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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 37 Pages
Author: Dimitry Husarov
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Details
Institution/College: Friedensau Adventist University (Theologische Hochschule)
Tags: Lehre, Prädestinationsgedanke, Johannes, Calvins, Calvinismus
Year: 2004
Pages: 37
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 29 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35640-4
File size: 350 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die furchtbare Lehre. Prädestinationsgedanke
Johannes Calvins
von: Dimitry Husarov
Inhaltverzeichnis
Einleitung 4
1. Die geschichtliche Entwicklung des Prädestinationsgedankens 6
2. Calvins Prädestinationslehre 10
Kapitel 21: Von der ewigen Erwählung, Kraft deren Gott die einen zum Heil, die anderen zum Verderben vorbestimmt hat 10
1. Notwendigkeit und Segenswirkung der Erwählungslehre 10
2. Die erste Gefahr: der Vorwitz! 10
3. Die zweite Gefahr: das ängstliche Schweigen von der Erwählungslehre! 11
4. Vorbestimmung und Vorherwissen Gottes 11
5. Die erste Stufe: Die Erwählung Israels 12
6. Die zweite Stufe: Erwählung und Verwerfung einzelner aus Israel 12
7. Die Erwählung einzelner als wirksame Erwählung 13
8. Zusammenfassende Überschau der Erwählungslehre 13
Kapitel 22: Bekräftigung dieser Lehre aus Zeugnissen der Heiligen Schrift 15
1. Die Bestreitung der Erwählungslehre vom Verdienstgedanken her 15
2. Epheser 1,4ff. und verwandte Stellen 15
3. Römer 9-11 und ähnliche Stellen 16
4. Christi Zeugnis über die Erwählung 18
5. Die Kirchenväter, insbesondere Augustin, über das „Vorherwissen Gottes“ 18
6. Ist nicht die Erwählung an Gottes „Vorherwissen“ der Verdienste des Menschen geknüpft, als die geschenkte Gnade solche Verdienste möglich macht? 19
7. Die Allgemeinheit der Einladung Gottes und die Besonderheit der Erwählung 19
8. Auch die Verwerfung geschieht nicht auf Grund von Werken, sondern allein nach Gottes Willen 20
Kapitel 23: Widerlegung der Verleumdungen, mit denen man diese Lehre zu allen Zeiten unbillig beladen hat 22
1. Erwählung, - aber keine Verwerfung? 22
2. Erster Einwand: Die Erwählungslehre mache Gott zum Tyrannen 22
3. Zweiter Einwand: Die Erwählungslehre nähme dem Menschen die Schuld und die Verantwortung ab 23
4. Dritter Einwand: Die Erwählungslehre führe zu der Meinung, als ob es bei Gott ein „Ansehen der Person“ gäbe 25
5. Vierter Einwand: Die Erwählungslehre ertöte allen Eifer zu rechtem Leben 25
6. Fünfter Einwand: Die Erwählungslehre mache alle Ermahnungen sinnlos 26
7. Augustin als Vorbild für die rechte Art, Gottes Vorbestimmung zu predigen 26
Kapitel 24: Die Erwählung wird durch Gottes Berufung bekräftigt 28
1. Die Berufung ist von der Erwählung abhängig und deshalb wie diese einzig und allein ein Werk der Gnade 28
2. Die Art der Berufung selbst macht deutlich, dass diese allein aus Gnaden geschieht 28
3. Der rechte und der falsche Weg, um zur Gewissheit der Erwählung zu kommen 28
4. Die Erwählung ist nur in Christus zu verstehen und zu erkennen und Jesus schenkt uns Gewissheit von der Erwählung 29
5. Wer wahrhaft gläubig ist, kann nicht abfallen 29
6. Allgemeine und besondere Berufung (Mt 22,2ff.) 30
7. Das Beispiel des Judas ist kein Gegenbeweis 30
8. Die Erwählung vor ihrer Berufung. Es gibt keinen „Samen der Erwählung“ 30
9. Selbst die Predigt des Wortes kann der Verstockung dienen 31
10. Die Ursache der Verstockung 31
11. Schriftstellen, die das Gegenteil der dargelegten Lehre beweisen sollen 31
Zum Schluss 32
3. Der Rückblick auf die Prädestinationslehre 33
Schluss 35
Literaturverzeichnis 36
Die Erwählungslehre ist die Summe des Evangeliums, weil dies
das Beste ist, was je gesagt und gehört werden kann: daß Gott den
Menschen wählt und also auch für ihn der in Freiheit Liebende ist.
K. Barth.
Einleitung
„Einer, der in der Schrift zu Hause ist“. Das ist die Visitenkarte des Theologen der Reformation Johannes Calvin. Aber es gibt noch etwas, was unmittelbar mit Calvin verbunden ist. Der erste Systematiker der Reformation ist der Autor der doppelten Prädestinationslehre. Obwohl er dieser Lehre nur vier Kapitel seiner "Ins titutio religionis christianae" gewidmet hat, ist die Erwählungslehre zu dem wichtigsten Bestandteil seiner Theologie geworden. Durch die Lehre von der doppelten Prädestination differenzierte sich der Calvinismus vom Luthertum und Katholizismus. Diese Lehre wird zur „Lieblingslehre“ Calvins erklärt und wurde zur Zentrallehre erhoben. 1
In der christlichen Lehre nimmt die Prädestinationslehre eine der schwersten und unklarsten Stellungen ein. Mehrere halten diese Lehre für verschwommen, rätselhaft und sogar absonderlich. Den anderen scheint es, als sei sie ein Versuch aus dem Ressort der menschlichen Vernunft hervor zu springen. Man nimmt allgemein an, dass solche theologischen Nuancen ganz wenig praktische Anwendung haben. Diese Le hre erleidet wahrscheinlich mehr Spott als alle anderen theologischen Lehren insgesamt. Weil aber die Heilige Schrift mehr oder weniger Hinweise auf diese Lehre in sich impliziert, haben die suchenden Christen keine andere Wahl, als diesen Gegenstand gründlich zu recherchieren, um eine sinnvolle Erkenntnis in diesem Gebiet zu gewinnen. In den wissenschaftlichen Kreisen sind die verschiedenen Verständnisse des Begriffs Prädestination gängig. Deswegen ist es angebracht in erster Linie den Terminus eindeutig zu definieren. Sehr oft wird die Prädestination mit Vorherbestimmung und Erwählung in einer Reihe gestellt.2
M. Erickson platziert die Prädestination in die Mittellage zwischen Vorherbestimmung und Erwählung. Dabei heißt Vorherbestimmung der Willen Gottes über alles, was geschieht, sei es das Schicksal eines einzelnen Menschen, oder des ganzen Staates. Prädestination bezieht sich auf Gottes Entscheidung hinsichtlich des ewigen Lebens oder des ewigen Todes. Erwählung ist eine Wahl bestimmter Menschen für das ewige Leben, demzufolge die affirmative Seite der Prädestination. Im Rahmen dieser Arbeit sind diese Begriffe vom Sinn her nicht zu unterscheiden. Es wird die Meinung vertreten, dass Gott durch seine Vorherbestimmung erwählt. Prädestination ist ein entsprechender aus dem Latein stammender Terminus, der von den Kirchenvätern gebraucht wurde. Bis zum heutigen Tag wird um diese Lehre Calvins viel gestritten. Viele sind durch die Definition „doppelte“ verwirrt. Die Tatsache, dass jemand zum Verderben vorherbestimmt und zuvor verurteilt ist, scheint furchtbar zu sein. Und der, der die Le hre vertritt, scheint zu einem Monster zu werden, das keine Ahnung vom liebenden und gnädigen Gott hat.3
Ist diese Lehre wirklich so furchtbar? Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, dieser furchtbaren Lehre ein bisschen näher heran zu treten und ihr in die Augen zu schauen. Es wird ein Versuch unternommen ein wenig Licht auf Calvins Prädestinationslehre zu werfen. Vielleicht ist der Wolf nicht so furchtbar, wie man ihn malt. Der erste Teil der Arbeit wird einen kurzen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Prädestinationslehre gegeben. Im zweiten Teil wird die Lehre aus dem Sichtpunkt Calvins betrachtet. Dieser Haup tteil besteht aus dem Extrakt, der der Erwählungslehre gewidmeten Kapitel (21-24) der „Institutio“ von J. Calvin. Die Darstellung bleibt sehr nah am Text und der Gedankenlinie des Autors. Der Schluss der Arbeit wird mit einigen Schlussfolgerungen versehen sein. Gottes Wille aber ist nicht nur von allen Tadeln rein, sondern ist die höchste Richtschnur der Vollkommenheit und Gesetz aller Gesetze.
Platon
1. Die geschichtliche Entwicklung des Prädestinationsgedankens
Um die Prädestinationslehre wird immer viel gestritten. Die Annahme der verschiedenen Stellungen und Formen der Lehre hängt sehr stark von den anderen Vorgä ngen in der Theologie und in der kulturellen Umgebung insgesamt ab. Deswegen wird es von Nutzen sein, vom Ursprung her die Entwicklung der Lehre zu betrachten. Die Entstehung der Lehre in der christlichen Theologie kommt hauptsächlich aus den paulinischen Gedanken. Obwohl man auch in den anderen Schriften der Bibel mehr oder weniger Hinweise auf die Prädestination finden kann, dient die inhaltreiche Aussage Paulus über den "Erwählungsvorsatz" (toi/j kata. pro,qesin klhtoi/j ou=sin) in Röm 8,28f zum Anstoß aller weiteren Diskussionen. Die erste systematische Ausarbeitung und Zuordnung der Begriffe Erwählung, Vorherbestimmung und Berufung hat Origines durchgeführt. Nach Origines ist die Erwählung ein Akt des göttlichen Vorauswissens. "Danach sieht Gott das künftige Verhalten der Menschen voraus und richtet danach die Vorherbestimmung ihrer Wege zum Heil oder zum Verderben ein". 4
Die ersten Auseinandersetzungen um die Prädestinationslehre entstanden in der Zeit von Augustin. In der früheren Gemeinde herrschte das Bekenntnis, dass die Menschen alle Sünder sind und der Gnade Gottes bedürfen. Aber daraus wurden keine logischen Konsequenzen gezogen. Die persönlichen Erfahrungen Augustins, die mit der Wirkung der Gnade Gottes verbunden waren, ermöglichten ihm genauer als den anderen Zeitgenossen diese biblische Lehre zu begreifen. Die Vorstellungen Augustins hinsichtlich des Zustandes des Menschen formierten sich schon in der früheren Stufe seiner theologischen Tätigkeit. Nach Augustin fing Adam in der Voraussetzung der absoluten Freiheit zu leben an. Sein Wille und Handeln wurden nur durch die der Natur des Menschen entsprechenden Faktoren begrenzt. Deshalb existierte für Adam die Möglichkeit sich vom Guten abzuwenden. Durch die Sünde wurde die Natur des Menschen befleckt. Nun, weil Adam Neigung zum Bösen erworben hatte, gab er diese Anfälligkeit zur Sünde seiner Nachkommenschaft weiter. Als Folge verlor der Mensch die Fähigkeit sich dem Bösen zu widerstehen und das Gute zu tun. Nach Augustin bedeutet das nicht, dass der Wille der Menschen total gelähmt ist, sondern, dass nun der Mensch unfähig ist diesen Willen so zu benutzen, wie es Gott von ihm erwartet. Ohne Gottes Hilfe vermag der Mensch nicht das Gute zu wählen. Im Verlauf des pelagianischen Streites arbeitete Augustin die Theorie der Prädestination aus.5 Er wies wieder auf die Schuld Adams und breitete sie auf die ganze Menschheit aus. Alle Menschen beginnen ihr Leben in einem äußerst verdorbenen Zustand. Der Mensch ist frei zu wählen, aber die Wahl besteht nur darin, welche Sünde er begeht. Wenn der Mensch nur dann das Gute tut, wenn Gott ihn dazu bewegt, dann tut er das nur dann, wenn Gott es will. Also liegt alles nicht in unserem Wollen, sondern nur im Gottes Wollen. Dann hängt alles vom Ratschluss Gottes ab. Gott hat beschlossen, einigen seine Gnade zu erweisen. Und das hat Er vor der Grundlegung der Welt getan. Er hat eine bestimmte Zahl der Menschen erwählt, die der Zahl der abgefallenen Engel entspricht.
[...]
1 Otten, 7.
2 Warfield behauptet, dass die Wahl zwischen diesen Termini nur von der persönlichen Neigung abhängt. Vgl.: Warfield, 4.
3 Pöhlman, 276.
4 Pannenberg 1993, Bd. 3, 478.
5 Vgl.: Эриксон, 771.
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