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Scholary Paper (Seminar), 2005, 16 Pages
Author: Stefan Franke
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Interdisziplinäres Institut für Umweltökonomik)
Tags: Kuhn, Lakatos, Feyerabend, Abkehr, Popper, Blockseminar, Wissenschaftstheoretische, Grundlagen, Umweltökonomik
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35547-6
ISBN (Book): 978-3-640-20329-1
File size: 143 KB
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Abstract
Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts dominierte die Auseinandersetzung zwischen den "Logischen Positivisten" um den Wiener Kreis und den "Kritischen Rationalisten" um Karl Popper die Debatten in der deutschsprachigen Wissenschaftstheorie. Worum ging es in diesem Streit der erkenntnistheoretischen Schulen? Wissenschaft, so Carnap und seine Schüler, zeichne sich vor allem dadurch aus, dass sie auf der Beobachtung von Tatsachen basiere. Dadurch unterscheide sie sich von anderen Formen menschlicher Geistesbetätigung, wie etwa der Prophetie oder der Religion. Wissenschaftlicher Fortschritt wäre durch das stetige Sammeln von Erkenntnissen gekennzeichnet, die Anhäufung von partikularen Wahrheiten. Popper als der vehementeste Verfechter einer Alternative zum Induktivismus war einer der ersten, der die logischen Inkonsistenzen des Positivismus aufdeckte. In der vorliegenden Arbeit möchte ich drei Philosophen vorstellen, die in enger Auseinandersetzung mit Popper eigene einflussreiche Ansätze zur Wissenschaftstheorie entwickelt haben: Thomas Kuhn, Imre Lakatos und Paul Feyerabend. Dabei soll insbesondere untersucht werden, ob es sich jeweils um eine „Abkehr von Popper“ handelt, und in welchem Sinne man gegebenenfalls von einer solchen Abkehr sprechen kann.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Interdisziplinäres Institut für Umweltökonomik
WS 2004/2005
Seminar „Wissenschaftstheoretische Grundlagen von
Umweltökonomik und Ökologischer Ökonomik“
Hausarbeit zum Thema
Kuhn, Lakatos, Feyerabend – Die Abkehr von Popper (?)
eingereicht von
Stefan Franke
Inhaltsverzeichnis
1. Der Kritische Rationalismus – Karl Popper 2
2. Thomas Kuhn 3
2.1 Leben und Werk – Beziehung zu Popper 3
2.2 Paradigmen, Normalwissenschaft und Revolution 3
2.3 Abgrenzung von Popper 5
3. Imre Lakatos 6
3.1 Leben und Werk – Beziehung zu Popper 6
3.2 Wissenschaftliche Forschungsprogramme 7
3.3 Abgrenzung zu Popper und Kuhn 8
4. Paul Feyerabend 9
4.1 Leben und Werk – Beziehung zu Popper 9
4.2 Anything goes ? Wissenschaft und Methodenpluralismus 9
4.3 Abgrenzung zu Popper, Kuhn und Lakatos 11
5. Kuhn, Lakatos, Feyerabend – Abkehr von Popper? 12
Literatur 14
Internet-Quellen 15
1. Der Kritische Rationalismus – Karl Popper
Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts dominierte die Auseinandersetzung zwischen den Logischen Positivisten um den Wiener Kreis und den Kritischen Rationalisten um Karl Popper die Debatten in der deutschsprachigen Wissenschaftstheorie. Worum ging es in diesem Streit der erkenntnistheoretischen Schulen? Wissenschaft, so Carnap und seine Schüler, zeichne sich vor allem dadurch aus, dass sie auf der Beobachtung von Tatsachen basiere. Dadurch unterscheide sie sich von anderen Formen menschlicher Geistesbetätigung, wie etwa der Prophetie oder der Religion. Wissenschaftlicher Fortschritt wäre durch das stetige Sammeln von Erkenntnissen gekennzeichnet, die Anhäufung von partikularen Wahrheiten. Popper als „der vehementeste Verfechter einer Alternative zum Induktivismus“1 war einer der ersten, der die logischen Inkonsistenzen des Positivismus aufdeckte.2
Eines seiner Hauptargumente gegen die Auffassungen des Wiener Kreises bestand in der Feststellung, dass das von Positivisten vertretene Bild von Wissenschaftsfortschritt in einer Art „Kübeltheorie“3 münde, die jedoch den Tatsachen nicht gerecht werde.4 Vielmehr, so Popper, zeichne sich Wissenschaft im Allgemeinen dadurch aus, dass in ihrem Rahmen getroffene Aussagen falsifizierbar sein müssten. Fortschritt sei in den Wissenschaften somit am angemessensten durch eine Kette von Versuchen und Irrtümern zu beschreiben. Wissenschaftler könnten, entgegen der vorsichtigen Methodik des Positivismus, in kühnen Vermutungen Thesen entwerfen, die danach von der scientific community diversen Widerlegungsversuchen unterzogen würden.5 Poppers Vorstellungen setzten sich schließlich durch, der Kritische Rationalismus löste den Logischen Positivismus gegen Ende der 50er Jahre als dominante Wissenschaftstheorie ab.6
In der vorliegenden Arbeit möchte ich drei Philosophen vorstellen, die in enger Auseinandersetzung mit Popper eigene einflussreiche Ansätze zur Wissenschaftstheorie entwickelt haben: Thomas Kuhn, Imre Lakatos und Paul Feyerabend. Dabei soll insbesondere untersucht werden, ob es sich jeweils um eine „Abkehr von Popper“ handelt, und in welchem Sinne man gegebenenfalls von einer solchen Abkehr sprechen kann.
2. Thomas Kuhn
2.1 Leben und Werk – Beziehung zu Popper
Thomas Kuhn (18.07.1922-17.06.1996) begann seine akademische Karriere als Physiker, er bringt ein fundiertes Wissen über die naturwissenschaftliche Forschungspraxis und deren Entwicklung in die Wissenschaftstheorie mit. 1949 promovierte er in Harvard, wo er bis 1956 verschiedenen Lehrtätigkeiten nachging. Nach Professuren in Berkeley (bis 1964) und Princeton (bis 1979) war er bis zum Lebensende am MIT tätig. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. ein Werk zum Übergang vom geo- zum heliozentrischen Weltbild („The Copernican Revolution“, 1957) und zahlreiche wissenschaftstheoretische und wissenschaftshistorische Aufsätze (zum Teil gesammelt in „The Essential Tension“, 1977). Sein Beitrag, so Kuhn, sollte weniger theoretisch orientiert sein, sondern primär mit der Wissenschaftsgeschichte in Einklang stehen.7
Kuhns Hauptwerk („The Structure of Scientific Revolutions“, 1962) war ursprünglich als historischer Teil einer dem logischen Positivismus verpflichteten Enzyklopädie der Wissenschaften geplant. Doch statt sich in den von Carnap, Morris und Hempel gesteckten Rahmen einzufügen, geriet es zum „Sprengsatz des ganzen Programms“.8
2.2 Paradigmen, Normalwissenschaft und Revolution
Jede wissenschaftliche Aktivität, so Kuhn, findet im Rahmen eines bestimmten Paradigmas statt. Ein solches Paradigma besteht aus allgemeinen Gesetzen und Anwendungstechniken und legt gewisse Grundannahmen (auch metaphysische Prinzipien) fest, die vom einzelnen Wissenschaftler nicht mehr hinterfragt werden müssen.9 Die Existenz eines handlungsleitenden Paradigmas ist für Kuhn das Demarkationskriterium zwischen Wissenschaft und Nicht- Wissenschaft. Gerade der Mangel an Widersprüchlichkeiten bezüglich der Grundannahmen ist es, der eine entwickelte Wissenschaft von einer Vor-Wissenschaftlichen Forschung (wie etwa der Optik vor Newton) unterscheidet.10
Die Arbeit im Rahmen eines Paradigmas (oder einer „disziplinären Matrix“) bezeichnet Kuhn als „Normalwissenschaft“. Den überwiegenden Teil der Forschung bildet das Lösen von „Rätseln“, die innerhalb des Paradigmas auftauchen. Da sich die Wissenschaftler nicht mit der Grundlagenreflektion ihres Wissensgebietes befassen müssen, besteht die Möglichkeit zur Ausbildung eines umfangreichen und hochspezialisierten Fachwissens.11 Der einzelne Wissenschaftler ist nicht etwa darauf aus, im popperschen Sinne bestehende Hypothesen einer Falsifikation zu unterziehen, sondern bemüht sich vielmehr darum, diese so zu modifizieren, dass sie sich sowohl mit der wahrgenommenen Realität als auch mit dem existierenden Paradigma vereinbaren lassen.12 Scheitert ein solcher Versuch, gilt dies in erster Linie als individuelles Versagen des Wissenschaftlers, nicht als Widerlegung der Hypothese oder gar des Paradigmas. Der einzelne erfolglose Versuch einer Anpassung des Paradigmas wird als Anomalie verbucht und kann von anderen Wissenschaftlern überprüft und wiederholt werden.13
Widersetzen sich solche Anomalien hingegen hartnäckig wiederholten Lösungsversuchen oder betreffen sie Grundannahmen des Paradigmas14, oder drängen dringliche soziale Erfordernisse auf eine Lösung eines Problems, die mit dem hergebrachten Weltbild nicht zu leisten ist, gerät die Wissenschaft in eine Krise. Das vormals nur implizit vorhandene Wissen über das eigene Paradigma und dessen Grundannahmen wird Gegenstand bewusster Reflektion, die Normalwissenschaftler verlassen den angestammten Boden des Rätsellösens und betätigen sich als Philosophen. In dieser Situation kann es, so Kuhn, zum plötzlichen Auftauchen eines Konkurrenzparadigmas kommen. Ausgehend von völlig anderen Grundannahmen ist dieses neue Paradigma womöglich in der Lage, die bisher als Anomalien betrachteten Probleme zu lösen und Zusammenhänge zu erklären, die mit dem alten Paradigma nicht zu begreifen waren. Die Existenz dieser neuen „disziplinären Matrix“ trägt zur Krise des alten Paradigmas bei. Die fachliche Unsicherheit der Wissenschaftler wird verstärkt, zunehmend radikalere Lösungsvorschläge finden Beachtung, ursprünglich sakrosankte Regeln werden gelockert. Diese Phase des Wissenschaftsbetriebes bezeichnet Kuhn als „außerordentliche Forschung“.15
[...]
1 Chalmers 2001, 51.
2 Vgl. Flor 1993a, 474 ff, Chalmers 2001, 51 ff.
3 Poser 2001, 139.
4 Vgl. ebd.
5 Vgl. Poser 2001, 139 f, Chalmers 2001, 51 ff, Flor 1993a, 478 ff.
6 Vgl. Flor 1993b, 499.
7 Vgl. Bird 2004, Chalmers 2001, 89 ff, van Gelder 1996, Flor 1993b, 500 f.
8 Poser 2001, 143.
9 Vgl. Poser 2001, 141 ff, Chalmers 2001, 90 ff.
10 Vgl. Chalmers 2001, 91, Flor 1993b, 503, Caldwell 1985, 71.
11 Vgl. Plöger 2003, 109, Poser 2001, 148.
12 Vgl. Poser 2001, 146, Chalmers 2001, 90 ff.
13 Vgl. Chalmers 2001, 92, Poser 2001, 146, Flor 1993b, 503 f.
14 Z. Bsp. ist die Existenz von Kometen unvereinbar mit dem Aristotelischen Kosmos, vgl. Chalmers 2001, 94.
15 Vgl. Schülein / Reitze 2002, 154 f, Poser 2001, 149 ff, Plöger 2003, 110 ff, Flor 1993b, 503 ff.
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