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Seminararbeit, 2003, 26 Seiten
Autor: Tanja Vorderstemann
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Tags: Kampf, Schmutz, Schund, Heftserien, Nick, Carter, Pinkerton, Lord, Lister, Positiver, Schundkampf, Wolgast, Position, Jugendschriftenbewegung
Jahr: 2003
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-36408-9
ISBN (Buch): 978-3-638-65376-3
Dateigröße: 249 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Dass die Verbreitung der Grossobücher Ende des 19. Jahrhunderts einen solchen Anklang fanden, lag nicht zuletzt an dem Phänomen Freizeit, das mit der Industrialisierung in den Städten einher ging, sondern auch an dem steigenden Bildungsbedürfnis der Arbeiterklasse. Da sich „gute“ Literatur etwas kosten ließ, ging der Griff leichthin zu den billigen, viel versprechenden und später in Massen angefertigten, an allen Bahnhofsecken und belebten Straßen erhältlichen Grossobüchern und Kolportageheften. Unter anderem diese Umstände des Arbeiterstandes und der kategorisierenden Wissenschaft animierte die Lehrerschaft, sich intensiver der geistigen Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu widmen. Befürchtungen ihrerseits wurden laut, dass dem ‚unbeschriebenen Blatt Kind‘ durch die sozial und sittlich minderwertige Literatur der Geschmack verwirrt würde und es unfähig mache zum Genuss wahrer künstlerisch, wertvoller Bücher. Hinzu kam die Ansicht, dass minderwertige Literatur erste Keime zu kriminellen Handlungen legen würde.2 In unserer Arbeit soll genauer betrachtet werden, was die billige Schundliteratur für die Leser so attraktiv machte, wie sich die begehrten Abenteuerromane präsentierten und wie sie vermarkt et wurden. Weiterhin soll die Entwicklung des positiven Schundkampfes vorrangig an der Jugendschriften-Warte aufgezeigt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Der Kampf gegen Schmutz und Schund - Heftserien: Nick
Carter, Nat Pinkerton, Lord Lister - Positiver Schundkampf
Wolgast und die Position der Jugendschriftenbewegung
von: Tanja Vorderstemann
1 Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung 3
3 Die aufkommende Unterhaltungsindustrie um 1900 und ihre Vermarktung 4
3.1 Entwicklung der Unterhaltungsindustrie 4
3.2 Geschäft und Werbung 5
3.3 Entwicklung des Serienprinzips bis in die Gegenwart 8
4 Vorstellung zweier Heftserien: Nick Carter und Nat Pinkerton, der König der Detektivs 10
4.1 Nick Carter 10
4.2 Nat Pinkerton, der König der Detektivs 11
4.3 Beschreibung der Heftserie Nat Pinkerton 12
5 Vermarktungsstrategie der Heftserien: 13
5.1 Sprachlicher Aufbau: 15
6 Erläuterungen zu den Begriffen „Schmutz“ und „Schund“ sowie „positiver Schundkampf“ 16
6.1 Schmutz und Schund 16
6.2 „Positiver Schundkampf“ 17
7 Die positiv betriebene Schundbekämpfung 18
7.1 Die Formierung einer Jugendschriftenbewegung 18
7.2 Die Jugendschriften-Warte und ihre Forderungen 20
7.3 Die Entwicklung der Jugendschriften-Warte 22
7.4 Weitere Verbreitungsmöglichkeiten „guter“ Jugendliteratur 24
8 Abschließende Worte 25
9 Literaturverzeichnis 26
2 Einleitung
Im Zuge der Industrialisierung hatte sich der noch Anfa ng des 19. Jahrhunderts bestehende „Zusammenhang von Bildung und Freiheit des Menschen“1 verwandelt. Der Wert des Individuums wurde zurückgestellt und alles, auch der Mensch und seine Persönlichkeit, galt anhand der Wissenschaft als erklärbar. Es bildete sich eine Kunsterziehungsbewegung, die sich vornahm gegen diese Strömung anzugehen und den Menschen durch die Kunst, insbesondere auch der Dichtung, zu einem freien Individuum zu erziehen. Die Industrie versprach, vor allem für den Menschen vom Lande, ein geregeltes Einkommen und höheren Lebensstandard. Es kam zur Landflucht und zu überlaufenen Großstädten. Arbeiterviertel entstanden, in denen nicht selten Arbeitslosigkeit und Elend vorherrschte. Eine fünfköpfige Familie in einem Zimmer mit nur einem Bett war keine Seltenheit. Der Genuss von Absinth wurde besonders bei Männern immer mehr zur Gewohnheit. Kinder mussten früh mit für den Lebensunterhalt sorgen oder trieben sich unbeaufsichtigt in den Straßen herum. Billige und leicht erhältliche Grossobücher und Kolportageheftchen waren eine willkommene Ablenkung.
Dass die Verbreitung der Grossobücher Ende des 19. Jahrhunderts einen solchen Anklang fanden, lag nicht zuletzt an dem Phänomen Freizeit, das mit der Industrialisierung in den Städten einher ging, sondern auch an dem steigenden Bildungsbedürfnis der Arbeiterklasse. Da sich „gute“ Literatur etwas kosten ließ, ging der Griff leichthin zu den billigen, viel versprechenden und später in Massen angefertigten, an allen Bahnhofsecken und belebten Straßen erhältlichen Grossobüchern und Kolportageheften.
Unter anderem diese Umstände des Arbeiterstandes und der kategorisierenden Wissenschaft animierte die Lehrerschaft, sich intensiver der geistigen Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu widmen. Befürchtungen ihrerseits wurden laut, dass dem ‚unbeschriebenen Blatt Kind‘ durch die sozial und sittlich minderwertige Literatur der Geschmack verwirrt würde und es unfähig mache zum Genuss wahrer künstlerisch, wertvoller Bücher. Hinzu kam die Ansicht, dass minderwertige Literatur erste Keime zu kriminellen Handlungen legen würde.2 In unserer Arbeit soll genauer betrachtet werden, was die billige Schundliteratur für die Leser so attraktiv machte, wie sich die begehrten Abenteuerromane präsentierten und wie sie vermarkt et wurden. Weiterhin soll die Entwicklung des positiven Schundkampfes vorrangig an der Jugendschriften-Warte aufgezeigt werden.
3 Die aufkommende Unterhaltungsindustrie um 1900 und ihre Vermarktung
3.1 Entwicklung der Unterhaltungsindustrie
1866- 1871 bildete sich eine literarische Unterhaltungsindustrie aus. Sie breitete sich in zwei Wellen aus: 1. Kolportage- und Hintertreppenromane (seit 1860) 2. Serienhefte (seit 1900) Es wurden hohe Auflagen produziert und die Hefte kosteten lediglich ein paar Pfennige. Die Serienhefte hatten einen Vorteil vor den Kolportageromanen, sie hatten durchgehende Zentral- und Titelfiguren. Die Kolportageromane
hingegen mussten ihre Leser immer wieder neu motivieren, da jede Reihe à 10 Hefte eine abgeschlossene Story beinhaltete. Deshalb setzten sich die Serienhefte schließlich durch. 1905 wurden die ersten Heftserien aus Amerika importiert. Der Dresdner Verlag Adolf Eichler erwarb die Rechte an der Wildwestserie Bufallo Bill und der Detektivserie Nick Carter. 1908 wurden 45000 „Nick Carter“ Hefte pro Woche gedruckt und 1911 wurden bereits 250 Folgen publiziert. Als deutsche Nachahmung kam schließlich die Heftreihe „Nat Pinkerton, der König der Detektivs“ heraus. Davon wurden zwischen 1907 und 1915 mindestens 407 Folgen je 32 Seiten zu 10 Pf veröffentlicht. Das Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst in Berlin brachte die Heftserie „Lord Lister, genannt Raffles, der große Unbekannte“ zu 20 Pf heraus. Diese Heftreihe konnte zwischen 1908 und 1910 110 Fortsetzungen verkaufen. Mit der Übernahme der seriell, nach festgelegtem Schema produzierten Ware, vollzog sich ein wichtiger Schritt beim Aufbau einer internationalen Unterhaltungsindustrie. 1908 kam der erste Schreckensruf: „ 50 Millarden Mark jährlich für schlechte Literatur!“
3.2 Geschäft und Werbung:
Kolportageromane wurden von Tür zu Tür ausgeliefert. Die Serienhefte konnte man an Straßen, Bahnhofskiosken, Schreibwaren-, Papierläden, Zigaretten- und Trafficläden kaufen. Somit erreichte das Vertriebsnetz neben den Kindern aller Schichten, fast jeden Arbeiter, Handwerker oder kleinen Angestellten. Später wurde hauptsächliches Verbreitungsmittel der Tausch; dieser wurde auch von Schundantiquariaten organisiert. In Mietskasernen und Schulen gab es ganze Leihbibliotheken von Schund. Kinder verliehen ihre Hefte für 1 Pf und kauften sich aus dem Erlös neue Heftserien.
[...]
1 Hrsg.: Klaus Ulrich Pech: Einleitung in „Kinder- und Jugendliteratur vom Biedermeier bis zum Realismus“, S. 51
2 Siehe dazu das angeführte Beispiel von Heiner Schmidt in „Die Lektüre der Flegeljahre“, S. 18
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