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Das Menschenbild in der französischen Klassik am Beispiel von La Rochefoucauld

Autor: Thomas Scheufler
Fach: Romanistik - Französisch - Literatur

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Details

Veranstaltung: Hauptseminar Literarische Gattungsvielfalt im 17.Jahrhundert
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Romanistik)
Tags: Menschenbild, Klassik, Beispiel, Rochefoucauld, Hauptseminar, Literarische, Gattungsvielfalt, Jahrhundert
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: Sehr gut (1.0)
Literaturverzeichnis: ~ 20  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 126 KB
Archivnummer: V36603
ISBN (E-Book): 978-3-638-36178-1
ISBN (Buch): 978-3-638-88635-2
Anmerkungen :
„Was ist der Mensch?“- Eine Frage, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Eine Frage, der im 17. Jahrhundert La Rochefoucauld in seinen Maximen nachging und die auch im 21. Jahrhundert nichts an ihrer Relevanz verloren hat. Eine Frage, auf die es bis heute keine einfache Antwort gibt, weder im zwischenmenschlichen noch im gesamtgesellschaftlichen Bereich. Dabei gibt es durchaus Parallelen zwischen der Entstehungszeit der Maximen und der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die Gesellscha

Zusammenfassung / Abstract

Croire à des sentiments simples est une façon simple de considérer les sentiments. André Gide „Was ist der Mensch?“- Eine Frage, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Eine Frage, der im 17. Jahrhundert La Rochefoucauld in seinen Maximen nachging und die auch im 21. Jahrhundert nichts an ihrer Relevanz verloren hat. Eine Frage, auf die es bis heute keine einfache Antwort gibt, weder im zwischenmenschlichen noch im gesamtgesellschaftlichen Bereich. Dabei gibt es durchaus Parallelen zwischen der Entstehungszeit der Maximen und der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die Gesellschaften befinden sich im Umbruch – damals von der feudalistischen zur absolutistischen, heute von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Mediengesellschaft. Traditionelle Wert- und Moralvorstellungen stehen zur Disposition und werden durch neue Prinzipien ersetzt. Die Fragen aber bleiben die alten. Was bestimmt das Handeln politischer und gesellschaftlicher Akteure? Entspricht die öffentliche Meinung der veröffentlichten (=offiziellen) Meinung und gibt diese die tatsächlichen Handlungsintentionen der Akteure wieder? Heute wie damals gilt es Schein(heiligkeit) zu durchschauen und Dingen auf den Grund zu gehen. Diese Arbeit befaßt sich zunächst mit der Frage, inwieweit sich Veränderungen im gesellschaftlichen System auf die literarische Produktion im Frankreich des 17. Jahrhunderts auswirkten. Dabei wird herausgearbeitet werden, wer die literarische Produktion der Zeit bestimmte und an welchen Orten in welcher Form Literatur entstand. Am Beispiel von La Rochefoucauld werden abschließend die literarische Kleingattung der Maximen und das ihnen zugrundeliegende Menschenbild näher analysiert.

Textauszug (computergeneriert)

Technische Universität Dresden
Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaft
Institut für Romanistik

Hauptseminar
Literarische Gattungsvielfalt im 17.Jahrhundert
WS 2000/2001

Das Menschenbild in der französischen Klassik
am Beispiel von La Rochefoucauld

Verfasser:
Thomas Scheufler

HF: Romanistik 7.FS
1.NF: Kommunikationswissenschaft 7.FS
2.NF: Kunstgeschichte 7.FS

 

 

1. Inhalt  2

2. Einleitung   3

3. Le siècle classique – Die Epoche  4

4. La Cour et la ville – Die Gesellschaft   9

5. Les honnêtes gens – Das Menschenbild  11

6. Les Moralistes – Die „Normenvermittler“   12

7. La Rochefoucauld – Der Moralist   14
7.1. Frondeur et Honnête homme – Sein Leben   14
7.2. Maximes et Réflexions diverses – Sein Werk  15
7.3. L’amour propre, la passion, l’égoïsme – Sein Menschenbild   16
7.4. Négation, généralisation, précision – Sein Stil  18

8. Zusammenfassung  20

9. Literatur  22

 

 

1. Inhalt 

2. Einleitung


Croire à des sentiments simples
est une façon simple de considérer les sentiments.
André Gide

„Was ist der Mensch?“- Eine Frage, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Eine Frage, der im 17. Jahrhundert La Rochefoucauld in seinen Maximen nachging und die auch im 21. Jahrhundert nichts an ihrer Relevanz verloren hat. Eine Frage, auf die es bis heute keine einfache Antwort gibt, weder im zwischenmenschlichen noch im gesamtgesellschaftlichen Bereich.

Dabei gibt es durchaus Parallelen zwischen der Entstehungszeit der Maximen und der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die Gesellschaften befinden sich im Umbruch – damals von der feudalistischen zur absolutistischen, heute von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Mediengesellschaft. Traditionelle Wert- und Moralvorstellungen stehen zur Disposition und werden durch neue Prinzipien ersetzt. Die Fragen aber bleiben die alten. Was bestimmt das Handeln politischer und gesellschaftlicher Akteure? Entspricht die öffentliche Meinung der veröffentlichten (=offizielle) Meinung und gibt diese die tatsächlichen Handlungsintentionen der Akteure wieder? Heute wie damals gilt es Schein(heiligkeit) zu durchschauen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Diese Arbeit befaßt sich im Folgenden zunächst mit der Frage, inwieweit sich Veränderungen im gesellschaftlichen System auf die literarische Produktion im Frankreich des 17. Jahrhunderts auswirkten. Dabei wird herausgearbeitet werden, wer die literarische Produktion der Zeit bestimmte und an welchen Orten in welcher Form Literatur entstand. Am Beispiel von La Rochefoucauld werden abschließend die literarische Kleingattung der Maximen und das ihnen zugrundeliegende Menschenbild näher analysiert.

 

3. Le siècle classique – Die Epoche


C’étoit un tems digne de l’attention des tems à venir, que celui où les héros de Corneille & de Racine, les personages de Moliére, les symphonies de Lulli toutes nouvelles pour la nation, & (puis qu’il ne s’agit ici que des arts) les voix des Bousset & des Bourdalouë, se fasoient entendre à Louis XIV, à Madame si célébre par son goût, à un Condé, à un Turenne, à un Colbert, & à cette foule d’hommes supérieurs qui parurent en tout genre. Ce tems ne se retrouvera plus, où un Duc de Rochefoucault, l’auteur des Maximes, au sortir de la conversation d’un Pascal & d’un Arnauld, alloit au théatre de Corneille. Voltaire

Die „unwiederbringliche Zeit“ des 17. Jahrhunderts ließ Voltaire rückblickend in seinem Geschichtsepos „Le siècle Louis XIV.“ wiederaufleben und trug so wesentlich zur Glorifizierung dieser, auch als le grand siècle oder le siècle classique bezeichneten Epoche bei. Daß letztere Bezeichnung eine idealtypische ist und sich die als „klassisch“ charakterisierte Periode keineswegs über genau ein Jahrhundert erstreckt, wird im folgenden ebenso präzisiert wie der Umstand, daß die in dieser Zeit entstandenen literarische Werke nicht so homogen sind, wie die (ver)einheitliche(nde) Bezeichnung vermuten läßt. Das siècle classique wird von zwei Ereignissen eingegrenzt, die aus historisch-soziologischer Sicht Schlüsselereignisse mit weitreichenden Folgen für die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Frankreichs darstellten. Es beginnt am Ende des 16.Jahrhundert mit dem Edikt von Nantes 1598 und endet Anfang des 18.Jahrhunderts mit dem Tod Ludwig XIV. im Jahr 1715.1

Im Edikt von Nantes garantierte Heinrich IV. den Hugenotten freie Religionsausübung sowie deren politische und juristische Gleichbehandlung und befriedete endlich das von drei Jahrzehnten Religionskrieg schwer gezeichnete Land. So tolerant wie Heinrich IV. in religiösen Angelegenheiten war (der ehemalige Hugenottenführer konvertierte als König 1593 zum Katholizismus), so unkonventionell zeigte er sich in Fragen von Wirtschaft und Politik. Durch eine „kreative“ Steuerpolitik (Senkung direkter bei gleichzeitiger Erhöhung indirekter Steuern) suchte er den Wiederaufbau des Landes zu beschleunigen, förderte aktiv Handel und Gewerbe im Land und setzte sich für deren Ausweitung auf die französischen Kolonien in Nordamerika ein. In die Regierungszeit Heinrich IV. fielen denn auch die Gründung der ersten festen Handelsniederlassungen in der Nouvelle-France (1604-Port-Royal, 1608-Quèbec). Als erster „Merkantilist“ Frankreichs schuf Heinrich IV. so die wirtschaftlichen Grundlagen zur Stärkung der Monarchie, auf denen Richelieu und Colbert nach ihm aufbauen konnten. Die erfolgreiche Finanzpolitik seines Oberintendanten Sully führte zudem zum schnellen Abbau der Staatsschuld und einem ausgeglichenen Staatshaushalt. Auch politisch bereitete er den Absolutismus durch die systematische Stärkung der königlichen Autorität gegenüber dem Adel und den Städten vor.

Von großer Bedeutung war dabei die Verabschiedung der Paulette (1604), eines Edikts, das die Erblichkeit und freie Verkäuflichkeit von Ämtern erleichterte. Neben zusätzlichen Einnahmen für den Staatshaushalt beförderte die Ausweitung der simonie (=Ämterkauf) die Entstehung eines neuen staatstragenden Standes, der noblesse de robe. Wichtige Positionen in der Finanz- und Justizverwaltung waren bald von Vertretern des neuen Amtsadels, der sich dem König gegenüber loyal verhielt, besetzt. Sehr zum Unwillen des alten Blutadels, der seinen Einfluß auf den König schwinden sah, denn dieser stützte sich immer mehr auf den Rat einer kleinen Zahl von Fachleuten, die er an seinem Hof versammelte, und bezog Vertreter der noblesse de sang in seine Entscheidungen immer seltener ein.2

[...]


1 Lagarde&Michard legen dessen Beginn 1610 mit dem Tod Heinrich IV. fest.

2 Vgl. HINRICHS:1994:162-171

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