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Autor: Katja Dudzinska
Fach: Wirtschaft - Bank, Börse, Versicherung
Details
Tags: Rolle, Bankensystems, Transformationsprozess, Russlands
Jahr: 2004
Seiten: 98
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 62 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 410 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-36282-5
Textauszug (computergeneriert)
Diplomarbeit
über das Thema
Die Rolle des Bankensystems im post-sowjetischen Transformationsprozess Russlands
dem Prüfungsamt bei der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft
in Germersheim
vorgelegt von
Katja Splett
2004
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... 4
Einleitung ... 6
A. Allgemeine Hauptfunktionen von Banken ... 8
A.1. Begriffliche Abgrenzungen ... 8
A.1.1. Der Bankbegriff ... 8
A.1.2. Banken als Finanzintermediäre ... 9
A.1.2.1. Finanzintermediäre im weiteren und im engeren Sinne ... 10
A.1.2.2. Typologisierung von Finanzintermediären anhand des Tauschprozesses ... 10
A.2. Volkswirtschaftliche Bedeutung der Banken ... 12
A.2.1. Funktionen von Banken in einer Volkswirtschaft ... 12
A.2.1.1. Fristen- und Liquiditätstransformation ... 13
A.2.1.2. Losgrößentransformation ... 14
A.2.1.3. Risikotransformation ... 14
A.2.1.4. Gesamtwirtschaftlicher Zahlungsverkehr und Banken ... 15
A.2.2. Endogene Erklärung der Notwendigkeit von Banken ... 15
A.2.2.1. Transaktionskostensenkung ... 16
A.2.2.2. Vertragskostensenkung durch Finanzintermediation ... 16
A.2.2.3. Liquiditätssicherung für die Kapitalgeber durch die Banken ... 18
B. Das Bankensystem Russlands ... 19
B.1. Unternehmensfinanzierung als zentrale Rolle der Banken in Russland ... 19
B.2. Der Übergang vom sowjetischen zum post-sowjetischen Bankensystem ... 21
B.3. Die Entwicklung des Bankensektors in der Jelzin-Ära ... 23
B.3.1. Dominanz von Bargeldzahlungen ... 29
B.3.2. Dollarisierung der Wirtschaft ... 30
B.3.3. Korruption und Kriminalität im russischen Bankensektor ... 31
B.3.3.1. Kriminalität im russischen Bankensektor ... 31
B.3.3.1.1. Anlegerbetrug ... 32
B.3.3.1.2. Falschmünzerei ... 33
B.3.3.1.3. Kapitalflucht ... 34
B.3.3.1.4. Geldwäsche, Schutzgelderpressung und Auftragsmorde ... 35
B.3.3.2. Korruption im russischen Bankensektor ... 37
B.3.3.2.1. Der Begriff Korruption ... 37
B.3.3.2.2. Rent-seeking Aktivitäten der Banken ... 38
B.3.3.2.2.a. Das System der autorisierten Banken ... 38
B.3.3.2.2.b. Privatisierung von Staatsunternehmen ... 41
B.3.3.2.3. Medienkontrolle durch Banken ... 44
B.3.3.3. Folgen von Korruption und Kriminalität im Bankensektor ... 45
B.3.5. Kreditvergabe durch Banken ... 46
B.4. Die Banken- und Finanzkrise von 1998 ... 49
B.4.1. Ursachen der Krise ... 49
B.4.2. Verlauf und Folgen der Krise ... 53
B.4.3. Ausweg aus der Krise ... 56
B.5. Die Entwicklung des Bankensystems von 1998 bis heute ... 56
B.6. Heutiger Aufbau des russischen Bankensystems ... 62
B.6.1. Gesetzliche Grundlagen ... 62
B.6.2. Die Zentralbank ... 64
B.6.2.1. Die Bankenaufsicht als Funktion der Zentralbank ... 65
B.6.3. Die Geschäftsbanken ... 67
B.6.3.1. Finanz-industrielle Gruppen ... 68
B.6.3.2. Die größten russischen Geschäftsbanken ... 71
B.6.3.2.1. Gazprombank ... 72
B.6.3.2.2. Bank Moskvy ... 75
B.6.3.2.3. Al′fa Bank ... 75
B.6.3.3. Ausländische Banken in Russland ... 76
B.7. Die Reform des Bankensystems ... 81
B.7.1. Die Privatisierung der staatlichen Banken ... 82
B.7.1.1. Sberbank ... 83
B.7.1.2. Vne(?)torgbank ... 84
B.7.2. Das Einlagensicherungssystem ... 86
Fazit und Zukunftsausblick ... 89
Literaturverzeichnis
Einleitung
Nach dem Zusammenbruch des Sowjetregimes setzte in Russland Ende der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein wirtschaftlicher und politischer Transformationsprozess mit dem Übergang von der Zentralverwaltungswirtschaft zur Marktwirtschaft ein, der bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Ziel des Transformationsprozesses ist es, funktionierende marktwirtschaftliche Strukturen nach westlichem Vorbild aufzubauen.
Es ist unbestritten, dass ein leistungsfähiges Bankensystem ein Kernelement einer jeden gut funktionierenden Marktwirtschaft bildet. Empirische Studien belegen auch, dass ein gesundes Bankensystem ein Motor für eine erfolgreiche wirtschaftliche Umgestaltung in Transformationsländern ist. Der Umbau des Bankensystems von einem staatlichen Monobankensystem zu einem privatwirtschaftlichen zweistufigen Bankensystem ist daher ein maßgeblicher Teil der Reformen der Wirtschaftstransformation in Russland.
Wie schwierig es ist, ein leistungsfähiges Bankensystem in einem Transformationsland aufzubauen, zeigt sich u. a. darin, dass selbst in Ländern mit einer entwickelten Marktwirtschaft Bankenkrisen unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und trotz funktionierender Bankenaufsicht auftreten und großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Ursachen sind dann unter anderem Zinsrisiken wie bei den US-amerikanischen Savings und Loans Associations. In einem Transformationsland wie der Russischen Föderation besteht deshalb besonders die Gefahr, dass das Wachstum und die Entwicklung des Bankensektors mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nicht Schritt halten können und dass das Bankensystem nicht zum Motor, sondern zur Bremse der Wirtschaftstransformation wird.
Diese Diplomarbeit befasst sich mit der Frage, welche Rolle der Bankensektor im wirtschaftlichen Transformationsprozess Russlands zwischen 1990 und heute spielte und ob er dieser Rolle gerecht werden konnte. Eines der ersten und wichtigsten Werke zu diesem Thema ist die 1996 von Karin Weber verfasste Dissertation unter dem Titel: „Die Entwicklung des russischen Bankensystems im Transformationsprozess: eine ökonomische Analyse unter Berücksichtigung institutionenökonomischer Ansätze“. Viele Ansätze aus dieser Dissertation flossen auch in die vorliegende Diplomarbeit mit ein.
Zur Beantwortung der Frage nach der Rolle des Bankensystems werden zunächst in einem ersten allgemeinen Teil die Funktionen von Banken innerhalb einer Volkswirtschaft analysiert. Dabei soll das heute übliche Verständnis der Bankenfunktionen dargelegt werden, denn der Schwerpunkt der Funktionen von Banken hat sich im Laufe der Zeit verändert. Als Grundlage für diesen ersten Teil diente das Standardwerk "Geld-, Bank- und Börsenwesen", herausgegeben von Jürgen von Hagen und Johann Heinrich von Stein. Dieses Werk stellt eine der umfangreichsten Aufsatzsammlungen zu diesem Thema dar.
Im sich anschließenden zweiten Teil werden die Umgestaltung des Bankensektors im post-sowjetischen Transformationsprozess und die dabei aufgetretenen Probleme dargestellt. Dazu soll zuerst der Übergang vom sowjetischen zum post-sowjetischen Bankensystem und dann dessen Entwicklung in der Jelzin-Ära bis zur Bankenkrise 1998 untersucht werden. In diesem Kontext wird auf eine Vielzahl von Problemen eingegangen, die auf die Entwicklung des Bankensystems maßgeblichen Einfluss hatten, wie die Privatisierung der Unternehmen durch Voucher und Aktien-Kredit-Swaps, die Dollarisierung der Wirtschaft, Korruption und Kriminalität im Bankensektor u. a. Anschließend werden die Ursachen und Folgen der Banken- und Finanzkrise von 1998 aufgezeigt.
Danach werden die Entwicklung und der Stand des Bankensystems von 1998 bis 2003 dargestellt. Es folgt eine umfassende Beschreibung des russischen Bankensystems nach dem heutigen Stand. Diese Beschreibung umfasst die gesetzlichen Grundlagen, die Zentralbank und die Geschäftsbanken. Zum Schluss wird die anstehende Bankenreform (Einlagensicherung, Privatisierung der Staatsbanken) erläutert und ein Zukunftsausblick über die weitere Entwicklung des Bankwesens gegeben. Neben der Dissertation von Weber liegen dem zweiten Teil vor allem Publikationen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, des Bundesinstituts für Ostwissenschaftliche Studien, der Stiftung Wissenschaft und Politik, des Internationalen Währungsfonds, des Institute for Economies in Transition der Bank of Finland, der Zentralbank der Russischen Föderation, der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen sowie der Zeitschrift Osteuropa zu Grunde. Darunter befinden sich Publikationen von Roland Götz, Ognian Hishow, Klaus Schröder, Mechthild Schrooten, Heiko Pleines und Ulrich Thiessen, die alle ihren Forschungsschwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung der osteuropäischen Transformationsländer gelegt haben. Für die aktuellen Daten wurden die Zeitschriften The Moscow Times, Ekspert, Russia Today und RIA Novosti herangezogen.
A. Allgemeine Hauptfunktionen von Banken
A.1. Begriffliche Abgrenzungen
A.1.1. Der Bankbegriff
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die synonyme Verwendung der Begriffe Bank, Bankbetrieb, Kreditinstitut und Geldinstitut üblich. Nach § 39 KWG (Gesetz über das Kreditwesen) ist „Bank“ ein geschützter Begriff für Kreditinstitute, die eine Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften besitzen. Kreditinstitute sind gemäß § 1 (1) KWG Unternehmen, die Bankgeschäfte betreiben, wenn der Umfang dieser Geschäfte einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Die einzelnen Bankgeschäfte sind gemäß § 1 (1) KWG:
- Annahme fremder Gelder als Einlagen, ohne Rücksicht darauf, ob Zinsen vergütet werden (Einlagengeschäft)
- Gewährung von Gelddarlehen und Akzeptkrediten (Kreditgeschäft)
- Ankauf von Wechseln und Schecks (Diskontgeschäft)
- Anschaffung und Veräußerung von Wertpapieren für andere (Effektengeschäft)
- Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren für andere (Depotgeschäft)
- Geschäfte gemäß § 1 des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften (Investmentgeschäft)
- Eingehen der Verpflichtung, Darlehensforderungen vor Fälligkeit zu erwerben
- Übernahme von Bürgschaften, Garantien und sonstigen Gewährleistungen für andere (Garantiegeschäft)
- Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und des Abrechnungsverkehrs (Girogeschäft)
„Kreditinstitute sind demnach: Kreditbanken, Sparkassen, Landesbanken, Genossenschaftsbanken und genossenschaftliche Zentralkassen, Realkreditinstitute, Teilzahlungskreditinstitute, Kreditinstitute mit Sonderaufgaben und Kapitalanlagegesellschaften“ (Gabler 532).
Eine Reihe von Institutionen, wie z. B. die Deutsche Bundesbank, gelten gemäß § 2 (1) KWG nicht als Kreditinstitute i. S. des Gesetzes, obwohl sie eindeutig Bankgeschäfte i. S. des § 1 (1) KWG tätigen. Diese Legaldefinition ist zudem auf den Geltungsbereich der Bundesrepublik Deutschland beschränkt.
Der ökonomische Bankbegriff eignet sich auch bei grenzüberschreitender Betrachtung. Er ist weiter gefasst und schließt neben den Geschäftsbanken auch die Zentralbanken mit ein. Der im EU-Raum verwendete Begriff „monetäre Finanzinstitute“ (MFI) ist weiter gefasst als der Begriff „Kreditinstitute“ und umfasst neben den Kreditinstituten nach § 1 (1) KWG auch noch einen Teil der in § 1 (3) als Finanzinstitute definierten Einrichtungen.
A.1.2. Banken als Finanzintermediäre
Die Unternehmung Bank ist die bekannteste Form eines Finanzintermediärs. Dabei wird der Begriff Finanzintermediär als „Wirtschaftssubjekte, die an Tauschvorgängen beteiligt sind, die Finanzierungstitel betreffen“ (Fischer/Rudolph 373) definiert. Neben den Banken sind noch viele weitere Institutionen als Finanzintermediäre einzustufen. Dazu zählen u. a. Investmentfonds, Rating-Agenturen und Lebensversicherungsgesellschaften. Die verschiedenen Formen von Finanzintermediären stehen zueinander und zu den Banken in Konkurrenz. Es ist deshalb notwendig, die Besonderheiten der Banken im Kontext der Finanzintermediation zu analysieren.
In der Literatur finden sich vor allem zwei verschiedene Ansätze zur Typologisierung von Finanzintermediären. Der erste Ansatz unterscheidet Finanzintermediäre im engeren und im weiteren Sinne. Als klassenbildendes Unterscheidungsmerkmal dient dabei die Frage, ob der Finanzintermediär eine eigenständige Stellung als Vertragspartner im Tauschprozess einnimmt oder ob er die direkte Finanzierung nur unterstützt bzw. ermöglicht. Der zweite Ansatz teilt die Finanzintermediäre nach den Phasen des Tauschprozesses ein, an denen sie sich beteiligen. Beide dieser Typologisierungen sollen hier kurz vorgestellt werden.
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Zur Umschrift des russischen Alphabets Für die lateinische Umschreibung der kyrillischen Buchstaben wurde in dieser Arbeit die internationale wissenschaftliche Transliteration nach DIN 1460 und ISO R9 verwendet. Als einzige Ausnahme wurde der Name Jelzin (nach Transliteration El′cin) mit Hilfe der Duden-Transkripion umgeschrieben, da diese Schreibweise dem deutschen Leser geläufig ist und in Verbindung mit "Jelzin-Ära" zu einem festen Begriff geworden ist. Die Transliteration wirkt in diesem Fall sehr befremdlich.
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