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Details

Veranstaltung: Hauptseminar "kultura szlachecka - Lebensweise und Kultur des polnischen Adels"
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tags: Savoir, Umgangsformen, Adels, Hauptseminar, Lebensweise, Kultur, Adels
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 22
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 224 KB
Archivnummer: V36828
ISBN (E-Book): 978-3-638-36350-1
ISBN (Buch): 978-3-638-65372-5

Zusammenfassung / Abstract

Savoir vivre – Umgangsformen lautet das Thema dieser Arbeit im Rahmen des Hauptseminars ,,Kultura szlachecka – Lebensweise und Kultur des polnischen Adels“. Die ersten Überlegungen unter Kapitel 1. waren zunächst einmal allgemein, d. h. kulturübergreifend, um sowohl die ursprüngliche als auch die heutzutage geltende Bedeutung des Begriffs Savoir vivre, der in der Seminararbeit immer wieder verwendet wird, näher zu definieren. Der nächste Schritt bestand darin, sich dem Savoir vivre einer speziellen Kultur, nämlich dem der polnischen Adelskultur zu nähern. Die Komplexität des Themas Savoir vivre, die nach den anfänglichen Reflexionen deutlich wurde, erforderte eine gezielte Auswahl von Teilbereichen dieses Oberbegriffs. Ich habe mich daher entschieden, zwei Bereiche, die unter den sprachlichen Aspekt von Savoir vivre fallen, näher zu untersuchen. In Kapitel II.3. habe ich mich deshalb mit der Begrüßung, im darauffolgenden Kapitel mit Anrede und Titel beschäftigt. Entscheidend für die Wahl ausgerechnet dieser Stichpunkte war, dass besonders in der polnischen Adelskultur die Art der Begrüßung sowie der Anrede bzw. des Titels wichtige Kriterien dafür waren, ob jemand als Mitglied der Adelsschicht gezählt werden konnte oder nicht. Darüber hinaus versprach gerade der kommunikative Bereich des Savoir vivre im damaligen Polen einiges über das Wesen, die Mentalität und besonders auch über die Gegensätze dieser Kultur auszusagen. Ein zentraler Gedanke war jedoch nicht nur die Frage, was das Savoir vivre der Adelskultur über die Mitglieder dieser Gesellschaft verriet, sondern auch, welche Rückschlüsse sich daraus über das Wesen von Umgangsformen allgemein schließen lassen, um damit wieder an den Ausgangspunkt dieser Arbeit anzuknüpfen.

Textauszug (computergeneriert)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft
Hauptseminars: ,,kultura szlachecka“ – Lebensweise und Kultur des polnischen Adels

Savoir vivre: Umgangsformen des polnischen Adels

von: Helena Schneider

 


Inhalt

I. Einleitung

II. Hauptteil

II. 1. Definition des Begriffs Savoir vivre
II. 2. Die Besonderheiten des Savoir vivre in der polnischen Adelskultur
II. 3. Die Begrüßung

II. 3. 1. Grußformeln
II. 3. 2. Die Körpersprache
II. 3. 3. Der Kuß als Begrüßungsform
II. 3. 4. Der Handkuß

II. 4. Die Anrede

II. 4. 1. Die Einstellung des polnischen Adels zu Titulierungen
II. 4. 2. Die Anrede im Gespräch
II. 4. 3. Die Anrede im Brief

III. Schlußwort

IV. Anhang

V. Literatur


 

I. Einleitung

Savoir vivre – Umgangsformen lautet das Thema dieser Arbeit im Rahmen des Hauptseminars ,,kultura szlachecka – Lebensweise und Kultur des polnischen Adels“. Savoir vivre – was verbirgt sich hinter diesem Begriff, der in etlichen Situationen, und keinesfalls nur im Zusammenhang mit Adel, auftaucht? Warum wird er so gern verwendet, obwohl es doch eine deutsche Entsprechung, nämlich den Ausdruck Umgangsformen gibt? Stimmen die beiden Begriffe inhaltlich völlig überein? Dies waren die Ausgangsfragen, die bei näherem Hinsehen gleich weitere Fragen, wie z. B. die folgenden, aufwarfen: Wozu gibt es Savoir vivre, gibt es Umgangsformen überhaupt? Haben sie eine bestimmte Funktion und wenn ja, worin besteht diese? In welc hen Situationen, d.h. in welchen Bereichen ist auf Savoir vivre zu achten? Diese ersten Überlegungen unter Kapitel 1. waren zunächst einmal allgemein, d. h. kulturübergreifend, um sowohl die ursprüngliche als auch die heutzutage geltende Bedeutung des Begriffs Savoir vivre, der in der Seminararbeit immer wieder verwendet wird, näher zu definieren. Der nächste Schritt bestand darin, sich dem Savoir vivre einer speziellen Kultur, nämlich dem der polnischen Adelskultur zu nähern. Was war das Besondere an den Umgangsformen dieser Gesellschaft, wodurch zeichneten sie sich aus? Lässt sich anhand dieser Merkmale ein in sich stimmiges Bild der Lebensweise der ,,kultura szlachecka“ zeichnen? Oder sind Widersprüche zu erkennen und wenn ja, worin bestehen diese? Auf diese Fragen habe ich versucht, in Kapitel II.2. Die Besonderheiten des Savoir vivre in der polnischen Adelskultur einzugehen.

Die Komplexität des Themas Savoir vivre, die nach den anfänglichen Reflexionen deutlich wurde, erforderte eine gezielte Auswahl von Teilbereichen dieses Oberbegriffs. Ich habe mich daher entschieden, zwei Bereiche, die unter den sprachlichen Aspekt von Savoir vivre fallen, näher zu untersuchen. In Kapitel II.3. habe ich mich deshalb mit der Begrüßung, im darauffolgenden Kapitel mit Anrede und Titel beschäftigt. Entscheidend für die Wahl ausgerechnet dieser Stichpunkte war, daß besonders in der polnischen Adelskultur die Art der Begrüßung sowie der Anrede bzw. des Titels wichtige Kriterien dafür waren, ob jemand als Mitglied der Adelsschicht gezählt werden konnte oder nicht. Darüber hinaus versprach gerade der kommunikative Bereich des Savoir vivre im damaligen Polen einiges über das Wesen, die Mentalität und besonders auch über die Gegensätze dieser Kultur auszusagen. Ein zentraler Gedanke war jedoch nicht nur die Frage, was das Savoir vivre der Adelskultur über die Mitglieder dieser Gesellschaft verriet, sondern auch, welche Rückschlüsse sich daraus über das Wesen von Umgansformen allgemein schliessen lassen, um damit wieder an den Ausgangspunkt dieser Arbeit anzuknüpfen.

II. 1. Definition des Begriffs ,,Savoir vivre”

Der Begriff ,,Savoir vivre“ weckt auf den ersten Blick sicherlich eine Vielzahl von Assoziationen und wird in einer Reihe von Kontexten verwendet. Aus diesem Grund bedarf es zunächst einmal einer allgemeinen Definition und Erläuterung dieses Begriffes, da er im folgenden immer wieder verwendet wird. Die erste, wenn auch zunächst banal erscheinende Assoziaton, die sich beim Nachdenken über Savoir vivre aufdrängen mag, ist, daß dieses Phänomen immer dann eine Rolle spielt, wenn wir in Kontakt mit anderen Menschen stehen. Savoir vivre ist demnach ein typisch menschliches oder besser gesagt ,,zwischenmenschliches“ Phänomen, das in nahezu jeder Kultur zu beobachten ist. Die nächste Frage, die sich logischerweise aus dieser Erkenntnis ergibt, ist, welchem Zweck Savoir vivre im Umgang mit unseren Mitmenschen dient. Gibt es also eine allgemein geltende Funktion von Umgangsformen und wenn ja, wie würde diese lauten? Das folgende Zitat, einem Buch über die Etikette entnommen, gibt darüber bereits nähere Auskunft: ,,So ist denn die Etikette, im wahrsten Sinne des Wortes ,die Schranke gegen Übergriffe, die das Gesetz nicht zu erfassen vermag´ und als solche unentbehrlich. Laufende Verstöße gegen ihre gewöhnlich ungeschriebenen Regeln werden unerbittlich geahndet, indem die Gesellschaft – d. h. der Kreis aller Menschen mit Herz, Charakter und einem natürlichen Sinn für Korrektheit – ihre Tore vor den Außenseitern verschließt ( Kucharska, 2000, S. 24 )1. Dieses Zitat, das ein bisschen überspitzt, aber wie durchaus treffend formuliert zu sein scheint, spricht einen wesentlichen Punkt an, der für das Verständnis von Savoir vivre unentbehrlich ist, nämlich die Schutzfunktion von Verhaltensnormen. Die Aufgabe dieser ,,ungeschriebenen Regeln” besteht demnach darin, den Einzelnen vor sozialem Schiffbruch und damit vor Sanktionen zu bewahren, die mitunter härter ausfallen können, als bei Verstößen gegen das Gesetz ( Kucharska, S. 24 ).

Zu der vor gesellschaftlichem Außenseitertum bewahrenden Aufgabe kommt jedoch noch eine andere nicht weniger bedeutsame Funktion hinzu: Savoir vivre dient darüber hinaus dazu, das Leben in den unterschiedlichsten Bereichen zu erleichtern und angenehmer zu gestalten. Nicht umsonst heißt der aus dem Französischen stammende Begriff wörtlich übersetzt ,,zu leben wissen“ und wird häufig auch für die ,,Kunst, das Leben zu genießen” sowie die ,,feine Lebensart” verwendet.2 Savoir vivre impliziert also immer eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz im Umgang mit anderen Menschen, die, zumindest in vergangenen Jahrhunderten, nicht in allen Schichten der Gesellschaft gepflegt wurde. Denn entstanden ist die ,,feine Lebensart” bzw. die Etikette in den Schlössern der Könige und bezieht sich auch heute hauptsächlich auf Vertreter von Regierungen, Parlamenten, wirtschaftlichen Organisationen, usw. ( Pietkiewicz, 1997, S. 9 ).

Der Begriff Etikette, der oft im Zusammenhang mit Savoir vivre fällt, und manchmal auch gleichbedeutend benutzt wird, war hingegen ursprünglich ein ,,Zettel mit Hinweisen auf das Hofzeremoniell” und stand für die ,,zur bloßen Förmlichkeit erstarrte offizielle Umgangsform“. Heutzutage ist damit die ,,Gesamtheit der allgemeinen oder in einem bestimmten Bereich geltenden Umgangsformen” gemeint. Welche Bereiche fallen nun unter Savoir vivre? Ungeschriebene Gesetze, die das zwischenmenschliche Verhalten regeln, gibt es, wie schon gesagt wurde, in den unterschiedlichsten Bereichen. Sie regeln sowohl das Verhalten bei Tisch, auf der Arbeit, auf Reisen und im Straßenverkehr als auch die Art und Weise sich zu kleiden und zu wohnen. Sie gelten in etlichen Situationen, die die Kenntnis der jeweiligen Gesellschaft, in der man sich bewegt, voraussetzt ( Pietkiewicz, S. 16 ). Weitere Stichwörter, von denen man selbstverständlich noch Hunderte auflisten könnte, sind u. a. Besuche, Geschenke, Spiele, Vergnügungen und nicht zu vergessen der Umgang mit Frauen. Ein wichtiger Aspekt des Savoir vivre, der in Büchern über die Etikette immer wieder behandelt wird, ist der sprachliche, der kommunikative Aspekt von Umgangsformen. Eine angemessene Begrüßung, Vorstellung, Titulierung, Anrede, Gesprächsführung, etc. basiert fürgewöhnlich darauf, daß man sich der sprachlichen Verhaltensregeln bewußt ist und sie auch richtig anzuwenden weiß ( Kucharska, S. 25 ).

II.2. Die Besonderheiten des Savoir vivre in der polnischen Adelskultur

[...]


1 zitiert nach: Karlheinz Graudenz/ Erika Pappritz: ,,Das Buch der Etikette“, 1956, S. 30

2 sowohl diese Definition als auch die zum Stichwort ,,Etikette“ im folgenden Abschnitt wurde entnommen aus: Bibliographisches Institut & Brockhaus A. G. Der Brockhaus Multimedial 2000. Mannheim, 1999

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