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Autor: Rebecca Hillebrand
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld
Tags: Liebeslyrik, Neuen, Sachlichkeit, Lyrik, Sekundarstufen
Jahr: 2003
Seiten: 35
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 287 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-35351-9
ISBN (Buch): 978-3-638-65310-7
Textauszug (computergeneriert)
Liebeslyrik der Neuen Sachlichkeit
von: Rebecca Hillebrand
Inhaltsverzeichnis
1. Erläuterung des Themas -2-
1.1 Ursprung -2-
1.2 Literarische Bedeutung -3-
1.3 Lyrik -4-
2. Einordnung des Themas in den Lehrplan -5-
3. Ausgewählte Gedichte -6-
4. Konzeption der Unterrichtsreihe -10-
4.1 Angaben zur Lerngruppe -10-
4.2 Einteilung der Unterrichtseinheiten -11-
4.3 Sachanalyse zur 5. Unterrichtseinheit -16-
4.4 Verlaufsplan einer Doppelstunde zur 5. Unterrichtseinheit -20-
4.5 Lernziele der Stunde -21-
4.6 Didaktisch-methodischer Kommentar -21-
5. Materialien zur Unterrichtsreihe
Material 1: Otto Dix: Die Journalistin Sylvia von Harden (Folie und Information zum Bild)
Material 2: Yvan Goll: Hai-Kais -25-
Material 3: Erich Kästner: Sachliche Romanze -26-
Material 4: Mascha Kaléko: Großstadtliebe -27-
Material 5: Kurt Tucholsky: Liebespaar am Fenster -28-
Material 6: Erich Kästner: Ein gutes Mädchen träumt -29-
Material 7: CD: Zwei Vertonungen der Sachlichen Romanze
Material 8: Folie zu Sachliche Romanze -30-
Material 9: Text: Neue Sachlichkeit -31-
Material 10: Songtext – The Cardigans -32-
6. Literaturverzeichnis -33
1. Erläuterung des Themas
„Nicht ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres in der Welt gibt es, als die Zeit in der man lebt.“ (Vorwort aus: Der rasende Reporter von Egon Erwin Kirsch) Die Neue Sachlichkeit bezeichnet eine der unterschiedlichen Strömungen, neben z.B. Spätexpressionismus, Dadaismus, Magischer Realismus .... zu Zeit der Weimarer Republik (1918-1933). Sie erstreckt sich auf den gesamten kulturellen Bereich.
Über den exakten Zeitraum der Neuen Sachlichkeit bestehen unterschiedliche Auffassungen.1 Daher wird in dieser Unterrichtsreihe die gängige Zeiteinteilung von ca. 1924 bis 1933 verwendet. Folgend werden die wesentlichen Merkmale der Neuen Sachlichkeit mit dem Schwerpunkt auf den literarischen und lyrischen Bereich beschrieben, die für den Verlauf und das Verständnis der Unterrichtsreihe von Bedeutung sind. Die historischen Hintergründe und Entwicklungen (z.B. Technik, Amerikanismus, neue Darstellungsmöglichkeiten im Bereich der Medien, neue Romantechniken,...) zu Zeit der Weimarer Republik können in der Erläuterung des Themas leider nicht hinreichend berücksichtigt werden. Im Verlauf der Unterrichtsreihe werden jedoch einige Aspekte der Zeit, die in Hinblick auf die Analyse der Gedichte notwendig sind, thematisiert. Denkbar wäre allerdings auch eine Weiterentwicklung der Reihe zu einem größeren Unterrichtsvorhaben, in dem neben Liebeslyrik auch andere bedeutsame Gesichtspunkte der Zeit berücksichtigt und mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden können.
1.1 Ursprung
Zu Beginn der 1920er wird der Begriff Neue Sachlichkeit zunächst für eine neue Richtung in der Kunst verwendet. 1925 eröffnet Dr. Gustav Friedrich Hartlaub, Direktor der Mannheimer Kunsthalle, eine Ausstellung unter dem Titel „Neue Sachlichkeit - Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“ in Mannheim. Insgesamt 32 Künstler, u.a. Otto Dix, Georg Grosz und Max Beckmann, sind mit ihren Bildern vertreten. Die Künstler der Neuen Sachlichkeit wenden sich gegen die Gefühlsbeladenheit und Phantasiewelten des Expressionismus. Sie bevorzugen objektive, realistische, illusionslos-nüchterne und teilweise auch groteske Darstellungen der Alltagswelt. 2
1.2 Literarische Bedeutung
Die Zeit der Weimarer Republik stellt insbesondere für den literarischen Markt eine „höchst widerspruchsvolle Zeit“ 3 dar. Geprägt von Klassenauseinandersetzungen, Strukturkrisen und einer fortschreitenden Technisierung der modernen Industriegesellschaft erfahren viele Schriftsteller in dieser Zeit einen Verfall traditioneller literarischer Techniken und Themen. Es erfolgt eine rasche Aneinanderreihung von unterschiedlichen Trends und Moden, die als Ausdruck einer Orientierungslosigkeit in Hinblick auf die neue Epochenkonstellation nach dem ersten Weltkrieg verstanden werden kann.4
Nicht nur auf politischer Ebene stellt die Zeit der Weimarer Republik eine Umbruchsphase dar, sondern auch angesichts der Veränderungen auf dem literarischen Markt. Literatur wird als Ware gehandelt und muss den Anforderungen des Absatzmarktes entsprechen. Sie hat die Aufgabe medien- und massenwirksam zu sein. Walter Benjamin stellt die Entwicklungen auf dem literarischen Markt kritisch dar und beschreibt in seinem Werk: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit von 1936, dass „der Autor zunehmend zu einem bloßen Lieferanten für den bürgerlichen Kulturbetrieb“5 wird. Der Reportagen- und Dokumentarroman wird von vielen Autoren als Möglichkeit gesehen, um die Gesellschaft für die Probleme der Zeit zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen. Ausschlaggebend ist die Vorstellung, dass „die Präsentation der Wirklichkeit die stärkste Wirkung auf den von vielfältigen Reizen überfluteten Leser haben würde“.6
Die Autoren der Neuen Sachlichkeit versuchen die Realität der Weimarer Republik möglichst sachlich, objektiv und realistisch darzustellen. Sie verwenden in ihren Werken eine einfache, nüchterne Alltagssprache (Reportagenstil, Montagetechnik, journalistisches Schreiben), die für alle Leser leicht verständlich ist. Folgende Schlagwörter beschreiben den Stil der Neuen Sachlichkeit: Nüchternheit, Objektivität, Einfachheit, Klarheit, Echtheit, Schmucklosigkeit, Nichtpathos, Unsentimentalität, Knappheit, Präzision, Härte, Kühle und Kälte. Die literarischen Werke zielen auf Massenwirksamkeit ab - sie versuchen jedoch den Menschen Leitbilder für das Leben in einer modernen Massen- und Medienwelt zu bieten. Aktualität und Realismus sind Hauptforderungen an die neusachliche Literatur. Sie soll die Alltagswelt und Alltagssorgen gewöhnlicher Menschen wiederspiegeln.7
Die Neue Sachlichkeit erstreckt sich auf sämtliche Bereiche der Literatur. Zeitromane, Hörspiele, Reportagen, Reiseberichte, Fotobücher, Dokumentationen oder Lyrik als Gebrauchslyrik sind neue Formen des literarischen Ausdrucks. Bevorzugte Themenbereiche der Literatur sind Krieg und Technik (z.B. Medien, Verkehr, Industrie), Alltag und die Lebensverhältnisse der Bürger(z.B. Großstadt). Vertreter der Neuen Sachlichkeit sind beispielsweise Alfred Döblin, Kurt Tucholsky, Erich Maria Remarque, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Mascha Kaléko oder Bertolt Brecht.
1.3 Lyrik
Die Lyrik der Neuen Sachlichkeit ist besonders unter dem Schlagwort „Gebrauchslyrik“ bekannt. Wie in der Kunst, bildet eine gefühlsbetonte Darstellung der Realität keine Grundlage für literarisches Schaffen mehr. Lyrik soll auf ihren Gebrauchs- und Funktionalitätswert untersucht werden. Sie soll für den Leser einen Gebrauchswert; einen Nutzen haben. Die Sprache der Gedichte ist alltäglich und für den Leser verständlich. Wie auch in den anderen literarischen Bereichen werden aktuelle Themen aufgegriffen und in den Gedichten verarbeitet. Die neusachliche Gebrauchslyrik beschäftigt sich mit der Großstadt (Walther Mehring), politischem Kabarett (Kurt Tucholsky, Erich Kästner), politischen Gedichten (Erich Weinert), Stadt- und Natur (Oskar Loerke). Liebeslyrik als eigenständiger Themenkreis tritt in der Neuen Sachlichkeit nicht ausdrücklich auf. Es gibt jedoch einige Gedichte von Autoren, die sich durchaus mit dieser Art von Lyrik beschäftigen und die die Merkmale der Neuen Sachlichkeit aufweisen. Die Liebesgedichte beziehen sich auf die zwischenmenschlichen Probleme in der schnelllebigen, modernen Gesellschaft und besitzen einen melancholischen Unterton. In dieser Unterrichtsreihe wird ein, für die Zeit der Weimarer Republik, eher untypischer Gegenstandsbereich der Neuen Sachlichkeit behandelt, da es durchaus aufschlussreich ist den Zeitgeist und die alltäglichen Probleme der Menschen an einem nicht so häufig thematisierten Zweig zu untersuchen und mit den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten.
2. Einordnung des Themas in den Lehrplan
[...]
1 Siehe hierzu: Petersen, Klaus: „Neue Sachlichkeit“: Stilbegriff, Epochenbezeichnung oder Gruppenphänomen? In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Hrsg. Von Richard Brinkmann und Walter Haug. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung 56. Jahrgang, Nr.3. (1982). S. 468f.
2 vgl. Witte, B.: Neue Sachlichkeit. Zur Literatur der späten zwanziger Jahre in Deutschland. In: Etudes germaniques 27 ; Nr 1. (1972). S.92.
3 Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. Von Wolfgang Beutin u.a. 5., überarb. Auflage. Stuttgart; Weimar: J.B. Metzler 1994. S. 345.
4 Vgl. ebd. S.345.
5 ebd. S. 346.
6 ebd. S. 370
7 vgl. Sørensen, Bengt Algot (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur. Band II. Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. 2., aktualisierte Auflage. München: C.H. Beck 2002. S.220.
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