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Historischer Sachunterricht in der Schule

Termpaper, 2005, 21 Pages
Author: Kathrin Morawietz
Subject: Regional History and Geography (Basic Primary School Pedagogy)

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V36530
ISBN (E-book): 978-3-638-36129-3

File size: 192 KB


Excerpt (computer-generated)

Historischer Sachunterricht in der Schule

von: Kathrin Theysohn

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Was ist eigentlich Geschichte und wie entsteht Geschichtsbewusstsein?

2. Der Stellenwert des historischen Sachunterrichts in der Grundschule

2.1 Der wissenschaftsorientierte, fachpropädeutische Sachunterricht
2.2 Der gegenwärtige Stellenwert des historischen Sachunterrichts

3. Psychologische Voraussetzungen für historisches Lernen in der Grundschule

4. Begründungszusammenhänge des historischen Lernens

5. Zielsetzungen des historischen Sachunterrichts

5.1 Entwicklung des Geschichtsbewusstseins
5.2 Entwicklung von Planungs- und Problemlösekompetenzen
5.3 Förderung von Urteilsvermögen und Kritikfähigkeit
5.4 Anbahnung von medienkritischem Verhalten
5.5 Förderung von Sozialkompetenz und Empathieverhalten
5.6 Einführung in fachspezifische Arbeitsweisen und Erkenntnismethoden
5.7 Motivationale Ziele

6. Inhalte des historischen Sachunterrichts

6.1 Aktuelle, lokale Anlässe
6.2 Zeitleisten
6.3 Kindheitsgeschichte, Kinderziehung und Familienstrukturen
6.4 Arbeitswelt und Erwerbsarbeit
6.5 Schulgeschichte
6.6 Vor-, Früh- und Zeitgeschichte

7. Veranschaulichungsmöglichkeiten im historischen Sachunterricht

7.1 Geschichtserzählungen
7.2 Quellenarbeit

7.2.1 Sachquellen
7.2.2 Schriftliche Quellen

7.3 Oral History
7.3 Historische Museen
7.4 Archive
7.5 Historische Kinder- und Sachbücher
7.6 Filme
7.7 Spiele
7.8 Bilder
7.9 Historische Geschichtskarten
7.10 Weitere Veranschaulichungsmöglichkeiten

8. Methodische Vorgehensweisen und Lernverfahren im historischen Sachunterricht

9. Schluss

10. Literaturverzeichnis


 

1. Einleitung: Was ist eigentlich Geschichte und wie entsteht Geschichtsbewusstsein?

Unter dem Begriff „Geschichte“ versteht man Geschehnisse und Ereignisse, die in der Vergangenheit spielen. Im Sinne der Wissenschaft ist Geschichte „Menschheits- und Menschengeschichte“1, die vor zwei bis drei Millionen Jahren beginnt.2 Jeder Mensch verfügt zudem über eine eigene, individuelle Lebensgeschichte, die sein gegenwärtiges Leben und seine Zukunft beeinflusst. Dass er selbst ein geschichtliches Wesen ist, erkennt der Mensch jedoch erst, wenn er in eine Beziehung zu seiner eigenen Geschichte tritt und somit Geschichtsbewusstsein entwickelt. Bereits das Kind sammelt Erinnerungen und nimmt Veränderungen wahr, es handelt nach einem historischen Grundmuster, indem es Erfahrungen auf gegenwärtige Situationen überträgt und Entscheidungen von früheren Erfahrungen abhängig macht. Es versteht jedoch noch nicht, wie sich Dauer und Veränderung auf die eigene Wirklichkeit auswirken. Erst die Erkenntnis von historischen Zusammenhängen kann somit als historisches Bewusstsein bezeichnet werden.

Der Geschichtsdidaktiker Pandel unterscheidet drei Basisdimensionen des Geschichtsbewusstseins: Temporalbewusstsein, Wirklichkeitsbewusstsein und Historizitätsbewusstsein. Beim Temporalbewusstsein handelt es sich um die Fähigkeit, zwischen den drei Zeitdimensionen unterscheiden und einen Zusammenhang zwischen Zeit und Geschehen herstellen zu können. Wirklichkeitsbewusstsein bezeichnet die bewusste Unterscheidung zwischen realen und fiktiven historischen Persönlichkeiten, Handlungen und Ereignissen. Historizitätsbewusstsein meint Veränderungen von Lebens- und Verhaltensweisen in der Menschheitsgeschichte.3

Neben den drei Basisdimensionen nach Pandel kann man zwischen dem physikalischen und dem historischen Zeitverständnis differenzieren. Während das historische Zeitbewusstsein zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in geschichtlicher Hinsicht unterscheidet, bezieht sich der physikalische Zeitbegriff auf den Beginn, die Dauer oder das Ende einer Handlung und stellt die Voraussetzung für die Entwicklung des historischen Zeitverständnisses dar.4 Das Leben und Handeln von Menschen in vergangenen Zeiten ist jedoch nicht direkt zugänglich und kann lediglich lückenhaft rekonstruiert werden. Geschichte ist somit „ein Konstruktions- und Rekonstruktionsprozess von Vergangenheit aus der Perspektive der Gegenwart mit der Zielsetzung, in Gegenwart und Zukunft die eigene Fähigkeit zum Verständnis gesellschaftlicher und individueller Prozesses zu vertiefen und Handlungskompetenz zu gewinnen“.5

2. Der Stellenwert des historischen Sachunterrichts in der Grundschule

2.1 Der wissenschaftsorientierte, fachpropädeutische Sachunterricht

Der wissenschaftsorientierte, fachpropädeutische Sachunterricht der 70er Jahre sollte die Grundschüler auf den Fachunterricht in den weiterführenden Schulen vorbereiten und den Sekundarstufenfächern zuarbeiten. Der Primarunterricht der Grundschule wurde fachlich gegliedert und die Inhalte an den Fächern der weiterführenden Schulen ausgerichtet. Der Anteil des historischen Sachunterrichts war dabei eher gering und die historischen Themen, die bearbeitet wurden, stammten meist nicht aus dem direkten Erfahrungsbereich der Kinder. Noch zu Beginn der 70er Jahre existierten im deutschen Sprachraum außerdem Zweifel hinsichtlich der Möglichkeit Geschichtsunterricht überhaupt in der Grundschule zu unterrichten. Die Entwicklungspsychologie sah das historische Lernen in der Grundschule als der Entwicklung des Kindes nicht angemessen an. Man traute ihnen die Bearbeitung von komplexen historischen Zusammenhängen und Sachverhalten deshalb nicht zu.6

2.2 Der gegenwärtige Stellenwert des historischen Sachunterrichts

Die skeptische Einstellung gegenüber geschichtlichem Unterricht in der Primarstufe änderte sich erst, nachdem die Grundschule nicht mehr im Sinne einer „Durchgangsphase mit vorbereitenden Aufgaben“7 definiert wurde. Die Behandlung historischer Sachverhalte erhielt eine eigenständige Bedeutung für die gegenwärtige Lebenssituation der Kinder und man kam zu der Einsicht, dass der Erfahrungsbereich des Kindes den Ausgangspunkt für historisches Lernen in der Grundschule darstellen sollte. Ziele und Inhalte orientieren sich deshalb mittlerweile an der gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituation der Schüler und es existieren heute viele theoretische Konzepte und eine Fülle von Unterrichtsbeispielen und Unterrichtsmaterialien zum historischen Sachunterricht in der Grundschule.8

3. Psychologische Voraussetzungen für historisches Lernen in der Grundschule

Empirische Forschungsansätze und Studien belegen, dass bereits Grundschulkinder einen Zugang zur Geschichte haben und sich historisches Denken früh entwickelt. Kinder im Grundschulalter besitzen die Fähigkeit, Veränderungen und Entwicklungen in der Zeit zu begreifen, sich selbst in die Geschichte einzubinden und Zusammenhänge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Ergebnisse der Entwicklungs- und Lernpsychologie belegen, dass Grundschulkinder in der Lage sind, logische Operationen gebunden an konkrete Anschauungen durchzuführen, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, Handlungen im Denken auszuführen und Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. 9

[...]


1 Von Reeken, Dietmar: Historisches Lernen im Sachunterricht. Didaktische Grundlegungen und unterrichtspraktische Hinweise. Seelze-Verlber: Kallmeyersche Verlagsbuchhandlungen 1999, S.6.

2 Vgl. Von Reeken, 1999, S.6.

3 Vgl. Von Reeken, 1999, S.10f.

4 Vgl. Ziechmann, Jürgen: Der geschichtliche Aspekt des Sachunterrichts. In: Konkrete Didaktik des Sachunterrichts. Hrsg.: Jürgen Ziechmann. 1. Neuauflage. Aachen-Hahn: Hahner Verlagsgesellschaft 1995, S.120f.

5 Von Reeken, 1999, S.7.

6 Vgl Schmid, Hans Dieter: Sachunterricht und historisches Lernen. In: Historisches Lernen in der Grundschule. Hrsg.: Irmgard Hantsche / Hans-Dieter Schmid. 1. Auflage. Stuttgart: Klett 1981, S.7ff.

7 Ziechmann, 1995, S.118.

8 Vgl. Ziechmann, 1995, S.117ff.

9 Vgl. Von Reeken, 1999, S.15ff.


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