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Austropop - Entstehungsgeschichte, Rahmenbedingungen und Relevanz einer nationalen populären Musikkultur

Autor: Harry Fuchs
Fach: Medien / Kommunikation - Rundfunk und CD

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 1996
Seiten: 111
Note: Sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 136  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 490 KB
Archivnummer: V362
ISBN (E-Book): 978-3-638-10262-9
ISBN (Buch): 978-3-638-67608-3

Zusammenfassung / Abstract

Anfang der 1970-er Jahre begann - parallel und gemeinsam mit dem Aufstieg des damals jungen Radiosenders Ö3 - der Höhenflug der österreichische Popmusik. Die junge Liedermachergarde, allen voran Wolfgang Ambros und Georg Danzer, stürmten mit ihren frischen Popsongs und Dialekttexten die Hitparaden. Nach diesem ersten Höhenflug durchlief die österreichische Popmusik mehrere Jahrzehnte an Höhen und Tiefen, um Anfang des neuen Jahrtausends wieder voll durchzustarten. Harry Fuchs hat als Chefredakteur und Herausgeber von Musikfachmagazinen sowie als Projektleiter von Musikförderprojekten die österreichische Popmusik über mehr als zwei Jahrzehnte begleitet. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema "österreichische Popmusik" stellte Fuchs Mitte der 1990-er Jahre fest, daß ebendieser Popmusik in der (wissenschaftlichen) Publizistik bis zu diesem Zeitpunkt kaum bis gar nicht Berücksichtigung gefunden hat. Neben einigen Fan-Fibeln und wenigen einschlägigen Aufsätzen existierte gerade ein einziges exakt recherchiertes wissenschaftliches Werk zum Thema Popmusik in Österreich. Und das, obwohl die heimische Popularmusik in Form des Austropop damals bereits auf eine stolze, knapp 30-jährige Tradition zurückblicken durfte. Das allein war Grund genug, die populäre rot-weiss-rote Musikkultur einer umfassenden wissenschaftlichen Analyse und Reflexion zu unterziehen. Die daraus entstandene Diplomarbeit verfolgte in diesem Sinne vor allem das Ziel, Grundlage für jede weitere intensive und interdisziplinäre Beschäftigung mit dem Thema zu sein. Mittlerweile liegen zahlreiche weitere (auf der Grundlagenarbeit von Fuchs aufbauende) Arbeiten vor. Wer sich mit diesem Buch in das Thema "Popmusik aus Österreich" wissenschaftlich einlesen will, kann dies u.a. mit folgenden Kapiteln tun: ALLGEMEINE GRUNDLAGEN DER MUSIKREZEPTION, BETRACHTUNG RELEVANTER ASPEKTE AUS DER GESCHICHTE DER POPULÄREN MUSIK, EINFÜHRUNG IN DAS FORSCHUNGSFELD „AUSTROPOP“, RAHMENBEDINGUNGEN DES AUSTROPOP, DIE KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFTLICHE RELEVANZ EINER NATIONALEN POPULÄREN MUSIKKULTUR.

Textauszug (computergeneriert)

Diplomarbeit

AUSTROPOP

Entstehungsgeschichte, Rahmenbedingungen und Kommunikationswissenschaftliche Relevanz einer nationalen populären Musikkultur

von

Harry Fuchs

Vorwort

Vor etwas mehr als 10 Jahren durfte ich als Aufbauhelfer für ein Rod Stewart-Konzert in Kärnten erstmals Musikbusiness-Luft schnuppern. Der Flair und die Faszination dieser Branche ließen mich seither nicht mehr los. Ich glaube ohne Arroganz sagen zu dürfen, daß ich in den letzten Jahren selbst ein Teil dieser Branche geworden bin. Als Chefredakteur des Gratis-Musik-Magazins JUKE BOX konnte ich nicht nur die Branche selbst, sondern auch ihre Protagonisten kennenlernen und habe in diesem Zusammenhang ungezählte interessante Gespräche mit äußerst interessanten Menschen geführt. Ich konnte feststellen, daß die meisten Popmusiker hierzulande trotz schwieriger Voraussetzungen stolz und froh sind, in Österreich zu leben und zu arbeiten. Ich mußte aber auch feststellen, daß ebendiese Popmusiker in der (wissenschaftlichen) Publizistik bisher kaum bis gar nicht Berücksichtigung gefunden haben. Neben einigen Fan-Fibeln und wenigen einschlägigen Aufsätzen existiert gerade ein einziges (!) exakt recherchiertes wissenschaftliches Werk zum Thema Popmusik in Österreich. Dieses stammt noch dazu - bezeichnenderweise - nicht von einem Österreicher, sondern von einem Amerikaner. Und das, obwohl die heimische Popularmusik in Form des Austropop auf eine stolze, knapp 30-jährige Tradition zurückblicken darf. Das allein sollte doch Grund genug sein, die populäre heimische Musikkultur einer umfassenden wissenschaftlichen Analyse und Reflexion zu unterziehen. Die vorliegende Arbeit verfolgt in diesem Sinne das Ziel, Grundlage für jede weitere intensive und interdisziplinäre Beschäftigung mit dem Thema zu sein.
Ich möchte dieses Vorwort primär dazu verwenden, all jenen Dank zu sagen, die zum Entstehen und Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben. Allen voran meine Eltern, die mir das Studium überhaupt ermöglicht haben sowie meine Freundin Carmen, die mir seit 5 Jahren motivierend und unterstützend zur Seite steht. Einen großen Dank an Josef Muff Sopper, der großes Vertrauen in mich gesetzt und mir den beruflichen Einstieg in die Musikbranche ermöglicht hat. Herzlichen Dank an Mag. Mario Rossori, der einen ungezwungenen Small Talk zu einer interessanten Grundsatzdiskussion über das Musikbusineß in Österreich werden ließ und damit Initialzünder für diese Arbeit war. Dr. Wolfgang Duchkowitsch hat meine Arbeit in der Folge betreut und hat mir neben hilfreichen Ratschlägen jenen Freiraum gelassen, der für das Gelingen meiner Bemühungen notwendig war - danke dafür, lieber Wolfgang. Ganz besonders danken möchte ich auch all meinen Bekannten und Freunden aus der Musikbranche, durch die ich in Form von Gesprächen und Unterlagen die notwendigen Puzzlesteinchen für ein klares und schlüssiges Gesamtbild erhalten habe. Hierbei einen speziellen Dank an Gen.Dir. Manfred Brunner von der AKM für die zur Verfügung gestellten Untersuchungen und Daten.
Es würde mich wirklich freuen, wenn die Popularmusikforschung hierzulande zu einem fixen Bestandteil der wissenschaftlichen Beschäftigung wird, ein neues Bewußtsein in Hinblick auf ihre Thematik entstehen läßt und damit einen wichtigen Beitrag zur kulturpolitischen Diskussion leisten kann.

Harald Fuchs
Wien, im März 1996

1 Einleitung ... 5
    1.1 Terminologie zum Begriff ,,Popularmusik" ... 6

2 Allgemeine Grundlagen der Musikrezeption ... 9
    2.1 Biologisch-physiologische Grundlagen der Musikrezeption ... 9
    2.2 Lernpsychologische Grundlagen der Musikrezeption ... 11
    2.3 Soziologische Grundlagen der Popmusikrezeption ... 13
        2.3.1 Der Forschungsstand ... 13
        2.3.2 Popmusik und Jugend ... 15
        2.3.3 Hörertypologie nach KNEIF ... 19

3 Betrachtung relevanter Aspekte aus der Geschichte der populären Musik ... 22
    3.1 Die Bedingungen zur Entwicklung der populären Musik im Europa des 18. und 19.Jahrhunderts ... 22
        3.1.1 Gesellschaftliche Umwälzungen und ihre Folgen für das Musikleben ... 22
        3.1.2 Zur Entstehung des Verlags- und Konzertwesens ... 24
        3.1.3 Aus ,,Volksmusik" wird ,,Unterhaltungsmusik" ... 26
    3.2 Musikalische Entwicklungen in Amerika vor 1900 ... 27
    3.3 Zur Entwicklung der populären Musik von 1900 bis 1950 ... 29
        3.3.1 Die Entwicklung der Schallplattenindustrie ... 29
        3.3.2 Der Einfluß der Musikindustrie auf die Entwicklung musikalischer Stile ... 32
        3.3.3 Der Einfluß elektroakustischer Medien auf die Entwicklung der populären Musik ... 37
    3.4 Entwicklung der populären Musik nach 1950 ... 42

4 Einführung in das Forschungsfeld ,,Austropop" ... 48
    4.1 Die unmittelbaren historischen Grundlagen für die Entstehung des Austropop ... 48
        4.1.1 Entstehung und Entwicklung des Wienerliedes ... 48
        4.1.2 Der Jazz in Europa und seine Folgen ... 51
        4.1.3 Zur Entstehung und Entwicklung des sogenannten Austropop ... 54
    4.2 Die Bedeutung der Lied-Texte für den Austropop ... 59
    4.3 Überlegungen zum Begriff ,,Austropop" ... 63
    4.4 Die Bedeutung des Austropop für eine natonale Identität ... 67

5 Rahmenbedingungen des Austropop ... 72
    5.1 Das Publikum ... 72
        5.1.1 Der Beliebtheitsgrad von Musik ... 72
        5.1.2 Zugeschriebene Funktionsmuster von Musik ... 73
        5.1.3 Hörgewohnheiten ... 74
        5.1.4 Stilrichtungspräferenzn ... 75
    5.2 Heimische Popularmusik im ,,Popsender" Ö3 ... 77
        5.2.1 Kriterien der Musikauswahl bei Ö3 ... 77
        5.2.2 Der Anteil heimischer Kompositionen am Musikprogramm von Ö3 ... 81
    5.3 Die Bedeutung des Austropop für die österreichische Tonträgerindustrie ... 86
    5.4 Skizze des Forschungsfeldes ,,Musikzeitschriften in Österreich" ... 92

6 Die kommunikationswissenschaftliche Relevanz einer nationalen populären Musikkultur ... 97
    6.1 Popularmusik als Phänomen der Individualkommunikation ... 97
    6.2 Popularmusik als Phänomen der Massenkommunikation ... 100

7 Literaturverzeichnis ... 104

8 Lebenslauf des Verfassers ... 111

1 Einleitung


,,Musik hat es zu allen Zeiten und in allen geschichtlichen Epochen gegeben, sie begegnet uns als eine der größten menschlichen Leistungen in allen Kulturen. Ihre Bedeutung für den Menschen als Einzelwesen wie in der Gruppe ist für Verhaltensforscher, Anthropologen, Ethnologen, Soziologen und Umweltforscher gleichermaßen unbestritten, denn sie entstand aus dem lebenswichtigen Bedürfnis des Menschen heraus, zur sichtbaren und unsichtbaren Welt in Beziehung zu treten."1

Die Musik ist aus einem Bedürfnis nach Kommunikation heraus entstanden und hat seit jeher die Aufgaben einer menschlichen Ausdrucks- und Mitteilungsform erfüllt. Doch gerade in den letzten drei Jahrhunderten hat die Musik einen nachhaltigen Bedeutungswandel erfahren. Nicht zuletzt durch die massenmediale Verbreitung, durch kommerzielle Interessen ihrer Produzenten und die dadurch entstandenen neuen Rezeptionsformen wurde Musik ,,populär". Sie wurde aus ihren ursprünglichen Bedeutungszusammenhängen gerissen, wurde überformt und den industriellen Produktionsbedingungen unterworfen. Die Musik ist heute durch die elektronischen Medien allgegenwärtig, diese beschallen uns schon in frühester Kindheit und zu jeder Stunde. Der Musikkonsum ist dadurch massenhafter, aber auch oberflächlicher geworden. Dennoch hat die Musikrezeption für den Menschen gerade in der sensiblen Phase der Pubertät einen besonders wichtigen Stellenwert. Und auch im weiteren Leben wird Musik bewußt oder unbewußt eingesetzt, um bestimmte Gefühlseindrücke hervorzurufen. Das Wesen der populären Musik im allgemeinen und der Popmusik im speziellen erweist sich


,,bei näherer Analyse primär als das `außermusikalische′ Phänomen einer spezifischen Kommunikationsstruktur, die sich unter bestimmten sozialpsychologischen Bedingungen blitzartig aufbauen kann und ebenso schnell wieder zerfällt, ein Phänomen also das sowohl wegen seiner massenmedialen Vermittlung als auch von seinem Wesen her mit keiner universitären Richtung mehr thematische Berührungspunkte aufweist als mit der Kommunikationswissenschaft."2

Doch während man sich in anderen Ländern mit den Phänomenen der musikalischen Populärkultur wissenschaftlich schon intensiv auseinandersetzt, wurden in Österreich bisher nur verschwindend wenig einschlägige Arbeiten verfaßt. Diese wenigen Arbeiten stammen fast ausschließlich aus der studentischen Forschung und haben allgemeine musikalische Themen zum Inhalt. Spezielles über heimische Popularmusik ist darunter nicht zu finden. Und das, obwohl dieses Land mit dem oft zitierten Austropop eine eigenständige musikalische Populärkultur hervorgebracht hat, die einer wissenschaftlichen Beschäftigung allemal würdig ist. Nicht zuletzt deswegen, weil ,,sich eine kommunikationswissenschaftliche Kulturforschung primär jenen Gegenständen zuwenden muß, die bei den Rezipienten die höchste und intensivste Nutzungsfrequenz aufweisen."3Im Falle der österreichischen Musikkultur ist dies eben die Rock- und Popmusik. ,,Von zentralem Interesse sollte in diesem Zusammenhang dasjenige Symbolsystem der österreichischen Massenkultur sein, das als Phänomen kultureller Identität besonders ergiebig erscheint, nämlich der Austropop- bzw. Austrorock."4 Der Salzburger Kommunikationswissenschaftler RUDI RENGER skizziert in seinem Aufsatz ,,Musik - Markt - Medien: Zur Systematisierung eines kommunikationswissenschaftlichen Forschungsfeldes am Beispiel der Pop- und Rockmusik" demnach vier Ebenen eines solchen Forschungsfeldes:
· Die Ebene der Massenkommunikation
· Die Ebene der Organisationen
· Die Ebene der interpersonellen Kommunikation
· Die intrapersonale Ebene
Jeder dieser Bereiche beinhaltet eine Reihe von Fragen, die nicht ausschließlich von der Kommunikationswissenschaft, sondern auch von den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie, der Soziologie, der Pädagogik, der Musikwissenschaft selbst sowie von anderen Disziplinen zu klären sein werden.
Um eine relevante Forschungstätigkeit über heimische, populäre Musikkultur zu ermöglichen, wird es vorab grundsätzlich einmal notwendig sein, den sogenannten Austropop in den Gesamtkontext der Forschungsergebnisse der allgemeinen Musikwissenschaft, seiner historischen Ursprünge und seiner wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu stellen.
Auf einer solchen Zusammenschau aufbauend können dann jene Fragen entstehen, die es in einer analytischen, empirischen oder philosophischen Weise zu beantworten gilt.
Die vorliegende Arbeit erhebt also den Anspruch, eine ,,wissenschaftliche Einführung in das Forschungsfeld Austropop" zu sein und diesen im genannten Kontext darzustellen, allerdings nicht ohne dabei selbst wiederum Fragen für eine zukünftige Beschäftigung mit dem Thema aufzuwerfen.

1 LIEDTKE 1985, s.22

2 REICH 1991, s.6f.

3 RENGER 1991, s.229

4 RENGER 1991, s.229

Kommentare

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