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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 26 Pages
Author: Christian Jacobi
Subject: Politics - International Politics - Region: USA
Details
Institution/College: University of Freiburg (Politische Wissenschaften)
Tags: Funktion, Bedeutung, Kritik, Wahlkampfdebatten, Kontext, Politik, Mediengesellschaft, Politischer, Prozess, Mediengesellschaft
Year: 2001
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 46 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35809-5
File size: 582 KB
Zusammen mit dieser Arbeit wurde damals eine Videokassette mit Aufzeichnungen von zwei Wahlkampfdebatten abgegeben (wie in der Bibliographie angegeben). Dieses Material kann ich ja leider hier nicht mitschicken. Jede gutsortierte Uni-Bibliothek dürfte jedoch auch über Mitschnitte dieser Debatten verfügen. Ich finde die Arbeit gut, die Benotung war entsprechend - ich überlasse es also dem Redaktionsteam, ob sich die Arbeit trotz des fehlenden Videomaterials zur Veröffentlichung eignet.
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Excerpt (computer-generated)
Universität Freiburg
Institut für Politische Wissenschaften
Hausarbeit zum Hauptseminar I
5. Fachsemester
Funktion, Bedeutung und Kritik von Wahlkampfdebatten im
Kontext der amerikanischen Politik und Mediengesellschaft
von: Christian Jacobi
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die Stellung des Präsidenten im US-amerikanischen Präsidialsystem 5
3. Bedeutung, Funktion und Kritik von Wahlkampfdebatten in der mediatisierten amerikanischen Politikkultur 7
3.1 Politikperspektive: Entwicklung der Bedeutung von Wahlkampfdebatten in der jüngeren amerikanische n politischen Geschichte 7
3.2 Wählerperspektive: Debatten und ihr Einfluss auf den amerikanischen Wähler und seinen Wahlentscheid 11
3.3 Medienperspektive: Kritische Betrachtung amerikanischer Wahlkampfdebatten unter dem Blickwinkel der Medienlogik 15
4. Schlußbetrachtungen 19
Anhang 21
Quellenverzeichnis 23
Buch- und Zeitschriftenressourcen 23
Internetressourcen 25
Videoressourcen 26
„I know one thing about the position of the president. It’s the only posi -
tion in our Constitution that’s filled by an individual who is given the responsibility
to fight ... for all of the people.”1
- Al Gore
„In an election process in which citizens are regularly bombarded with
banal media messages, debates are granted a special status in the hiera rchy
of campaign communication forms. The public accords greater credence
to debates than to news coverage and candidate advertising.”2
- Diana Owen
1. Einleitung
Im amerikanischen Wahlkampf versinnbildlichen die im Fernsehen übertragenen Wahlkampfdebatten während der general election Wahlkampfphase wie kaum ein anderes Ereignis den medienwirksamen Wettstreit zwischen den Kandidaten. Interessierten Beobachtern der amerikanischen Politikszene werden deshalb nicht nur die Kontroversen um den Ausgang der letzten Wahl im Gedächtnis geblieben sein, sondern auch die Wahlkampfdebatten, die im Oktober 2000 zwischen George W. Bush und Al Gore in Szene gesetzt wurden. Fernsehdebatten haben seit ihrem ersten Einsatz, der auf den Wahlkampf zwischen Nixon und Kennedy im Jahr 1960 zurückreicht, in der amerikanischen Politik immens an Bedeutung gewonnen. Präsidentschaftskandidaten konnten seither stets sicher sein, daß „anywhere between 60 ... and 90 percent of the population tun[e] in to at least part of a debate“3. Damit sind Fernsehdebatten heute als „institutions of the American electoral process”4 kaum noch aus dem Wahlkampfgeschehen wegzudenken und werden alle vier Jahre von Politik, Wahlvolk und Medien gleichermaßen, wenn auch aus unterschiedlicher Grundmotivation, mit großer Spannung erwartet.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Wahlkampfdebatten unter Berücksichtigung der Eigenarten des amerikanischen Präsidialsystems und der Medienlogik sowohl in ihrer geschichtlichen Entwicklung darzustellen als auch Gründe für ihren stetigen Bedeutungsgewinn und damit verbundene Problemstellungen aufzuzeigen. Im ersten Kapitel soll auf die wichtigsten Besonderheiten des präsidialen amerikanischen Regierungssystems eingegangen werden. Ein besonderer Blick wird auf die Stellung des USPräsidenten in der amerikanischen Verfassung zu werfen sein, die, wie zu argumentieren sein wird, die Entstehung einer ausgeprägten Wahlkampfdebattenkultur in den USA begünstigte. Im Hauptteil der Arbeit soll die Stellung von Wahlkampfdebatten in der von starkem Medieneinfluß geprägten amerikanischen Politikkultur analysiert werden. Bei dieser Betrach-tung soll zuerst die geschichtliche Entwicklung der Bedeutung von Wahlkampfdebatten für die Politik dargestellt werden. Im Anschluß wird auf den Einfluß von Debatten auf den Wähler und seinen Wahlentscheid einzugehen sein, um daraufhin Wahlkampfdebatten kritisch aus dem Blickwinkel von Medieninteressen und Medienlogik auszuleuchten. Einige Schlußbemerkungen wollen die argumentativen Punkte der vorliegenden Arbeit zusammenführen und zugleich auch einen Blick in die Zukunft der amerikanischen Wahlkampfdebattenkultur wagen.
2. Die Stellung des Präsidenten im US-amerikanischen Präsidialsystem
Die Gründerväter der Vereinigten Staaten gaben der US-Verfassung die Form einer Präsidialdemokratie. Dies sollte einschneidende Auswirkungen auf die Stellung der verschiedenen Verfassungsorgane und ihrem Verhältnis untereinander haben. Es ergaben sich speziell bei der Stellung des US-Präsidenten Besonderheiten, die sich von Position und Funktion eines Premierministers oder Kanzlers in Verfassungen europäischer Provenienz deutlich absetzen. Der amerikanische Präsident wird in Volkswahl über ein Wahlmännergremium von den Bürgern auf vier Jahre gewählt und kann sein Amt nach möglicher einmaliger Wiederwahl maximal für acht Jahre ausüben. Die Direktwahl verleiht ihm nicht nur ein einmaliges und außergewöhnlich hohes Maß an Legitimation in seiner Repräsentanz des Volkswillens, sondern zugleich auch eine starke Bindung und Verantwortung gegenüber dem Wahlvolk. In Amerika gilt der Präsident als nationales Identitätssymbol und zentrale Führerfigur. Er wird als Symbol nationaler Einheit inmitten vielfältigster ethnischer und geographischer Verschiedenheit verehrt. Das Volk erwartet, daß der Präsident „die Nation, ihr Denken und Fühlen, überzeugend zu repräsentieren, die kollektive Seele der Nation anzusprechen und die Bürger zusammenzubinden [vermag]“5. In der jüngeren amerikanischen Geschichte vermochte dies Ronald Reagan während seiner Präsidentschaft in den 80er Jahren wohl mehr als jeder andere Präsident zu tun, unter anderem mit seiner emotionalisierenden und allegoriereichen Bezugnahme auf Amerika als „shining city upon a hill“6. Hollywood hat die zentrale Stellung des Präsidenten in der amerikanische n Psyche in zahlreichen Filmen anschaulich fiktionalisiert. Es sei zur Illustration u.a. an die Verkörperung des US-Präsidenten durch Michael Douglas in dem Film „The American President“, Harrison Ford in „Air Force One“ und Bill Pullmann in „Independence Day“ erinnert. Die Aufgaben des amerikanischen Präsidenten sind vielfältiger Art. Er verkörpert Staatsoberhaupt und Regierungschef in einem, er steht dem ausgedehnten Verwaltungsapparat der Bundesbürokratie vor, ist zudem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, oberster US-Diplomat und gilt inoffiziell auch als Chef seiner Partei.
Das in der amerikanischen Verfassung stark ausgeprägte System von checks and balances sorgt dafür, daß „die klassischen Gewalten Präsident und Kongreß zwar institutionell strikt voneinander getrennt [sind], aber für die Durchsetzung ihrer politischen Vorstellungen in hohem Maße aufeinander angewiesen und ineinander verschränkt [sind]7. Eine institut ionelle Schwäche des Präsidenten zeigt sich beispielsweise in der Zustimmungspflicht des Kongresses zu Personalentscheidungen, außenpolitischen Vertragsschlüssen und Budgetvorschlägen des Präsidenten. Seine Funktion als indirekter Gesetzgeber hängt oft von seiner Gunst im Kongress ab, wobei sich der Präsident in seiner agenda setting Funktion oft in einer „strategy of going public“8 direkt ans Volk wendet, um Druck auf den Kongreß auszuüben. Erfolg oder Mißerfolg einer Präsidentschaft hängen somit jedoch nicht nur von den verfassungsmäßigen Gegebenheiten, sondern in nicht unerheblichem Maße auch „von der Person des Amtsinhabers, vom Grad der Zustimmung oder Ablehnung, die er in der Nation findet [ab]“9, eine Tatsache, die, vorgreifend auf die Rolle, die der zukünftige Präsident auszuüben haben wird, auch im Wahlkampf ganz unbewußt zum Thema wird. Nicht zuletzt wollen die Wähler einen Kandidaten ins Weiße Haus entsenden, „[who is] in touch with the people“10 und der durch die Kraft seines Charismas, seiner Erfahrung, Kompetenz und Überzeugungskraft in Washington politisch etwas bewegen kann. Popkin bemerkt in diesem Zusammenhang, daß „[v]oters care about the competence of the candidate, not just the candidate’s issue positions, because ... they care about what the candidate can deliver from government” 11.
Die starke Stellung des Präsidenten kontrastiert deutlich mit der der Parteien, denen im präsidialen US-Regierungssystem eine funktionsschwache Rolle zukommt. Die Parteien fungieren überwiegend als Wahlkampfmaschinen, die bei der finanziellen Ausstattung der Kandidaten helfen und oft nur auf den party conventions, als Höhepunkt derer mit viel Showbeilage die jeweiligen Kandidaten für die Präsidentenwahl offiziell gekürt werden, offen zu Tage treten. Die Schwäche des amerikanischen Parteiensystems hat zur Folge gehabt, daß die Kandidaten in der Wahlkampfführung weitgehend auf sich allein gestellt sind und einen stark personalisierten und privatisierten Wahlkampf führen müssen, der weit über europäische Verhältnisse hinausgeht. Auch Wahlkampfstrategien ganz anderer Art sind zur Notwendigkeit geworden, u.a. wird heutzutage eine hohe Medienkompetenz vorausgesetzt, da nur sie es in einer von den Medien geprägten Gesellschaft den Kandidaten ermöglicht, ihre Botschaft erfolgreich ans Wahlvolk zu bringen. Die Benutzung von Wahlkampfdebatten als Mittel politischer Kommunikation in einer solchen Umwelt spielt eine entscheidende Rolle, wie noch im einzelnen aufzuzeigen sein wird. Im folgenden Hauptteil der Arbeit soll es deshalb um die Bedeutung von Debatten für Politik, Wählerschaft und Medien gehen.
3. Bedeutung, Funktion und Kritik von Wahlkampfdebatten in der mediatisierten amerikanischen Politikkultur
3.1 Politikperspektive: Entwicklung der Bedeutung von Wahlkampfdebatten in der jüngeren amerikanischen politischen Geschichte
[...]
1 Video-Ausschnitt 2, 3:26.
2 Owen, S. 139.
3 Owen, S. 139.
4 ibid, S. 136.
5 Wasser (1996), S. 112.
6 PBS NewsHour, “Debates and Campaigns”, “1980”.
7 Wasser (1996), S. 108.
8 Kerbel, S. 108.
9 Wasser (1996), S. 108.
10 Just et al., S. 137.
11 Popkin, S. 61.
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