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Autor: Anonym
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Tags: Rolle, Hagens, Nibelungenlied
Jahr: 2001
Seiten: 22
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 133 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12280-1
Textauszug (computergeneriert)
Die Rolle Hagens im Nibelungenlied
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 2
I. Hagen von Tronje - Charakter und Status 3
I.2. Funktion am Königshof 5
I.2.1. Der Berater 6
I.2.2. Der Intrigant
II. Hagens Veränderung im zweiten Teil des Nibelungenlieds 9
II.1. Der scheiternde Intrigant 9
II.2. Der Warnende 11
II.3. Der Held und Heerführer 12
II.3.1. Hagens Verhalten auf der Reise 12
II.3.2. Hagen an Etzels Hof 13
II.3.2.1. Hagens Verhalten Kriemhild gegenüber 13
II.3.2.2. Die Zuspitzung des Konflikts 14
II.3.2.3. Hagens Rolle im Kampf 15
II.3.2.4. Hagens Tod 16
III. Zusammenfassung 17
0. Einleitung
In Hagen von Tronje begegnet uns die vielleicht widersprüchlichste Figur der mittelalterlichen Literatur. Seine Beurteilung spaltet die Leserschaft des Nibelungenliedes in zwei Lager. Die einen bewundern seinen Mut und seine Konsequenz, die sich positiv von der Schwäche und dem Wankelmut der burgundischen Könige abheben und ihn zur stärksten Persönlichkeit an diesem Hof machen. Die anderen sehen in ihm nichts weiter als einen Schurken, den hinterhältigen Mörder Siegfrieds.
In der bildenden Kunst finden sich viele Darstellungen, die dieser negativen Sichtweise Rechnung tragen: Hagen als der Verschlagene, dessen finsteres und heimtückisches Wesen sich nicht nur in seiner Mimik und Gestik (gebückter Gang, grimmiger Blick, heimliche Blicke über die Schulter) sondern auch in seiner meist dunkel gehaltenen Kleidung äußert und ihn somit in starken Kontrast zu Siegfried, der Lichtgestalt, setzt. Zuweilen besteht sogar eine vage Ähnlichkeit Hagens mit dem Urbild des Verräters, Judas. Allerdings zeigt sich der oben angedeutete literaturkritische Dissens in der Interpretation seiner Rolle auch hier: den negativen Darstellungen stehen positive gegenüber, die ihn als "christlichen Ritter" oder als "Inkarnation heroischer und martialischer ‚Tugenden′" zeigen.
Wie soll man diese Uneinigkeit verstehen?
Es braucht nicht eigens erwähnt zu werden, dass viele literarische Figuren nach ihrem ersten Erscheinen in der Literatur von den Schriftstellern späterer Jahrhunderte gerne in den unterschiedlichsten Kontexten und Ausformungen wiederaufgenommen werden. Die neuen Gestaltungen weisen dann aber in aller Regel trotz verschiedener Abweichungen von der Vorlage doch noch einige markante Charakterzüge auf, die an das Vorbild erinnern bzw. dazu dienen, sie einem bestimmten Typus zuzuordnen. Betrachtet man die Beurteilung Hagens in der Rezeption durch die Leser bzw. durch die Künstler, stößt man, wie oben schon erwähnt, auf eine ungewöhnliche Heterogenität. Ist diese dadurch zu erklären, dass die literarische Vorlage, also das Nibelungenlied, in diesem Bereich besonders viel Interpretationsspielraum lässt? Ist Hagen hier etwa ein "Mann ohne Eigenschaften", dessen Figur je nach Belieben in diese oder jene Richtung hin gedeutet werden kann?
Ich möchte im Folgenden die Rolle Hagens im Nibelungenlied darstellen. Dazu soll zunächst seine Funktion am burgundischen Königshof im ersten Teil unter Berücksichtigung seiner charakterlichen Besonderheiten untersucht werden. Danach soll seine Funktion im zweiten Teil erforscht und den vorhergehenden Untersuchungen gegenübergestellt werden. Anschließend wird die Frage nach der Ursache der Widersprüchlichkeit dieser Figur vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Untersuchungen erörtert. Die Einteilung des Nibelungenlieds in einen ersten (bis zum Hortraub nach dem Tod Siegfrieds) und einen zweiten Teil (von der Brautwerbung Etzels bis zum Untergang der Nibelungen) erfolgt in Übereinstimmung mit der gängigen Forschungsliteratur.
I. Hagen von Tronje - Charakter und Status
Hagen von Tronje erscheint bereits der in der ersten aventiure des Nibelungenlieds bei der Einführung der wichtigsten Persönlichkeiten des Burgunderhofes. Sein Name wird in einem Atemzug mit dem der königlichen Gefolgsleute - seinem Bruder Dankwart, Ortwin von Metz, Volker von Alzey und den Grafen Gere und Eckewart - genannt . Er erscheint hier also als bloßer Vasall der burgundischen Herrscher. Im Laufe des Geschehens stellt sich jedoch bald heraus, dass er nicht nur ein wichtiger Berater der Könige ist, auf dessen geistige Fähigkeiten sie angewiesen sind, sondern dass er sogar mit ihnen verwandt ist. Nicht zuletzt dank dieser Bindung genießt er das volle Vertrauen des Königshauses, weshalb Kriemhild ihm als ihrem "mâc" auch das Geheimnis von Siegfrieds Verwundbarkeit anvertraut . Ausschlaggebend für seine Sonderstellung am Hof sind aber vor allem seine strategische Begabung und sein Wissen.
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