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Der Donbass eine landeskundliche und geschichtliche Betrachtung des Altindustriegebiets am Donez

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 38 Pages
Author: Urs Noetzelmann
Subject: Geography / Earth Science - Regional Geography

Details

Event: HS Regional: Entwicklungen in der Ukraine
Institution/College: University of Tubingen (Geographisches Institut)
Tags: Donbass, Betrachtung, Altindustriegebiets, Donezk, Regional, Entwicklungen, Ukraine
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 38
Grade: 2
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V35869
ISBN (E-book): 978-3-638-35659-6

File size: 2147 KB
Notes :
Die Arbeit befasst sich mit der Wirtschaftstgeographie und der Geschichte des Donbass Altindustriegebiets bis 1991/der Selbständigkeit der Ukraine. Die Arbeit befasst sich mit der Wirtschaftstgeographie und der Geschichte des Donbass Altindustriegebiets bis 1991/der Selbständigkeit der Ukraine. Die Arbeit befasst sich mit der Wirtschaftstgeographie und der Geschichte des Donbass Altindustriegebiets bis 1991/der Selbständigkeit der Ukraine. Die Arbeit befasst sich mit der Wirtschaftstgeographie und der Geschichte des Donbass Altindustriegebiets bis 1991/der Selbständigkeit der Ukraine.



Excerpt (computer-generated)

Eberhard-Karls Universität Tübingen
Geographisches Seminar
HS Regional: „Ukraine“

Der Donbass eine landeskundliche und geschichtliche
Betrachtung des Altindustriegebiets am Donez

von: Urs Noetzelmann

 


Inhalt

I.0. Einführung 4

I.1. Physische Betrachtung 5

I.1.1 Geographische Lage 5
I.1.2 Topographische Lage 5
I.1.3 Gestein und Relief 6
I.1.4 Boden und Vegetation 6
I.1.5 Hydrographie 6
I.1.6 Klima 8
I.1.7 Bodenschätze 8

I.2. Anthropogeographische Betrachtung 10

I.2.1 Siedlung und Bevölkerung 10
I.2.2 Verkehr 13
I.2.3 Wasserversorgung 14
I.2.4 Wirtschaft und Inwertsetzung 15

I.2.4.1 Agrarwirtschaft 18
I.2.4.2 Schwerindustrie 20
I.2.4.3 Leichtindustrie und Dienstleistung 23

I.3. Donezk - Stadtgeographische Betrachtung 24

I.3.1 Lage 24
I.3.2 Aufbau 24
I.3.3 Bedeutung 25
I.3.4 Geschichte 25

I.4. Geschichte 26

I.4.1 Zaristische Zeit 27
I.4.2 Umbruch und Revolution 28
I.4.3 Kommunismus und Stalin 29
I.4.4 Stalins Terror und Der 2. Weltkrieg 31
I.4.5 Nachkriegszeit und Destalinisierung 33

I.5. Zusammenfassung 34

I.6. Anhang 36

II. Literaturverzeichnis 51


 

I.0. Einführung: Der Donbass bis 1991

Der Donbass kann wohl ohne Probleme als das bedeutendste Industriegebiet der Ukraine bezeichnet werden, und mit seiner nun rund 150 jährigen Geschichte als Montan- und Hüttenindustriezentrum in der Donez-Senke wohl auch als eines der ältesten. Bedenkt man, dass im allgemeinen die Industrialisierung im russich-zaristischen Reich später begann als im restlichen Europa, so ist der Donbass immer noch eines der industriellen Pionierregionen des riesigen transkontinentalen Reiches im Osten. In dieser Hausarbeit soll sowohl die Geschichte des Donbass wie auch seine landeskundlichen Eigenschaften und regionalen Einbindungen betrachtet werden. Dabei liegt die Gewichtung natürlich auf der Industrie, besonders auf besagter Hütten- und Montanindustrie.

Der Begriff Donbass (ukrainisch Donbas) steht für „Donezkij Ugol’nij Bassejn“. Er bezieht sich auf die Kohlefördergebiete im Osten der Ukraine. Topographisch umfasst er heute die Oblaste Donezk und Lugansk, sowie Teile der Oblaste Dnepropetrowsk und Zaporo(?)’e. Der auf russischem Territorium gelegen Oblast Rostow wird auch zum Donbass gerechnet (Zimmer 2001, S. 236). Allerdings ist der Donbass weniger eine Region in räumlichen Kategorien als eher ein gedachter homogener Raum, der sich durch eine einheitliche sozioökonomisch Lage im Bezug auf Urbanisierung und Industrialisierung auszeichnet. Subjektiv wird das von vielen Bewohnern des Donbass so wahrgenommen, dass sie sich als transethnische Einheit mit übernationaler Bedeutung sehen. Auch die Entwicklung des Donbass wird sehr restriktiv wahrgenommen: Brüche werden kaum oder gar nicht wahrgenommen (selbst der Bruch mit der Sowjetunion wurde bei Interviews kaum erwähnt) und Wirtschaftsflauten werden nur als kurzzeitige Anlaufstrecke zum nächsten Wachs tum gesehen (Zimmer 2001, S. 244). Diese starke regionale Identität ist typisch für die Donbass- Region, wie später noch gezeigt werden wird.

Versucht man detailgetreue Informationen über das Gebiet zu finden merkt man schnell, dass die Materiallage zum Teil recht schwierig ist. Was unter Anderem daran liegt, dass die Ukraine lange das Stiefkind der UdSSR war (Köhler & Wein 1985, S. IV). Außerdem war der Donbass immer aufgeteilt in mehrere administrative Bezirke, was eine statistische Erfassung der Zahlen entsprechend erschwert (Kuromiya 1998, S. 14). Dieses äußert sich unter anderem in den zum Teil parallel verwendeten Gebietsbezeichnungen: beziehen sich Informationen aus dem 19. Jahrhundert oft auf die tatsächliche geographische Einheit des „Donbass“, umfasst der selbe Begriff in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die westlich gelegene Industrieagglomeration am Dneprbogen. Nach 1960 verschwindet dieser Begriff dann ganz und wird durch das „Donez-Dnepr-Wirtschafts-Rayon“ ersetzt, welches das gesamte östliche Drittel der Ukraine umfasst. Ähnlich verworren sind die Stadt- und Regionsnamen: kommt es einerseits zu einer Russifizierung, Ukrainisierung, Eindeutschung oder Anglifizierung der Namen je nach Quelle und Herkunft des Autors, ändern sich diese auch zusätzlich im Verlauf der Geschichte. In dieser Arbeit wird versucht sich auf die russischen Namen zu beschränken, da die bearbeitete Zeitspanne unter russischer Herrschaft steht. Was die zeitliche Namensentwicklung angeht, so wird der jeweils entsprechende für den beschriebenen Zeitraum verwendet.

I.1. Physische Betrachtung

Als erster Schritt soll hier die physische Landeskunde des Gebietes erläutert werden. Betrachtet wird hier die geographische Einheit der Donez-Senke bzw. das Gebiet, dass bergbaulich erschlossen ist und seit dem 19. Jahrhundert als Donbass bezeichnet wird1.

I.1.1 Geographische Lage

Der Donbass liegt zwischen 35° & 40° östlicher Länge und 47° & 49° nördlicher Breite. Großräumlich liegt es im Osteuropäischen Tiefland und erstreckt sich im unteren Donezbogen in Nordwest-Südöstlicher Richtung (Köhler & Wein 1985, S. 242 vgl. ebd. S. 27). Geotektonisch gehört es zur Eurasischen Platte, genauer gesagt zur südöstlichen Synklinale der Osteuropäischen Tafel (Stadelbauer 1996, S.331). Die Höhe über dem Meeresspiegel liegt zwischen 0m an der Küste und rund 550m auf den Höhenzügen um den Donez. Das Gebiet, das durch den Kohlebergbau erschlossen war und als Donbass bezeichnet wird umfasste vor dem 2.WK noch 23.000km² weitete sich danach aber auf 60.000km² aus (Köhler & Wein 1985, S. 254).

I.1.2 Topographische Lage

Im Südöstlichen Teil der Ukraine gelegen umfasst der Donbass die Oblaste (Regierungsbezirke) Donezk und Lugansk, sowie Teile der Oblaste Dnepropetrowsk und Zaporo(?)’e sowie den russischem Oblast Rostow (Zimmer 2001, S. 236). Das Einzugs- bzw. Anbindungsgebiet reicht vom Asowschen Meer im Süden bis an den Donez-Oberlauf bei Nowo Dimitrowsk und von Dnepropetrowsk im Westen bis an den östlichsten Donez-Bogen in Russland.

Das Herzstück des Wirtschaftsraumes ist die Region um Donezk, der Verwaltungshauptstadt des Gebietes. Diese Region umfasst 26.500km² und beherbergt e 1985 5.300.000 Einwohner, der Verstädterungsgrad liegt bei 90% (Köhler & Wein 1985, S. 68), doch dazu später mehr. Der Begriff Donbass bezieht sich heute, ähnlich wie der Begriff „Ruhrgebiet“ auf die gesamte Wirtschaftregion weit über die Grenzen der geomorphologischen Einheit des Donezbecken hinaus. Lediglich in früher Erschließungsphase im 19. Jahrhundert war der geomorphologische Begriff deckungsgleich mit dem anthropogenen. Im Zuge der sowjetischen Wirtschaftsrayonisierung 1960-63 wurde die Ukraine, welche Ursprünglich als eine Einheit von Moskau gelenkt wurde, dann in 3 Teile aufgeteilt: der Donezk-Dnepr- Rayon, „der Süden“, und der „Südwesten“ (Köhler & Wein 1985, S. 194). Ersteres ersetzte den Begriff des Donbass, allerdings war der bezeichnete Raum weit größer und umfasste eine weitaus heterogenere Großregion als der Begriff „Donbass“. Dies wird klar auf nebenstehender Karte. Das Donez-Dnepr-Wirtschafts-Rayon bildet gleichzeitig das bedeutendste der 3 ukrainischen Rayons (Gerloff 1982, S. 370) was sich auch in unten stehender Tabelle widerspiegelt.

Abbildung 1- Das Donez-Dnepr-Wirtschafts -Rayon und seine Oblaste (Gerloff 1982, S.370) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Abbildung 2- Die Region Donezk, statistische Eckdaten im Vergleich (Sieburger 1993, S.8) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

I.1.3 Gestein und Relief

Der Untergrund des Donbass wird gebildet von dem im Präkambrium entstanden kristallinen Sockel, der Bestandteil der Osteuropäischen Tafel ist und dem darauf liegenden paläozoischen Deckgebirge (Stadelbauer 1996, S. 331). Somit sind sowohl Granite und Gneise, wie auch verschiedene Sedimentgesteine zu finden. Die Geomorphologie der Region wird im Großen durch die geosynklinale Faltung besagter Osteuropäischer Tafel gebildet. Im Einzelnen spielt jedoch die fluviale Erosion die Hauptrolle bei der geomorphologischen Überprägung. Die für die Steppengebie te und der Donbass so typische Morphologie sind die Erosionsschluchten und die daraus entstehenden Senken. Diese nennt man nach der ukrainischen und russischen Bezeichnung Balka und Owrag (Köhler & Wein 1985, S. 68).

I.1.4 Boden und Vegetation

[...]


1 Die Abgrenzung des Gebietes anhand geographischer und geschichtlicher Literatur stellt sich als enorm widersprüchlich und unpräzise heraus. Vergleichbar wäre es heute den Begriff „Ruhrgebiet“ präzise abgrenzen zu wollen: die sprachliche Gewohnheit entspricht nicht der geographischen Abgrenzung etc.


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