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Zur Kontroverse um die Darstellung des Holocaust im Film - am Beispiel von "Schindlers Liste"

Intermediate Examination Paper, 2005, 25 Pages
Author: Katrin von Danwitz
Subject: Sociology - Media, Art, Music

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V36789
ISBN (E-book): 978-3-638-36316-7
ISBN (Book): 978-3-638-65369-5
File size: 241 KB

Abstract

Die Darstellung des Holocaust im Film hat von Beginn an heftige Auseinandersetzungen ausgelöst und wurde äußerst kontrovers diskutiert. Zwar scheint allen Seiten klar zu sein, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wach bleiben soll, die Frage aber bleibt: Wie lässt sich der organisierte Mord an Millionen von Menschen zeigen? Ausgehend von diesen Fragen sollen im vorliegenden Werk zunächst die wichtigsten Punkte der Kontroversen zu diesem Thema vorgestellt werden - zum Beispiel wird es hier um den Vorwurf der Kommerzialisierung gehen. Dann soll der Film "Schindlers Liste" von Steven Spielberg in den Fokus genommen werden - hier wird es beispielsweise um die Figurenkonstellation und die Resonanz auf den Film gehen. Die Schlussbetrachtung, in die auch eine persönliche Einschätzung der Problematik eingeflossen ist, soll dieses Werk abschließen.


Excerpt (computer-generated)

Zur Kontroverse um die Darstellung des Holocaust im
Film - am Beispiel von "Schindlers Liste"

von: Katrin von Danwitz

 


Inhaltsübersicht

I. Einleitung Seite 03

II. Allgemeine Erörterung der Fragestellung  Seite 03

II.1. Probleme bei der Darstellbarkeit der Judenvernichtung Seite 03
II.2. Vorwurf der Kommerzialisierung Seite 04
II.3. Forderung nach einem „Bilderverbot“ Seite 05
II.4. Spezifika deutscher Reaktionen Seite 06
II.5. Zur Massenwirksamkeit Seite 07

III. „Schindlers Liste“ Seite 09

III.1. Kurze Inhaltszusammenfassung der Filmhandlung Seite 09
III.2. Wichtige Daten und Fakten zum Film und seinem Regisseur  Seite 09
III.3. Zur Figurenkonstellation  Seite 10
III.4. Das Motiv der Namenslisten  Seite 14
III.5. Resonanz auf den Film Seite 15

III.5.1. Zum „Dokumentarfilm-Charakter“ des Films Seite 16
III.5.2. Frage der Verhältnismäßigkeit  Seite 19
III.5.3. Problem der Personalisierung Seite 20

IV. Schlussbetrachtung Seite 22

V. Literaturverzeichnis Seite 24


 

I. Einleitung

Die Darstellung des Holocaust im Film hat von Beginn an heftige Auseinandersetzungen ausgelöst und wurde äußert kontrovers diskutiert. Zwar scheint allen Seiten klar zu sein, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wach bleiben soll, die Frage aber bleibt: Wie lässt sich ihr organisierter Mord an Millionen von Menschen „zeigen, ohne historische, ideologische, religiöse und […] sprachliche Kontexte zu vernachläßigen und damit an Glaubwürdigkeit zu verlieren? Sind ausschließlich Dokumente erlaubt, wenn es darum geht, Geschichte darzustellen? Oder liefern nicht auch sie nur das Material, das von Historiker, Autoren und Regisseuren gesichtet, ausgewählt und zusammengestellt wird.“1

Ausgehend von diesen Fragen, sollen in dieser Arbeit zunächst die wichtigsten Punkte der Kontroversen zu diesem Thema vorgestellt werden. Dann soll der Film Schindlers Liste von Steven Spielberg thematisiert werden. Nach einigen allgemeinen Fragestellungen in Bezug auf den Film, soll speziell auf die Kontroversen eingegangen werden, die dieser Film ausgelöst hat. Gegner und Befürworter von Holocaust-Filmen sind sich dabei zwar meist einig, dass „über die Shoah informiert werden muß, doch wie, mit Hilfe […] welcher künstlerischer Verfahren, ist strittig.“2 Die Schlussbetrachtung, in die auch die persönliche Einschätzung der Problematik eingeflossen ist, soll die Arbeit abschließen.

II. Allgemeine Erörterung der Fragestellung

II.1. Probleme bei der Darstellbarkeit der Judenvernichtung

Filme, die sich mit der Thematik des Holocaust auseinandersetzen, waren und sind stets heftigen, oft über die Medien geführten, Debatten, sowohl zu ästhetischen wie auch zu moralischen Aspekten, ausgesetzt, was in der Brisanz des Themas begründet liegt. Das spezielle Darstellungsproblem liegt dabei in der Differenz des Vergangenen zur Gegenwart begründet. Dieses lässt sich auch nicht durch die Tatsache beheben, dass die meisten der am Disput Beteiligten, die Verurteilung des Mordes an Millionen Menschen und der Wunsch, die Geschichte möge sich nicht wiederholen, eint. So lautet ein ständiger Vorwurf, dass Filme wie Schindlers Liste den Holocaust verharmlosen, da jeder Versuch der Darstellung, wegen der unermesslichen Gräuel der historischen Ereignissen, eine Trivialisierung sein müsse. Allerdings werden auch in einer Dokumentation die Abbildungen des Realen nur als „Bilder“ und nicht als Darstellung der Wirklichkeit wahrgenommen. Darüber hinaus weise jede Art von Kunst, laut Kritikern, einen Scheincharakter auf, der noch die Darstellung des Entsetzlichen und des Leidens für den Rezipienten zu einem Genuss mache. So habe „grade die Grausamkeit und das Sensationelle des Ereignisses, mit Hilfe eines spektakulären Mediums rekonstruiert, eine magische Anziehungskraft“3, die nahe an Voyeurismus grenze und dem Vergnügen ähnlich sei, dass uns die Tragödie bereitet.

Ein weiteres Argument, gegen die Darstellung der Judenvernichtung, ist die Annahme, dass eine ständige Repräsentation der Gewalt zu einer „Abstumpfung“ und einem „Gewöhnungseffekt“ der Rezipienten gegenüber diesem sensiblen Thema führe. Wiederholte Gewaltdarstellungen, würden eher dazu führen „uns abzustumpfen, als uns zu schockieren.“4 So muss grade in Filmen, die den Nationalsozialismus problematisieren, der schmale Grad zwischen übertriebener Ästhetik und übertriebener Grausamkeit gefunden werden.

II.2. Vorwurf der Kommerzialisierung

Jeder Film über den Holocaust ist gleichzeitig ein Produkt der Kulturindustrie5, die dieses mit Hilfe einer Marketingstrategie möglichst gewinnbringend verkaufen will. Das Medium Film werde „nicht als Kunstwerk, sondern als Ware betrachtet“6; der Holocaust demnach für die Zwecke der Kulturindustrie funktionalisiert. So besteht auch die Gefahr, dass der Holocaust als wirkliches Geschehen hinter dem Holocaust als virtueller Realität im Markt der Massenkultur zurück tritt, denn die Maschinerie des Marketing bewirkt die globale kulturindustrielle „Kommodifikation des Holocaust, also seine warenförmige Umwandlung i n ein Medienereignis“7. Ein weiteres Argument gegen Holocaust-Filme lautet deshalb, dass seine Opfer und ihr Leiden durch diese ein zweites Mal ausgebeutet würden. Es sei untragbar, dass die Kulturindustrie den Holocaust zu einem kommerziellen Produkt mache und an dem Genuss des Entsetzens Geld verdiene, indem sie die „Lust am Erschauern“ kalkuliere. Diese entsteht „aus der Nähe zum Verbrechen, ohne das der Zuschauer selbst bedroht wäre.“8

Das wohl eindringlichste Beispiel für die Kommerzialisierung des Holocaust ist dabei die vierteilige Holocaust - Serie (Produktion: 1987, Regie: Marvin J. Chomsky). Sie wurde zu einem riesigen Medienereignis und somit auch zu einem riesigen Verkaufserfolg und ließ die Diskussion über „Shoah-business“9, „Hollywood- Holocaust“ und „Hollywood-Kitsch“ ihren Höhepunkt erreichen. Filme wie Holocaust nähmen eine „bei dieser Thematik absolut inadäquate Kombination von kitschigen und melodramatischen Elementen“10 vor. Die Kritiker störten sich demnach vor allem an der Verquickung von Massenkultur und Massenmord. Filme wie diese seien keine Kunst, sondern Massenwahre.11 Auch ein Film wie Schindlers Liste ist „Entertainment“, denn auch er erzählt eine spannende Geschichte mit einem Helden und seinen Gegenspielern.12 So steht jeder Filmemacher vor der schwierigen Aufgabe der Kombination von Ernsthaftigkeit und Vermarktbarkeit. Dabei ist auch zu bedenken, dass Filme immer Kunstprodukte sind und sie das Grauen des Holocaust demnach zwangsläufig schönen müssen.13 Man kann diesen Argumenten jedoch entgegenhalten, dass auch die Populärkultur längst zu einem unverzichtbaren Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden ist, womit sich der Punkt II.5. dieser Arbeit näher auseinandersetzt.

II.3. Forderung nach einem „Bilderverbot“

[...]


1 Thiele, Martina, S. 10

2 Thiele, Martina, S. 466

3 Hartmann, Geoffrey, S. 136

4 Hartmann, Geoffrey, S. 136

5 Dieser Begriff stammt von Adorno und Horkheimer (Dialektik der Aufklärung).

6 Thiele, Martina, S. 468

7 Lohmann, Ingrid (keine Seitenangabe weil Webdokument)

8 Reichel, Peter, S. 313

9 Entlehnt aus der sarkastischen Bemerkung des ehemaligen israelischen Außenminister Abba Eban: „There ist no business like Shoah-business“.

10 Korte, Helmut, S. 152

11 vgl. Hamacher, Alaric, S.41

12 vgl. Holhammer, Siegfried, S.501

13 vgl. Reichel, Peter, S. 311


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