Grundlagen der generativen Sprachtheorie close

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 523 KB
Archivnummer: V36749
ISBN (E-Book): 978-3-638-36284-9

Textauszug (computergeneriert)

JOHANNES GUTENBERG-UNIVERSITÄT MAINZ

FACHBEREICH FÜR ANGEWANDTE SPRACH- 
UND
KULTURWISSENSCHAFT

Hausarbeit zum sprachwissenschaftlichen Hauptseminar im SS 2002

Thema:

Grundlagen der generativen Sprachtheorie

VORGELEGT VON:

Katja Splett

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung  3

1. Grammatik als System mentaler Repräsentationen  4
1.1. Begründung mentaler Repräsentationen  4
1.1.1. Unser grammatisches Wissen  4
1.1.2. Grammatikalitätsurteile  4
1.2. Autonomiethese und Modularitätsthese  6
1.3. Die Spracherwerbsfrage  7
1.3.1. Lernbarkeitskriterium  7
1.3.2. Das logische Problem des Spracherwerbs  9
1.3.3. Die Universalgrammatik  10

2. Weitere Beweise für die Autonomie- und Modularitätsthese  13
2.1. Sprachperzeption  13
2.2. Sprachproduktion  14
2.3. Spracherwerb  14
2.4. Sprachpathologie und Neuropsychologie  15
2.5. Pidgin- und Kreolsprachen  16
2.6. Biologie der Sprache  17

3. Einwände und Gegenthesen zur Autonomie- und Modularitätsthese 18
3.1. Generative Semantik  18
3.2. Funktionale Grammatik  19
3.3. Kognitivistische Lernkonzeptionen  19
3.3.1. Logische Argumente  20
3.3.2. Sprache und Kommunikation   20
3.3.3. Evolution und Sprache   21
3.3.4. Abstraktheit sprachlicher Gesetzmäßigkeiten  22
3.4. Piagets Konstruktivismus  22

Schluss  23

Bibliographie  24

 

 

Einleitung

Natürliche Sprachen können unter vielen unterschiedlichen Aspekten betrachtet werden, wie z. B. ihre Funktion als Kommunikationsmittel, ihre Beziehung zum Denken oder ihr Einfluss auf menschliches Handeln. Daher stellt die Linguistik ein Ensemble von z. T. recht heterogenen Fragestellungen und Erkenntnissen dar.

Die Generative Grammatik (GG) ist nicht einfach nur ein Ansatz unter mehreren der neueren Grammatikforschung. Sie stellt die Sätze einer Sprache nicht einfach auf eine neue Art dar. Es handelt sich vielmehr um einen umfassenden sprach- und grammatiktheoretischen Entwurf mit einem ganz anderen Status als sonstige Grammatiken. Seit ihrem Aufkommen in den 50-er Jahren wurde die GG stetig und rasant weiter entwickelt. Ihren Namen verdankt sie der generativen Fähigkeit des Menschen, d. h. der Ausdeutung der Grammatikkompetenz als Fähigkeit der Hervorbringung von Ausdrücken, die man in der älteren GG abzubilden versuchte. Den Grundstein für die GG legte Noam Chomsky mit seinem bekanntesten Werk Aspects of the Theory of Syntax. Die GG beschäftigt sich mit natürlichen Sprachen und den ihnen zu Grunde liegenden Strukturphänomenen. Die Analyse von Sprache ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, Einblicke in die Struktur, den Aufbau und die Funktionsweise der menschlichen Kognition zu erlangen. Durch diese Zielsetzung wird die Linguistik auch zu einer Teildisziplin der Kognitiven Psychologie (Fanselow 1415, Linke 89, 100). Die GG arbeitet im Gegensatz zu anderen Grammatiktheorien mit einem idealisierten Sprecher-Hörer Verhältnis, damit, was ein Mensch prinzipiell kann, und nicht damit, was er aus seinem Können in einer bestimmten realen Situation macht. (Linke) Dadurch ist es möglich, zu generalisierten Aussagen und Gesetzmäßigkeiten zu gelangen (Fanselow 15).

Der Angelpunkt der Abgrenzung der GG von der nicht-generativen Systemlinguistik ist eine fundamental andere sprachtheoretische Grundauffassung vom Gegenstand der Sprachforschung. Die amerikanische Art des Strukturalismus, der sogenannte amerikanische Deskriptivismus, beschäftigt sich v. a. mit dem äußerlich vorfindbaren Objekt (Korpus) von Sprache, den Typen, Klassen und Regeln einer Einzelsprache. Es gilt dabei die wiederkehrenden Typen herauszufinden, denen die realen Äußerungen ganz oder in Teilen entsprechen. (z. B. bestimmte Satzmuster) und die Regeln zu formulieren, nach denen die Äußerungen gebaut sind. Die Gesamtheit der Regeln und Typen ergibt zum Beispiel die Grammatik des Deutschen (Linke 89-91). Gegenstandsbereich der GG ist die Kompetenz, d. h. das der Verwendung von Sprache zu Grunde liegende Kenntnissystem, das, was der Mensch prinzipiell kann und nicht die Erscheinungen des tatsächlichen Gebrauchs (Performanz). Das Ziel der linguistischen Analyse ist es, zu Aussagen über jenes System kognitiver Strukturen zu gelangen, das das sprachliche Wissen ausmacht. Die Grundfrage der GG lautet also: Wie ist unser sprachliches Wissen im Gehirn repräsentiert und wie kommt es da hinein, d. h. die GG ist eine Theorie über spezifische mentale Repräsentationen und deren Erwerb (Fanselow 7). Die Grammatikkompetenz ist der extrem eingeschränkte Gegenstand der GG. Die GG postuliert, dass diese Gegenstandsreduktion der Wirklichkeit entspricht, indem sie dem modularen Aufbau unserer kognitiven Fähigkeiten Rechnung trägt (Linke 100).

1. Grammatik als System mentaler Repräsentationen

1.1. Begründung mentaler Repräsentationen

1.1.1. Unser grammatisches Wissen

In der GG wird Sprache als mentale Größe betrachtet, als ein im human mind verankertes Wissenssystem. Da jeder Mensch zumindest eine Sprache, seine Muttersprache, beherrscht, muss jeder über sprachliches Wissen verfügen. (Fanselow) Es handelt sich dabei jedoch nicht um bewusstes Wissen (sog. knowing that). Das grammatische Wissen ist ein impliziertes Wissen, d. h. es ist dem Bewusstsein nicht direkt zugänglich. Es handelt sich nicht um normales, im Langzeitgedächtnis gespeichertes Wissen. Es ist ein unbewusstes, intuitives Wissen (sog. knowing how) (Linke 92, Schwarz 46). Die Lösung der Frage, ob es überhaupt ein eigenständiges Wissenssystem Sprache gibt oder ob sich unser sprachliches Wissen aus dem Zusammenspiel verschiedener Wissenssysteme ableitet, ist unter Linguisten umstritten. Chomsky behauptet, dass für unser grammatisches Wissen ein autonomes System mentaler Repräsentationen besteht, aber eben nur für das grammatische Wissen. Ansonsten beruht Sprache auf einem Wechselspiel verschiedener kognitiver Systeme. Damit ist das Ziel der generativen Linguistik die Grammatiktheorie und nicht die Sprachtheorie (Fanselow 17, 18).

1.1.2. Grammatikalitätsurteile

Die generativistische Zielsetzung ist, Zugang zu dem oben beschriebenen Wissen zu erlangen. Der traditionelle methodische Zugriff erfolgt über sogenannte Grammatikalitätsurteile. Bei näherer Betrachtung lassen sich vier spezielle Merkmale unseres grammatischen Wissens erkennen. Ein erster Aspekt besteht darin, dass jeder Mensch (mit Ausnahme Aphasiegeschädigter) in der Lage ist, sowohl beliebig viele Sätze zu produzieren und zu verstehen, als auch die Sätze auf ihre Grammatikalität hin zu beurteilen.


Dazu das folgende Beispiel:

(1) Hans fällt die Treppe runter

(2) *Hans Treppe die fällt runter

(3a) ein Foto von Boris Becker kostet die Zeitung viel Geld

(3b) *von wem kostet ein Foto die Zeitung viel Geld?

Jeder deutsche Muttersprachler erkennt, dass Satz (2) ungrammatisch ist. Er kann das auch damit begründen, dass die Wortstellung durcheinander geraten ist. Die Ungrammatikalität des Satzes hat offenkundig nichts mit seiner Bedeutung zu tun, denn diese ist auch in Satz (2) völlig klar. Auch bei (3b) erkennt der Deutsche wieder die Ungrammatikalität. Doch die Begründung dafür könnte nur ein Linguist liefern. Hierbei zeigt sich, dass unsere Fähigkeit, Sätze als ungrammatisch zu erkennen, unabhängig davon ist, ob wir die Gründe für die Ungrammatikalität auch angeben können. Ein zweiter Aspekt besteht darin, dass wir diese Grammatikalitätsurteile für eine unendlich große Zahl von Sätzen fällen können, auch über solche, die wir noch nie zuvor gehört haben.

[...]

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