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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 31 Pages
Author: Manuel Siegert
Subject: Sociology - Gender Studies
Details
Tags: Entwicklung, Ausformung, Diffusion, Lebensgemeinschaften
Year: 2004
Pages: 31
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36340-2
File size: 254 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die Entwicklung, Ausformung und Diffusion
nichtehelicher Lebensgemeinschaften
von: Manuel Siegert
6. Fachsemester
Inhalt
Einleitung 1
1. Kurzer historischer Überblick über die Entwicklung nichtehelicher Lebensgemeinschaften 2
2. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Deutschland 3
2.1 Lebensformen der 30- bis 34-jährigen Frauen in Deutschland im Jahr 2000 4
2.2 Einstellungen zu Familie und Eheschließung in Deutschland 5
2.3 Familie und subjektives Wohlbefinden 6
3. Ausprägungsformen nichtehelicher Lebensgemeinschaften und mögliche Gründe diese einzugehen 7
3.1 Drei Typen nichtehelicher Lebensgemeinschaften 7
3.2 Sechs mögliche Gründe für das Eingehen nichtehelicher Lebensgemeinschaften 9
4. Ziehen Partner aus einem gemeinsamen Haushalt wirtschaftliche Vorteile? 10
4.1 Können Paare von einem gemeinsamen Haushalt finanziell profitieren - einige theoretische Vorüberlegungen 11
4.2 Können Paare von einem gemeinsamen Haushalt finanziell profitieren - einige empirische Anhaltspunkte 12
4.3 Sind nichteheliche Lebensgemeinschaften ein Ersatz für Ehen oder eine Vorstufe davon? 14
5. Nichteheliche Lebensgemeinschaften und der Diffusionsprozess 15
5.1 Was bedeutet Diffusion? 16
5.2 Die Diffusion nichtehelicher Lebensgemeinschaften in Westdeutschland, Ostdeutschland und Italien 19
5.2.1 Die Besonderheiten des Diffusionsprozesses 19
5.2.2 Die zentralen Hypothesen 20
5.2.3 Die Ergebnisse 23
6. Fazit 25
Literatur 27
Quellen 28
Presseerzeugnisse 28
Einleitung
Unter der Überschrift: “Demographen stellen das stabile Ehepaar vor”, konnte man am 01. Oktober 2004 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen, welche Vorbedingungen zu besonders stabilen Ehen führen (F.A.Z., 1.10.04). So waren die Demographen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zu dem Schluss gekommen, dass folgende Voraussetzungen erfüllt sein sollten: Demnach sollte die Ehepartner eine starke Emotionalität und Sexualität miteinander verbinden. Sie sollten regelmäßig miteinander kommunizieren, über einen positiven Kommunikationsstil verfügen, treu sein, sich gegenseitig unterstützen, gemeinsame Kinder, Freunde und Wohnungseigentum sowie noch keine Scheidung miterlebt haben, ähnlich gebildet und ungefähr gleichaltrig sein, über gemeinsame Interessen und Lebensentwürfe verfügen, religiös gebunden oder traditionell orientiert sein, nicht in Großstädten leben, nicht zu früh geheiratet und vor der Eheschließung bereits eine längere Zeit zusammengelebt haben. Von besonderen Interesse ist an dieser Stelle der letztgenannte Punkt. Noch vor fünfzig Jahren war es in Deutschland gesetzlich verboten, dass unverheiratete Paare zusammenwohnten. Nach § 180 StGB, dem berühmten “Kuppelparagraphen”, machte sich sogar strafbar, wer Unverheiratete bei sich, z.B. in der Mietwohnung, gemeinsam wohnen lies. Dass eine Meldung wie die obige heute in einer eher konservativen Tageszeitung erscheint, bzw. von einem Bundesinstitut herausgegeben wird, zeigt, dass sich in der Zwischenzeit viel verändert hat. Das Zusammenleben ohne Trauschein, sogenannte nichteheliche Lebensgemeinschaften, ist heute gesellschaftlich Akzeptiert und auch der § 180 StGB wurde “entschärft”. Von den 38,1 Millionen Haushalten die es 2000 in Deutschland gab, bestanden insgesamt fünf Prozent aus nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Rund vier Prozent ohne Kinder und rund ein Prozent mit Kindern (BiB 2004, S.69). Das zeigt, dass sich diese Lebensform, wenn auch bezogen auf die Gesamtzahl aller Haushalte auf einem relativ niedrigen Niveau, in Deutschland etabliert hat.
Im Verlauf dieser Arbeit werde ich nun der Frage nachgehen, was nichteheliche Lebensgemeinschaften so besonders macht, wer sie warum wählt, welche Vorteile sie bieten und ob sie als “Ehe auf Probe” gewertet werden können. Weiterhin werde ich exemplarisch den Diffusionsprozess nichtehelicher Lebensgemeinschaften in Westdeutschland, Ostdeutschland und Italien anhand einer Studie von Tiziana Nazio und Hans-Peter Blossfeld darstellen.
1. Kurzer historischer Überblick über die Entwicklung nichtehelicher Lebensge-meinschaften
Wie bereits in der Einleitung angesprochen, werden nichteheliche Lebensgemeinschaften in Europa noch nicht lange akzeptiert und praktiziert. Noch in den frühen 1960er Jahren war das Zusammenleben ohne Trauschein in den meisten europäischen Ländern eine Randerscheinung und sogar in Schweden selten, wo nichteheliche Lebensgemeinschaften eine lange Tradition haben (Nazio und Blossfeld 2003, S.48). Ehe und Familie hatten bis zur Mitte der 1960er Jahre einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Die Heiratsneigung war sehr hoch und noch 1971 heirateten 93 Prozent der Frauen und 87 Prozent der Männer mindestens einmal in ihrem Leben (BiB 2004, S.28). Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom “Golden Age of Marriage”(ebd. S.27). Nichteheliche Lebensgemeinschaften wurden in dieser Zeit in erster Linie von älteren Personen praktiziert, die geschieden oder verwitwet waren und ihre Ansprüche auf Alimente oder Hinterbliebenenrenten nicht verlieren wollten ( Nazio und Blossfeld 2003, S.48). Doch Mitte der 1960er Jahre kam es in vielen Gesellschaften Europas und Amerika zu einem Wandel traditioneller Werte. In Deutschland wurde dieser Wandel besonders getragen von der so genannten 68er-Generation. Die Bedeutung der Ehe als Institution nahm langsam ab, so dass 2002 nur noch 39 Prozent der 18 bis 30 Jährigen Deutschen in einer Studie die Meinung vertraten, dass dauernd zusammenlebende heiraten sollten (Stat. Bundesamt u.a. 2004, S.542). Da das Zusammenleben eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt, wie z.B. das Zusammenlegen von Ressourcen und den daraus zu verwirklichenden economies of scale, einer Arbeitsteilung im Haushalt oder das Aufrechterhalten einer relativ sicheren sexuellen Beziehung (vgl. Nazio und Blossfeld 2003, S.57; Light 2004) und nichteheliche Lebensgemeinschaften flexibler als Ehen sind, was in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit von großer Bedeutung ist (Oppenheimer 2003, S.129 u. 131), wird davon ausgehen, dass viele Ehen durch nichteheliche Lebensgemeinschaften ersetzt werden (Bumbass und Sweet 1989; Oppenheimer 2003, S.128). Dabei sind jedoch, zumindest für Europa, gewisse Unterschiede in der Bedeutung und Ausformung nichtehelicher Lebensgemeinschaften zu berücksichtigen. So sind diese in Südeuropa weiterhin sehr selten und werden von einer nur sehr kleinen, relativ abgeschotteten und städtisch lebenden Gruppe praktiziert (speziell für den Italienischen Fall siehe Nazio und Blossfeld 2003, S.77-78). In vielen zentraleuropäischen Ländern wie den Niederlanden oder Westdeutschland, können nichteheliche Lebensgemeinschaften als ein Vorstadium zur Bildung einer normalen Ehe angesehen werden, die speziell dann umgewandelt werden, wenn ein Kind unterwegs ist. In Ländern wie Österreich, Frankreich, Groß Britannien, Finnland, Norwegen oder dem ehemals sozialistischen Ostdeutschland, sind nichteheliche Lebensgemeinschaften gesellschaftlich akzeptierte Alternativen zu einer Ehe, mit einer einhergehenden hohen Rate an außerehelichen Geburten. In Dänemark und Schweden haben nichteheliche Lebensgemeinschaften sogar einen mit Ehen vergleichbaren normativen Status erreicht, so dass es eher eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, welche Lebensform gewählt wird (Nazio und Blossfeld 2003, S.48).
2. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Deutschland
Von den 38,1 Millionen Privathaushalten, die 2000 in Deutschland bestanden, waren 36,1 Prozent Einpersonenhaushalte. Diese setzten sich zusammen, aus Einpersonenhaushalten von Frauen (20,9 Prozent) und Einpersonenhaushalten von Männern (15,2 Prozent). Der größere Anteil allein lebender Frauen hängt vor allem mit ihrer längeren Lebenserwartung und den Kriegsopfern bei den Männern zusammen, die zu unter-schiedlichen Geschlechterproportionen in den Altersjahrgängen ab dem 59 Lebensjahr führen. Neben den älteren Menschen bilden besonders auch junge Menschen die noch nicht in den Familienbildungsprozess eingetreten sind, Einpersonenhaushalte. Der zweitgrößte Haushaltstyp bilden die Ehepaare mit Kindern (25,2 Prozent), gefolgt von den Ehepaaren ohne Kinder (24,8 Prozent), deren Anteil vor allem deshalb so hoch ist, da hier auch die Ehepaare gezählt werden, deren Kinder bereits ausgezogen sind. Zusammen bilden die Ehepaare also 50 Prozent aller privaten Haushalte, was relativ deutlich zeigt, dass die Institution Ehe, allen Unkenrufen zum Trotz, nach wie vor von großer Bedeutung ist. An vierter Stelle kommen die Alleinerziehenden mit 5,8 Prozent und bereits an fünfter Stelle die nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit insgesamt 5 Prozent, also mit den Alleinerziehenden fast gleich auf. Die nichtehelichen Lebensgemeinschaften wiederum splitten sich auf in solche ohne Kinder (3,9 Prozent) und solche mit Kindern (1,1 Prozent). Es folgen noch sonstige Haushalte ohne Kinder (1,4 Prozent), Familien mit nicht mehr ledigen Kindern (0,9 Prozent) und Haushalten mit drei und mehr Generationen (0,8 Prozent)(alle Zahlen BiB 2004, S.69). Diese Zahlen zeigen, dass nichteheliche Lebensgemeinschaften mittlerweile ein fester Bestandteil der Haushaltstypen in Deutschland sind und öfter vorkommen, als Familien, in denen drei Generationen unter einem Dach leben. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass nichteheliche Lebensgemeinschaften in bestimmten Altersklassen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Lebensform gewählt zu werden, als in anderen. Besonders in der Zeit des Übergangs von der Jugend zum Erwachsensein treten nichteheliche Lebensgemeinschaften auf und hier speziell dann, wenn die Schule beendet wird und ein Studium oder eine Arbeit aufgenommen wird (Nazio und Blossfeld 2003, S.50; Sassler 2004; Bumpass und Sweet 1989; Xie u.a. 2003; Oppenheimer 2003).
2.1 Lebensformen der 30- bis 34-jährigen Frauen in Deutschland im Jahr 2000
[...]
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