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Termpaper, 2004, 24 Pages
Author: Katharina Papke
Subject: Communications: Movies and Television
Details
Institution/College: University of the Arts Berlin (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation)
Tags: Grausamkeit, Alltags, Wirkung, Films, Böse, Zellen, Verstärkung, Mittel, Eine, Sequenzanalyse, Theorien, AV-Kommunikation
Year: 2004
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36110-1
File size: 473 KB
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Abstract
Wie brutal der Alltag sein kann, der gleichzeitig doch so normal ist, bringt „Böse Zellen" von Barbara Albert zum Ausdruck. “The people in Albert´s „Free Radicals“[...] must cope with boundless grief”, schreibt Sylviane Gold und dass der Film eben düster scheint – ob er es nun ist oder nur so wahrgenommen wird bleibt bis dahin noch ungeklärt - bringt selbst diese Kritik von Erwin Heberling zum Ausdruck: „Dass der Film nicht so düster ist, wie es scheinen mag, hat viel mit der Musik zu tun, der Barbara Albert viel Raum gewährt.“ „Böse Zellen“ ist ein sehr vielschichtiger Film, der in mehreren Kritiken auch als überladen bezeichnet wurde. Zwischenmenschliche Abhängigkeiten und Einsamkeit, Chaos und Ordnung, Religion und Jenseits, Todesangst, Schuld und Verantwortung und die Suche des Glücks in der Konsumgesellschaft gehören unter anderem zu den nebeneinander existierenden, zentralen Themen des Filmes. Doch was verwundert und erschrickt ist die Wirkung, die „Böse Zellen“ hinterlässt. Ohne den Film einer vorschnellen Wertung oder Analyse unterziehen zu wollen, wird das Gefühl bestärkt, dass die „Grausamkeit“ der Realität im Film eigentlich die wirkliche Realität darstellt. Oder wie Peter Claus formuliert: „Die verschachtelten, kargen Momentaufnahmen ganz gewöhnlichen Lebens sind von einer Klarheit, die einen frösteln lässt.“ Das dumpfe, traurige Gefühl und der Eindruck, dass Grausamkeit der wirkliche Alltag ist, mit dem viele Menschen viele Jahre ihres Lebens leben, lässt den Film zur Realität werden, auch wenn die Häufung von Schicksalsschlägen nicht immer den normalen Alltag ausmacht. Die Hausarbeit versucht zu klären, wie diese Wirkung bei „Böse Zellen“ mit filmstilistischen Mitteln im Zusammenhang mit seiner Thematik erzeugt wird. Dabei werden die verschiedenen Aspekte und Themen des Films hauptsächlich unter diesem Gesichtspunkt betrachtet und nicht im Einzelnen untersucht. Der neoformalistische Ansatz dient dabei als Grundlage der Analyse. Zudem wird die Frage nach der Zuschauerrezeption im Zusammenhang mit dem sozialen Statutes angerissen, die Frage nach dem „typisch Österreichischen“ aufgeworfen und zu einem Fazit übergeleitet.
Excerpt (computer-generated)
Die Grausamkeit des Alltags. Wirkung des Films "Böse
Zellen" und dessen Verstärkung durch filmstilistische
Mittel. Eine neoformalistische Sequenzanalyse
von: Katharina Papke
Gliederung
1. Leben wir nicht alle einen Film S.3
2. Neoformalismus – Entstehung und Begriffsdefinition S.4
2.1 Ein Ansatz S.5
2.2 Die Bedeutung des Zuschauers S.5
2.3 Schlüsselkonzepte S.6
3. Sequenzanalyse S.8
4. Die Zuschauerfrage oder inwiefern der soziale Status eine Rolle spielt S.15
5. Die Frage nach der „Austriazität“ bei Böse Zellen S.17
6. Fazit S.20
7. Anhang
8. Literaturverzeichnis
„Ich wollte nicht schockieren. Ich wollte, dass „Böse Zellen“
fast hyperrealistisch ist, dass man wirklich etwas spürt. Für
mich sind das Normalitäten. Wenn du dir überlegst, was so
passiert – das ist ja oft nicht zu glauben, weil es so heftig ist.
Jeder kennt jemanden, der bei einem Autounfall gestorben ist.
Ein Film macht alles geballter Form, und in „Böse Zellen“
wird das noch gesteigert, weil es so viele Erzählstränge gibt.“
Barbara Albert1
1. Leben wir nicht alle einen Film?
Frau S. hängt an einem Mittwochmorgen die Strümpfe auf die Wäscheleine, fährt danach zum nächstgelegenen Shoppingcenter und sitzt abends mit ihrem Mann vor dem Fernseher. Die Situation, wie sie sich hier abspielt, würde man wahrscheinlich wohl mit Alltagsleben, Realität oder auch Normalität bezeichnen. 2 Wie brutal dieser Alltag jedoch sein kann, der gleichzeitig doch so normal ist, bringt Böse Zellen von Barbara Albert zum Ausdruck. Denn „So drückend liegt eine Wolke aus Angst, Einsamkeit, Bedrohung und Ausgesetztheit über allen, dass es einem fast den Atem nimmt.“3 “The people in Albert´s „Free Radicals“[...] must cope with boundless grief”, schreibt Sylviane Gold dazu4 und dass der Film eben düster scheint – ob er es nun ist oder nur so wahrgenommen wird bleibt bis dahin noch ungeklärt - bringt selbst diese Kritik zum Ausdruck: „Dass der Film nicht so düster ist, wie es scheinen mag, hat viel mit der Musik zu tun, der Barbara Albert viel Raum gewährt.“5 „Böse Zellen“ ist ein sehr vielschichtiger Film, mit „traurigen Einzelepisoden, die den Blick auf das trostlose Ganze ermöglichen“6 und der in mehreren Kritiken auch als überladen bezeichnet wurde. Zwischenmenschliche Abhängigkeiten und Einsamkeit, Chaos und Ordnung, Religion und Jenseits, Todesangst, Schuld und Verantwortung und die Suche des Glücks in der Konsumgesellschaft gehören unter anderem zu den nebeneinander existierenden, zentralen Themen des Filmes.
Doch was verwundert und erschrickt ist die Wirkung, die „Böse Zellen“ hinterlässt. Ohne den Film einer vorschnellen Wertung oder Analyse unterziehen zu wollen, wird das Gefühl bestärkt, dass die „Grausamkeit“ der Realität im Film oder auch „die Düsternis, die über dem Alltag schwebt“7 eigentlich die wirkliche Realität darstellt. „Die verschachtelten, kargen Momentaufnahmen ganz gewöhnlichen Lebens sind von einer Klarheit, die einen frösteln lässt.“8 Das dumpfe, traurige Gefühl und der Eindruck, dass Grausamkeit der wirkliche Alltag ist, mit dem viele Menschen viele Jahre ihres Lebens leben, lässt den Film zur Realität werden, auch wenn die Häufung von Schicksalsschlägen nicht immer den normalen Alltag ausmacht.
Die Hausarbeit versucht zu klären, wie diese Wirkung bei „Böse Zellen“ mit filmstilistischen Mitteln im Zusammenhang mit seiner Thematik erzeugt wird. Dabei werden die verschiedenen Aspekte und Themen des Films hauptsächlich unter diesem Gesichtspunkt betrachtet und nicht im Einzelnen untersucht. Der neoformalistische Ansatz dient dabei als Grundlage der Analyse. Zudem wird die Frage nach der Zuschauerrezeption im Zusammenhang mit dem sozialen Statutes angerissen, die Frage nach dem „typisch Österreichischen“ aufgeworfen und zu einem Fazit übergeleitet.
2. Neoformalismus - Entstehung und Begriffsdefinition9
Neoformalismus leitet sich von Formalismus ab, einer Strömung in der Literaturwissenschaft zwischen 1913 – 1939, die in Russland begründet worden ist. Als eine abwertende, beleidigende Bezeichnung seitens der Marxisten dieser formalistischen Literaturperiode gekennzeichnet, wurde sie wieder „neu“ aufgegriffen und während der Neoformalismus im engsten Sinne ein Beschränkung auf die Arbeiten von Bordwell und Thompson ist, bevorzugt Bordwell eher den Begriff „historische Poetik des Films“. Somit kann der Begriff auch als Sammelbegriff für Arbeiten mit verwandten Zugängen von z.B. Noël Carrol, Edward Branigan oder Rick Altmann stehen.
Der Neoformalismus bezieht sich im Unterschied zu anderen filmwissens chaftlichen Theorien ausschließlich auf den Film, versucht das Spezifische und den formal-ästhetischen Bezugsrahmen zu erfassen und nimmt den Film als Kunst wahr. Auch wird Neoformalismus von Bordwell und Thompson nicht als umfassende Filmtheorie oder filmanalytische Methode aufgefasst. „Neoformalism […] is thus not a general theory of film, let alone a Grand one. Nor is it, once again, a method.“10 Vielmehr ist es ein Ansatz, von dem ausgehend spezifische, dem einzelnen Film und den einzelnen Fragestellungen angemessene Methoden abgeleitet werden können. Der Ansatz ist stark umstritten, dennoch weist er eine große Kohärenz und Konsistenz auf, bezieht verschiedenste film-, literatur- und kunsthistorische Entwürfe mit ein und hat den Anspruch Filmtheorie, Filmanalyse und Filmgeschichte im Zusammenhang zu betrachten.
2.1 Ein Ansatz
[...]
1 Albert, Barbara in einem Interview mit Hermes, Manfred in: Die Tageszeitung, 01.04.2004, S. 17
2 Eine eindeutige Definition dieser Begriffe wäre im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich gewesen, da die Autorin es sich vorbehalten hat, ihren Schwerpunkt auf die neoformalistische Sequenzanalyse zu setzen. Es wird von einem allgemeinen Verständnis dieser Begriffe ausgegangen.
3 Kritik von Steiner, Ulrike auf www.nachrichten.at/kultur/kino/228158?PHPSESSID=929c07f689095504d230e9eadf2d603e6
4 Kritik von Gold, Sylviane in: New York Times, 18.07.2004, S. 46
5 Kritik von Heberling, Erwin auf http://www.programmkino.de/ABCD/A_Hard_Days_Night/Ausser_Atem/Ahnungslosen/About_a_Boy/All_or _Nothing/About_Schmidt/Autofocus/Amores_Pissiveis/Before_Night_Falls/Bose_Zellen/bose_zellen.html
6 Kritik von Hering, Tobias auf http://www.freitag.de/2004/15/04151201.php
7 Vgl. hierzu Kritik von Claus, Peter auf http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040401/film/story669473.html
8 ebd.
9 Vgl. Kapitel 2 mit Hartmann, Britta u. Wulff, Hans J.: „Neoformalismus – Kognitivismus – Historische Poetik des Kinos“. In: Moderne Film Theorie. Hg. von Jürgen Felix, Mainz: Bender Verlag, 2002, S.191-221
10 Bordwell, David auf www.geocities.com/david_bordwell/historicalpoet.htm
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