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Venedig in der europäischen Reiseliteratur

Thesis (M.A.), 2002, 106 Pages
Author: Susann Hahnert
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2002
Pages: 106
Grade: gut (2,5)
Bibliography: ~ 37  Entries
Language: German
Archive No.: V36080
ISBN (E-book): 978-3-638-35813-2

File size: 3930 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Venedig in der europäischen Reiseliteratur

MAGISTERARBEIT

zur Erlangung des akademischen Grades eines
Magister-Artium
im Fach
Neuere deutsche Literaturwissenschaften
am Institut für Neuere deutsche und europäische Literatur der
FernUniversität Hagen

vorgelegt von

SUSANN HAHNERT

Hagen 2002

Vorwort

Bis zum Ende meines Fernstudiums war mir nicht klar, welches Thema ich für meine Magisterarbeit wählen sollte. Ich hatte mich mit dieser Frage lange nicht beschäftigt, da mir der ersehnte Zeitpunkt in weiter Ferne, ja fast unerreichbar schien.

Einer der letzten Studienbriefe, die ich während des Studiums zu bearbeiten hatte, half mir, mein Thema zu finden. Die Lektüre des Studienbriefs "Europäer in Italien" von Bernhard DIETERLE gab mir den Anstoß, mich mit dem Thema der europäischen Reiseliteratur im 18. und 19. Jahrhundert zu beschäftigen.

Da ich seit Jahren mit einem Bein im Veneto stehe und Land und Leute lieb gewonnen habe, fiel mir die Eingrenzung des Themas zu Venedig nicht schwer.

Ich möchte an dieser Stelle nicht versäumen, all jenen zu danken, die mich während des Studiums begleitet und unterstützt haben.
Mein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Gisbert Ter-Nedden, der mir im Verlauf des gesamten Studiums mit fachlichem Rat zur Seite stand und durch seine freundliche und unkomplizierte Art stets dazu beitrug, anfallende Probleme zu lösen.
Auch allen Menschen meines privaten und beruflichen Umfeldes verdanke ich die Fertigstellung dieser Arbeit, denn es war nicht immer einfach, aufgrund der Doppelbelastung von Beruf und Studium allen die angemessene Zeit und Hinwendung zukommen zu lassen.
Hier möchte ich meine Familie und meinen Lebensgefährten Antonio, sowie all meine Freunde und Kollegen nennen, die es sicher oft nicht leicht mit mir hatten und mir mit viel Toleranz geholfen haben, das Studium zu meistern.
Das Centro Servizi Bibliotecari ed Informatici dell′ Università Cà Foscari di Venezia, Cà Bernardo möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, denn sie waren mir bei der Literaturbeschaffung vor Ort sehr behilflich.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ... 2

I. Einleitung ... 7

II. Zur Geschichte des Reisens und der Stadt Venedig ... 10

1. Die Geschichte des Reisens ... 10
1.1 Einführung ... 10
1.2 Reiseliteratur als literarische Gattung ... 11
1.3 Die Italienreise ... 13

2. Venedigs literarische Entwicklung ... 17
2.1 Venedigbilder im Spiegel der Geschichte ... 17
2.2 Die versunkene Stadt im Zeitalter der Romantik ... 21

III. Venedig im Spiegel der Literatur ... 24

1. Vor dem Zerfall der Republik ... 24
1.1 Charles de BROSSES ...24
1.1.1 Einleitung ... 24
1.1.2 Zur Biographie ... 26
1.1.3 Publikationsgeschichte ... 27
1.1.4 "Des Präsidenten DE BROSSES vertrauliche Briefe aus Italien an seine Freunde in Dijon 1739-1740" ... 28
1.2 Johann Caspar GOETHE ...39
1.2.1 Einleitung ... 39
1.2.2 "Reise durch Italien im Jahre 1740" ... 41
1.3 Johann Wolfgang GOETHE ... 50
1.3.1 Einleitung ... 50
1.3.2 Anlaß und Zweck der Reise ... 50
1.3.3 Publikationsgeschichte ... 53
1.3.4 "Italienische Reise" ... 54

2. Nach dem Zerfall der Republik ... 64
2.1 Madame de STAËL ... 64
2.1.1 Einleitung ... 64
2.1.2 Zur Biographie ... 65
2.1.3 "Corinna oder Italien" ... 66
2.2 Lord BYRON ...74
2.2.1 Einleitung ... 74
2.2.2 Zur Person ... 75
2.2.3 "Childe Harolds Pilgerfahrt" ... 76

IV. Zusammenfassung ... 84

V. Literaturverzeichnis ... 89

Bildanhang ... 94

 


Venezia la riccha.
Chi non la vede non la prezza.


(Venezianisches Sprichwort)

I. Einleitung


 

Ah, Venedig! Eine herrliche Stadt!
Eine Stadt von unwiderstehlicher Anziehungskraft
für den Gebildeten, ihrer Geschichte sowohl wie ihrer
gegenwärtige Reize wegen!
1

 

Italien ist seit jeher ein beliebtes Reiseziel. Werden früher Reisen in das Land der Antike unter dem Gesichtspunkt der Bildung, als sogenannte Bildungsreisen unternommen, so sind es heute wohl eher die Sonne und das Meer, die den Massentourismus blühen lassen.

Eine Reise nach Italien führte immer neben Rom, Florenz, Neapel auch nach Venedig.

Woher kommt die Anziehungskraft Venedigs? Was reizt Dichter wie George SAND und Alfred de MUSSET, Hippolyte TAINE, STENDHAL und Heinrich HEINE, oder Maler wie Claude MONET und William TURNER an dieser Stadt?

Ist es der Ausnahmecharakter der Serenissima, die einzigartige geographische Lage, auf Inseln erbaut, von Kanälen durchzogen oder vielleicht ihre politische Sonderstellung, die sie als Republik bis 1797 einnimmt?
Hat die Besetzung Österreichs und mit ihr der Zerfall der Republik auf die Lagunenstadt und das Venedigbild in der Reiseliteratur einen Einfluß?
Sind dies Voraussetzungen zur Entstehung des Mythos der versunkenen Stadt?
Ziel meiner Arbeit ist es, zu zeigen, ob und in welcher Weise mit dem historischen Datum von 1797 ein neues Venedigbild in der Reiseliteratur entstand.

Der Rahmen dieser Magisterarbeit ließ es nicht zu, auf alle Aspekte ausführlich einzugehen. Ich sah mich gezwungen, das Thema einzuschränken.
Hier boten sich verschiedene Ansätze an: Venedigbilder der einzelnen Dichter, die Darstellung Venedigs in den jeweiligen Nationen oder das Venedigbild der verschiedenen Epochen.
Ich entschied mich für Letzteres: Das Venedigbild in der Literatur europäischer Reisender vor und nach dem Zerfall der Republik.

Bei der Textauswahl fiel meine Entscheidung bewußt auf deutsche, englische und französische Autoren, weil die Vertreter dieser drei Nationen besonders fleißige Reisende waren und großen Einfluß auf die Entwicklung der Reiseliteratur über das Land Italien hatten.

Als Vertreter des Zeitraums vor 1797 werde ich mich mit den "Lettres d′Italie du Président de Brosses" von Charles de BROSSES und der "Viaggio per l′Italia" von Johann Caspar GOETHE befassen.

Die "Italienische Reise" von Johann Wolfgang GOETHE nimmt hier eine Sonderstellung ein. Goethe reist im Jahre 1786 nach Italien und verfaßt während der Reise sein briefähnliches Reisetagebuch für Frau von STEIN. Er erlebt Venedig vor dem Zerfall der Republik. Erst circa dreißig Jahre später, im Jahre 1813, beginnt er die Überarbeitung seines Reisetagebuchs. Er verfaßt die "Italienische Reise" in dem Wissen um die Ereignisse des Jahres 1797 und deren Auswirkungen. "Er tut also nach circa dreißig Jahren so, als hätte er bei seinem Aufenthalt von 1786 den 1797 erfolgten Sturz der Republik erahnt!"2 Ich möchte sie zeitlich aber dennoch in den Zeitraum vor 1797 einordnen, da sein Venedigerlebnis in diese Zeit fällt.
Die Texte "Corinne ou l′Italie" von Madame de STAËL und "Childe Harold′s Pilgrimage" von Lord BYRON fallen in die Zeit nach 1797. Beide Texte sind keine traditionellen Reiseberichte. Madame de STAËLS "Corinne ou l′Italie" steht gattungsmäßig zwischen Reisebericht und fiktionaler Liebesgeschichte. Lord BYRONS "Childe Harold′s Pilgrimage" ist ein episches Gedicht, die Poetisierung eines Tagebuchs.
Es stellt sich die Frage, ob diese Texte berechtigterweise ihren Platz in dieser Arbeit finden. Ich möchte dies bejahen, denn beide Werke sind auf Reiseerlebnisse zurückzuführen und beschreiben die Stadt Venedig. Somit sind sie durchaus als Reisebeschreibungen zu lesen.

Der Analyse der einzelnen Werke stelle ich einen kurzen historischen Abriß der Gattung Reiseliteratur voran, um dem Leser einen kleinen Einblick in die Tradition der Italienreise, in deren Kontext Venedig immer steht, zu geben.

Das Kapitel zur literarischen Entwicklung Venedigs erscheint mir unerläßlich, da man die Serenissima ohne historischen Hintergrund nicht verstehen kann.

II. Zur Geschichte des Reisens und der Stadt Venedig

1. Geschichte des Reisens

1.1 Einführung

Die Sehnsucht nach der Ferne, dem Unbekannten, die Entdeckung des Neuen reizt den Menschen seit langer Zeit in die Fremde zu reisen.

Seit dem 20. Jahrhundert reisen wir zu unserem Vergnügen, zur Erholung, um unseren Urlaub in fremden Ländern zu verbringen.
Reisen ist aber nicht nur ein Phänomen der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, denn erst jetzt wird der offizielle Urlaub eingeführt, der das Reisen für jedermann ermöglichen soll. Die Tradition des Reisens geht bis in die Antike zurück.
Jede Zeit hat seine eigene Reiseform. In der Antike wird zum Zweck des Handels und der Kriegsführung gereist. Die Pilgerfahrt wird im christlichen Zeitalter unternommen. Marco POLO und Christopher KOLUMBUS reisen im Zeichen der wissenschaftlichen Neugier.
Was auch immer der Anstoß der Reise gewesen sein mag, die Menschheit beginnt früh, ihre Entdeckungen und Erlebnisse aufzuschreiben. In die bloße Reisebeschreibung des Erlebten mischen sich sehr schnell fiktive Elemente. Als großes Werk der Antike dürfte HOMERS "Odyssee" gelten. Er beschreibt die abenteuerliche Reise des Griechen Odysseus.

Trotz der Breite der Thematik soll im folgenden versucht werden, einen kleinen Überblick über die Reiseliteratur, ihre Inhalte und Gestaltungsformen zu geben.

[...]


1 MANN, Thomas: Tod in Venedig. In: Sämtliche Erzählungen. In zwei Bänden. Bd. I. Frankfurt am Main 41967, S. 451

2 DIETERLE, Bernhard: Die versunkene Stadt. Sechs Kapitel zum literarischen Venedig-Mythos. Frankfurt am Main 1995. S. 37


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