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Autor: Christian Kunze
Fach: Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Details
Tags: Entstehung, Prominenz, Medien
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 23 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 286 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-35739-5
ISBN (Buch): 978-3-638-83137-6
Zusammenfassung / Abstract
Wir alle kennen sie, ohne ihnen jemals persönlich begegnet zu sein; wir verbinden mit ihren Namen ihre Gesichter, ohne sie jemals persönlich gesehen zu haben und wir kennen ihre Stimmen, ohne jemals mit ihnen persönlich gesprochen zu haben – Prominente sind uns bekannt, obwohl wir zu ihnen keinerlei persönlichen Kontakt pflegen. Prominenz ist heutzutage ein Normalphänomen der Alltagswelt, es ist durch die Medien allgegenwärtig und Teil unserer Gesellschaft. Trotz dessen ist dieses Phänomen in der Soziologie theoretisch und empirisch vernachlässigt worden; erste anerkennenswerte Ergebnisse lieferten Mitte der Neunziger Jahre Georg FRANCK, Joshua GAMSON und Birgit PETERS.1 Doch wie wurden nun diese uns allbekannten Menschen »prominent« - wie entsteht »Prominenz«? Bevor ich im Anschluss versuchen möchte, diese Frage näher zu erörtern, gilt es zu Beginn drei Begrifflichkeiten zu definieren, welche in der Fachliteratur bezüglich »Prominenz« verwendet werden: Der Begriff »Prominenz« an sich, »Elite« und »Publikum«. Was bedeutet »prominent«, wer gilt als »Prominenter«? Nur mittels einer klaren Definition kann die Frage nach den Ursachen beantwortet werden. Im Zusammenhang mit Prominenz wird in der soziologischen Literatur fast ausschließlich der Begriff »Elite« genannt, teilweise sogar gleichgesetzt. Folglich möchte ich diesen Begriff kurz erläutern und zugleich von »Prominenz« abgrenzen. Im Verlauf der Hausarbeit wird zudem die enorme Bedeutung der Massenmedien für die Prominenzierung von Personen verdeutlicht, welche in Form von Fernsehen, Printmedien u.a. Prominente quasi vermitteln. Hierbei wird in einem Prozess auf die Öffentlichkeit eingewirkt; die Menschen konsumieren diese Informationen als »Publikum«, folglich ist auch dieser Begriff genauer zu erläutern. Bevor ich nach diesen Begriffsbestimmungen die Entstehung von Prominenz aufzeige, möchte ich kurz auf die Unterschiede von Prominenten in ihrem Erscheinungsbild eingehen sowie die Selektionsprozesse erläutern, welche vor dem Einfluss der Medien wirken. Erst dann erfolgt die genaue Hinterfragung der Rolle von Publikum und Massenmedien im Prominenzierungsprozess sowie ihrer engen Verknüpfung miteinander. Ferner soll jedoch auch mittels eines kurzen soziobiologischen Exkurses gezeigt werden, dass dies nicht die beiden einzigen Größen sind, welche in diesem Prozess von Bedeutung sind.
Textauszug (computergeneriert)
Entstehung von Prominenz durch Medien und Öffentlichkeit
von: Christian Kunze
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Prominenz Seite 4
2.2 Elite Seite 5
2.3 Publikum Seite 7
3. Entstehung von Prominenz
3.1 Rolle der gesellschaftlichen Subsysteme Seite 8
3.1.1 Politik
3.1.2 Sport
3.1.3 Kunst
3.1.4 Medien
3.2 Rolle des Publikums Seite 11
3.3 Rolle der Massenmedien Seite 12
4. Fazit Seite 17
5. Quellenverzeichnis Seite 18
1. Einleitung
Wir kennen sie, ohne ihnen jemals persönlich begegnet zu sein; wir verbinden mit ihren Namen ihre Gesichter, ohne sie jemals persönlich gesehen zu haben und wir kennen ihre Stimmen, ohne jemals mit ihnen persönlich gesprochen zu haben – Prominente sind uns bekannt, obwohl wir zu ihnen keinerlei persönlichen Kontakt pflegen. Prominenz ist heutzutage ein Normalphänomen der Alltagswelt, es ist durch die Medien allgegenwärtig und Teil unserer Gesellschaft. Trotz dessen ist dieses Phänomen in der Soziologie theoretisch und empirisch vernachlässigt worden; erste anerkennenswerte Ergebnisse lieferten Mitte der Neunziger Jahre Georg FRANCK, Joshua GAMSON und Birgit PETERS.1 Doch wie wurden nun diese uns allbekannten Menschen »prominent« - wie entsteht »Prominenz«?
Bevor ich im Anschluss versuchen möchte, diese Frage näher zu erörtern, gilt es zu Beginn drei Begrifflichkeiten zu definieren, welche in der Fachliteratur bezüglich »Prominenz« verwendet werden: Der Begriff an sich, »Elite« und »Publikum«. Was bedeutet »prominent«, wer gilt als »Prominenter«? Nur mittels einer klaren Definition kann die Frage nach den Ursachen beantwortet werden. Im Zusammenhang mit Prominenz wird in der soziologischen Literatur fast ausschließlich der Begriff »Elite« genannt, teilweise sogar gleichgesetzt.2 Folglich möchte ich diesen Begriff kurz erläutern und zugleich von »Prominenz« abgrenzen. Im Verlauf der Hausarbeit wird zudem die enorme Bedeutung der Massenmedien für die Prominenzierung von Personen verdeutlicht, welche in Form von Fernsehen, Printmedien u.a. Prominente quasi vermitteln. Hierbei wird in einem Prozess auf die Öffentlichkeit eingewirkt; die Menschen konsumieren diese Informationen als »Publikum«, folglich ist auch dieser Begriff genauer zu erläutern. Bevor ich nach diesen Begriffsbestimmungen die Entstehung von Prominenz aufzeige, möchte ich kurz auf die Unterschiede von Prominenten in ihrem Erscheinungsbild eingehen sowie die Selektionsprozesse erläutern, welche vor dem Einfluss der Medien wirken. Erst dann erfolgt die genaue Hinterfragung der Rolle von Publikum und Massenmedien im Prominenzierungsprozess sowie ihrer engen Verknüpfung miteinander. Ferner soll jedoch auch mittels eines kurzen soziobiologischen Exkurses gezeigt werden, dass dies nicht die beiden einzigen Größen sind, welche in diesem Prozess von Bedeutung sind.
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Prominenz
Der Ursprung des Wortes »prominent« liegt im lateinischen und bedeutet soviel wie »beruflich oder gesellschaftlich einen hervorragenden Platz einnehmend«. Im Jahre 1927 bemerkte Karl KRAUS erstmals eine Häufung dieses Begriffs und merkte dabei kritisch an: "...wie auf einen Zauberschlag das Wort »prominent« da, nunmehr allem verliehen, was vordem keineswegs hervorgeragt hätte. Das ist sicherlich so zu erklären, dass in der deutschen Seele ein tiefes und nun obdachloses Kaiserbedürfnis wohnt, das nun Superioritäten herstellen muß. [...] Die Prominenten [...] haben dem Deutschen nach den Wirren des Umsturzes den Glauben an Ideale gerettet. Die Prominenten, das sind die Obertanen. [...] Komödianten, Filmfritzen, Kabarettfritzen, Boxer, Fußballer, Parlamentarier, Eintänzer, Damenfriseure, Literarhistoriker, Persönlichkeiten schlichtweg – alle können prominent sein."1
Anlass von KRAUS` Kritik war ein Zeitungsbericht über einen bekannten Modearzt beim Spazierengehen in Begleitung einer Prostituierten. KRAUS brüskierte sich in seiner Schrift darüber, dass seine Gesellschaft bei der Suche nach Orientierungsfiguren recht wahllos umgehen würde und nunmehr »jeder prominent (d.h. beruflich oder gesellschaftlich hervorragend) sein könne« – auch Prostituierte.2 Dies wurde durch Max Graf SOLMS` (1956) Aussage Jahre später bestätigt: "Prominenzen bilden sich de facto überall." 3
Basierend auf KRAUS` Aussagen kann man die typische Erscheinungsform von »Prominenz« auf öffentliche Namensnennungen zurückführen, welche sich z.B. durch Berichterstattung in Presse und Fernsehen manifestieren oder einem Eintrag im seriösen »Who is Who?«. »Prominent« ist also, wer in Wort oder Bild in der Öffentlichkeit bekannt ist, der Grad der Bekanntheit ist dabei sekundär. Dies unterscheidet sich jedoch enorm von der auf der lateinischen Übersetzung basierenden Bedeutung – ein hervorragender Platz in Beruf oder Gesellschaft war also nicht mehr notwendig, um »prominent« zu sein. Hierbei wird zugleich deutlich, das die Namen Prominenter immer in einen Kontext eingebunden sind, welcher zugleich eine verborgene Rangordnung vermittelt: Wohingegen das »Who is Who?« mit einem 60%-igen Anteil von Wissenschaftlern einen Kontext aus Karrieren und Verdiensten bildet, welcher durch Länge der Eintragung eine soziale Rangfolge impliziert, erreichen Zeitungen und Magazine ihren Kontext durch Klatsch – hier erzeugt die optische Präsentation die unterschwellige soziale Rangordnung.1 Der eigentliche Grund für KRAUS` »Schmähschrift« war jedoch die Transferierbarkeit von Prominenz: Sie überträgt sich auf alles, was sich im unmittelbaren Umkreis des Prominenten aufhält – eben auch auf die von ihm angesprochene Prostituierte des Modearztes.2 Als aktuelles Beispiel kann hier der Vergleich zu Verona Feldbusch gezogen werden, welche nach einer Kurzehe mit dem erfolgreichen (und prominenten) Sänger und Produzenten Dieter Bohlen plötzlich selbst »prominent« wurde. Abschließend und vorgreifend auf die Definition des Begriffs »Elite« kann man Prominente folgendermaßen beschreiben: "Prominente sind nicht unbedingt bedeutende, aber bekannte Persönlichkeiten."3
2.2 Elite
[...]
1 Vgl. Wenzel (2000), S. 453
2 Fuchs-Heinritz (1995), S. 524
1 Kraus (1927), zit. nach: Wenzel (2000), S. 452
2 Vgl. Wenzel (2000), S. 452
3 Solms (1956), zit. nach Peters (1995), S. 8
1 Eine Ausführung über das Erscheinungsbild von Prominenten heutzutage erfolgt unter 3.1 dieser Hausarbeit.
2 Vgl. Wenzel (2000), S. 453
3 Plake (1999), S. 58
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