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Maria und ihre Verwandlung zur 'schönen Seele' als Rechtfertigung ihrer Position als Titelheldin und moralischen Siegerin im Vergleich zu ihrer Kontrahentin Elisabeth in Friedrich Schillers 'Maria Stuart'

Scholary Paper (Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Master of Arts Alexander Monagas
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V35278
ISBN (E-book): 978-3-638-35247-5
ISBN (Book): 978-3-638-87962-0
File size: 300 KB

Abstract

Einleitung Schillers Werk Maria Stuart wird in der Forschungsliteratur nicht selten als das „im Technischen vollkommendste und regelmäßigste, am meisten klassische Bühnenstück“1 Schillers bezeichnet. Mein thematischer Fokus liegt aber nicht auf einer formalen Analyse des Stückes, sondern richtet sich auf die Titelheldin Maria und ihre Kontrahentin Elisabeth. Das Schicksal der Königinnen spielt dabei eine entscheidende Rolle: Wenn doch Elisabeth als Siegerin in diesem Drama hervorgeht, warum ist dann Maria Stuart die Titelheldin? Schiller definiert im Zusammenhang mit seinem klassischen Held den Begriff der „schönen Seele“. Dieses Ideal sollte demnach auch die Titelheldin in Maria Stuart aufweisen. Zentraler Aspekt wird daher sein, ob die Titelheldin von Beginn an eine positive Heldin im klassischen Sinne ist, oder ob sie sich erst im Laufe der Handlung dazu entwickelt. Damit einhergehend soll gezeigt werden, dass Schiller sich dem Maria Stuart Stoff und den weiblichen Helden mit besonderem Interesse widmete. Der Figurencharakter der Maria greift in diesem Drama das Motiv der religiösen Märtyrerin auf. Gibt ihre Rivalin Elisabeth durch ihre tyrannischen Verhaltensmuster und ihren handlungstreibenden Motiven Auskunft über Marias Werdegang? Ich werde dies im Zusammenhang mit der Frage nach der „moralischen Siegerin“ klären. Ergebnis der Hausarbeit soll es sein, die charakteristischen Besonderheiten der Hauptfiguren in ihrem Verhalten bezüglich ihrer Umwelt und gegenüber ihrer Kontrahenten herauszufinden, um dadurch die eigentliche Heldin des Stücks zu bestimmen. Dabei werde ich den „Läuterungsprozess“ der Maria nicht vollständig erklären können. Es werden deshalb exemplarische Auszüge der zentralen Stellen angeführt, um den inneren Konflikt Marias mit Elisabeths vergleichen zu können. Dies ist insofern wichtig, da meine Ausführungen zeigen werden, dass Elisabeth zwar unbewusst, aber dennoch maßgeblich am Läuterungsprozess der Marias beteiligt ist. Umgekehrt hat Maria das Schicksal der Elisabeth noch nach ihrem Tode weiterhin beeinflusst. Mein Bewertung der beiden weiblichen Hauptcharaktere läuft nicht auf eine Schwarz-Weiß-Darstellung der Figuren hinaus, sondern berücksichtigt vielmehr die divergierenden Beweggründe beider Frauen.


Excerpt (computer-generated)

Maria und ihre Verwandlung zur ′schönen Seele′ als
Rechtfertigung ihrer Position als Titelheldin und
moralischen Siegerin im Vergleich zu ihrer Kontrahentin
Elisabeth in Friedrich Schillers ′Maria Stuart′

von: Alexander Monagas

 


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG 4

1. SCHILLERS HELDENIDEAL DER „SCHÖNEN SEELE“ 5

1.1 DIE „SCHÖNE SEELE“ IN DER FIGUR DER MARIA STUART 5
1.2 SCHILLERS CHARAKTERE SIND „VON DER GESCHICHTE HERGEGEBEN“ 7

2. DIE CHARAKTERSTARKEN KÖNIGINNEN: MARIA UND ELISABETH 8

2.1 MARIA STUART IST NICHT VON ANFANG AN DIE POSITIVE HELDIN 8
2.2 ELISABETH IST DIE RIVALISIERENDE TYRANNIN 11

4. DER KONFLIKT DER KÖNIGINNEN 13

4.1 MARIAS „LÄUTERUNG“ DURCH IHREN INNEREN KONFLIKT 14
4.2 ELISABETH ALS „MORALISCHE VERLIERERIN“ 16

5. WER IST DIE VERURTEILTE: MARIA ODER ELISABETH? 18

6. FAZIT: MARIA IST DIE HELDIN UND „SIEGT“ ÜBER ELISABETH 19

7. LITERATUR 21


 

Einleitung

Schillers Werk Maria Stuart wird in der Forschungsliteratur nicht selten als das „im Technischen vollkommendste und regelmäßigste, am meisten klassische Bühnenstück“1 Schillers bezeichnet. Mein thematischer Fokus liegt aber nicht auf einer formalen Analyse des Stückes, sondern richtet sich auf die Titelheldin Maria und ihre Kontrahentin Elisabeth. Das Schicksal der Königinnen spielt dabei eine entscheidende Rolle: Wenn doch Elisabeth als Siegerin in diesem Drama hervorgeht, warum ist dann Maria Stuart die Titelheldin?

Schiller definiert im Zusammenhang mit seinem klassischen Held den Begriff der „schönen Seele“. Dieses Ideal sollte demnach auch die Titelheldin in Maria Stuart aufweisen. Zentraler Aspekt wird daher sein, ob die Titelheldin von Beginn an eine positive Heldin im klassischen Sinne ist, oder ob sie sich erst im Laufe der Handlung dazu entwickelt. Damit einhergehend soll gezeigt werden, dass Schiller sich dem Maria Stuart Stoff und den weiblichen Helden mit besonderem Interesse widmete. Der Figurencharakter der Maria greift in diesem Drama das Motiv der religiösen Märtyrerin auf. Gibt ihre Rivalin Elisabeth durch ihre tyrannischen Verhaltensmuster und ihren handlungstreibenden Motiven Auskunft über Marias Werdegang? Ich werde dies im Zusammenhang mit der Frage nach der „moralischen Siegerin“ klären. Ergebnis der Hausarbeit soll es sein, die charakteristischen Besonderheiten der Hauptfiguren in ihrem Verhalten bezüglich ihrer Umwelt und gegenüber ihrer Kontrahenten herauszufinden, um dadurch die eigentliche Heldin des Stücks zu bestimmen. Dabei werde ich den „Läuterungsprozess“ der Maria nicht vollständig erklären können. Es werden deshalb exemplarische Auszüge der zentralen Stellen angeführt, um den inneren Konflikt Marias mit Elisabeths vergleichen zu können. Dies ist insofern wichtig, da meine Ausführungen zeigen werden, dass Elisabeth zwar unbewusst, aber dennoch maßgeblich am Läuterungsprozess der Marias beteiligt ist. Umgekehrt hat Maria das Schicksal der Elisabeth noch nach ihrem Tode weiterhin beeinflusst. Mein Bewertung der beiden weiblichen Hauptcharaktere läuft nicht auf eine Schwarz-Weiß-Darstellung der Figuren hinaus, sondern berücksichtigt vielmehr die divergierenden Beweggründe beider Frauen.

1. Schillers Heldenideal der „schönen Seele“

In seinen ästhetischen Schriften formuliert Schiller seine Vorstellung von einer humanen Gesellschaft in der Verkörperung einer Gestalt der „schönen Seele “: „Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grad versichert hat, daß es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. Daher sind bei einer schönen Seele die einzelnen Handlungen eigentlich nicht sittlich, sondern der ganze Charakter ist es“2 Der Charakter einer Figur ist es also, der sie zur schönen Seele macht. Ihre Harmonie von körperlichem und sprachlichem Ausdruck sind perfekt und äußerst anmutig. Charakter und äußere Schönheit sind verschmolzen: „In einer schönen Seele ist es also, wo Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung harmonieren, und Grazie ist ihr Ausdruck in der Erscheinung. “3 Dieses Modell der schönen Seele sollte der zu Schillers Lebzeiten bestehenden Gesellschaft als ideologisches Ideal dienen. 4 Bei Schiller sind es ausschließlich Frauen, denen die Möglichkeit vorbehalten ist eine schöne Seele zu werden.

1.1 Die „schöne Seele“ in der Figur der Maria Stuart

Schiller projizierte seine Vorstellung eines idealen Menschen auf die Gestalt der Maria Stuart. Jedoch besitzt sie nicht gleich von Beginn an diese Ideale. Anfangs agiert sie eher sprungha ft, leidenschaftlich und unvernünftig. Sie hat in der Vergangenheit durch Beihilfe am Mord ihres Gatten schwere Schuld auf sich geladen und ist sich dessen auch bewusst:

„[…] und lud die schwere Schuld auf mein so junges Leben. “ (I, 4)5
Es bedarf im Laufe des Dramas einer Wandlung zur schönen Seele. Dies vollzieht sich
aber nicht so abrupt, wie Schiller es durch Kennedy beschreibt:
„Man löst sich nicht allmählich von dem Leben!
Mit einem Mal, schnell augenblicklich muss
Der Tausch geschehen zwischen Zeitlichem
Und Ewigem, und Gott gewährte meiner Lady
In diesem Augenblick der Erde Hoffnung
Zurückzustoßen mit entschlossner Seele,
Und glaubenvoll den Himmel zu ergreifen. “ (V,1)6

Im Gegensatz zum ersten Eindruck, dass sich der Prozess plötzlich und erst kurz vor ihrer Hinrichtung vollzieht, lassen sich im gesamten Drama Hinweise auf eine langsam stattfindende Entwicklung ausmachen. Maria durchläuft einen inneren Konflikt zwischen ihrer Findung zur eigenen Identität und den Einflüssen aus ihrem Umfeld. Daher kann diese Wandlung nur ein langsamer Prozess der Selbstverwirklichung sein. Gert Ueding beschreibt diesen Vorgang folgendermaßen: „Die Erhabenheit wird zu einem Ideal, nach dem der Mensch als Gipfel seiner Selbstverwirklichung zu streben hat. Diese Selbstverwirklichung fällt ihm nicht zu, er verdankt sie nicht seinen Vorfahren, dem qua Geburt garantierten Stand, sondern – erreicht er sie – ist sie auch sein eigener Verdienst, Folge eines Bildungsprozesses an sich selber, abzulesen an seinen Taten und Werken.“7

[...]


1 Vgl. Kommentar von Dietrich Bode. In: Friedrich Schiller. Maria Stuart. Reclam, Stuttgart, 2001, S.168

2 Schiller: Über Anmut und Würde. Schiller-SW Bd. 5, S. 468

3 Ebd. S. 468-469

4 vgl. Gert Ueding: Schillers Rhetorik. Idealistische Wirkungsästhetik und rhetorische Tradition. Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 1971, S. 63.

5 Schiller, Friedrich: Maria Stuart. Reclam Verlag, Stuttgart, 2001, V. 296. (= Reclam 64).

6 Schiller, Friedrich: Maria Stuart. V. 3402 ff

7 Ueding, Gert: Schillers Rhetorik. S. 71


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