Arbeitslosigkeit in Deutschland - ein Hysteresis-Phänomen? close

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Details

Veranstaltung: Volkswirtschaftspolitik/ Vorlesung
Institut: Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Südöstliches WEstfalen GmbH -Teilanstalt Arnsberg-
Tags: Arbeitslosigkeit, Deutschland, Hysteresis-Phänomen, Volkswirtschaftspolitik/, Vorlesung
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 20  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 373 KB
Archivnummer: V36623
ISBN (E-Book): 978-3-638-36194-1
Anmerkungen :
Gute Beschreibung des Status quo auf dem deutschen Arbeitsmarkt Zwar steht bei Ihnen im zweiten Teil die allgemeine Darstellung der Erklärungsansätze für Arbeitslosigkeit im Vordergrund. Es wird aber immer wieder Bezug zur Bundesrepublik Deutschland genommen. Dies war auch verlangt! Die Zitiervorschriften werden beachtet und zeugen von einer sorgfältigen Bearbeitung

Textauszug (computergeneriert)

Arbeitslosigkeit in Deutschland - ein Hysteresis-Phänomen?

von: Katharina Korff

 


Inhaltsverzeichnis

1. Arbeitslosigkeit als zentrales soziales Problem des modernen Kapitalismus 1

2. Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit  2

2.1 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten  2
2.2 Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot.  3
2.3 Steigende Sockelarbeitslosigkeit 4

3. Hysteresis- Phänomen  4

3.1 Erklärungsdefizite keynesianischer und neoklassischer Ansätze  4
3.2 Herkunft und Interpretation des Hysteresis- Begriffs 5
3.3 Ökonomische Analogien  6

4. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Hysteresis am Arbeitsmarkt  7

4.1 Kapitalmangel und Kapitalstockanpassung  7
4.2 Humankapitalentwertung (duration theory) und Dauer der Arbeitslosigkeit  8
4.3 Insider- Outsider- Theorie  10

5. Nachweis der Hysteresis- Theorie  12

5.1 Phillipskurvengleichung  12
5.2 Beveridge Kurve 13

6. Fazit  15

Literaturverzeichnis  16


 

1. Arbeitslosigkeit als zentrales soziales Problem des modernen Kapitalismus

Die langanhaltend hohe Arbeitslosigkeit seit den 70er Jahren stellt ein herausragendes soziales und ökonomisches Problem in Deutschland dar, was durch den momentanen Wahlkampf deutlicher wird wie nie. Seit drei Jahren hat die Arbeitslosigkeit im Monat Juli 2002 mit 4,047 Millionen Erwerbslosen ihren Höchststand erreicht.1 Dabei beschrieb die bundesdeutsche Arbeitslosenquote in den letzen 20 Jahren einen treppenförmigen Verlauf, der entstand, weil nach einem krisenhaften Anstieg der Arbeitslosenquote die folgende Phase verbesserter gesamtwirtschaftlicher Bedingungen nicht zu einem nachhaltigen Abbau der Arbeitslosigkeit führte (siehe Abb. 1).2 Ein Erklärungsansatz für dieses Verharren der Arbeitslosenquote auf dem einmal erreichten Niveau ist Hysteresis. Hysteresis bedeutet, dass es keine gleichgewichtete Arbeitslosenquote gibt, die langfristig, nach vorrübergehender Störung, wieder erreicht wird, sondern dass die vorherrschende Arbeitslosenquote ihren langfristigen Gleichgewichtswert beeinflusst. Nach einem adversen Schock mit ansteigender Arbeitslosigkeit kehrt die Arbeitslosenquote nicht zu ihrem Ausgangswert zurück, sondern tendiert zu einem höheren Gleichgewichtswert hin.3

Die langanhaltende hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im weiteren eine klare Verfehlung des Beschäftigungszieles, welches im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz verankert ist. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht hat dies im Wesentlichen zwei Folgen: zum einen wird das vorhandene Humankapital nicht ausgeschöpft, was dazu führt, dass ein mögliches höheres Wohlfahrtsniveau nicht erreicht werden kann. Zum anderen werden die direkt Betroffenen vom Erwerbsleben ausgeschlossen, weshalb sie auf die finanzielle Unterstützung Dritter angewiesen sind.4 Somit stellt die Arbeitslosigkeit die marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften – und wohl nicht nur diese- in den letzten zwei Jahrzehnten, vor immer größer werdende Probleme.5

Im folgenden soll kurz darüber informiert werden wodurch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist gekennzeichnet ist, ein theoretischer Erklärungsansatz zur anhaltend hohen Arbeitslosigkeit soll näher beleuchtet werden. Zunächst wird die Entwicklung der Arbeitslosigkeit betrachtet und es wird erörtert worin die keynesianischen und neo- klassichen Erklärungsdefizite liegen, danach wird beschrieben was Hysteresis am Arbeitsmarkt bedeutet und wie man sie ökonomisch erklären kann. Schließlich werden ökonomische Erklärungsansätze der Hysteresis- Arbeitslosigkeit gegeben und deren empirische Evidenz dargestellt. Es wird hier jedoch nur die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland analysiert, damit vermieden wird, dass einige Argumente mit dem Hinweiß auf die besonderen Umstände in den neuen Bundesländern angezweifelt werden.

2. Wichtige Kennzeichen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit

2.1 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten

Die Zahl der Beschäftigten (Arbeitnehmer) stieg in den vergangenen vierzig Jahren in Westdeutschland stets an. Dabei verlief die Entwicklung der Bevölkerung und die der (abhängig) Beschäftigten bis zu Beginn der neunziger Jahre weitgehend gleichförmig. Abb. 1: Arbeitsmarkt in Westdeutschland (Quelle: Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1999 und Bundesanstalt für Arbeit 1999)6 Die Zahl der abhängig Beschäftigten ist in der Zeit von 1983 bis 1992 um fast 4 Mio. gestiegen, was einer Zunahme von Arbeitsplätzen von fast 20 Prozent entspricht.7 Dies stellt eine außerordentliche Leistung der deutschen Wirtschaft dar, denn die Zunahme ist größer als die Zahl neuer Jobs in den gesamten 24 Jahren zuvor, also in der Zeit von 1959 bis 1983. Seit Beginn der neunziger Jahre driften dagegen die Bevölkerungs- und Beschäftigungszahlen auseinander. Dies spiegelt sich sowohl in den gestiegenen Arbeitslosenzahlen als auch in einem Zuwachs bei der Stillen Reserve wieder.

2.2 Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot.

Auch beim Arbeitsmarkt ist die Angebots- und Nachfrageseite gedanklich zu trennen: Die Arbeitsnachfrage besteht aus dem Arbeitskräftebedarf der Unternehmen, also aus den tatsächlichen Beschäftigten und den gemeldeten sowie nicht gemeldeten offenen Stellen. 8 Eine auf der Nachfrageseite ansetzende Erklärung, die den Anstieg der Arbeitslosigkeit auf eine restriktive Geld- und Fiskalpolitik (Konsolidierung öffentlicher Haushalte) sowie den Nachfrageausfall infolge der zweiten Ölpreiskrise zurückführt, kann jedoch nicht bezüglich der Fortdauer der Arbeitslosigkeit überzeugen.9 Die Aufteilung des Arbeitsangebots bzw. Erwerbspotentials ist dagegen etwas komplexer. Dies setzt sich aus den Erwerbstätigen, den registrierten Arbeitslosen sowie der Stillen Reserve zusammen. Diese umfasst sowohl Nichterwerbspersonen, die aktuell keine Arbeitstelle suchen (Kindererziehung, Entmutigte), als auch Nichterwerbspersonen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (ABM, Vorruhestand, Umschulung), die dem Arbeitsmarkt nur unter Vorbehalt zur Verfügung stehen. Konsequenter Weise muss die Stille Reserve zu den registrierten Arbeitslosen addiert werden, um zur gesamtwirtschaftlichen bestehenden Beschäftigungslücke zu gelangen.10 Aber auch eine auf der Angebotsseite ansetzende Erklärung weist Defizite auf. Sieht man nämlich in höheren Ölpreisen, steigenden Lohnlücken, sinkender Kapitalrentabilität und der Dollaraufwertung wesentliche angebotsseitige Faktoren für den Anstieg der Arbeitslosigkeit, so lässt sich die in der zweiten Hälfte der 80er Jahre anhaltende hohe Arbeitslosigkeit schlecht mit den gleichen Determinanten begründen.

[...]


1 vgl. www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/kurzinformation/bundesgebiet/index.html; entnommen am 7.08.2002

2 vgl. Grassinger; Verfestigte Arbeitslosigkeit- Das Hysteresis- Phänomen unter besonderer Berücksichtigung des Humankapitalansatzes, S. 1

3 vgl. Franz; Das Hysteresis- Phänomen, WiSt Feb. 1989, S. 77

4 vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 722

5 vgl. Baßeler/ Heinrich; Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, S. 690

6 vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 724

7 vgl. Cezanne; Allgemeine Volkwirtschaftslehre, S. 281

8 vgl. Borchert/ Schulz; Diagnose der Arbeitslosigkeit in Westdeutschland, WISU 5/00, S. 722

9 vgl. Kösters/ Belke; Arbeitslosigkeit als Hysteresis- Phänomen, WISU 5/90, S. 277

10 vgl. Hausschulz; Die Hysteresis- Hypothese und der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik Deutschland, S.12

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