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Zur Bedeutung sozialer Anerkennung im Prozess der Identitätskonstruktion

Hauptseminararbeit, 2004, 13 Seiten
Autor: Edineia Kleemann
Fach: Pädagogik - Päd. Psychologie

Details

Veranstaltung: HS Die pädagogische Frage nach dem gelingenden Leben
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Pädagogisches Seminar)
Tags: Bedeutung, Anerkennung, Prozess, Identitätskonstruktion, Frage, Leben
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 13
Note: sehr gut (1,3)
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V35234
ISBN (E-Book): 978-3-638-35215-4

Dateigröße: 196 KB


Textauszug (computergeneriert)

Universität zu Köln
Pädagogisches Seminar der philosophischen Fakultät
Proseminar zur Vorlesung
„ Balancen – Die pädagogische Frage nach dem gelingenden Leben“

Zur Bedeutung sozialer Anerkennung im Prozess
der Identitätskonstruktion

von: Edineia Kleemann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung 3

2. Das Konzept der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie Axel Honneths 4

3. Formen und Dimensionen der Anerkennung 5

3.1 Anerkennungsformen 5

3.1.1 Emotionale Zuwendung 6
3.1.2 Rechtliche Achtung 6
3.1.3 Soziale Wertschätzung 7

3.2 Anerkennungsdimensionen 8

4. Formen und psychische Folgen sozialer Missachtung 8

5. Pädagogische Handlungsmaximen 11

6. Literaturverzeichnis 13


 

1. Einführung

Die Erforschung der Identität, insbesondere der Komponenten die zu ihrer erfolgreichen Entwicklung beitragen, stellt seit jeher eine zentrale und nur interdisziplinär zu bearbeitende Aufgabe humanistisch orientierter Wissenschaften dar.

Im Geflecht unterschiedlichster Einflüsse, deren Wirkmechanismen von der Neurologie über die Psychologie bis zur Soziologie unter jeweils anderen Fragestellungen untersucht werden, beschäftigt sich auch die Pädagogik mit der Rolle sozialer Faktoren bei der Konstruktion einer stabilen und ausgeglichenen Identität. Wie können diese problemadäquat analysiert und in pädagogisch fruchtbare Handlungsmaximen übersetzt werden ? Solch eine Analyse wird umso schwieriger, je komplexer sich zum einen das Interaktionsfeld entwickelt und je dynamischer sich zum anderen die externen Umstände verändern. So stellen die großen sozialen Trends unserer Zeit die Pädagogik vor neue Herausforderungen1. Es geht im Kern um die Frage, welche Kompetenzen Heranwachsende brauchen und wie diese erworben werden um sich in einer zunehmend globalisierten, individualisierten und schnelllebigeren Risikogesellschaft 2 als authentisches, innerlich gefestigtes Individuum zu behaupten3. Sozialpädagogische Identitätsarbeit muss in diesem Kontext als Schaffung von Lebenskohärenz interpretiert werden, die umso schwieriger zu erreichen ist, je fluider die Gesellschaft wird, je stärker traditionelle Grenzen in Fluss geraten, je mehr ehemals statische Konstanten zu dynamischen Variablen werden.

Was gelten beispielsweise noch traditionelle Geschlechterrollen oder kulturelle Wertvorstellungen, was gilt noch die Grenze zwischen öffentlich und privat, zwischen Kultur und Natur, wenn Grenzüberschreitungen mehr und mehr zur gesellschaftlichen Norm werden ?4 Um dieser veränderten Wirklichkeit Herr zu werden, sie für sich sogar positiv zu nutzen, indem sich das Individuum kreativ aus vorgegebenen Schnittmustern der Lebensgestaltung löst, braucht es aber neben den unabdingbaren sozialen und materiellen Ressourcen, sowie zivilgesellschaftlichen und interkulturellen Kompetenzen vor allem auch Erfahrungen der Zugehörigkeit und der sozialen Anerkennung5. Gerade letzterer kommt in diesem interdependenten Geflecht eine herausragende Rolle zu. Erweist sich diese als mangelhaft, fehlen dem Heranwachsenden bestätigende soziale Bezüge, klare normative Orientierungen und Respekt vor sich selbst und anderen, sucht es seine persönliche Identität nicht selten in Sucht und Gewalterfahrungen6. Eine gesunde Identitätskonstruktion wird nahezu unmöglich. So konstatiert Taylor, dass „Nichtanerkennung oder Verkennung Leiden verursachen [kann], eine Form von Unterdrückung ist, die den anderen in ein falsches, deformiertes Dasein einschließt.7“

Um den Zusammenhang zwischen sozialer Anerkennung und Identitätsentwicklung weiter zu erleuchten, werden nach einer kurzen Konzeptionalisierung der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie Axel Honneths, sowohl die Formen und Dimensionen der Anerkennung als auch die möglichen Folgen ihres Mangels dargestellt. Anschließend wird der Fokus auf die Konsequenzen für die Pädagogik gerichtet. Welche Handlungsmaximen gelten, wie werden diese in der schulischen Realität umgesetzt ? Brauchen wir vielleicht eine neue Kultur der Anerkennung ?

2. Das Konzept der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie Axel Honneths

Schon Goethe fragte sich, was die Welt im Innersten zusammenhält. Auf der Suche nach Faktoren, die die soziale Welt zusammenhalten, die Gesellschaft als kohärente Gemeinschaft nach innen und außen erst möglich machen, konstruierte der Sozialphilosoph Axel Honneth Anfang der 1990er Jahre seine berühmt gewordene Gesellschaftstheorie „ Kampf um Anerkennung - Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte“. Ganz gleich, ob es sich auf der Makroebene um ethnische, kulturelle oder religiöse Gemeinschaften handelt oder nur um soziale Netzwerke auf der Meso- und zwischenmenschliche Kontakte auf der Mikroebene, ohne gegenseitige Anerkennung ist kein friedvolles Zusammenleben denkbar. Da erst die reziproke Anerkennung aller Subjekte einen fruchtbaren Raum der Interaktion schafft, sind sowohl das Individuum, als auch seine Gemeinschaft nur in einem dialektischen Austauschprozess vorstellbar8. Anders formuliert beeinflusst gegenseitige Anerkennung nicht nur die Qualität einer Gesellschaft, sie ist vielmehr fundamentale Voraussetzung für ihre Existenz. Auf der anderen Seite kann das Individuum seine Identität nur in Bezug zur Gesellschaft als Referenz- und Orientierungspunkt ausbilden. Ohne gesellschaftliche Anerkennung ist somit weder Identität, noch ein gesundes Verhältnis zu sich selbst und zur gesellschaftlichen Lebenswelt denkbar9.

3. Formen und Dimensionen der Anerkennung

3.1 Anerkennungsformen

[...]


1 Vgl. Lechner, S.1

2 Vgl. Beck, Ulrich; Risikogesellschaft, Auf dem Weg in eine andere Moderne, München 1986; zitiert aus: Lechner, S.1

3 Vgl. Keupp 2003, S.12

4 Vgl. Keupp 2003, S.5

5 Vgl. Keupp 2002, S.99

6 Vgl. Lechner, S.1

7 zitiert aus: Keupp 2003, S.18

8 Vgl. Sitzer, S.1

9 Vgl. Sitzer, S.1


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