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'Kindheitsreflexion' in Georg Trakels Gedicht 'Kindheit' mit Augenmerk auf die `Seelenfarbe` Blau

Autor: Lisa Köhler
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 258 KB
Archivnummer: V36291
ISBN (E-Book): 978-3-638-35957-3
Anmerkungen :
Ausführliche Interpretation (jede Zeile einzeln) mit besonderem Augenmerk auf die Wirkung und Bedeutung der Farbe Blau im Gedicht.

Textauszug (computergeneriert)

′Kindheitsreflexion′ in Georg Trakels Gedicht ′Kindheit′
mit Augenmerk auf die `Seelenfarbe` Blau

von: Lisa Köhler

 



Inhalt

I Einleitung: Gedanken zum Begriff „Kindheit“  4

II Gedichtanalyse  5

1 Allgemeines 5
2 Formale Beschreibung 6
3 Interpretation 6

3.1 Strophe 1 6
3.2 Strophe 2 11
3.3 Strophe 3  14
3.4 Strophe 4 17
3.5 Strophe 5 20

4. Die Bedeutung der Farbe >Blau<  23

III Schlussbetrachtung 26

IV Literaturverzeichnis 27



Kindheit

1 Voll Früchten der Hollunder; ruhig wohnte die Kindheit
2 In blauer Höhle. Über vergangenen Pfad,
3 Wo nun bräunlich das wilde Gras saust,
4 Sinnt das stille Geäst; das Rauschen des Laubs
5 Ein gleiches, wenn das blaue Wasser im Felsen tönt.
6 Sanft ist der Amsel Klage. Ein Hirt
7 Folgt sprachlos der Sonne, die vom herbstlichen Hügel rollt.
8 Ein blauer Augenblick ist nur mehr Seele.
9 Am Waldsaum zeigt sich ein scheues Wild und friedlich
10 Ruhn im Grund die alten Glocken und finsteren Weiler.
11 Frömmer kennst du den Sinn der dunklen Jahre,
12 Kühle und Herbst in einsamen Zimmern;
13 Und in heiliger Bläue läuten leuchtende Schritte fort.
14 Leise klirrt ein offenes Fenster; zu Tränen
15 Rührt der Anblick des verfallenen Friedhofs am Hügel,
16 Erinnerung an erzählte Legenden; doch manchmal erhellt sich die Seele,
17 Wenn sie frohe Menschen denkt, dunkelgoldene Frühlingstage.
 

I. Einleitung

Die Jugend ist das Paradies, und nur in ihr blüht der Baum des Lebens, und nur in diesem Paradies hört man die Stimme Gottes durch die Welt gehen, und man hört, was die Vögel sprechen, was die Blumen erzählen, was die Bäume lispeln und die Bäche plaudern. Das spätere Leben ist nichts als der Auszug aus dem “Verlorenen Paradies“.

Gottlieb Moritz Saphir, österreichischer Satiriker, Journalist und Kritiker Gottlieb Moritz Saphir, der 1795 – 1858 lebte, befasst sich in dem oben genannten Zitat mit dem Thema „Kindheit“. Anhand verschiedener Naturbilder und mit der Metapher „Paradies“ beschreibt er die Kinderzeit sehr idyllisch und bringt sie so dem Leser emotional nahe. Da Saphir sie durchgehend positiv darstellt, bezeichnet er dagegen das Erwachsen – Werden und das Ende der Kindheit in diesem Aphorismus als den „Auszug aus dem verlorenen Paradies “. Doch nicht alle Menschen können als Erwachsene auf eine positive Kindheit zurückblicken. So verband den Dichter Georg Trakl mit seinen Eltern immer ein emotional schwieriges Verhältnis, durch das er stets tief verunsichert wurde.1 Seiner Mutter gegenüber empfand er eine „Hass – Liebe“, wie Paulsen beschreibt.2

Für ein sensitives Kind sind das tiefe Verunsicherungen, und man konnte daher auch von seiner späteren Dichtung sagen: <<Über allem aber>> tönte <<dunkel die Klage>> der Gastalt des Knaben: <<`Niemand liebte ihn`>>. Paulsen zufolge war für Trakl das „erschütterndste Erlebnis seiner Jugend“ jedoch das „inzestuöse Verhältnis zu seiner jüngeren Schwester Grete“. 3 Andererseits gibt es auch genauso positive Gegendarstellungen der Kindheit des Dichters. So beschreiben ein jüngerer Bruder und die ältere Schwester Trakl als „ein Kind [...] wie wir anderen auch, fröhlich, wild und gesund.“4 Nachdem nun festgestellt wurde, dass Trakl ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu seiner Kindheit hat, soll nun in der folgenden Analyse erörtert werden, wie das lyrische Ich des Traklschen Gedichts >Kindheit< diese erlebt, das heißt, wie das Verhältnis des lyrischen Ich zu seiner Kindheit beschrieben wird.

II Gedichtanalyse

1. Allgemeines

Georg Trakl, der 1887 als viertes von sechs Kindern in Salzburg geboren wird und dort seine Jugend verbringt, knüpft mit seinem Gedicht „Kindheit“, das Juni / Juli 1913 in der Zeitschrift „Der Brenner“ erscheint, an die Tradition des Expressionismus an. In dieser Epoche steht nicht mehr die Außenwelt im Mittelpunkt, die im Impressionismus durch nuancierte Eindrücke wiedergegeben werden sollte, sondern die Innenwelt der Schriftsteller und deren künstlerischer Ausdruck. So befasst sich Trakl in diesem Gedicht poetisch mit seiner Kindheit. 5 Es entstand im Rahmen des Zyklusses „Sebastian im Traum“, das seinem Spätwerk zuzuordnen ist ( ca. 20. Juni bis 13. Juli ).6 Die künstlerische Innenwelt wiedergebend, teilt das lyrische Werk keine äußere Handlung mit, sondern vermittelt dem Rezipienten lediglich durch die Verwendung des Begriffs >Kindheit< (I/1) in der ersten Strophe das Thema. Das Gedicht wirkt durch die „aneinandergereihten, strophischen Bildkomplexe“, wie Angelika Overath die Textstruktur beschreibt,7 für den Leser zunächst hermetisch und schwer zugänglich. Des Weiteren gibt es eine Ansammlung von Naturbildern, deren Themenbereiche unter anderem Laub, Wasser, aber auch Elemente der Zivilisation wie alte Bauernhöfe und Friedhöfe beinhalten.

2. Formale Beschreibung

Das Gedicht besteht formal aus fünf Strophen, die jeweils eine ungleiche Verszahl aufweisen. Während die erste und die letzte Strophe vier Verse aufzeigen, umarmen diese die zweite, dritte und vierte Strophe, die aus jeweils drei Versen bestehen. Die Verslänge variiert stark, so schwankt die Silbenzahl von neun bis zu zwanzig. Beispielsweise besteht Vers drei in Strophe fünf aus zwanzig Silben, dagegen kann man in Strophe eins Vers vier nur elf und in Strophe drei nur neun Silben zählen. Das Gedicht ist reimlos und durch das unregelmäßige Versmaß kann man von freien Rhythmen sprechen.

3. Interpretation

3.1 Strophe 1

Mit der Allegorie des Holunderbusches beginnt das Gedicht Trakls in scheinbarer Harmonie: >Voll Früchten der Hollunder< (I/1). Sie ruft in den Menschen sofort die bildhafte Vorstellung an seine Früchte hervor, die im Spätsommer, Anfang Herbst dunkelblau den Busch schwer beladen. Diese Fülle wird klanglich auch von der Alliteration des Syntagmas >voll Früchten< (I/1) bestätigt und intensiviert. Ebenso intensivierend wirkt die Inversion der Ellipse, die damit zuerst diese Klanglichkeit in den Vordergrund stellt.

[...]


1 Vgl. Paulsen, Wolfgang: Deutsche Literatur des Expressionisus. 2. überarbeitete Auflage Berlin: Weidler 1998, hier S. 112.

2 Ebd. S. 112.

3 Ebd. S. 116.

4 Ebd. S. 116.

5 Vgl. Trakl, Georg: Sämtliche Werke und Briefwechsel. Dichtungen Sommer 1913 bis Herbst 1913. Hg. v. Eberhard Sauermann. Innsbruck 1948. Künftig beziehen sich sämtliche Zitate, die das Gedicht betreffen, auf diese Ausgabe. Zum besseren Verständnis steht es auch auf Seite 2 der Hausarbeit und hat eine fortlaufende Nummerierung.

6 Vgl. Overath, Angelika: Trakls blaue Kindheit. Altmodische Lektüre eines modernen Gedichts. In: Akzente 34. Jahrgang (1987). S. 77 – 95, hier S. 77.

7 Ebd. S. 78.

Kommentare

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