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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 45 Pages
Author: Katrin Wolfmeyer
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Tags: Analyse, Buches, Schweigemund, Heiko, Neumann, Thema, Gewalt, Kinder, Jugendliche
Year: 2004
Pages: 45
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35487-5
File size: 311 KB
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Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms Universität Münster
Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Hauptseminar: „Gewalt gegen Kinder als Thema in Kinder- und Jugendbüchern“
Analyse des Buches "Schweigemund" von Heiko Neumann
zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
von: Katrin Wolfmeyer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Sexueller Missbrauch 5
2.1 Was ist sexueller Missbrauch? – Begriffsklärung 5
2.2 Formen von sexuellem Missbrauch 6
2.3 Zahlen und Fakten zum Ausmaß sexuellen Missbrauchs 9
2.4 Missbrauchsdynamik 10
2.5 Ursachen von sexuellem Missbrauch 12
2.5.1 Der familiendynamische Erklärungsansatz 13
2.5.2 Der feministisch – gesellschaftliche Erklärungsansatz 14
2.6 Folgen von sexuellem Missbrauch 15
2.6.1 Körperliche Folgen 16
2.6.2 Psychosomatische Folgen 17
2.6.3 Psychische Folgen 18
2.6.4 Autoaggressives Verhalten 19
2.6.5 Folgen im Sozialverhalten 20
2.6.6 Folgen im Sexualverhalten 21
2.7 Prävention von sexuellem Missbrauch 22
2.7.1 Präventionsbegriff 22
2.7.2 Inhalte und Ziele präventiven Handelns 23
3 Buchanalyse: Heiko Neumann: „Schweigemund“ 25
3.1 Informationen zum Autor 25
3.2 Inhaltsangabe 25
3.3 Inhaltliche Analyse 28
3.3.1 Realitäts- und Problemgehalt 28
3.3.2 Erklärungsansätze 33
3.3.3 Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven 34
3.3.4 Prävention 35
3.4 Stilanalyse – Sprache / Form 36
3.4.1 Äußere Aufmachung 36
3.4.2 Struktur / Aufbau des Buches 36
3.4.3 Sprache / ästhetische Elemente 39
3.4.4 Rezeptionsanalyse 40
3.5 Didaktisch-methodische Fragestellungen 41
4 Zusammenfassende Bewertung 43
5 Literaturverzeichnis 44
1 Einleitung
Sexualität und vieles, was damit zusammenhängt, stellt noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft dar. Zwar ist das Problem des sexuellen Missbrauchs aus der Tabuzone des Heimlichen heraus ins öffentliche Gespräch geraten, aber dennoch vergisst man schnell wieder, dass man darüber gesprochen hat. Auch über das hohe Ausmaß betroffener Kinder werden nur wenige Worte verloren, obwohl unzählige Jungen und Mädchen tagtäglich zu Opfern sexueller Gewalt werden.
Man muss davon ausgehen, dass in vielen Klassen vor allem Mädchen über entsprechende Erfahrungen verfügen. Aus diesem Grund sind Lehrerinnen und Lehrer für die Anzeichen sexuellen Missbrauchs zu sensibilisieren und aus ein angemessenes Reagieren bei einem Missbrauchsverdacht vorzubereiten, denn sie stellen für viele Betroffene oftmals die erste und einzige Möglichkeit dar, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Im schulischen Unterricht bestehen vielfältige Möglichkeiten, vor allem auch auf Wegen der Zusammenarbeit mit den Eltern, die Missbrauchsthematik zu behandeln. Präventionsarbeit ist an dieser Stelle ein wichtiger Begriff. Neben Materialien wie Liedern, Filmen oder Theaterstücken bieten sich auch Kinder- und Jugendbücher an, um sexuelle Gewalt in der Schule zu thematisieren. Aus diesem Grund befasst sich der zweite Teil dieser Hausarbeit mit der Analyse eines entsprechenden Jugendbuches, der Erzählung „Schweigemund“ von Heiko Neumann. Nach einer Auseinandersetzung mit der inhaltlichen und stilistischen Umsetzung der Missbrauchsthematik in diesem Jugendbuch soll die Frage beantwortet werden, inwiefern dessen Einsatz im schulischen Unterricht sinnvoll ist. Vorab jedoch soll als Grundlage ein Überblick über die Formen, das Ausmaß, die Dynamik, die Ursachen, die Folgen und die Prävention von sexuellem Missbrauch geschaffen werden.
2 Sexueller Missbrauch
2.1 Was ist sexueller Missbrauch? – Begriffsklärung
Trotz zahlreicher Definitionsversuche ist es bis heute nicht gelungen, eine allgemeingültige Definition von sexuellem Missbrauch zu formulieren. Dennoch existieren einige Kriterien, die zu einer Begriffsbestimmung verwendet werden können. 1 Hierzu gehören die Art der sexuellen Handlung, der Altersunterschied zwischen Täter und Opfer, der an den Missbrauch gebundene Macht- und Autoritätsmissbrauch des Täters sowie die aus dem kindlichen kognitiven und psychischen Entwicklungsstand heraus resultierende Unfähigkeit des Opfers, der sexuellen Handlung mit einem Erwachsenen wissentlich zustimmen zu können. Auch die Anwendung von körperlicher und psychischer Gewalt, um die eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes befriedigen zu können, findet in Definitionsvorschlägen ebenso Berücksichtigung wie der Druck zur Geheimhaltung. Seltener beinhalten die Definitionen auch die Absichten des Täters sowie Ausmaß, Dauer, Folgen und kulturelle Hintergründe der Tat.
Einige Definitionen sollen an dieser Stelle exemplarisch vorgestellt werden:
„Sexueller Missbrauch ist immer dann gegeben, wenn ein Mädchen oder Junge von einem Erwachsenen oder älteren Jugendlichen als Objekt der eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt wird. Kinder und Jugendliche sind aufgrund ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung nicht in der Lage, sexuellen Beziehungen zu Erwachsenen wissentlich zuzustimmen. Fast immer nutzt der Täter ein Macht- oder Abhängigkeitsverhältnis aus.“2 „Sexueller Missbrauch an Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.“3
„Sexueller Missbrauch an Mädchen ist körperliche und psychische Gewaltanwendung und Machtausübung mittels sexueller Handlungen an Körper und Seele eines Mädchens.“4 „Sexueller Missbrauch eines Kindes ist dann gegeben, wenn ein Erwachsener beziehungsweise ein Jugendlicher gezielt ein Kind für seine eigene sexuelle Erregung und/oder Befriedigung braucht und benutzt. Der Erwachsene ist dem Kind gegenüber immer in einer Machtposition. Das Kind ist jünger und unwissend. In den meisten Fällen hat es diesem Erwachsenen gegenüber Vertrauen und/oder ist direkt abhängig von ihm. Es ist daher nicht in der Lage, frei und wissend zu entscheiden. Wenn es unter diesen Bedingungen den verlangten Handlungen zustimmt, überblickt es nicht, dass es dadurch in seiner weiteren Entwicklung geschädigt wird.“5 Die Frage „Was ist sexueller Missbrauch?“ lässt sich also nicht leicht beantworten. Historische und kulturelle Entwicklungen in der Gesellschaft und unterschiedliche Forschungs- und Erklärungsansätze setzen verschiedene Schwerpunkte bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema und bedingen so eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionsvorschläge.6 Abweichungen finden sich hauptsächlich in der Klärung der Fragestellung, was schon und was nicht mehr als sexueller Missbrauch betrachtet wird. Insbesondere der Aspekt, ob sexueller Missbrauch in jedem Fall eine Form von Körperkontakt beinhalten muss, oder ob auch „Non-Kontakt-Handlungen“7 darunter zu fassen sind, trägt zur Uneinheitlichkeit der Definitionen bei. 8 Einigkeit hingegen besteht in dem Punkt, dass einem missbrauchten Kind unter keinen Umständen die Verantwortung für den Missbrauch zugeschrieben werden kann, sondern die Schuld für die sexuelle Gewalt immer allein beim Täter zu suchen ist, da dieser bewusst zur eigenen Bedürfnisbefriedigung seine überlegene Position ausnutzt. Abhängig davon, wie eng bzw. weit eine Definition gefasst ist, variiert die Anzahl der von sexuellem Missbrauch betroffenen Kinder.9
2.2 Formen von sexuellem Missbrauchs
Sexueller Missbrauch hat zahlreiche Erscheinungsformen, sei er innerhalb oder außerhalb der Familie, mit oder ohne (psychische) Gewaltanwendung oder „sichtbar“10 (d.h. die sexuellen Absichten des Erwachsenen werden nach außen hin in seinem Verhalten deutlich) bzw. „unsichtbar“11 (d.h. der Erwachsene verhält sich nach außen hin scheinbar fürsorglich und verdeckt so seine innerlichen sexuellen Absichten). Auch die Dauer des Missbrauchs variiert zwischen einmaligen Vorfällen und Vorkommnissen, die über mehrere Jahre hinweg andauern. 12
Betont werden muss, dass sexueller Missbrauch nicht gleichbedeutend mit vollzogenem Geschlechtsverkehr sein muss, vielmehr kann er bereits „mit Worten und Blicken [...] erfolgen oder vorbereitet werden.“13 Auch das Miterleben sexueller Missbrauchshandlungen an einem Anderen kann ein Kind bzw. einen Jugendlichen selbst zum Opfer machen. Eine übersichtliche Einteilung auftretender Missbrauchshandlungen findet man beispielsweise bei H. Saller, die zwischen „Formen sexuellen Missbrauchs, die unmissverständlich sind, anderen ausbeutenden Formen sexueller Handlungen an einem Kind und grenzwertigen Verhaltensweisen“14 differenziert.
Bevor diese nun anhand konkreter Situationen näher erläutert werden sollen, bleibt festzuhalten, dass die Intensität einer sexuellen Missbrauchshandlung in keiner Weise zuverlässig darüber Auskunft gibt, wie schädigend diese jeweils für das Opfer ist; dessen persönliches Erleben kann von Fall zu Fall sehr verschieden sein.15 Unmissverständliche Formen des sexuellen Missbrauchs sind solche Formen, die allgemein als sexuelle Missbrauchshandlungen erkannt werden. Gemeint sind alle Formen oraler, analer und genitaler Vergewaltigungen des Kindes, d.h. das Eindringen in den After oder die Scheide des Kindes mit Fingern, Penis oder Fremdkörpern; auch das Zwingen eines Kindes, den Erwachsenen oral- genital zu befriedigen, fällt unter die o.g. Kategorie.16
[...]
1 Vgl. Koch, Helmut H. / Kruck, Marlene: „Ich wird`s trotzdem weitersagen!“. Prävention gegen sexuellen Missbrauch in der Schule (Klassen 1-10). Theorie, Praxisberichte, Literaturanalysen, Materialien. Hg. von Vera Bücker, Bernhard Nadorf und Markus Potthoff. Münster: LIT Verlag, 2000, S. 3 ff. (Im Folgenden abgekürzt mit Koch / Kruck, 2000.)
2 Enders, Ursula (Hg.): Zart war ich, bitter war`s. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Erkennen – Schützen – Beraten. Köln: Volksblatt Verlag, 1990, S. 21. (Im Folgenden abgekürzt mit Enders, 1990.)
3 Suer, Paul H.: Sexuelle Ge walt gegen Kinder. Hamburg: Rasch und Röhring Verlag, 1998, S. 31. (Im Folgenden abgekürzt mit Suer, 1998.)
4 Steinhage, Rosemarie: Sexueller Missbrauch an Mädchen. Ein Handbuch für Beratung und Therapie. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1989, S. 18. (Im Folgenden abgekürzt mit Steinhage, 1989.)
5 Frei, Karin: Sexueller Missbrauch. Schutz durch Aufklärung. 3., überarb. Aufl., Ravensburg: Ravensburger Buchverlag, 1997. S. 12. (Im Folgenden abgekürzt mit Frei, 1997.)
6 Koch / Kruck, 2000, S. 3.
7 Brockhaus, Ulrike / Kolshorn, Maren: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Mythen, Fakten, Theorien. Frankfurt a.M.; New York: Campus Verlag, 1993, S. 22. ( Im Folgenden abgekürzt mit Brockhaus / Kolshorn, 1993.)
8 Vgl. ebd.
9 Vgl. Suer, 1998, S. 32.
10 Reinhold, Marion: Unverheilte Wunden. Sexueller Missbrauch in der Kindheit. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1994, S. 18. (Im Folgenden abgekürzt mit Reinhold, 1994.)
11 Ebd.
12 Vgl. Elliott, Michele: So schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch, Gewalt und Drogen. Aus dem Engl. übers. von Theresa Bullinger. Stuttgart: Kreuz Verlag, 1991, S. 20. (Im Folgenden abgekürzt mit Elliott, 1991.)
13 Deegener, Günther: Kindesmissbrauch - erkennen, helfen, vorbeugen. Basel; Weinheim: Beltz Verlag, 1998, S. 23. (Im Folgenden abgekürzt mit Deegener, 1998.)
14 Vgl. Koch / Kruck, 2000, S. 8 f.
15 Vgl. Suer, 1998, S. 24.
16 Vgl. Koch / Kruck, 2000, S. 8.
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