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Die Reflexion von Identität in Hermann Hesses "Steppenwolf"

Magisterarbeit, 2003, 88 Seiten
Autor: Julia Kahl
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 88
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 63  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V37019
ISBN (E-Book): 978-3-638-36489-8
ISBN (Buch): 978-3-638-70508-0
Dateigröße: 446 KB

Zusammenfassung / Abstract

Ausgehend von der These, dass der „Steppenwolf“ eine Identitätskrise darstellt, soll in der vorliegenden Arbeit geklärt werden, auf welche Weise sich die krisenhafte Identität des Protagonisten konkretisiert. Dazu ist es notwendig, vor dem Hauptteil zunächst einmal die Begrifflichkeit „Identität“ zu klären, um eine Basis für die Analyse zu schaffen. Im Anschluss werde ich mein Augenmerk auf die besondere Komposition des Romans, die auch auf das Geschehen wirkt, legen und im jeweiligen Kontext auf den psychoanalytischen Einfluss verweisen, weil er für das Verständnis des Romans von zentraler Bedeutung ist. Dabei werde ich mich weitgehend auf die Lehre C. G. Jungs beschränken, da der Psychologe selbst sowie sein Schüler J. B. Lang mit Hesse in persönlichen Kontakt standen und nachweislich in Gesprächen und durch Lektüre das Werk des Autors prägten. Des Weiteren sollen Figurenlage und Schlüsselsymbole, wie etwa das des ständig wiederkehrende Spiegelmotivs, untersucht werden und zudem beleuchtet werden, inwiefern die Handlungsträger als Teilidentitäten Harry Hallers und letztendlich des Autors Hermann Hesse selbst angesehen werden können. Diesbezüglich werde ich im dritten Teil die Biographie Hesses unter verschiedenen Gesichtspunkten veranschaulichen, um daraus ein Resümee zu seinem Werk zu ziehen. Bei der Breite der Literatur zu Hesse, auf die ich im Laufe meiner Recherchen stieß, scheint es mir verwunderlich, dass die Thematik der Identität in seiner Romanwelt zwar stets eine Rolle spielt, doch nie explizit die Fragestellung bestimmt. So fand ich zahlreiche brauchbare Anhaltspunkte, welche auszuformulieren und weiterzudenken Ziele dieser Arbeit darstellen werden.


Textauszug (computergeneriert)

Institut für deutsche Philologie

Die Reflexion von Identität in Hermann Hesses „Steppenwolf“

Freie wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Magister
an der
Ludwig- Maximilians-Universität München

vorgelegt von

Julia Kahl

Sommersemester 2003

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Reflexion von Identität in Hermann Hesses „Steppenwolf“

1. Eine begriffliche Fassung von Identität

2. Der „Steppenwolf“
2.1 Perspektiven
2.1.1 Das Vorwort des Herausgebers
2.1.2 Die Aufzeichnungen Hallers
2.1.3 Der „Tractat vom Steppenwolf“
    a) Die Thematisierung der Ich-Krise
    b) Lösungswege
    c) Das Humorprinzip
2.1.4 Fortsetzung der Aufzeichnungen
2.1.4.1 Seelenbilder Hallers
    a) Hermine
    b) Maria
    c) Pablo
2.1.4.2 Leitmotive
    a) Bürgertum, Steppenwölfe und die Unsterblichen
    b) Das Motiv des Spiegels
2.1.4.3 Identitätsspiele
    a) Der Maskenball
    b) Das Magische Theater

3. Weitere Reflexionen von Identität in Bezug auf Hesses Biographie
3.1 Biographische Analogien
3.2 Die Krankheit der Zeit
3.3 Die Bedeutung der Psychoanalyse
3.4 Der Glaube Hesses
3.5 Rezeptionsgeschichte

III. Nachbetrachtung

IV. Anhang

Literaturverzeichnis

 

I. Einleitung


„Nicht jedem Individuum ist es gegeben, eine Persönlichkeit zu werden, die meisten bleiben Exemplare und kennen die Nöte der Individualisierung gar nicht. Wer sie aber kennt und erlebt, der erfährt auch unfehlbar, daß diese Kämpfe ihn mit dem Durchschnitt, dem normalen Leben, dem Hergebrachten und Bürgerlichen in Konflikt bringen.“ 1

Hauptmotiv des Werkes Hermann Hesses ist die Identitätssuche als Bestrebung des Protagonisten seinen angemessenen Platz im Gefüge zu finden. Die Parallelen zwischen Hesses Thematisierung der Selbstfindung und der Psychologie Carl Gustav Jungs sind in diesem Kontext deutlich erkennbar. Hesses Suche nach dem eigenen Ich bezeichnet Jung als den „Heilsweg der Individuation“. Trotzdem meinen beide dasselbe: das Streben des Menschen nach Einheit mit sich selbst in der Selbstverwirklichung.
Am Beispiel Harry Hallers im „Steppenwolf“ behandelt der Autor eine Identitätskrise, die sich darin äußert, dass der Protagonist unter der Spaltung in zwei widersprüchliche Teilidentitäten leidet. Da er innerhalb völliger Resignation in der Entfaltung seiner Persönlichkeit stagniert, scheint eine Weiterentwicklung zunächst völlig aussichtslos und wird im Laufe der Handlung erst ins Rollen gebracht als Haller auf seine Seelenbilder trifft.
Bei der Breite der Literatur zu Hesse, auf die ich im Laufe meiner Recherchen stieß, scheint es mir verwunderlich, dass die Thematik der Identität in seiner Romanwelt zwar stets eine Rolle spielt, doch nie explizit die Fragestellung bestimmt. So fand ich zahlreiche nützliche Anhaltspunkte, welche auszuformulieren und weiterzudenken Ziele dieser Arbeit darstellen werden. Ausgehend von der These, dass der „Steppenwolf“ eine Identitätskrise darstellt, wird zu klären sein, auf welche Weise sich die krisenhafte Identität Hallers konkretisiert. Dazu ist es notwendig, vor dem Hauptteil zunächst einmal die Begrifflichkeit zu klären, um eine Basis für die Analyse zu schaffen. Im Anschluss werde ich mein Augenmerk auf die besondere Komposition des Romans, die auch auf das Geschehen wirkt, legen und im jeweiligen Kontext auf den psychoanalytischen Einfluss verweisen, da er für das Verständnis des Romans von zentraler Bedeutung ist. Dabei werde ich mich weitgehend auf die Lehre C. G. Jungs beschränken, da Hesse selbst mit ihm in persönlichem Kontakt stand und die Werke des Psychologen aufschlussreiche Hinweise für ihn geboten haben. Des weiteren sollen Figurenlage und Schlüsselsymbole wie etwa das ständig wiederkehrende Spiegelmotiv, untersucht werden und es soll beleuchtet werden, inwiefern die Handlungsträger als Teilidentitäten Harry Hallers und letztendlich des Autors Hermann Hesse selbst angesehen werden können. Diesbezüglich werde ich im dritten Teil die Biographie Hesses unter verschiedenen Gesichtspunkten veranschaulichen, um daraus ein Resümee zu seinem Werk zu ziehen.

II. Die Reflexion von Identität in Hermann Hesses „Steppenwolf“

1. Eine begriffliche Fassung von „Identität“
Da die Problematik der Identität im Mittelpunkt dieser Arbeit steht, ist es sinnvoll, am Anfang die Terminologie von „Identität“ zu klären, um eine begriffliche Grundlage zu bereiten.
Der Begriff „Identität“ hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort „idem“ (derselbe) und bedeutet „vollständige Übereinstimmung“. Dessenungeachtet ist für meine Untersuchung die psychologische Komponente des Begriffes vonnöten. Das Psychologische Wörterbuch stellt hierzu fest: „In der Psychologie ist Identität das Fortbestehen eines anschaulich Abgesonderten in Raum und Zeit.“2 Wer Identität besitzt, gehört also sich selbst und hat das Erlebnis, derselbe zu sein und zu bleiben.

Jeder Mensch hat eine Identität, also eine Vorstellung dessen, was er ist. Der Philosoph und Psychologe William J. James hat in seinen „Principles of Psychology“3 von 1890 definiert, dass sich die menschliche Identität aus drei Komponenten zusammensetzt: dem materiellen, dem geistigen und dem sozialen Selbst. Das materielle Selbst wird nach James aus dem Körper gebildet, das geistige Selbst setzt sich aus den Fähigkeiten sowie Kenntnissen des Menschen zusammen und das soziale Selbst resultiert aus der Beachtung, die dem Individuum durch seine Mitmenschen zuteil wird. Daraus ergibt sich, dass jeder Mensch soziale Anerkennung benötigt, um sich eine Identität aufzubauen. Die eigene Identität ist dabei abhängig von den Reaktionen und Verhaltensweisen der Mitmenschen sowie vom Vergleich mit der eigenen Vergangenheit und Zukunft.4 Die zum Aufbau eines Selbst benötigte Bestätigung wird also erst im Erleben und Erkennen des sozialen Umfeldes erfahren.

[...]


1 Hermann Hesse an Marie-Louise Dumont, Februar 1929. In: Hesse, Hermann: Gesammelte Briefe, Band 2, S. 210.

2 Dorsch, Friedrich (Hg.): Psychologisches Wörterbuch, Bern 1994, S. 340.

3 Vgl. DeLevita, D.J.: Der Begriff der Identität, Frankfurt a. M. 1971, S. 45 ff.

4 Vgl. Haußer, Karl: Identitätspsychologie, Berlin/Heidelberg 1995, S. 3.


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