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Thomas Mann und das geteilte Deutschland

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 28 Pages
Author: Alexander Schetter
Subject: History - Postwar Period, Cold War

Details

Event: Der politische Mensch Thomas Mann
Institution/College: University of Potsdam (Institut für Geschichte)
Tags: Thomas, Mann, Deutschland, Mensch, Thomas, Mann
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 28
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 42  Entries
Language: German
Archive No.: V36936
ISBN (E-book): 978-3-638-36433-1
ISBN (Book): 978-3-638-65379-4
File size: 296 KB

Abstract

Prof. Manfred Görtemaker gilt spätestens seit seiner "Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" als einer der renommiertesten Historiker der Deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. In seinem Forschungsseminar zur politischen Wirkung und Überzeugung Thomas Manns bearbeitete Alexander Schetter sein Verhältnis zu Deutschland seit der Kapitulation 1945. Nach dem Studium der Tagebücher und unzähligen Briefen fand der Autor zu einem überraschenden Ergebnis. Es kam ein deutlich ambivalentes Verhältnis Manns zu Deutschland zum Vorschein, welches ihn bis zu seinem Tode hin und her riss. Es wird wohl wenige Künstler geben, die an Deutschland so gelitten haben wie Thomas Mann, der trotz aller politischen Äußerungen vor allem eines blieb, der große Humanist seiner Literatur.


Excerpt (computer-generated)

Thomas Mann und das geteilte Deutschland

von: Alexander Schetter

 


Inhalt

1. Einleitung  2

2. Quellen und Literatur  4

3. Das besetzte Deutschland –Beginn des kalten Krieges  5

4. Die Teilung  9

5. SBZ und DDR  12

6. Die Adenauer-Republik  14

6.1. Wiederbewaffnung  16
6.2. Essener Vorschlag 17

7. Nachkriegsliteratur  18

8. Schlussbetrachtung  20

Bibliographie  1

 

1. Einleitung

„Der isolierte Weltbürger, 1949-1951“ nennt Donald A. Prater das achte Kapitel seiner Biographie über Thomas Manni. Er beschreibt damit sehr treffend die Situation des „politischen Menschen“ Thomas Mann nach dem zweiten Weltkrieg. Mann war unter dem Einfluss seiner Familie einer von jenen gewesen, die schon kurz nach der Machtübernahme Adolf Hitlers die Katastrophe vorausgesehen hatten. Er emigrierte mit dem engsten Familienkreis und musste mit ansehen, wie das Volk, das er noch in der Weimarer Republik als das führende Kulturvolk der Welt bezeichnet hatte, zur scheußlichsten Barbarei der Menschheitsgeschichte fähig wurde. Seine herausragende Stellung als weltbekannter Literat und Humanist nutzte er von Beginn an, um in Radiosendungen, Artikeln und Essays an sein Volk zu appellieren und der Welt zu zeigen, dass es auch ein anderes Deutschland gab. Er arbeitete im amerikanischen Exil am „Doktor Faustus“, das Buch, das er später als sein Hauptwerk bezeichnen sollte und 1947 beendete. Darin versuchte Thomas Mann den Weg der Deutschen in den Abgrund, den Pakt mit dem Teufel, als den Weg Deutschlands aus dessen Einsamkeit (der deutschen Innerlichkeit) durch Unterwerfung der Völker, deren Liebe man nicht gewinnen konnte, zu beschreibenii. Als sich nach dem Krieg die Spaltung der Welt in zwei Blöcke abzeichnete und sich in der Teilung Deutschlands manifestierte, weigerte sich Thomas Mann ein Fürsprecher des einen oder des anderen Systems zu werden. Es widersprach seiner humanistischen Gesinnung, vor allem da er auch in den westlichen Demokratien Tendenzen wahrnahm, die er nicht gutheißen konnte. In seiner Wahlheimat Kalifornien wurde es ihm denn auch bald deutlich ungemütlich, obwohl er an seinem Haus und dem milden Klima sehr hing. Das, was wir heute als McCarthy-Ära bezeichnen, deutete sich an. Intellektuelle und Künstler, die sich nicht zum Anti-Kommunismus bekannten, mussten mit Repressalien und Verfolgung rechnen. Thomas Mann ertrug das politische Klima Amerikas nicht mehr, in dem er Züge wiedererkennen wollte, die ihn veranlasst hatten Deutschland zu verlassen. Er, der kurz nach dem Krieg in einem offenen Brief die Rückkehr in seine Heimat ausgeschlossen hatte, musste als alter Mann noch einmal einen Neubeginn wagen. Nach Ende des Krieges konnte er mit Deutschland nichts mehr anfangen, der Gedanke an sein zerstörtes Heimatland bereitete ihm Unbehagen. Es war ihm schon immer „ein eigentümliches, halb peinvolles, halb ehrenvolles Missgeschick, ein Deutscher zu sein.“iii Die unaufhaltsame und ideologisch aufgeladene Teilung widersprach dann vollends seiner Idee der Kulturnation Deutschland. Trotz allem wollte Thomas Mann Deutschland dienen, dem einen Deutschland, das er verraten musste, wenn er sich für einen der beiden Teile entschied. Vor allem in der Forschung zur Weimarer Republik nimmt man Thomas Mann als exemplarisches Beispiel dafür, wie ein Literat der Kaiserzeit und bekennender Nationalist zum vorsichtigen Republikaner wurde. In der Zuerkennungsschrift des Nobelpreiskomitees würdigte man dies neben seinen Leistungen als Schriftsteller. Unter dem Einfluss seiner politisch engagierten Kinder Klaus und Erika wurde Thomas Mann nach Ende der Kaiserzeit ein unbequemer und in Deutschland vielfach ungelittener Weltbürger, und blieb es bis zu seinem Tod. Mann hatte wie viele Künstler seiner Zeit in der Republik der Außenseiter seinen Platz gefunden, wieso konnte er sich nach 1945 mit dem neuen Deutschland nicht anfreunden? Natürlich lehnte er die Teilung ab, im Westen konstituierte sich jedoch eine neue demokratische Republik, deren Verfassung die katastrophalen Erfahrungen der jüngsten Geschichte berücksichtigte. Doch gerade diese erste wirkliche Demokratie auf deutschem Boden lehnte er entschieden ab. Zur offiziell demokratischen und sozialistischen Republik im Osten fand er nie ein ausgewogenes Verhältnis. Auf der einen Seite erkannte er klar das Unrecht, das in der SBZ und dann in der DDR geschah. Andererseits konnte er sich nie zu einer harten Kritik durchringen. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen die Motive und Umstände, welche die Ansichten Thomas Manns zu den beiden Deutschlands prägten.

2. Quellen und Literatur

Einen guten Überblick zum Thema bietet Stephan Stachorskis Quellensammlung Fragile Republik.iv Das ambivalente Verhältnis Thomas Manns zu Nachkriegsdeutschland wird mit einer Fülle von Tagebuch- und Briefauszügen herausgearbeitet. Als Kontrapunkt setzt Stachorski Manns Essays, die eine andere, mildere und überlegte Sprache sprechen. Doch das chronologische Konvolut verzichtet auf Kommentare die zu mehr als dem reinen Textverständ nis dienen. Das ist die Stärke, aber auch die Schwäche des Bandes. Nach eingehendem Studium der Tagebücher vermisst man bei Stachorski politische Passagen zu den letzten Jahren, vor allem die ersten deutlichen Anzeichen von altersbedingten Ausfällen, wie die Kommentare zum Volksaufstand in der DDR.

Thomas Mann leitete schon vor seinem Tod den Erhalt seiner Aufzeichnungen ein. Umfangreiches Material verkaufte er noch kurz vor seiner Emigration nach Europa an die Yale University, vor allem Arbeitsaufzeichnungen, literarische Skizzen und Briefe die sein Werk begleiteten. In seinem Testament hinterließ er der ETH Zürich eine noch größere Sammlungv, darunter auch Tonbandaufnahmen und Druckfahnen. Vor allem die Tagebücher sind eine unschätzbare Quelle, da Thomas Mann, obwohl er zweifellos mit einer Veröffentlichung post mortem gerechnet, ja sie von seiner Größe überzeugt, geradezu erwartet hat, keineswegs eine Kunstfigur hinterließ. Im Übrigen sind Manns Tagebücher nicht nur Zeugnis über das Leben des literarischen Genies, sondern darüber hinaus interessante Dokumente der Zeitgeschichte. Kurz vor der endgültigen Abreise nach Europa 1952 beauftragte er Hilde Kahn, die Tagebücher 1933-1951 zu versiegeln und verfügte, dass diese erst 20 Jahre nach seinem Tod der Öffentlichkeit präsentiert werden sollten. Alle anderen Aufzeichnungen aus den Jahren davor hatte er vernichtet. Allerdings muss das Bild des bis zuletzt produktiven Dichters revidiert, oder im Rahmen dieser Arbeit berücksichtigt werden ( nach der Fertigstellung des Faustus hatte Thomas Mann so manche „Schwere Stunde“, das Arbeiten und Erledigen der täglichen Korrespondenz fiel ihm immer schwerer, und ohne die Hilfe seiner Tochter Erika wären viele der erhaltenen Dokumente wohl nicht zustande gekommen)vi. Eine großzügig editierte Briefauswahl ist von Erika Mann erschienenvii, ihre Verwicklung mag man bewerten wie man will, ein geschöntes Bild bekommt man nicht geboten. Die Tagebuchausgabe von Inge Jens besticht durch einen lückenlosen Anmerkungsteil und eine erweiterte Briefauswahl, wohl auch dank der Zusammenarbeit mit Golo Mann. viii

Die Literatur zu Thomas Manns Leben und Wirken ist bei seiner Bedeutung natürlich umfangreich. Eine Einführung zu Thomas Mann bietet Klaus Schröterix, der seit den 1960ern zu Mann forscht, er bietet ähnlich wie die Fragile Republik eine Biographie in Selbstzeugnissen und Dokumenten. Hermann Kurzke sei hier noch erwähnt, der 2000 eine aktuelle Biographie vorgelegt hat, die aber etwas an einer Psychologisierung krankt.x Zu empfehlen ist seine in Zusammenarbeit mit Stachorski editierte Essaysammlungxi. Nicht ohne Grund aber, wird die Arbeit mit Donald A. Praters Biographiexii eingeleitet. Prater schildert ausführlich auf über 700 Seiten das Leben Thomas Manns und schafft es trotzdem, einen kurzweiligen Lesegenuß zu bereiten. Da spricht kein Richter, sondern ein Berichter aus der langen, noblen Biographentradition der Angelsachsen. Walter A. Berendsohn wagt ein spannendes Experiment, er beschreibt das Leben Manns anhand seiner Werke und deren Spannungsbogen.xiiiZu guter Letzt sei auf Katia Manns Erinnerungen hingewiesen, die immer mit Vorsicht zu genießen sind, aber fraglos einen spannenden Einblick und Perspektivwechsel bieten. xiv

3. Das besetzte Deutschland –Beginn des kalten Krieges

[...]


1 Prater.

2 Vgl. Stachorski, S.9.

3 Vgl. Prater , S.491.

4 Stachorski.

5 TMA.

6 Tb 1953-1955, XII.

7 Br. II & Br. III

8 Tb.

9 Schröter II.

10 Hermann Kurzke, Thomas Mann: Das Leben als Kunstwerk, München, 2000.

11 Walter A. Berendsohn, Thomas Mann, Künstler und Kämpfer in bewegter Zeit, Lübeck, 1965.

12 E IV-E VI.

13 Prater.

14 Katia Mann, Meine ungeschriebenen Memoiren, Frankfurt a. M., 1974.


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