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Autor: Nadine Ebert
Fach: Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Philosophie)
Tags: Jean, Paul, Sartre, Sein, Nichts, Selbstkonstitution, Anderen, Proseminar
Jahr: 2004
Seiten: 12
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 250 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-35360-1
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Philosophie
Proseminar: „Die Frage nach der Erfahrung des anderen Menschen“
Jean Paul Sartre ′Das Sein und das Nichts′ -
Selbstkonstitution durch den Anderen
von: Nadine Ebert
1. Einleitung
2. Das Mängelwesen
2.1. Für-Sich und An-Sich
3. Selbstkonstitution durch den Anderen
3.1. Im Park: An-Sich und Für-Sich
3.2. Zentrierung und Dezentrierung der Welt
3.3. Die Schlüssellochszene: Thetisches und nicht-thetisches Bewusstsein
3.4. Der Andere als Bedrohung und Voraussetzung der Selbstentdeckung
3.5. Herr und Knecht
4. Vom Existenzialismus zum existenzialistischen Humanismus
4.1. Nihilismus
4.2. Zur Freiheit verurteilt
5. Schluss
Literatur
1. Einleitung
„In der Dialektik zwischen natürlicher und sozial konstruierter Umwelt wird der menschliche Organismus transformiert. Indem der Mensch Realität schafft, schafft er sich selbst.“ 1 Dieses Zitat habe ich als Eingang in diese Seminararbeit gewählt, weil es eine der wichtigsten Aussagen des Kapitels „Der Blick“ aus Sartres „Das Sein und das Nichts“ beinhaltet. Die Beziehung des Ich zum Anderen ist eine grundlegende in der menschlichen Realität und macht sie erst aus. Schon Hegel sagte, dass ich mich erst im Anderen erkenne und umgekehrt: „(...) es muß darauf gehen, das andere selbständige Wesen aufzuheben, um dadurch seiner als des Wesens gewiß zu werden (...).“ 2. Ich brauche den Anderen, obwohl er meine Möglichkeiten damit einschränkt, um mir meiner selbst bewusst zu werden. In Sartres Kapitel „Der Blick“ aus „Das Sein und das Nichts. Versuch einer ontologischen Phänomenologie“ geht es um eine alltägliche Situation: Das Ich begegnet einem Menschen und lässt diese Begegnung auf sich wirken. Nach Sartre ist das Ich dem Blick des Anderen völlig ausgeliefert, er verändert es grundlegend, wie das Ich ihn mit seinem Blick verändert. Er ist Segen und Fluch zugleich. Was genau dabei passiert, soll auf den folgenden Seiten erläutert werden.
2. Das Mängelwesen
2.1 An-Sich und Für-Sich
Sartre sieht, in Anlehnung an Hegel, zwei Seinsmomente des Menschen, die ihn grundsätzlich von anderen Lebewesen unterscheiden: Das An-Sich und das Für- Sich. Das An-Sich finden wir auch bei jedem leblosen Gegenstand wieder. Es ist die völlige Seinspositivität. Während das „Ding“, der Stein zum Beispiel, in völliger Identität mit sich ist, hat der Mensch im An-Sich eine bestimmte Haltung zu sich selbst. Er hält sich für etwas, was er nicht ist. Der Stein kann nichts anderes sein als ein Stein, er kann nicht über sich selbst als Stein reflektieren. Der Mensch, aufgrund seines Bewusstseins, ist dazu durchaus in der Lage. Im Menschen vereinen sich jedoch beide Seiten: Das An-Sich mit dem Für-Sich. Daher wird hier von einer Seinsnegativität gesprochen und der vielzitierte Satz: „Der Mensch ist, was er nicht ist und ist nicht, was er ist.“ findet seine Anwendung: Da der Mensch sein Sein allein auf die Zukunft hin ausrichtet, füllt er sein Für-Sich, das gegenwärtig noch leer ist, mit etwas aus, was es nicht ist. Es wird sowohl von Sartre als auch von Levinas als „Mangel an Sein“ bestimmt, weil es sich von einem Sein bestimmen lässt, was es nicht ist.3 Dieser Seinsmangel ist die Grundlage Sartres’ Philosophie. Statt Totalität zu sein, also alle ihm in den Sinn kommenden Möglichkeiten in Hinblick auf die Zukunft auszuleben, gibt es „einen Riss zwischen An-Sich und Für-Sich“4 . Im folgenden werde ich darstellen wie der Andere dem Ego ein Für- Sich verleiht, dass er eigentlich gar nicht ist.
3. Selbstkonstitution durch den Anderen
3.1 Im Park: An-Sich und Für-Sich
In dem von Sartre eingeführten Beispiel geht ein Mensch hinter Stühlen in einem Park vorbei. „Ich befinde mich in einem öffentlichen Park. Nicht weit von mir sehe ich einen Rasen und längs des Rasens Stühle. Ein Mensch geht an den Stühlen vorbei. Ich sehe diesen Menschen, ich erfasse ihn gleichzeitig als einen Gegenstand und als einen Menschen.“ 5 Sartre fügt in diesem Beispiel bereits die zwei angesprochenen Aspekte des menschlichen Bewusstseins ein: Das An-Sich und das Für-Sich. Der Mensch im Park nimmt am Fußgänger eine objektive Seite wahr, das An-Sich, einen vorbeilaufenden Menschen, und eine subjektive Seite, das Für-Sich dieses Fremden, in das er nicht dringen kann.6 Das Bewusstsein des Ichs ist in diesem Moment noch ein die Welt setzendes Bewusstsein. Es schafft, nach Husserls Theorie der Monaden, zusammen mit den anderen Bewusstseinen eine objektive Welt.7
3.2 Zentrierung und Dezentrierung der Welt
[...]
1 (Wilson 1987: 93, zitiert aus: Peter Ludwig Berger, Thomas Luckmann: The Social Construction of Reality, Frankfurt 1969)
2 (Hegel 1970: 146)
3 (Hauck 1990: 68)
4 (Blech 2001: 60)
5 (Sartre 1998: 459)
6 (Sartre 1998: 459)
7 (Husserl 1977)
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