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Scholary Paper (Seminar), 2004, 13 Pages
Author: Janine Linke
Subject: Sociology - Methodology and Methods
Details
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen
Tags: Attribution, Kelley, Kovarianzmodell, BFE-, Berufsfelderkundung, Medizin
Year: 2004
Pages: 13
Grade: 1
Bibliography: ~ 3 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36312-9
File size: 196 KB
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Excerpt (computer-generated)
Attribution und Kelley′s Kovarianzmodell
von: Janine Linke
Inhaltsverzeichnis
Kurzzusammenfassung 3
1 Einführung: Die Attributionstheorie 4
1.1 Attribution 4
1.2 Personen- und Selbstwahrnehmung 5
2 Kelley’s Kovarianzmodell 7
3 Schlussdiskussion 10
4 Literaturverzeichnis 13
Kurzzusammenfassung
Wer kennt das nicht: Die Verkäuferin eines Ladens kommt scheinbar entzückt auf einen Kunden zu, der sich noch nicht recht entscheiden kann, ob das ausgewählte Kleidungsstück wirklich das richtige ist. Komplimente, Versicherungen, Zustimmung, wie ausgezeichnet es aussehe. Was macht der Kunde? Fühlt er sich geschmeichelt und kauft von allen Zweifel befreit das Kleidungsstück? Oder misstraut er der Verkäuferin? Vorerst kann der Leser diese Fragen nur aus dem Gefühl heraus beurteilen, er kann sich in die Situation versetzen und „irgendwie“ zu einer Meinung kommen. Dass dabei verschiedene Prozesse ablaufen, er die vorliegenden Informationen möglichst sinnvoll nutzt, er darin einem Modell entspricht, welches sein Handeln vielleicht voraussagbar, zumindest aber erklärbar machen kann - das alles interessiert den Leser in diesem Moment noch nicht. Wer sich aber näher mit der Attributionstheorie beschäftigt, wird schnell staunen: Wir alle gehen nach einem Muster vor, das mal mehr, mal weniger dem statistischen Mittelmaß entspricht. Es ist nicht abzustreiten (und doch irgendwie beruhigend), dass wir unsere Entscheidungen nicht willkürlich fällen. Leser, die genau wissen wollen, wie sich der Kunde im Geschäft entschieden hat, werden an dieser Stelle enttäuscht: Selbst für eine Wissenschaft hält dieses Beispiel zu wenig Informationen bereit, als dass eine sichere Prognose erstellt werden kann. Wer sich dagegen für die Hintergründe und für erstaunlich nachvollziehbare Ergebnisse interessiert, sollte an dieser Stelle unbedingt weiterlesen...
1 Einführung: Die Attributionstheorie
Jeder Mensch ist ein naiver Wissenschaftler. Ob im Umgang mit anderen, beim Treffen und Bewerten von Entscheidungen oder der Auseinandersetzung mit sich selbst, jeder versucht durch Zuhilfenahme möglichst vieler Informationen und Eindrücke seine Wissenslücken zu schließen. Nichts ist so unangenehm wie Unwissenheit oder Verständnislosigkeit, wenn eine schnelle und zugleich vernünftige Reaktion von uns erwartet wird. Im Alltag sind es aber meistens bloß die Ergebnisse oder Handlungen, die dem Menschen vorliegen. Was auf den ersten Blick fehlt, ist die weniger offenkundige Ursache. Wie erklärt sich der Mensch, was für die Handlung verantwortlich war?
1.1 Attributionen
Attribution bedeutet soviel wie „Zuschreiben von Ursachen“. Wer demnach einer Handlung eine bestimmte Ursache zuschreibt, attribuiert sie auf diese Ursache. Simple Beispiele lassen dies deutlicher werden und ziehen die Verbindung zu eigenen Erfahrungen: Jeder hat sich schon gefragt, ob die Empfehlung einer Verkäuferin ehrlich gemeint ist oder dem Zweck der Umsatzsteigerung dienen soll. Sind die guten Noten des Nachbarkindes auf seine Leistungen oder die Gutmütigkeit des Lehrers zurückzuführen? Vielleicht habe ich in der letzten Klausur schlecht abgeschnitten, weil ich zu wenig gelernt habe, aber waren die Fragen nicht auch viel schwerer als sonst? Manchmal ist die Beantwortung einer solchen Frage folgenschwer, vor allem, wenn sie falsch ist. Es kann durchaus zu unangenehmen Situationen und sogar Nachteilen für die betreffenden Personen kommen, wenn klar wird, dass die falsche Attribuierung zu einer dementsprechend falschen Entscheidung geführt hat. Anhand des ersten Beispiels könnte das so aussehen: Folge ich gutgläubig dem Rat der Verkäuferin, während sie - wie sich später herausstellen könnte - nur möglichst großen Umsatz erzielen wollte, hat das zur Folge, dass ich 1. dieser Verkäuferin in Zukunft kein Vertrauen mehr schenken werde und 2. sogar einen finanziellen Verlust habe (Fehlkauf). Andererseits können Menschen in manchen Fällen gut mit Attribuierungen leben, die gar nicht stimmen. Ein letztes Mal sei dies an dem bekannten Beispiel erklärt: Um mir die Erkenntnis einer Fehlentscheidung und ferner den zukünftig peinlichen Umgang mit der Verkäuferin zu ersparen, gebe ich meinen Irrtum lieber nicht zu und halte meine Entscheidung entgegen besseren Wissens für die richtige. Dieser Vorgang läuft jedoch eher unterbewusst ab.
Solche alltäglichen Prozesse haben natürlich eher selten gravierende Konsequenzen zur Folge und laufen in erster Linie automatisiert ab. Niemand kommt auf die Idee, sich Zettel und Bleistift mitzunehmen, um in allen Situationen ausführliche und ausgewogene Entscheidungen zu treffen. Statt dessen versucht man, sich so schnell und unkompliziert wie möglich einen Überblick zu verschaffen, greift auf Erfahrungen zurück oder entscheidet sich unter Umständen einfach „aus dem Bauch heraus“. Beim wissenschaftlichen Erklären von Handeln muss also unbedingt berücksichtigt werden, dass die Richtigkeit der Attribution nicht beurteilt werden darf. Die Frage ist vielmehr, wie der Handelnde zu dieser Auffassung kommt und welche Informationen er dabei nutzt bzw. wie er diese verarbeitet. Das ist Gegenstand der Attributionstheorie.
Eine einheitliche, in sich geschlossene Attributionstheorie gibt es jedoch nicht. Man muss die Bezeichnung eher allgemein verstehen, als Forschung nach den Hintergründen für Attributionen. Es gibt dazu mehrere theoretische Modelle, so beispielsweise Kelley’s Kovarianzmodell, das im Hauptteil näher erläutert wird. Anmerken möchte ich an dieser Stelle noch, dass in der Literatur immer auf die Unterscheidung von zwei Typen hingewiesen wird: die Final- und die Kausalattribution. Während sich die Finalattribution mit der (Wozu-)Frage nach den Gründen von Handlungen beschäftigt, geht es bei der Kausalattribution um die (Warum-)Frage nach den Ursachen von Handlungsergebnissen. In den folgenden Ausführungen wird auf diese Trennung jedoch zum besseren Verständnis weitestgehend verzichtet.
1.2 Personen- und Selbstwahrnehmung
[...]
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