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Autor: Katrin Wolfmeyer
Fach: Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Details
Tags: Handlungsorientierter, Religionsunterricht
Jahr: 2002
Seiten: 27
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 257 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-35474-5
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms Universität Münster
Katholisch-Theologische Fakultät
Institut für Lehrerausbildung
Grundkurs-Unterseminar: „Theologie studieren - Religionspädagoge / in werden“
Handlungsorientierter Religionsunterricht
von: Katrin Wolfmeyer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zum Begriff „Handlungsorientierter Unterricht“ 5
2.1 Historische Wurzeln des handlungsorientierten Unterrichts 5
2.2 Merkmale und Ziele eines handlungsorientierten Unterrichts 6
2.3 Zur Notwendigkeit eines handlungsorientierten Unterrichts 9
3 Handlungsorientierung im Religionsunterricht 12
3.1 Einführung 12
3.2 Zur Bedeutung handlungsorientierter Elemente im Religionsunterricht 14
3.2.1 Ganzheitlichkeit 15
3.2.2 Handeln 16
3.2.3 Öffnung von Schule 20
3.2.4 Soziales Lernen 21
4 Schlussbetrachtung 22
5 Literaturverzeichnis 26
1 Einleitung
Was du mir nennst, das vergesse ich.
Was du mir zeigst, das behalte ich.
Woran du mich teilhaben lässt, das begreife ich.
(Chinesisches Sprichwort)
Oft herrscht in der religionspädagogischen Praxis ein Verständnis vor, welches religiöses Lernen durch ein Reden über theologische Fragen und Inhalte gewährleistet sieht. Glaube und Religion werden zu einem objektiven Wirklichkeitsbereich, der durch Gespräch und Diskussion, durch Begriffsbildung und eine sprachliche Erarbeitung von Zusammenhängen, durch Ordnen, Vergleichen und Reflektieren erschlossen werden soll. Stellen solchartige Lernprozesse die einzige Form des Lernens dar, so sieht sich gerade Religionsunterricht, dem es um eine Auseinandersetzung mit menschlichen Grunderfahrungen und der Vieldimensionalität menschlichen Lebens geht, der Gefahr ausgesetzt, dass ihm die Wirklichkeit zerrinnt, auf die er sich bezieht.
Schule hat es vordringlich mit einem Be greifen der Wirklichkeit zu tun, damit die Schülerinnen und Schüler lernen, in ihr angemessen zu handeln. Wie also kann Religionsunterricht gestaltet werden, damit er –um auf das obige Sprichwort zurückzukommen- seine Schülerinnen und Schüler an christlichem Glauben teilhaben und sie Religion begreifen lassen kann? Handlungsorientierter Religionsunterricht soll in der vorliegenden Hausarbeit zu gleichnamigem Thema als ein möglicher Antwortversuch auf diese und sich daraus ergebende Fragen dargestellt werden. Methodisch betrachtet wird dabei eine Vorgehensweise angewendet, die vom Allgemeinen zum Differenzierten führen soll. Um eine Grundlage für das Verständnis des Lesers zu schaffen, soll zu Beginn der Arbeit der Begriff des Handlungsorientierten Unterrichts aus einer allgemeindidaktischen Perspektive heraus betrachtet werden. Dabei geht es zunächst darum, seine historischen Verankerungen bzw. Anfänge transparent zu machen.
Über eine sich anschließende Darlegung der wichtigsten Merkmale und Zielformulierungen soll daraufhin zu Begründungsversuchen für das Unterrichtsprinzip der Handlungsorientierung geführt werden. Das folgende Kapitel beabsichtigt, die erarbeiteten Aspekte in den spezifischen Kontext des Religionsunterrichts zu übertragen. Eine kurze Einführung in die Situation des gegenwärtigen Religionsunterrichts zeigt zunächst auf, an welchen Fragestellungen ein handlungsorientierter Religionsunterricht anzusetzen versucht; im weiteren Verlauf soll eingegangen werden auf die Bedeutung einiger zentraler Elemente eines Lernens in Handlungszusammenhängen für die Glaubensvermittlung.
In der Schlussbetrachtung schließlich geht es darum, durch eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Bedingungen, welche es für die Realisierbarkeit handlungsorientierter Zielformulierungen zu beachten gilt, Chancen, aber auch eventuelle Grenzen eines handlungsorientierten Religionsunterrichts aufzuzeigen. Da nicht in allen Fällen Seitenangaben der Literatur, aus der die verwendeten Zitate stammen, bekannt sind, wird zugunsten einer einheitlichen Darstellung darauf verzichtet, die Fußnoten an den Seitenenden auf Verweise auf Autor, Kurztitel und Seitenzahl zu reduzieren.
2 Zum Begriff „Handlungsorientierter Unterricht“
2.1 Historische Wurzeln des handlungsorientierten Unterrichts
Der Begriff des Handlungsorientierten Unterrichts, welcher verstärkt seit den 1980er Jahren in (fach)didaktischen Abhandlungen auftaucht, stellt keine Bezeichnung für ein theoretisch exakt definiertes Unterrichtsmodell dar. Vielmehr integriert handlungsorientiertes Lernen eine Vielzahl verschiedenster, in enger Verbindung zueinander stehender Unterrichtsmethoden und –praktiken, wozu unter anderem „Freiarbeit, offener Unterricht, entdeckender Unterricht, erfahrungsorientierter Unterricht“1 gezählt werden. Als gemeinsame Basis formulieren all diese Formen „die eigentätige, viele Sinne umfassende Auseinandersetzung und aktive Aneignung eines Lerngegenstandes“. 2
Historisch betrachtet findet die Forderung nach Handlungsorientierung einen Bezugsrahmen in der materialistischen Aneignungspsychologie, vor allem aber weisen Konzepte handlungsorientierten Unterrichts grund- legende Prinzipien der reformpädagogischen Tradition auf (vgl. J. Dewey, J. Kerschensteiner, M. Montessori, E. Key), welche in ihren Ideen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu „Unterricht und Erziehung vom Kinde aus“3 aufgerufen hatten. Besondere Bedeutung erhielt außerdem das spielerische, kreative, selbstgesteuerte und ganzheitliche Lernen; die Schule selbst galt es nach reformpädagogischer Auffassung „zu einem Lernort zu entwickeln, in dem Leben in Verbindung zur außerschulischen Wirklichkeit möglich“4 war.
Viele dieser Ansätze werden in modernen Konzepten handlungs- bzw. erfahrungsorientierten Unterrichts aufgegriffen, ergänzt und in Anpassung an die sich stets verändernden Sozialisationsbedingungen der Schüler- generationen weiterentwickelt.
2.2 Merkmale und Ziele eines handlungsorientierten Unterrichts
[...]
1 Gudjons, H., Was ist handlungsorientierter Unterricht?, Argumente und Prinzipien, in: KatBl 6/2000, S. 392.
2 Ebd.
3 Köck, P. / Ott, H. (Hgg.), Wörterbuch für Erziehung und Unterricht, 5. Aufl., Donauwörth 1994, S. 589.
4 Ebd.
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