte, an denen Erlebnispädagogik stattfindet: sowohl das alltägliche Umfeld der Menschen wie auch die Natur in all ihren Erscheinungsweisen. Gemeinsam ist ihnen das Erleben von Gemeinschaft und Herausforderung „im Rahmen von aktiver körperlicher Tätigkeit“ (Michl 1994, S. 6).

2.2 Lernen im Konzept der Erlebnispädagogik

2.2.1 Wie ist Lernen in den Konzepten der Erlebnispädagogik charakterisiert?

Nach Reiners 2003, S. 14 bedeutet erlebnispädagogisches Lernen ein "ganzheitliches Erleben", in dem die kognitiven, emotionalen und vor allem aktionalen Lernebenen angesprochen werden. Dabei steht der (Lern-)prozess im Mittelpunkt. Angestrebt ist ein Transfer der in erlebnispädagogischen Aktionen gemachten Erlebnisse in für den Alltag bedeutsame Erfahrungen. Aus diesem Grund werden erlebnispädagogische Aktionen mit einer hohen Strukturähnlichkeit zwischen Erlebnissituation und Alltagssituation geplant. Die erlebnispädagogische Aktion folgt einem pädagogischen Ziel und ist auf die Lernenden hin konzipierte Herausforderung. Wichtig ist der Aufforderungs- und Ernstcharakter der Aufgabe, der ein hohes subjektives Risiko wahrnehmen lässt. Die Grundlage für das selbstverantwortete Lernen in erlebnispädagogischen Szenarien sind die von den Lernenden selbst gesteckten Ziele. Erlebnispädagogische Lernkonzepte sind Praxiskonzepte: Aus der Auseinandersetzung mit Anforderungen an die Praxis und der Notwendigkeit der Legitimation (gegenüber den finanzierenden Institutionen) entstanden Theorien des erlebnispädagogischen Lernens. Eine Rezeption psychologischer Lerntheorien für das Praxisfeld Erlebnispädagogik steht jedoch aus (vgl. Schödlbauer 2000, S. 118). Entsprechend ist meine Erläuterung der Charakteristika erlebnispädagogischen Lernens keine pädagogische Reflexion, sondern referiert die (gemeinsamen) Lernverständnisse verschiedener erlebnispädagogischer (Praxis-)Konzepte.

2.2.1.1 Handlungsorientiertes und reflexives Erfahrungslernen

Lernen wird verstanden als "die auf Erfahrung basierende Aneignung von Wissen und Fertigkeiten" (Senninger 2000, S. 18), in der Zusammenhänge erfasst und die Wirklichkeit real wahrgenommen und gestaltet werden kann. Durch aktives Handeln werden neue Handlungsspielräume/ -möglichkeiten erfahrbar. In der Erlebnispädagogik wird an realen Situationen, ausgehend vom aktiven Erleben der Wirklichkeit gelernt. Lernen zielt auf den Erwerb elementarer Erfahrungen durch transferfähige Erlebnisse ab, die vom Einzelnen interpretiert, persönlich bewertet und mit Alltagserfahrungen in Verbindung gesetzt und so bedeutsam für ihn werden. Durch Reflexion und Verinnerlichung wird aus dem Erlebnis Erfahrung. Den Begriff „Erfahrung“ näher zu klären, ist hier nicht der Raum. Ich verweise auf Schad 2003, S.7f; Doll 1990, S. 4f; Schad 1996). Aufgabe der leitenden Pädagogen ist dabei Mut zu machen, Neues zu wagen, der eigenen Wahrnehmung und den eigenen Gefühlen zu trauen und neu aufscheinende Handlungsmöglichkeiten auf ihre Stimmigkeit hin zu überprüfen.

2.2.1.2 Ganzheitliches Lernen

[...]


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