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Autor: Johannes Sassenroth
Fach: Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Details
Institution/Hochschule: Universität Augsburg (Lehrstuhl für Soziologie)
Tags: Motivation, Selbstmordterroristen, Seminar, Terrorismus, Hintergründe, Formen, Entwicklungen
Jahr: 2002
Seiten: 38
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 268 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12197-2
Aktuelle Betrachtung des Phänomens des Selbstmordterrorismus. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen religiös motivierte Selbstmordattentate im Nahen Osten.
225 KB
Textauszug (computergeneriert)
Motivation von Selbstmordterroristen
von Johannes Sassenroth
Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 3
1. Das Gesicht des Todes: Wer wird zum Selbstmordattentäter? Seite 5
2. Der Weg in den Tod: Rekrutierung von Selbstmordattentätern Seite 13
3. Das Leben mit dem Tod: Vorbereitung auf den Selbstmord Seite 15
3.1 Märtyrertum: Ein Leben nach dem Tod Seite 15
3.2 Abspaltung Seite 18
3.3 Der Feind: Die Opfer als Täter Seite 20
3.4 Point of no Return Seite 22
Exkurs: Verehrung der Märtyrer Seite 23
3.5 Die Nähe zu Gott: Umbau der Denkprozesse Seite 27
4. Das Leben vor dem Tod: Die letzten Momente Seite 28
5. Strategie der Selbstmordanschläge Seite 30
6. Gegenmaßnahmen Seite 33
Literaturverzeichnis Seite 36
Einleitung
Friedlich war der Mensch noch nie. Ganz im Gegenteil. Im Laufe der Geschichte hat er eine ungeahnte Kreativität an den Tag gelegt, wenn es darum ging, neue Formen der Gewalt hervorzubringen. Gerade gegenüber einer großen Masse scheint es dem Mensch nie an Möglichkeiten der Gewaltanwendung gefehlt zu haben: Minderheitenverfolgung, von der "ethnische Säuberung" bis hin zum Holocaust, Staatsterror, Krieg, etc.. Doch wie unterschiedlich diese Gewalt gegenüber einer Masse in ihrer Form und dem Grad der Grausamkeit auch sein mag, eins ist ihnen doch fast allen gemein: Die Berechenbarkeit ihres Auftretens.
Aufgrund seiner Erfahrung mit diesen Phänomenen weiß der Einzelne in welcher Situation ihm von wem Gewalt droht, und welches Ausmaß sie annehmen wird. Jene Ordnung im Chaos macht es dem betroffenen Menschen sicherlich etwas einfacher mit der Massengewalt umzugehen.
Bei terroristischer Gewalt fehlt dieses beruhigende Merkmal jedoch völlig. Terrorismus kann im Prinzip jederzeit alle Mitglieder der betroffenen Gesellschaft erfassen. Keine persönlichen Merkmale, Handlungen oder Schutzmaßnahmen kann den Einzelnen vor den Terrorismus bewahren. Das Erscheinen dieser Gewaltform ist nicht mehr antizipierbar! Diese Tatsache stellt somit die Quelle der schockierenden Wirkung des Terrorismus dar.
Verbinden wir dieses gesellschaftliche Tabu der Gewaltanwendung, in ihrer extremsten Ausprägung also Mord, mit dem Tabu des Suizids, so ergibt sich die "Faszination" und außerordentliche Wirkung, die von den Selbstmordattentaten ausgeht.
Auch büßte der moderne Selbstmordterrorismus bisher in seiner Geschichte nichts an Aktualität ein. Orientierungslose Menschen, Rettungshelfer, zerfetzte Körper und Häuser - mittlerweile sind die Bilder der Folgen eines Selbstmordattentats jedem vertraut. Fast im wöchentlichen Rhythmus werden sie in den Nachrichtenmedien gezeigt. Insbesondere im Konflikt mit dem Staat Israel sind Selbstmordanschläge für die Palästinenser scheinbar die Terrorismusform Nummer eins.
Im Verlauf dieser Arbeit soll nun versucht werden, diesem Phänomen des Selbstmordanschlages etwas näher zu kommen. Insbesondere die Person des Selbstmordattentäters steht im Zentrum der Arbeit. Welche Persönlichkeiten entschließen sich dazu, ihr eigenes und fremdes Leben für ein angeblich höheres Ziel zu opfern? Welche Gründe und Motivationen haben sie hierfür? Welche Wege führen zum Selbstmordattentat? Wie bewältigen diese Menschen den immensen psychischen Streß, der mit der Überwindung des urmenschlichsten Triebes der Selbsterhaltung unzertrennlich verbunden ist? Dies sind im Kern die Hauptfragen, mit denen ich mich im Folgenden beschäftigen möchte.
Selbstmordterroristen gibt es nahezu in allen Regionen dieser Welt. Sie sind unterschiedlich motiviert und verfolgen verschiedenste Ziele. Dennoch wird in dieser Arbeit zum größten Teil von moslemischen Selbstmordattentätern im Nahen Osten die Rede sein. Diese Konzentration ergibt sich aus der verfügbaren Literatur zu diesem Thema. Selbstmordattentate im islamischen Kontext wurden in der Vergangenheit schlicht und ergreifend am häufigsten und besten untersucht. Somit besitzt diese Arbeit natürlich auch eine eingeschränkte Aussagekraft bei nicht religiös, bzw. nicht islamisch motivierten Selbstmordterrorismus.
Weiterhin möchte ich darauf hinweisen, dass im Zusammenhang mit dem Thema dieser Arbeit nicht von dem Islam an sich die Rede sein wird. Es liegt mir fern, diese Religion zu verurteilen, noch alle anderen Religionen von ihrer eventuellen Mitschuld an Terrorismus freizusprechen. Der Nahe Osten stellt nun mal ein Sonderfall dar. Aufgrund geographischer, gesellschaftlicher und politischer Faktoren entstand dort im Zusammenspiel mit der islamischen Tradition ein Klima, dass sich geradezu als perfekter Nährboden für Selbstmordattentate erwies.
Bei der Bedeutung des Islams für diese Arbeit bleibt noch zu erwähnen, dass fast alle zitierten Werke aus der Feder westlicher Autoren stammt. Aufgrund der Unterschiede zwischen der christlichen/jüdischen und der islamischen Kultur ist es somit fast unmöglich, diese Arbeit von latenten und eventuell negativen Bewertungen völlig frei zu halten. Falls solche Bewertungen im Text vorkommen sollten, lag dies nicht in meiner Absicht.
1. Das Gesicht des Todes: Wer wird zum Selbstmord- attentäter?
Im Vergleich zum normalen Terrorismus sind beim Selbstmordterrorismus die soziologischen und psychologischen Merkmale des Terroristen weitaus interessanter. Schließlich ist die Bereitschaft zur bloßen Tötung an sich nichts außergewöhnliches und auch nicht nur dem Terrorismus vorbehalten. Dagegen stellt der terroristische Selbstmord eine Besonderheit dar. Denn der Selbstmordattentäter handelt nicht aufgrund Depressionen oder ähnliches wie beim normalen Suizid, sondern aus Überzeugung. Wollen wir uns also dem Phänomen der Selbstmordanschläge nähern, müssen wir zunächst den Akteur näher betrachten. Welcher Typus von Mensch ist bereit sein Leben für ein bestimmtes Ziel zu opfern? In diesem Kapitel soll versucht werden, jene Frage zu klären.
Ernüchternd wirkt da zunächst die Einsicht, dass es einen Selbstmordattentäter an sich nicht gibt! Das Erscheinungsbild dieses Phänomens ist zu diffus, als das man ein einheitliches Personenprofil erstellen könnte. Selbstmordattentäter entspringen eben nicht überdurchschnittlich oft einer bestimmten sozioökonomischen Gruppe der Gesellschaft. Unter den Tätern finden sich sowohl Akademiker wie Analphabeten, vermögende Menschen wie verarmte Arbeitslose. Noch nie hatte das Sprichwort "Vor dem Tod sind alle gleich" solch einen Anspruch auf Gültigkeit.
Auch über die genauen Ursachen der Entscheidung zum Selbstmordattentat wissen wir eigentlich so gut wie nichts. Wir sehen mit dem Anschlag selbst immer nur den kurzen Schluß einer langen Entwicklung.
Trotz des Fehlens eines eindeutigen Täterprofils kennen wir doch einige Gemeinsamkeiten, die die meisten Selbstmordattentäter aufweisen. Allerdings handelt es sich dabei weder um hinreichende, noch notwendige Kriterien. Selbstmordattentäter weisen weder alle der folgenden Merkmale auf, noch wird man automatisch zu einem, falls man alle erfüllt.
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