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Ethische Betrachtung einer postoperativen Transplantationsablehnung

Seminararbeit, 2002, 17 Seiten
Autor: Antje Lüth
Fach: Ethik

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V35331
ISBN (E-Book): 978-3-638-35285-7
ISBN (Buch): 978-3-638-78997-4
Dateigröße: 174 KB

Zusammenfassung / Abstract

Das Thema Organtransplantation ist vieldiskutiert; sei es auf medizinischem, technischem oder ethischem Gebiet. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch die Organspende. In Hinblick auf die Organempfänger beschränken sich die Themen zumeist auf medizinisch-technische Fakten. Eine Diskussion über psychologische und ethische Gesichtspunkte findet nur ungenügend und bislang nicht systematisch geführt statt. Den Betroffenen wird im allgemeinen eine Verbesserung ihrer Lebensqualität unterstellt. Diese Einstellung wird dadurch verstärkt, dass Spenderorgane knapp sind und sich somit jeder „glücklich schätzen“ kann, im Bedarfsfall eines zu bekommen. Dass die Realität sehr viel komplexer ist, soll im nachfolgend beschriebenen Fall deutlich gemacht werden: Herr B., der eine Spenderniere bekommen hatte, war zunächst euphorisch. Ausgerechnet ER wurde ausgesucht! Nun müsste er nicht mehr stundenlang an der Dialysemaschine liegen und er könnte leben wie vorher. Nach der anfänglichen Euphorie jedoch ging es ihm zunehmend schlechter. Der Gedanke, das Organ eines anderen Menschen in sich zu tragen, belastete ihn irgendwann so sehr, dass er um die Explantation der Niere bat. Die Reaktion der Umwelt darauf war vielfältig. Sie reichte von Beschimpfungen über Unverständnis bis zu teilweisem Mit-empfinden. Es wurde viel diskutiert. Aber eine Antwort auf die Frage, was gut und was richtig ist, konnte nicht gefunden werden.


Textauszug (computergeneriert)

Ethische Betrachtung einer postoperativen Transplantationsablehnung

von: Antje Lüth

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Darstellung des Problems, Fragestellung 3

3. Die ethische Qualität des Problems 5

4. Allgemeine Situation 6

5. Handlungsmöglichkeiten, Optionen, Alternativen und die Folgen 7

6. Ethische Diskussion 9

7. Literaturverzeichnis 17

 


1. Einleitung

Das Thema Organtransplantation ist ein vieldiskutiertes Thema, sei es auf medizinischem, technischem oder ethischem Gebiet. Mittelpunkt dieser Diskussionen ist jedoch eher die Organentnahme und die Organspende. In Hinblick auf die Organempfänger beschränken sich die Themen zum großen Teil auf medizinisch-technische Fakten. Hierbei geht es vornehmlich darum, ob und wie das Organ arbeitet, ob es angenommen wird, wie gut die notwendigen Medikamente eingestellt werden können oder was für Nebenwirkungen auftreten. Eine Diskussion über psychologische und ethische Gesichtspunkte findet nur sehr eingegrenzt statt.
Bei den Betroffenen wird im allgemeinen davon ausgegangen, dass jeder glücklich ist über seine neue Niere und sich damit seine Lebensqualität verbessert. Diese Einstellung wird verstärkt durch die Tatsache, dass Spenderorgane knapp sind und sich somit jeder „glücklich schätzen“ kann, im Bedarfsfall eines zu bekommen. Die Probleme, die entstehen können, wenn jemand diesen Erwartungen nicht entspricht, möchte ich im folgenden Fall darstellen. In diesem Fall geht es um Herrn B., einen dialysepflichtigen Patienten, der Empfänger einer Spenderniere war. Kurze Zeit nach der Implantation bat um Explantation dieser Niere, mit der Begründung, dass er psychisch damit nicht zurechtkomme. Die Reaktion der Umwelt darauf reichte von Beschimpfungen über Unverständnis bis zu begleitendem Mit-empfinden.
Das hat man nicht erwartet und es weicht vom Bekannten ab. Wie soll man reagieren? Und: Was ist gut und was ist richtig?

2. Darstellung des Problems, Fragestellung

Herr B., war zum Zeitpunkt des Geschehens 46 Jahre alt. Schon seit einigen Jahren zeichnete sich eine Nierenfunktionseinschränkung ab. Dezente Symptome, die es ihm anzeigten, schob er lange Zeit vor sich her und ignorierte sie, bis es ihm so schlecht ging, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert und notdialysiert werden musste. Seitdem muss er regelmäßig 3x/ Woche dialysiert werden. Als Alternative hierzu wurde eine Nierentransplantation erwogen. Mit Herrn B. wurde ein Gespräch geführt über das Für und Wider. Dieses Gespräch bezog sich inhaltlich v.a. auf den technischen Ablauf, sowie die allgemeinen Risiken und Erfolgsaussichten. Herr B. gab daraufhin sein Einverständnis dazu, auf die Warteliste aufgenommen zu werden. Hierzu muss gesagt werden, dass sich Herr B. nach seinen eigenen Aussagen erst von da an, als es ihm so schlecht ging, dass er es nicht mehr verdrängen konnte, mit seinem gesundheitlichen Zustand auseinander zu setzen begann.. In diesem Zustand war für ihn alles, wie er sagte, eine Rettung und erst nach und nach wurde ihm die Dimension seiner Entscheidung zur Transplantation klar. Einerseits empfand er die Hämodialyse (HD), als belastend und auch zeitlich für ihn immer schwieriger, weil er studierte und ihm die Zeit fehlte. Andererseits machte ihm eine Transplantation Angst und er schwankte zwischen Zusage und Ablehnung. Transplantation bedeutete für ihn „Erlösung“ von der HD, Freiheit und Verbesserung seines körperlichen Zustandes. Aber gleichzeitig war die Angst da, das Organ eines anderen Menschen in sich zu haben. Er entschied, es „auszuprobieren“. Diese Aussage wurde als Zusage bewertet und nicht weiter hinterfragt.

Er wurde auf die Warteliste aufgenommen.
Der von vielen sehnlichst erwartete und oft Jahre nicht kommende Anruf kam relativ schnell. Der „Anruf“ bedeutet, dass das Transplantationszentrum den Patienten anruft und ihm mitteilt, dass eine Niere für ihn da ist. Dann muss alles sehr schnell gehen, weil die Niere nur begrenzte Zeit in der Nährlösung aufbewahrt werden kann. Herr B. war zu diesem Zeitpunkt stationär aufgenommen. Er bekam die Information und er wurde zur Eile angetrieben, weil der Krankentransport ihn gleich holen würde. Es ging also alles sehr schnell und ein paar Stunden später hatte Herr B. die Niere eines gerade verstorbenen Menschen in seinem Körper.
Schon in den ersten Wochen zeigte sich, dass die Niere nicht richtig arbeitete. Herr B. wirkte sehr verschlossen und nach ca. 2 Wochen sagte er sehr bestimmt, dass die Niere wieder explantiert werden müsse. Er könne damit nicht leben. Es sei ein Stück eines anderen Menschen und er fühle sich zunehmend davon bedroht. Er habe das Gefühl, der andere Mensch „... erobere jetzt seinen Körper ...“.
Der Abstoßungsprozess begann dann sehr schnell und die Niere hörte auf zu arbeiten, so dass sie entfernt werden musste.Während dieser Zeit gab es aufgeregte Diskussionen über seine Entscheidung mit den verschiedensten Standpunkten, die inhaltlich folgendermaßen aussahen:

• Wenn man das Glück gehabt hat, einer der wenigen zu sein, der das begehrte Organ bekommt, sollte man zufrieden sein und damit zurechtkommen.
• Man kann es nicht anderen „wegnehmen“ und sich danach klar machen, dass man es gar nicht will.
• Hätte er sich das nicht gleich überlegen können?
• Weiß „der“ eigentlich, was er will?
• Statt glücklich zu sein, dass es bei ihm so schnell ging, jammert er jetzt rum!
• Erst die teure Implantation, jetzt die Kosten der Explantation dazu- für nichts!

[...]


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