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Thesis (M.A.), 2003, 171 Pages
Author: Thomas Scheufler
Subject: Romance Languages - French Studies
Details
Tags: Akadische, Identität, Spiegel, Films
Year: 2003
Pages: 171
Grade: Sehr gut (1.0)
Bibliography: ~ 66 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36179-8
File size: 1069 KB
J'avons 400 ans - Der Titel dieser Arbeit reflektiert eine sprachliche Besonderheit des in Akadien gesprochenen Französisch und nimmt Bezug auf ein künstlerisches Medium, das wie kein anderes nationale Identität reflektieren kann: der Film. In dieser Arbeit sollen am Beispiel des akadischen Films jene kommunikativen Prozesse beschrieben werden, die zur (Re-)Konstruktion akadischer Identität führen. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt. !! Sehr langer Anhang !!
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaft
Institut für Romanistik
J’avons 400 ans - Akadische Identität im Spiegel des akadischen Films
Magisterarbeit
Verfasser: Thomas Scheufler
Dresden, den 11. November 2003
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Akadische Identität ... 5
2.1 Begriffsbestimmungen ... 5
2.2 Elemente akadischer Identität – Ces références communes qui font l‘Acadie ... 9
2.2.1 Lebensraum ... 13
2.2.2 Geschichte ... 23
2.2.3 Sprache ... 33
2.2.4 Religion ... 40
2.2.5 Gesellschaft ... 47
2.2.6 Kultur ... 60
2.3 Zusammenfassung ... 75
3 Akadischer Film ... 81
3.1 Begriffsbestimmungen und Methode ... 81
3.2 Akadische Identität im Film – L’Acadie dans le prisme du cinéma ... 85
3.2.1 « L’Acadie, c’est un monde qui se suffit » – Les Aboiteaux ... 87
I Auswertung Visueller Teil ... 88
II Auswertung Sprachlicher Teil ... 92
III Resümee ... 94
3.2.2 « L’Acadie, c’est un détail » - L’Acadie, l’Acadie?! ... 96
I Auswertung Visueller Teil ... 97
II Auswertung Sprachlicher Teil ... 102
III Resümee ... 103
3.2.3 « L’Acadie, c’est une culture » - Kacho Komplo ... 108
I Auswertung Visueller Teil ... 109
II Auswertung Sprachlicher Teil ... 116
III Resümee ... 117
3.3 Zusammenfassung ... 120
4 Ausblick: Die Zukunft des akadischen Films als Identitätsstifter ... 123
Anhang ... 125
Chronologie des akadischen Films ... 125
Sequenzprotokoll Les Aboiteaux ... 129
Sequenzprotokoll Kacho Komplo ... 138
Bibliographie ... 164
Abbildungsverzeichnis ... 168
Tabellenverzeichnis ... 168
1 Einleitung
J′avons 400 ans – Im Jahr 2004 werden in vielen Teilen der frankophonen Welt „400 Jahre Akadien“ gefeiert. Dieses Jubiläum bietet Anlaß, auf die wechselhafte und weitgehend unbekannte Geschichte der Akadier zurückzublicken und einzelne Aspekte akadischer Identität näher zu betrachten. J′avons 400 ans - Der Titel dieser Arbeit reflektiert zugleich eine sprachliche Besonderheit des in Akadien gesprochenen Französisch. Er enthält zwei Elemente, die bei der Konstituierung von Identität als Ausdruck des Eigenen von entscheidender Bedeutung sind: ICH und WIR. Von einem dritten - als Ausdruck des Anderen - wird in dieser Arbeit noch die Rede sein: SIE. J′avons 400 ans - Diese Arbeit nimmt Bezug auf ein künstlerisches Medium, das wie kein anderes nationale Identität reflektieren kann: der Film. 1
Auf der Landkarte sucht man Akadien heute vergebens. Als geographische und politische Einheit existierte es kaum länger als ein Jahrhundert.2 Als Siedlungsraum bestand es bis zur Vertreibung der frankophonen Bevölkerung in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Seitdem ist es ein mystisches Land, ein « pays imaginaire », das als Idee in den Köpfen und Herzen der Akadier weiter lebt. Akadien steht heute für die immerwährende Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit und das tägliche Bekenntnis zu einer gemeinsamen Gegenwart und Zukunft.
Zur Geschichte, Sprache, Literatur und Musik der Akadier liegt eine Vielzahl von Studien aus den jeweiligen Wissenschaftsbereichen vor.3 Der akadische Film wurde jedoch bisher noch keiner systematischen Untersuchung unterzogen.4 Wie noch zu zeigen sein wird, kommt dem akadischen Film bei der Widerspiegelung von akadischer Identität aber eine ebenso wichtige Rolle zu wie beispielsweise der Sprache, Musik und Literatur.
In dieser Arbeit sollen am Beispiel des akadischen Films jene kommunikativen Prozesse beschrieben werden, die zur (Re-)Konstruktion akadischer Identität führen. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt. Die Akadier als eine besondere französischsprachige Minderheit in Nordamerika sind genuiner Teil der frankophonen Landes- und Kulturstudien. Bei der Untersuchung von akadischen Filmen als Spiegel und Stifter akadischer Identität findet mit dem Instrument der Filmanalyse eine qualitative Methode aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaft Anwendung. Die Betrachtung des Films als künstlerisches Medium und die Illustration jedes Kapitels mit Werken der akadischen Malerei bezieht schließlich auch den Bereich der Kunstgeschichte in die Arbeit ein. In der Untersuchung wird eine kulturwissenschaftliche Perspektive vertreten. Film ist demnach sowohl Ausdrucksform als auch Konstruktionselement von kollektiver Identität.
Im Anschluß an diese Einleitung folgt das Kapitel Akadische Identität. Darin werden Schlüsselbegriffe definiert (Mythos, Gedächtnis, Symbol, Ritus, Fest, Nation), die konstituierenden Elemente akadischer Identität erklärt (Lebensraum, Geschichte, Sprache, Religion, Gesellschaft, Kultur) und die Prozesse beschrieben, die zur Entstehung von Identität führen (Kommunikation, Sozialisation, Tradierung). Anschließend wird für jedes Element von Identität einzeln dargelegt, welchen Veränderungen es im Laufe der Zeit unterworfen war (Längsschnitt). Dabei finden ausschließlich solche Ereignisse und Entwicklungen Berücksichtigung, die auch in den analysierten Filmen vorkommen. Zusammenfassend wird gezeigt, welche Ausprägungen diese Elemente in verschiedenen Epochen akadischer Geschichte angenommen haben (Querschnitt).
Diese Ausführungen bilden die theoretische Grundlage für das Kapitel zum Akadischen Film. An geeigneter Stelle werden deshalb Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen von Identität sowie Verbindungen zum Thema Film hergestellt.
Im Kapitel „Akadischen Film“ werden zunächst die Theorien erläutert, auf denen die zentrale Hypothese dieser Arbeit basiert: Identität erzeugt Bilder. Bilder erzeugen Identität. Anschließend wird analysiert, inwieweit die drei ausgewählten Filme die akadische Lebenswelt widerspiegeln (Film als Spiegel von Identität). Dazu werden die zuvor ausgearbeiteten Elemente akadischer Identität auf ihr Vorkommen in drei ausgewählten Filmen überprüft. Die Auswertung der Ergebnisse der Filmanalyse erfolgt für die einzelnen Teilbereiche (Visueller Teil, Sprachlicher Teil) getrennt. Im Anschluß daran wird untersucht, ob diese Filme Anteil an der Stiftung von Identität hatten oder noch immer haben (Film als Stifter von Identität).
Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der zukünftigen Rolle des akadischen Films und zeigt dessen Perspektiven als Identitätsstifter auf.
L’histoire acadienne, l’histoire des Acadiens est une histoire qui, aujourd’hui encore, se fait. Ce sont les Acadiens qui la font et seuls les Acadiens peuvent la faire.
Léonard Forest
2 Akadische Identität
2.1 Begriffsbestimmungen
Die Einschließung des Eigenen (ICH) und die Abgrenzung zu(m) Anderen (SIE), « cette façon d’être qui nous unit et nous distingue »5 , ist das Wesensmerkmal von Identität. Identität ist ein schillernder und heutzutage viel gebrauchter Begriff, für den es keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition gibt. Der Identitätsdiskurs wird von Fragen geleitet wie: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Im ursprünglichen Sinn des Wortes bezeichnet Identität einen Zustand.6 Aus soziologischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive wird Identität jedoch als gruppendynamischer Prozeß begriffen. 7
[...]
1 In Anlehnung an den Film J’avions 375 ans von Phil COMEAU anläßlich des 375. Jahrestags der Erstbesiedelung Akadiens im Jahr 1979.
2 Es umfaßte in seiner größten Ausdehnung ein Territorium von Maine – dem nordöstlichsten Bundesstaat der heutigen USA - bis zur Gaspésie - südlich des St.-Lorenz-Stroms.
3 Siehe entsprechende Kapitel bei KOLBOOM et al.: Handbuch Französisch. Sprache, Literatur, Kultur, Gesellschaft. Berlin, Schmidt, 2002.
4 Im Gegensatz zum Film in Québec. Siehe dazu: STRICKRODT: Filmszene Québecs. Ebda. S.539-542.
5 BASQUE et al.:1999, S.9
6 Lateinisch idem für Gleichheit, Übereinstimmung, Wesenseinheit.
7 Vgl. CHRISTMANN:2002, S.50
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