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Wohnungslosigkeit und Hundehaltung, Beziehungsstrukturen zwischen Mensch und Hund. Reaktionen des Hilfesystems auf die Hundehaltung bei wohnungslosen Menschen.

Vordiplomarbeit, 2005, 31 Seiten
Autor: Christiane Schöll
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Details

Kategorie: Vordiplomarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 31
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V36445
ISBN (E-Book): 978-3-638-36069-2
ISBN (Buch): 978-3-640-20336-9
Dateigröße: 229 KB

Zusammenfassung / Abstract

Wohnungslose Hundehalter müssen oft im Freien übernachten („Platte machen“), denn das Hilfesystem ist auf sie in den meisten Fällen nicht eingerichtet. Nur selten können diese Menschen in einer Einrichtung übernachten, denn Hunde sind in den wenigsten Übernachtungsstellen erlaubt. Ziel der Arbeit ist es, Aufschluss über die Strukturen der Mensch- Tier- Beziehung und die besonderen Funktionen des Hundes für einen Wohnungslosen zu geben. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche Problematik sich innerhalb der Einrichtungen des Hilfesystems durch die Anwesenheit der Hunde ergibt. Im ersten Kapitel werden die sozialen Beziehungsstrukturen zwischen Mensch und Tier im Allgemeinen, sowie Funktionen des Hundes bei wohnungslosen Menschen im Besonderen dargestellt. Dazu wird die Situation wohnungsloser Menschen erläutert und untersucht, welche Beziehung zwischen wohnungslosen Hundehaltern und ihren Hunden besteht. Es wird dargelegt, aus welchen Gründen wohnungslose Hundehalter trotz ihrer prekären Situation nicht auf die Haltung ihrer Hunde verzichten. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Gesundheitszustand Wohnungsloser und dem Einfluss von Tieren auf die Gesundheit des Menschen. Im dritten Kapitel werden zwei Einrichtungen des Hilfesystems, in denen Hunde erlaubt sind, beschrieben und die damit verbundene Problematik dargestellt. Es wird dargelegt, weshalb das Hilfesystem hier nicht adäquat reagiert bzw. reagieren kann und herausgearbeitet, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Einrichtungen wohnungslose Menschen mit Hund aufnehmen können. Bisher wird in der Literatur entweder nur die Mensch- Tier- Beziehung oder die Wohnungslosigkeit in Verbindung mit dem Hilfesystem beschrieben. Die vorliegende Arbeit verbindet diese Teilaspekte zur Betrachtung der Problematik wohnungsloser Hundehalter. Um die Fragestellung dieser Arbeit zu illustrieren, wurden Gespräche mit zwei wohnungslosen Hundehaltern und den Leiterinnen zweier Einrichtungen, die wohnungslose Hundehalter aufnehmen, geführt, die zum besseren Verständnis mit einfließen.


Textauszug (computergeneriert)

Wohnungslosigkeit und Hundehaltung, Beziehungsstrukturen zwischen
Mensch und Hund. Reaktionen des Hilfesystems auf die
Hundehaltung bei wohnungslosen Menschen.

von: Christiane Schöll

2. Semester

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Die sozialen Beziehungsstrukturen zwischen Mensch und Tier und deren Auswirkungen auf wohnungslose Hundehalter 4

1.1 Die sozialen Beziehungsstrukturen von Mensch und Tier 5
1.2 Die sozialen Beziehungen von wohnungslosen Menschen und die Funktionen der Hunde im Wohnungslosenmilieu  8

2. Der Gesundheitszustand von wohnungslosen Menschen und die Bedeutung der Tierhaltung auf diesen 10

2.1 Der physische Gesundheitszustand von Wohnungslosen und der Einfluss der Haustierhaltung auf physische Erkrankungen 12
2.2 Der psychische Gesundheitszustand von Wohnungslosen und der Einfluss der Haustierhaltung auf psychische Erkrankungen 16

3. Das Hilfesystem und die damit verbundenen Probleme der Hundehaltung 20

3.1 Beschreibung der Tagesaufenthaltsstätte (SKM) in Heidelberg 21
3.2 Beschreibung des Zentrums der Wohnungslosenhilfe (ZdW) 23 in Bensheim

Zusammenfassung 27



Einleitung

Wohnungslose Hundehalter müssen oft im Freien übernachten („Platte machen“), denn das Hilfesystem ist auf sie in den meisten Fällen nicht eingerichtet. Nur selten können diese Menschen in einer Einrichtung übernachten, denn Hunde sind in den wenigsten Übernachtungsstellen erlaubt.

Ziel der Arbeit ist es, Aufschluss über die Strukturen der Mensch- Tier- Beziehung und die besonderen Funktionen des Hundes für einen Wohnungslosen zu geben. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche Problematik sich innerhalb der Einrichtungen des Hilfesystems durch die Anwesenheit der Hunde ergibt.

Im ersten Kapitel werden die sozialen Beziehungsstrukturen zwischen Mensch und Tier im Allgemeinen, sowie Funktionen des Hundes bei wohnungslosen Menschen im Besonderen dargestellt. Dazu wird die Situation wohnungsloser Menschen erläutert und untersucht, welche Beziehung zwischen wohnungslosen Hundehaltern und ihren Hunden besteht. Es wird dargelegt, aus welchen Gründen wohnungslose Hundehalter trotz ihrer prekären Situation nicht auf die Haltung ihrer Hunde verzichten.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Gesundheitszustand Wohnungsloser und dem Einfluss von Tieren auf die Gesundheit des Menschen.
Im dritten Kapitel werden zwei Einrichtungen des Hilfesystems, in denen Hunde erlaubt sind, beschrieben und die damit verbundene Problematik dargestellt. Es wird dargelegt, weshalb das Hilfesystem hier nicht adäquat reagiert bzw. reagieren kann und herausgearbeitet, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Einrichtungen wohnungslose Menschen mit Hund aufnehmen können.

Bisher wird in der Literatur entweder nur die Mensch- Tier- Beziehung oder die Wohnungslosigkeit in Verbindung mit dem Hilfesystem beschrieben. Die vorliegende Arbeit verbindet diese Teilaspekte zur Betrachtung der Problematik wohnungsloser Hundehalter. Um die Fragestellung dieser Arbeit zu illustrieren, wurden Gespräche mit zwei wohnungslosen Hundehaltern und den Leiterinnen zweier Einrichtungen, die wohnungslose Hundehalter aufnehmen, geführt, die zum besseren Verständnis mit einfließen.

1. Die sozialen Beziehungsstrukturen zwischen Mensch und Tier und deren Auswirkungen auf wohnungslose Hundehalter

Wohnungslose Menschen bilden keine homogene Personengruppe. Ihre persönlichen, sozialen und ökonomischen Bedarfslagen sind teilweise sehr unterschiedlich. Verbunden werden sie nur durch das gemeinsame Merkmal der Wohnungslosigkeit (vgl. Gillich, Nieslony 2000, S. 89).

Wohnungslosigkeit entsteht durch einen langfristigen Verarmungs- und Ausgrenzungsprozess, oft bedingt durch Arbeitslosigkeit und persönliche Schicksalsschläge wie z. b. Scheidung oder Tod des Partners. Zunehmend werden alle Lebensbereiche der betroffenen Personen eingeschränkt. Mit dem Verlust von Arbeit, Wohnung und sozialen Beziehungen fehlen den Wohnungslosen die elementarsten Lebensgrundlagen. Am stärksten sind sie jedoch von sozialer Benachteiligung und Isolation betroffen. Die Gründe für den Verlust der sozialen Kontakte sind mannigfaltig (vgl. Gillich, Nieslony 2000, S. 102).
Häufig bestehen soziale Beziehungen nur noch zu anderen Wohnungslosen und zu den oft mit dazugehörenden Hunden, aber nicht mehr zu Menschen außerhalb des Milieus. Innerhalb der Szene sind die Beziehungen eher verhalten. Der Hund ist oft der einzige wirkliche Partner des Wohnungslosen. Aber kann ein Hund einen menschlichen Sozialpartner ersetzen? Und wie ist die Mensch- Tier- Beziehung strukturiert?

Hunde sind immer noch unsere beliebtesten Haustiere, denn kein anderes Tier schließt sich so eng an den Menschen an und zu keinem anderen Tier hat der Mensch eine so tiefe Beziehung. Der Hund dient als Partner- und Kindersatz, Familienmitglied, Prestigeobjekt, als Aggressionsableiter oder Schmusetier. Hinzu kommt, dass er auch noch der vielseitigste Helfer des Menschen ist. Hunde dienen dem Menschen als Beschützer, hüten und bewachen die Weidetiere, werden zur Jagd genutzt und als Blinden-, Behinderten- und Therapiehund eingesetzt. Des Weiteren werden sie in der ganzen Welt als Versuchsobjekte missbraucht und stehen in einigen Kulturen sogar auf dem Speiseplan (vgl. Ziemen in: Akademie für Tiernaturheilkunde o. D.).

In den folgenden Unterkapiteln werden die allgemeinen Beziehungsstrukturen zwischen Mensch und Hund dargestellt, sowie die sozialen Funktionen des Hundes für einen Wohnungslosen erläutert.

1.1 Die sozialen Beziehungsstrukturen von Mensch und Tier

Der Mensch kann seine Persönlichkeit in der heutigen, überwiegend technologisch und virtuell geprägten Umwelt nur unvollständig entwickeln. Zur vollständigen Entwicklung muss auch die geistige und emotionale Seite in ihm zur Reife gelangen. Hierzu ist das Zusammenleben mit anderen Menschen, anderen Lebewesen und der Natur notwendig (vgl. Olbrich in: Unser Rassehund H. 10, 1998, S. 118).

Menschen und höhere Tiere können miteinander Beziehungen eingehen, die denen zwischen Menschen bzw. Tieren sehr ähnlich sind. Ausschlaggebend ist die subjektive Gewissheit, dass es sich bei dieser Beziehung um eine Partnerschaft handelt. Diese so genannte „Du - Evidenz“ ist entscheidend für die Entstehung einer Beziehung zwischen Mensch und Tier (vgl. www.uni-wuerzburg..., 13.07.2004, S. 7). „Gegenseitige Verpflichtung ermöglicht diese besonders enge Beziehung zwischen Mensch und Haustier. Diese Beziehung ist in ihrem Wesen einzigartig, vergleichbar mit der Freundschaft zwischen zwei Menschen.“ (Bercovitch 2001, S. 54)

Zum Aufbau solch einer Du - Beziehung eignen sich vor allem sozial lebende Tiere, in deren Ausdruck menschliche Gefühle, wie Freude, Wut, Furcht usw. erkennbar sind. Sie sind durch den deutlichen Ausdruck ihrer Gefühle dem Menschen ähnlich und suchen ihrerseits die Gesellschaft von Menschen. Insbesondere durch die Namensgebung wird das Tier für seinen Menschen zu etwas Besonderem, zu einem Partner, der fast menschliche Qualitäten besitzt (vgl. www.uni-wuerzburg..., 13.07.2000, S. 7).

Für den Menschen scheint das Haustier eine zweifache Bedeutung zu haben. Zum einen dient es der Selbstergänzung, also zur Ergänzung der eigenen Wesensmerkmale, zur Beseitigung eines Mangels. Zum anderen wird es bei Einsamkeit und Isolation als sozialer Ersatz benutzt (vgl. www.diplomica.com/ ..., 10.08.2004, S. 2).

Der Mensch wählt sein Haustier nicht zufällig aus, „er sucht sich jenes Tier zum Partner, das seinen psychischen Bedürfnissen am ehesten entspricht, dem er irgendwie wesensähnlich ist.“

[...]


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