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"Keine Liebe ist heiliger als die Liebe zum Vaterland" - Der Film Kolberg als Mittel der Propaganda

Hauptseminararbeit, 2004, 23 Seiten
Autor: Angela Kobelt
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V37007
ISBN (E-Book): 978-3-638-36481-2
ISBN (Buch): 978-3-638-84302-7
Dateigröße: 305 KB

Zusammenfassung / Abstract

Am 30. Januar 1945, dem zwölften Jahrestag von Hitlers Machtübernahme, hatte der Film Kolberg im U-Boot Hafen La Rochelle vor deutschen Soldaten Premiere. Weil die sogenannte „Atlantikfestung“ zu diesem Zeitpunkt schon völlig von alliierten Truppen eingeschlossen war, mußten die Filmrollen am Fallschirm über der belagerten Stadt abgeworfen werden. La Rochelle war nicht ohne Grund als Premierenort gewählt worden, geht es in Kolberg doch um das Schicksal einer belagerten Stadt, deren hartnäckiger Widerstand schließlich den Sieg über die zahlenmäßig überlegenen Angreifer bringt. Die Handlung des Filmes trug daher nicht nur Symbolcharakter für die umkämpfte Stadt La Rochelle, sondern für die Lage, in der sich ganz Deutschland am Beginn des Jahres 1945 befand. Regisseur von Kolberg war Veit Harlan. Propagandaminister Goebbels hatte ihm den Auftrag gegeben, einen Film zu machen, der ganz im Dienste der „geistigen Kriegsführung“ stehen sollte. Am 7. Mai 1943 ließ Goebbels in sein Tagebuch notieren: "In diesem Film soll Harlan ein Beispiel des Mannesmuts und der Widerstandskraft einer Bürgerschaft auch unter verzweifelten Verhältnissen geben. Dieser Film wird vor allen in den Luftkriegsgebieten eine große Lehre darstellen. Er soll ganz auf historische Tatsachen aufgebaut werden. Harlan, der sich zuerst gegen den Film gesträubt hatte, weil er den Beethoven- Film machen wollte, ist jetzt ganz Feuer und Flamme. Er hat in acht Tagen ein glänzendes Exposé zusammengebracht und will Ende Juli schon ins Atelier gehen. Die Premiere des Films verspricht er mir für Weihnachten. Dann werden wir ihn wahrscheinlich gut gebrauchen können." Das Ziel war also klar und deutlich formuliert, und das, obwohl Goebbels noch 1941 vor der Reichsfilmkammer gesagt hatte: „... das ist die beste Propaganda, die sozusagen unsichtbar wirkt, das ganze Leben durchdringt, ohne daß das öffentliche Leben überhaupt von der Initiative der Propaganda irgendeine Kenntnis hat.“Diese Zeiten waren nun vorbei, nie zuvor war Historie so direkt und unverblümt in den Dienst der Propaganda gestellt worden, wie es bei Kolberg der Fall war. In der Beschäftigung mit Kolberg wird der Film oft nur auf diese propagandistische Funktion reduziert. In der vorliegenden Arbeit möchte ich deshalb auf einige Elementen von Kolberg aufmerksam machen, die sich gegen eine Verwertung für propagandistische Zwecke sperren, und die teilweise sogar im offenen Widerspruch zu der von Goebbels gewünschten Wirkung stehen.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Leipzig

Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften
Institut für Theaterwissenschaft

„Keine Liebe ist heiliger als die Liebe zum Vaterland“

— Der Film Kolberg als Mittel der Propaganda —

Wissenschaftliche Hausarbeit von:

Angela Kobelt

 

 

Vorbemerkung

Der Film Kolberg wurde unmittelbar nach Kriegsende von den Alliiertenverboten. Im Jahr 1965 kam der Film „Der 30. Januar 1945“ in die Kinos. Bei diesem handelte es sich um eine Fassung von Kolberg, die von dem Filmemacher Erwin Leiser durch die Einfügung von Wochenschauberichten und eines Off- Kommentars ergänzt worden war. Obwohl offiziell immer noch verboten, wurde der Film am 22. 3. 1998 vom Fernsehsender ARTE ausgestrahlt. Leider ist es mir nicht gelungen, eine Kopie der ARTE-Sendung zu beschaffen.

Der vorliegenden Arbeit liegt die DVD-Kopie eines Videomitschnitts der Fassung von Erwin Leiser zugrunde. Allerdings sind die eingefügten Wochenschauberichte – wahrscheinlich vom Verkäufer der DVD, den ich via Internet kennen gelernt habe – herausgeschnitten worden. Ebenfalls nicht vorhanden ist der Abspann des Filmes. Die DVD hat eine Gesamtlänge von 103 Minuten und 15 Sekunden, da mir die genaue Länge des Original-Abspannens nicht bekannt ist, kann es also möglich sein, daß noch weitere Szenen fehlen.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung  2

Entstehung und Entwicklung des Kolberg-Motives 4


Historischer Hintergrund  4

Literarische Tradition  6

Entstehung und Produktion des Filmes  8


Kolberg wird in Auftrag gegeben  8

Handlung des Filmes  9

Produktionsbedingungen  11

Die Forderungen, die der Film zu erfüllen hatte  13

Was wollte Goebbels?  13


Propaganda  13

Geschichtstreue  17

Liebesgeschichte  18

Schlußwort  20

Literaturverzeichnis  21

Anhang: Die wichtigsten Produktionsteilnehmer

 

 

Einleitung

Am 30. Januar 1945, dem zwölften Jahrestag von Hitlers Machtübernahme, hatte der Film Kolberg im U-Boot Hafen La Rochelle vor deutschen Soldaten Premiere.1 Weil die sogenannte „Atlantikfestung“ zu diesem Zeitpunkt schon völlig von alliierten Truppen eingeschlossen war, mußten die Filmrollen am Fallschirm über der belagerten Stadt abgeworfen werden.

La Rochelle war nicht ohne Grund als Premierenort gewählt worden, geht es in Kolberg doch um das Schicksal einer belagerten Stadt, deren hartnäckiger Widerstand schließlich den Sieg über die zahlenmäßig überlegenen Angreifer bringt. Die Handlung des Filmes trug daher nicht nur Symbolcharakter für die umkämpfte Stadt La Rochelle, sondern für die Lage, in der sich ganz Deutschland am Beginn des Jahres 1945 befand.

Regisseur von Kolberg war Veit Harlan. Propagandaminister Goebbels hatte ihm den Auftrag gegeben, einen Film zu machen, der ganz im Dienste der „geistigen Kriegsführung“2 stehen sollte. Am 7. Mai 1943 3  ließ Goebbels in sein Tagebuch notieren:


In diesem Film soll Harlan ein Beispiel des Mannesmuts und der Widerstandskraft einer Bürgerschaft auch unter verzweifelten Verhältnissen geben. Dieser Film wird vor allen in den Luftkriegsgebieten eine große Lehre darstellen. Er soll ganz auf historische Tatsachen aufgebaut werden. Harlan, der sich zuerst gegen den Film gesträubt hatte, weil er den Beethoven- Film machen wollte, ist jetzt ganz Feuer und Flamme. Er hat in acht Tagen ein glänzendes Exposé zusammengebracht und will Ende Juli schon ins Atelier gehen. Die Premiere des Films verspricht er mir für Weihnachten. Dann werden wir ihn wahrscheinlich gut gebrauchen können.4

Bekanntermaßen gelang es Harlan nicht, sein Versprechen wahr zumachen. Die Premiere von Kolberg verzögerte sich um mehr als ein Jahr. Aber schon bevor der Film das erste Mal der Öffentlichkeit gezeigt wurde, konnten über seine Intentionen keine Zweifel bestehen. Veit Harlan hatte die Vorgaben Goebbels beherzigt; bereits im Dezember 1943 sagte der Regisseur auf einer Pressekonferenz: „Ich will dem Publikum von heute das Heldentum seiner Vorfahren vor Augen führen, will ihm sagen: Aus diesem Kern seid Ihr geboren, und mit dieser Kraft, die Ihr von Euren Ahnen ererbt habt, werdet Ihr auch heute den Sieg erringen. Das Volk soll die Kraft bekommen, es seinen Vätern gleich zu tun.“5

Das Ziel war also klar und deutlich formuliert, und das, obwohl Goebbels noch 1941 vor der Reichsfilmkammer gesagt hatte: „... das ist die beste Propaganda, die sozusagen unsichtbar wirkt, das ganze Leben durchdringt, ohne daß das öffentliche Leben überhaupt von der Initiative der Propaganda irgendeine Kenntnis hat.“6 Diese Zeiten waren nun vorbei, nie zuvor war Historie so direkt und unverblümt in den Dienst der Propaganda gestellt worden, wie es bei Kolberg der Fall war.7 In der Beschäftigung mit Kolberg wird der Film oft nur auf diese propagandistische Funktion reduziert. Im Jahr 1981 stellte Siegfried Zielinski in einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema fest, daß die Auseinandersetzung mit Veit Harlan in der filmhistor ischen Literatur der Bundesrepublik bisher „recht spärlich“ ist.8 Zwar hat in der Zwischenzeit der Filmjournalist Frank Noack eine umfangreiche Harlan-Biographie veröffentlicht,9 aber im wesentlichen hat sich am Wahrheitsgehalt dieses Postulates nichts geändert.

Deshalb möchte ich in der vorliegenden Arbeit auf einige Elementen von Kolberg aufmerksam machen, die sich gegen eine Verwertung für propagandistische Zwecke sperren, und die teilweise sogar im offenen Widerspruch zu der von Goebbels gewünschten Wirkung stehen.

Um die nötigen Voraussetzungen für eine Beschäftigung mit dieser Aufgabenstellung zu schaffen, werde ich im ersten Teil der Arbeit zunächst die Tatsachen schildern, die über die historische Belagerung Kolbergs bekannt sind. Im Anschluß daran werde ich anhand einiger Beispiele belegen, daß das geschichtliche Ereignis schnell

Entstehung und Entwicklung des Kolberg-Motives


Historischer Hintergrund

Nachdem die preußische Armee bei Jena und Auerstedt von den Truppen Napoleons geschlagen worden war, waren die Franzosen am 27. Oktober 1806 in Berlin einmarschiert und hielten große Teile Preußens besetzt. Aber trotz dieser Serie von Niederlagen weigerte sich der preußische König, einen Waffenstillstand zu unterzeichnen. 10

In den letzten Kriegswochen leisteten noch drei preußische Festungsstädte Widerstand gegen die Franzosen: Graudenz, Danzig und Kolberg.11 Die Küstenstadt Kolberg wurde seit März 1807 von französischen Truppen belagert. Der 65 Jahre alte Militärkommandant der Stadt – Oberst Locadou – geriet zunehmend in Konflikt mit den Einwohnern, denn er unternahm kaum etwas, um die desolaten Verteidigungsanlagen in stand zu setzen. Es gab nur wenig Munition und kaum brauchbare Geschütze in der belagerten Stadt, auch fehlte es an Werkzeug für den Bau der Verteidigungsanlagen. Sein Hauptkritiker war der Bürgerrepräsentant Nettelbeck, der auf eigene Faust und aus eigener Tasche den Aufbau der Verteidigung vorantrieb. Unterstützt wurde er dabei von Ferdinand von Schill, dem Kommandeur eines Freicorps, der häufig Überraschungsangriffe auf die französischen Stellungen unternahm.12

[...]


1 Vgl. Harlan (1966), S. 194.

2 Brief Goebbels an Harlan vom 1. Juni 1943, abgedruckt in: Harlan (1966), S. 183. Vgl. auch S. 8f. in der vorliegenden Arbeit.

3 Die Arbeiten an den Film begannen also schon bevor Goebbels am 1. Juni 1943 den offiziellen Auftrag erteilte.

4 Zit. nach Moeller (1998), S. 298.

5 Film-Kurier vom 21. 12. 1943, zit. nach Wulf (1989), S. 397.

6 Zit. nach Leiser (1989), S. 112.

7 Vgl. Donner (1995), S. 119.

8 Vgl. Zielinski (1981), S. 83.

9 Frank Noack: Veit Harlan. „Des Teufels Regisseur“, München 2000.

10 Vgl. Courtade / Cadars (1975), S. 217.

11 Vgl. Gudzent (1987), S. 15.

12 Vgl. Gudzent (1987), S. 17.


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