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Termpaper, 2002, 20 Pages
Author: M.A. Andree Wippermann
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Institution/College: University of Osnabrück
Tags: Gesellschaftsbegriff, Emile, Durkheim, Weber, Vergleich, Geschichte, Soziologie
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35504-9
ISBN (Book): 978-3-638-81006-7
File size: 191 KB
Zwei Urheber der modernen Soziologie im Vergleich.
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Abstract
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, die erkenntnistheoretischen, methodologischen und begrifflichen Prämissen der Theorie Max Webers zu analysieren und die mir als wesentlich erscheinenden Quellen seiner Wissenschaftsauffassung darzustellen. Das Werk Max Webers wird dabei zunächst nicht direkt besprochen, vielmehr geht es um die philosophischen Voraussetzungen, die zu der sozialwissenschaftlichen Theorie geführt haben. Die These des Autors ist, dass ohne diese philosophische und erkenntnistheoretische Fundierung keine Webersche Theorie möglich gewesen wäre; ich möchte sogar so weit gehen und sagen, dass keine „sinnvolle“ soziologische Theorie dieser Grundlage entbehren kann. Wenn sich der Theoretiker nicht vorher klarmacht, was er unter Wirklichkeit versteht und wie beispielsweise Begriffe wie Erkennen und Verstehen zusammenhängen, sprich: wenn der Gegenstand seiner Betrachtung und seine Vorstellung darüber, wie er diesen Gegenstand fassen möchte nicht geklärt wurden, so wird die Theorie mangelhaft bleiben. An Max Weber soll an dieser Stelle exemplarisch die mögliche Genese einer soziologischen Theorie festgemacht werden. Dabei wird insbesondere sein Objektivitätsaufsatz wichtige Einsichten in seine Wissenschaftsauffassung geben. Nicht leicht ist es sicherlich, sein philosophisches Fundament frei zu legen, geht Weber doch nie direkt auf diese Kategorien ein.
Excerpt (computer-generated)
Universität Osnabrück
Hauptfach: Soziologie
Geschichte der Soziologie
Fachsemester: 08
Der Gesellschaftsbegriff von Emile Durkheim
und Max Weber im Vergleich
von: Andree Wippermann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung [3]
2. Der Gesellschaftsbegriff bei Emile Durkheim
2.1 Der zeitgeschichtliche Hintergrund [4]
2.2 Vorstellungen über Gesellschaft in seinen Frühschriften [5-7]
2.3 Das Gefühl der Obligation [7-9]
2.4 Gemeinschaft und Gesellschaft [9-11]
3. Der Gesellschaftsbegriff bei Max Weber
3.1 Sinn, Handlung und Ordnung -Webers Grundbegriffe [12-14]
3.2 Vergesellschaftung und Gesellschaftshandeln [14-17]
3.3. Kategorien der Ordnung und Struktur [17-18]
5. Schlussbetrachtung [19]
6. Literaturverzeichnis [20]
1. Einleitung
Max Weber (1864-1920) und Emile Durkheim (1858-1917) gilt es in dieser Arbeit anhand ihrer Begriffes von Gesellschaft zu vergleichen. Ihre herausragende Stellung innerhalb der Geschichte der Soziologie brauch hier nur am Rande erwähnt werden. Beide Autoren gelten als Klassiker und finden in moderner Literatur stetig Verwendung. Über den Gesellschaftsbegriff versuche ich elementare Einsichten über Ihre Vorstellungen von den sozialen Dingen zu erhalten. Dies ist meiner Ansicht nach auch naheliegend, begründet sich das doch Thema aus dem Wort „Soziologie“, - lat. societas - die Lehre von der Gesellschaft.
Notwendig scheint zunächst, dass beide Autoren auch über einen klar definierten Begriff von Gesellschaft verfügen. Durkheim lässt in diesem Fall kaum Wünsche offen – was bitte nicht mit einer einfältigen Betrachtung seinerseits verwechselt werden sollte-, wohingegen der Zugang zu Max Weber etwas steiniger war: Weber kommt auf den ersten Blick ohne einen Gesellschaftsbegriff aus. Im Gegensatz zu Durkheim verwendet er diesen Ausdruck selten explizit, was eine Methode hinter diesem Vorgehen vermuten lässt, auf die ich im Laufe dieser Ausarbeitung noch eingehen werde. Anhand einer begrenzten Auswahl von Aufsätze wird an dieser Stelle versucht, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie beide Autoren Gesellschaft gedacht haben. Anspruch auf Vollständigkeit kann selbstverständlich, nicht erhoben werden, da die Auswahl der besprochenen Punkte meiner subjektiven Meinung über deren Wichtigkeit unterlag.
2. Gesellschaftsbegriff bei Emile Durkheim
2.1 Der zeitgeschichtliche Hintergrund
Der Zugang zu Durkheims Werk wird durch die Kenntnis um den zeitgeschichtlichen Hintergrund erleichtert. Seine frühen Schriften wurden am Ende des 19. Jahrhunderts verfasst, eine Zeit des Übergangs von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Den unter Punkt 2.3 behandelten Aufsatz über das Gefühl der Obligation schrieb Durkheim im Jahr 1906; somit zu einer Zeit, in der die industrielle Revolution in Frankreich - wie unter anderem auch in Deutschland – bereits weit vorangeschritten war und tiefgreifende Veränderungen mit Folgen für Staat und Gesellschaft mit sich führte. In Europa entstanden Industriereviere, daraus resultierenden Ballungszentren und Kapitalgesellschaften, die beispielsweise wiederum für den kostenintensiven Ausbau des Eisenbahnnetzes nötig wurden. War zu Beginn dieser industriellen Entwicklung die Fabrik im Besitz des Unternehmers oder einer Familie, so kündigte die Aktiengesellschaft 1 als vorherrschende Unternehmensform seinerzeit einen grundlegenden Wandel in den Besitzverhältnissen an. Naturwissenschaftliche Entdeckungen und Erkenntnisse wirkten sich direkt auf das Leben der Menschen aus; so ermöglichte eine effizientere Nutzung der Böden die Versorgung der stark wachsenden Bevölkerung. Die Naturwissenschaft als Leitwissenschaft hatte ebenfalls starken Einfluss auf Philosophie und die im Entstehen begriffene Soziologie bzw. den Geisteswissenschaften. Auguste Comte (1798-1857) übernahm sozusagen das Paradigma der Naturwissenschaften, verwarf alles, was über das Gegenständliche dieser Welt hinaus ging und hielt sich nur an tatsächlich gegebene und beobachtbare Tatsachen (--> Positivismus), die durch Experiment und Beobachtung untersucht werden müssten.
2.2 Vorstellungen über Gesellschaft in seinen Frühschriften
In Durkheims frühen Schriften, beginnend mit seiner Eröffnungsvorlesung zur Einführung in die Sozialwissenschaft 1887 in Bordeaux, lassen sich seine Vorstellungen über Gesellschaft relativ leicht entnehmen2. In der Übersetzung zeichnet Durkheim seinen Weg der Sozialwissenschaft zu einer echten Wissenschaft von der Gesellschaft nach. Wir können gerade hier viel über seine Einflüsse, seinen Bezug zur Naturwissenschaft, seine Methode und ganz allgemein über seine Vorstellungen gesellschaftlicher Entwicklung entnehmen. Zwar nicht frei von Widersprüchen – an vielen Stellen wendet sich Durkheim beispielsweise gegen die Einbeziehung des Zufalls3 in die Untersuchung von sozialen Tatsachen, um einige Absätze weiter von der Gesellschaft als einen Baum zu sprechen, „dessen Zweige von allen Punkten des Stammes aus nach Zufall entsprießen“4 – so finden sich gerade in diesen frühen Werken – wenn man so will skrupulöser als bei Weber offengelegte- Kernpunkte seiner Theorie, die seine späteren Aufsätze verständlicher werden lassen. In der Einleitung zu den Übersetzungen von Lore Heisterberg geht die Autorin auch auf die Funktion dieser frühen Aufsätze ein; sie sollen demnach Durkheims Weg zu einer echten Wissenschaft von der Gesellschaft aufzeigen können5.
Durkheims Entscheidung für sein Engagement in die Wissenschaft von den sozialen Dingen liegen verschiedene biografische Ursachen zu Grunde, die ich kurz ansprechen möchte6. Heisterberg verweist in diesem Zusammenhang auf einige Schlüsselerlebnisse, die seine späteren Schriften beeinflusst haben. Durkheim stand in Auseinandersetzung mit dem Absolutheitsanspruch von Religion. Die daraus resultierenden Abwendung allem religiösen und mythischen gegenüber darf nicht verdecken, dass Durkheim immer die Kernfunktion von Religion in Gesellschaften betonte. Sein Interesse an übergreifender, säkularer Moral wird auch an dem Aufsatz über das Gefühl der Obligation deutlich, den ich später besprechen werde. Der Begriff der Moral nimmt bei Durkheim eine zentrale Stellung ein, man könnte ihn als Kitt, der die Gesellschaft aus den Individuen gründet, betrachten.
[...]
1 französische Bezeichnung: société anonyme (SA)
2 Originaltitel der Vorlesung: Cours de Science Sociale. Lecon d’Ouverture
3 vgl. Durkheim 1981, S.31 und S. 34
4 Durkheim 1981, S. 36
5 Durkheim 1981, S.22
6 vgl. Durkheim 1981, 11-25
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