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Details

Veranstaltung: Bio- und Medizinethik. Problemstellungen, Grenzziehungen und Paradigmenwechsel im Christentum, Islam und Judentum
Institution/Hochschule: Universität Erfurt (Philosophische Fakultät)
Tags: Recht, Leben, Bio-, Medizinethik, Problemstellungen, Grenzziehungen, Paradigmenwechsel, Christentum, Islam, Judentum
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 234 KB
Archivnummer: V37011
ISBN (E-Book): 978-3-638-36484-3
ISBN (Buch): 978-3-638-82414-9
Anmerkungen :
Rechtfertigung von Euthanasie nach der Argumentation Peter Singers

Zusammenfassung / Abstract

Abtreibung und Euthanasie sind zwei Themen, die zum Einem kontrovers diskutiert werden, da es die unterschiedlichsten Meinungen dazu gibt, zum Anderen werden sie aber auch all zu gern tot geschwiegen. Zwar hat das Thema Abtreibung in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen Sprung in die gesellschaftliche Diskussion geschafft, aber Euthanasie will nicht so recht in unser Bild der hoch entwickelten Gesellschaft hineinpassen, behandelt es doch Bereiche, die mit Krankheit, Leid und Schmerzen zu tun haben. Es ist absolut notwendig, dass darüber geredet wird, wie man Menschen (welchen Alters auch immer) helfen kann, die keine Aussicht auf Heilung haben können und unter schmerzhaftesten Bedingungen leben müssen. Praktiken, die heutzutage durchgeführt werden um einen zumindest schnelleren Tod herbeizuführen, wie die passive Sterbehilfe, befinden sich nach wie vor im Graubereich der Illegalität, sodass Jeder, der sich an ihnen beteiligt, Gefahr läuft dafür belang zu werden. Auch das so viel beschworene Patiententestament bringt zum heutigen Zeitpunkt keine Sicherheit auf humanes Sterben, da auch die Ärzte nicht zu hundert Prozent darauf bauen können straffrei auszugehen, wenn ein solches Schreiben vorliegt. In seinem Buch „Praktische Ethik“ geht Peter Singer auf diese Themen ein, indem er auf rationale Weise zu beschreiben versucht, warum und in welchen Fällen Euthanasie gerechtfertigt ist bzw. gerechtfertigt sein muss. Dabei entwickelt er neue Ansätze auf der Basis des Präferenzutilitarismus, um alten, konservativen Argumenten entgegensteuern zu können bzw. die bisherigen liberalen Ansätze zu korrigieren. In dieser Arbeit soll es hauptsächlich um das Thema Euthanasie und Singers spezielle Sichtweise auf die Tötung behinderter Säuglinge gehen, da dies diejenigen Punkte sind, die den moralischen Auffassungen unserer Gesellschaft am meisten widerstreben dürften. Es soll geprüft werden, wie er (auf rationalen Weg) zu seinen Anschauungen kommt und ob das, was er als Ergebnisse vorzulegen hat tatsächlich brauchbar ist, um die Diskussion um Euthanasie zu bereichern.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Erfurt
Philosophische Fakultät

Seminar: Bio- und Medizinethik. Problemstellungen, Grenzziehungen und Paradigmenwechsel im
Christentum, Islam und Judentum – Studium Fundamentale

Wer hat ein Recht auf Leben?
Rechtfertigung von Euthanasie
nach der Argumentation Peter Singers

Selbstständige Hausarbeit Wintersemester 2004/2005
Marko Tomasini

Fachrichtung: Religionswissenschaft/Kommunikationswissenschaft; 5. Fachsemester

 

 

Inhalt:

1. Einleitung S. 03

2. Ethik allgemein S. 03
2.1 Utilitarismus S. 04
2.2 Ethik bei Peter Singer S. 06

3. Praktische Ethik S. 07
3.1 Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung S. 08
3.2 Unterschied „Person“ und Mitglied der Spezies homo sapiens S. 09
3.3 Das Töten von Personen S. 10
3.4 Der Embryo und der Fötus – Abtreibung S. 11
3.5 Infantizid S. 13
3.6 Euthanasie S. 13

4. Problematiken S. 15
4.1 Tötung von gesunden Säuglingen? S. 15
4.2 Euthanasie für die Eltern? S. 16
4.3 Das Problem der Potentialität S. 17
4.4 Kritikzusammenfassung S. 18

5. Resümee S. 18

 

 

1. Einleitung

Abtreibung und Euthanasie sind zwei Themen, die zum Einem kontrovers diskutiert werden, da es die unterschiedlichsten Meinungen dazu gibt, zum Anderen werden sie aber auch all zu gern tot geschwiegen. Zwar hat das Thema Abtreibung in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen Sprung in die gesellschaftliche Diskussion geschafft, aber Euthanasie will nicht so recht in unser Bild der hoch entwickelten Gesellschaft hineinpassen, behandelt es doch Bereiche, die mit Krankheit, Leid und Schmerzen zu tun haben.

Es ist absolut notwendig, dass darüber geredet wird, wie man Menschen (welchen Alters auch immer) helfen kann, die keine Aussicht auf Heilung haben können und unter schmerzhaftesten Bedingungen leben müssen. Praktiken, die heutzutage durchgeführt werden um einen zumindest schnelleren Tod herbeizuführen, wie die passive Sterbehilfe, befinden sich nach wie vor im Graubereich der Illegalität, sodass Jeder, der sich an ihnen beteiligt, Gefahr läuft dafür belang zu werden. Auch das so viel beschworene Patiententestament bringt zum heutigen Zeitpunkt keine Sicherheit auf humanes Sterben, da auch die Ärzte nicht zu hundert Prozent darauf bauen können straffrei auszugehen, wenn ein solches Schreiben vorliegt.

In seinem Buch „Praktische Ethik“ geht Peter Singer auf diese Themen ein, indem er auf rationale Weise zu beschreiben versucht, warum und in welchen Fällen Euthanasie gerechtfertigt ist bzw. gerechtfertigt sein muss. Dabei entwickelt er neue Ansätze auf der Basis des Präferenzutilitarismus, um alten, konservativen Argumenten entgegensteuern zu können bzw. die bisherigen liberalen Ansätze zu korrigieren. In dieser Arbeit soll es hauptsächlich um das Thema Euthanasie und Singers spezielle Sichtweise auf die Tötung behinderter Säuglinge gehen, da dies diejenigen Punkte sind, die den moralischen Auffassungen unserer Gesellschaft am meisten widerstreben dürften. Es soll geprüft werden, wie er (auf rationalen Weg) zu seinen Anschauungen kommt und ob das, was er als Ergebnisse vorzulegen hat tatsächlich brauchbar ist, um die Diskussion um Euthanasie zu bereichern.

2. Ethik allgemein

Im allgemeinen Sprachgebrauch oft miteinander verwechselt, stellen Moral und Ethik zwei verschiedene Begrifflichkeiten dar. Moral oder auch moralisches Handeln meint nichts weiter, als einen normativen Grundrahmen für das Verhalten der Menschen gegenüber ihren Mitmenschen, der Natur und sich selbst.1 Dabei handelt es sich um gesellschaftlich verankerte Wertvorstellungen und Handlungsanweisungen, welche das Zusammenleben regulieren und im allgemeinen anerkannt sind. Moral kann (und ist) von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich sein und stellt eine Art Charakteristikum der Gesellschaft oder einer Gruppe dar. Über die Moral kann man sich als fremd oder dazugehörig definieren.2

Demgegenüber ist Ethik kein feststehendes Gebilde, sondern eine Art Kontrollmechanismus der sich verändernden Gesellschaft, welcher bestehende Moral kritisch prüft (normative Ethik), beschreibt (deskriptive Ethik) oder legitimiert (Metaethik) und gegebenenfalls ändert oder anpasst. Ethik ist zum Einen ein ständiger Prozess, da bestehende Moral nie endgültig sein kann. Zum Anderen ist Ethik vor allem dann gefragt, wenn Legitimationsformen der Moral ihre Gültigkeit verlieren und so neue Grundlagen für das menschliche Zusammenleben gefunden werden müssen. Man denke an politische Umbrüche (in Deutschland 1918, 1945, 1989) oder an „explosive“ Erfolge der Wissenschaft, die transzendente Legitimationen überflüssig machen.

2.1 Utilitarismus

Utilitarismus ist eine rational-empirische Form der Ethik, welche sich im Gegensatz zur Pflichtenethik (z.B. dem kategorischen Imperativ von Kant) nicht an der Handlung oder dem Handelnden orientiert, sondern immer die Folgen von Handlungen betrachtet. Dabei gilt (als grobe Umschreibung), dass der Nutzen einer Handlung danach bemessen wird, inwieweit sie für das Glück aller von ihr Betroffenen förderlich ist.3 Daraus folgt, dass es keine grundsätzlich guten oder schlechten Handlungen gibt, sondern, dass eine Handlung, welche nach unseren Moralvorstellungen gut ist, in gewissen Situationen auch schlecht sein kann. Man denke an das berühmte Beispiel, dass eine Lüge durchaus moralisch gut sein kann, wenn man Flüchtlinge vor einem autoritären Regime versteckt. Der Utilitarismus ist also stark situationsbezogen, aber auf die Zukunft ausgerichtet.4 Dabei lehnt der Utilitarismus jeden Paternalismus oder transzendente Abhängigkeit ab.5 Als diejenigen Utilitaristen, welche versuchten den Utilitarismus weg von einer erklärenden Theorie hin zu einer normativen Ethik zu bringen sind Jeremy Bentham und John Stuart Mill zu nennen. Für Bentham ist der Mensch unter die „Herrschaft zweier souveräner Herren gestellt“: Freude und Schmerz6. Im Hinblick auf diese zwei Herren richtet der Mensch sein Handeln aus, indem er den Schmerz so weit als möglich zu minimieren und die Freude so weit als möglich zu maximieren versucht. Dieses Streben nach Freude nennt Bentham „mechanistische Assoziationspsychologie“; es ist also die Assoziation der Lust, die uns etwas erstreben lässt und die Assoziation des Schmerzes, die uns von etwas abhält.7 Schlussendlich richtet sich bei Bentham der Nutzen einer (oder mehrerer) Handlung(en) rein an der Quantität des Glücks aus: das größtmögliche Glück bei der größtmöglichen Zahl von Menschen.

Mill bringt neben der Quantität des Glücks auch die Komponente der Qualität in die Beurteilung des Nutzens einer Handlung mit ein. Nicht nur Dauer und Intensität von Glück, sondern auch das mehr oder weniger von Lust, wird ausschlaggebend. Dabei unterscheidet er zwischen der „niederen“, sinnlichen Lust und der „höheren“, geistigen Lust, welche nur dem höher entwickelten Menschen zur Verfügung steht und die ihm vom Tier unterscheidet.8 Diese höhere geistige Lust wird dem Menschen zwar immer wieder vor Augen führen, dass er und die Welt in der er sich befindet unvollkommen ist und somit wird sich immer auch Unzufriedenheit im Menschen breit machen. Dennoch sagt er dass es besser sei ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein. 9

Ein letzter wesentlicher Aspekt sollte bei Mill noch erwähnt werden: Mill akzeptiert, dass der Mensch unmöglich in der Lage ist, jede Folge seiner Handlungen voraussehen zu können, so dass er dem höchsten utilitaristischen Prinzip auch sogenannte Sekundärregeln beiseite stellt. Das bedeutet, dass es für Mill allgemein gültige moralische Handlungsanweisungen gibt, die sich vor allem auf sich ständig wiederholende, alltäglich Handlungen beziehen und mit den herkömmlichen Moralansichten übereinstimmen.10 Diese Form des Utilitarismus, der „Regelutilitarismus“, wird auch von Peter Singer vertreten11, was aber unweigerlich zu der Frage führt, wer diese Regeln aufstellt und welche Handlungen dabei gemeint sind.

[...]


1 Vgl. Höffe, Otfried S. 162

2 Vgl. ebd. S. 163

3 Vgl. Rohls, Jan S.374

4 Vgl. Mo`n, Ryszard in Boloz, Wojciech u. Höver, Gerhart S. 34

5 Zumindest in den Grundzügen, Für J.S. Mill und auch für Singer sind paternalistische Einschränkungen durchaus denkbar - Vgl. Mill, John Steward S. 103f. u. Singer, Peter S. 255

6 Vgl. Rohls, Jan S.374

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd. S. 347

9 Vgl. ebd. S. 348

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. Singer, Peter S. 30 u. 126f.

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