Die Modernität der Bilder einer Ausstellung close

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Details

Institut: Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf (Musikwissenschaftliches Institut)
Tags: Modernität, Bilder, Ausstellung
Kategorie: Vordiplomarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 26
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 7  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 757 KB
Archivnummer: V35258
ISBN (E-Book): 978-3-638-35231-4

Textauszug (computergeneriert)

Über die Modernität der „Bilder einer Ausstellung“

vorgelegt von

Kai-Benjamin Schütt

als Zulassungsarbeit
im Fach Musikwissenschaft
zur Diplom-Vorprüfung
im Studiengang Künstlerische Instrumentalausbildung/Musikpädagogik
an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf
im April 2003

 

Inhalt

1. Einleitung 2

2. Intention und Aufbau der „Bilder einer Ausstellung“ 3

3. Kurzbiographie Mussorgskijs 9
a) Entstehung von Mussorgskijs Modernitätsbegriff 11

4. Analyse der Originalfassung der „Bilder einer Ausstellung“ in Hinsicht auf Mussorgskijs Modernitätsbegriff 14

5. Kurzbiographie Ravels 17
a) Was war modern an Ravels Werk? 19

6. Analyse der Orchesterfassung Maurice Ravels in Hinsicht auf den Modernitätsbegriff ihres Verfassers 21

7. Literaturverzeichnis 25

8. Eidesstattliche Erklärung 25

 

1. Einleitung

Die „Bilder einer Ausstellung“ wurden 1874 von Modest Mussorgskij zum Gedenken an seinen verstorbenen Freund und Maler Viktor Hartmann komponiert. Zunächst als reines Klavierwerk geschrieben, gelangte es auch in einer nicht enden wollenden Reihe von Instrumentationen an die Öffentlichkeit. Neben mehreren Orchesterfassungen1 kam es auch zu exotischen Instrumentierungen, hier ist beispielsweise die Fassung für Rockband von Emerson, Lake and Palmer2 zu nennen.

Eine der ersten Transskriptionen, die auch im heutigen Konzertbetrieb zur bekanntesten Fassung der „Bilder“ geworden ist, ist wohl die Orchestration Maurice Ravels. Zwischen der Erstkomposition und der Neufassung Ravels liegen 48 Jahre, also fast ein halbes Jahrhundert. Maurice Ravel wurde 1875 geboren, ein Jahr, nachdem die Urfassung entstand. Auch stiltechnisch können die beiden Komponisten nicht in einem Atemzug genannt werden, sie werden im Allgemeinen jeweils einer kompositorischen Strömung ihrer Zeit zugeordnet, Mussorgskij den russischen Erneuerern um Balakirew, Ravel der impressionistischen Strömung in Frankreich Anfang des 20. Jahrhunderts.

Dennoch beschäftigten sich beide auf ihre Weise mit ein und dem selben Werk und vermischten so ihre Stile. So lassen sich an Harmonik und Melodik Merkmale von Mussorgskijs Vorstellung einer modernen russischen Komposition belegen. Die Orchesterfassung Ravels dagegen zeigt in ihrer Instrumentation auch Merkmale der impressionistischen Musik seiner Zeit.

So kommt es zum Titel dieser Arbeit, zwei Komponisten mit den unterschiedlichen Modernitätsbegriffen ihrer Epoche machen die „Bilder einer Ausstellung“ im doppelten Sinne zum Zeugnis einer Modernität. 

Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Darstellung des Aufbaus der „Bilder“, der Intention des Komponisten und einer Erläuterung der einzelnen Bilder. Im Weiteren werden beide Auffassungen von Modernität erklärt und beschrieben, wie die Komponisten zu Ihnen stießen. Hiernach folgen stichprobenartige Belege für die Eigenarten der Komponisten am Werk selbst. 

2. Intention und Aufbau der „Bilder einer Ausstellung“

Am 23. Juli 1873 verstarb der Maler und Architekt Viktor Alexandrowitsch Hartmann in einem von ihm selbst entworfenen Landhaus in Kirejevo bei Moskau. Modest Mussorgskij traf diese Nachricht wie ein Schlag. Er selbst hatte ihn kurze Zeit zuvor besucht und einen Schwächeanfall miterlebt, den er nicht ernst genommen hatte.

Hartmann pflegte seit 1870 engeren Kontakt zu dem Kunstkritiker Vladimir Stassow3, der mit der Komponistengruppe um Balakirew befreundet war. Über diesen Weg wurde er auch mit Mussorgskij bekannt, der sich gut mit ihm verstand und gerne mit ihm diskutierte, beiderseits das Ziel einer neuen russischen Kunst vor Augen.

Der Komponistenkreis um Balakirew, namentlich Mili Balakirew, Modest Mussorgskij, Alexander Borodin, Cesar Cui und Nikolai Rimski-Korssakow, arbeitete für eine russischnationale Kunst, eigenständig gegenüber westeuropäischen Einflüssen. Stassow und mit ihm auch Hartmann waren derselben Ansicht, Hartmann äußerte dies in seinen Werken insofern, als dass er traditionell-russische Themen verwandte, beispielsweise aus alten Volksmärchen. Im Frühjahr 1874 wurde auf Initiative Stassows4 hin eine Ausstellung zu Ehren Hartmanns veranstaltet. Es wurden 400 Werke Hartmanns ausgestellt. Eben diese Ausstellung nahm sich Mussorgskij zum Thema für seinen Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“.

Das Stück ist rondoartig aufgebaut, im Mittelpunkt stehen zehn Werke Hartmanns. Sie werden durch sogenannte Promenaden miteinander verbunden, die sozusagen den Betrachter beim Gang durch das Museum darstellen sollen. Bei den „Exponaten“ handelt es sich um Ölgemälde, Reisezeichnungen, aber auch eine Kostümzeichnung für eine Oper, die Zeichnung einer Uhr und ein Nussknacker sind verarbeitet worden. „Mussorgskijs Stücke haben zu den Originalwerken Hartmanns meist nur eine lose Beziehung. Er nahm Anregungen aus Skizzen und Entwürfen des Freundes auf und verarbeitete sie völlig selbstständig.“ (Lini Hübsch, Mussorgskij: Bilder einer Ausstellung, S. 10).

Die Bilder im Einzelnen:

[....]


1 u. a. 1886 Michel Tuschmalow, Klasse Rimski-Korssakow
1922 Maurice Ravel, Frankreich
1922 Leo Fintek, Finnland
1924 Leonidas Leonardi, Italien
1942 Walter Goehr, Deutschland

2 „Pictures At An Exhibition“, Emerson Lake and Palmer, Cotillion, Atlantic Records 1972

3 Lini Hübsch, Mussorgskij: Bilder einer Ausstellung, S. 9

4 ebenda, S. 10

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