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Autor: Daniel Heuer
Fach: Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache
Details
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg (Angewandte Kulturwissenschaften)
Tags: Nachrichtenwert-Theorie, Modell, Selektionsentscheidungen, Kommunikation, Medien, Einführung, Theorie, Geschichte
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 182 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-36520-8
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Nachrichtenwert-Theorie. Im Forschungsteil wird ferner die aktuelle "Schiedsrichter-Affäre 'Hoyzer'" vor dem Hintergrund journalistischer Selektionsentscheidungen beleuchtet.
Textauszug (computergeneriert)
Die Nachrichtenwert-Theorie - Ein Modell journalistischer
Selektionsentscheidungen
von: Daniel Heuer
3. Semester
Inhalt
1. Einleitung 5
2. Die Nachrichtenauswahl der Massenmedien 6
2.1. Die Notwendigkeit der Nachrichtenauswahl 6
2.2. Abgrenzung der Nachrichtenwert-Theorie zu anderen Forschungstraditionen 6
3. Die Nachrichtenwert-Theorie 7
3.1. Die Grundidee: Walter Lippmann 7
3.2. Die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie in Amerika 7
3.3. Die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie in Europa 8
3.3.1. Einar Östgaard 8
3.3.2. Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge 10
3.3.2.1. Der Nachrichtenfaktorenkatalog von Galtung und Ruge 10
3.3.2.2. Die fünf Hypothesen über das Zusammenwirken der Nachrichtenfaktoren 11
3.3.2.3. Die Überprüfung der Komplementaritätshypothese: Vier Feststellungen 12
3.3.3. Folgestudien und Akzeptanz 12
4. Kritiker der Nachrichtenwert-Theorie und Anfänge einer Verbesserung 14
4.1. Winfried Schulz 14
4.2. Karl Erik Rosengren 15
5. Forschungsteil: Wie wurde der Fußballwettbetrugsskandal zum Medienthema? 16
5.1. Die Erfüllung der Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge 16
5.2. Die Einbindung des Ereignisses in einen Gesamtkontext 17
5.3. Weitere Einflüsse auf die Berichterstattung der Medien 17
6. Schluss 19
7. Literaturverzeichnis 21
7.1. Literatur 21
7.2. Zeitschriften, Gesetzestexte 21
„News and truth are not the same thing, and must be clearly distinguished.”1
1. Einleitung
In Artikel 5 der Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland vom 23.5.1949 wird Meinungsfreiheit als wesentliches Merkmal unserer Demokratie festgeschrieben. Das Recht, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, 2 ist dem Gesetzgeber aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands derart wichtig, dass es sich hierbei sogar um ein Grundrecht [!] handelt. Das Angebot „allgemein zugängliche[r] Quellen“ übersteigt heute im Zuge mehrdimensionaler Mediennutzung bei weitem die zur Verfügung stehende Publikationskapazität traditionaler Medien. Sendezeiten sind kostspielig und knapp, und auch der Umfang von Printerzeugnissen ist nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich (Druckkosten) begrenzt. Aus dem garantierten Recht auf freiheitliche Meinungsäußerung leitet sich als Erfolgsformel daher auch die Verpflichtung der Produzenten ab, richtige Entscheidungen bei der Auswahl dessen, was als medial publikationswürdig betrachtet wird, zu treffen. Doch wie werden solche „richtigen“ Entscheidungen getroffen? Wer bestimmt, was richtig ist und wichtig wird? Können sich Rezipienten tatsächlich „ungehindert […] unterrichten“3?
Die Unmöglichkeit, alle Weltereignisse in ihrer Gesamtheit erfahren zu können, greift auch die Publizistikforschung bei der Untersuchung der Nachrichtenauswahl von Massenmedien auf. Populär sind dabei seit den 1950er Jahren die drei Forschungstraditionen Gatekeeper-Forschung, News-Bias- Forschung und die Nachrichtenwert-Theorie. Anzumerken ist, dass sich diese Konzepte untereinander nicht ausschließen, sondern teilweise ergänzen, und darum eine trennscharfe Unterscheidung weder eindeutig noch notwendig ist. 4 Die gemeinsame Frage der Ansätze lautet, von welchen Faktoren journalistische Selektionsentscheidungen letztendlich abhängen.
Um eine Antwort darauf zu finden, wird die letztgenannte Nachrichtenwert-Theorie in den Fokus dieser Hausarbeit gerückt, wobei der Schwerpunkt auf die Darstellung der europäischen Forschungstradition nach Galtung und Ruge (1965) gelegt werden soll. Im einzelnen soll dabei untersucht werden, welchen Einfluss Nachrichtenwerte auf Selektionsprozesse bei Printmedien5 ausüben. Wie werden Ereignisse zu Nachrichten, und ab wann besitzen Meldungen einen Nachrichtenwert? Außerdem kommen ausgewählte Kritiker der Nachrichtenwert-Theorie sowie ihre Beiträge zu einer konzeptionellen Verbesserung zur Sprache, und anhand eines eigenen Forschungsteils wird die aktuelle Printmedienberichterstattung über den Fußballschiedsrichter-Wettskandal beleuchtet, sodass letztlich ein Diskurs darüber entstehen soll, ob die Nachrichtenwert-Theorie im Jahr 2005 überhaupt noch Gültigkeit beanspruchen kann.
2. Die Nachrichtenauswahl der Massenmedien
2.1. Die Notwendigkeit der Nachrichtenauswahl
Am Anfang jedes Zeitungsartikels und als eine der zentralen Aufgaben eines Redakteurs steht die Beschaffung von Nachrichten. Im journalistischen Alltag laufen im Sekundentakt neue Meldungen der Presseagenturen über den Ticker, unaufgefordert eingesandte Pressemitteilungen von Institutionen, Ministerien oder Unternehmen überfluten die Redaktionen. Losgelöst von diesen Nachrichtenlieferanten stehen eigene Recherchen, die Berichte zugehöriger Reporter oder das Live-Erlebnis eines Ereignisses zur Verfügung. Es gibt damit vielfältige Quellen, um am Ende des Tages eine Entscheidung, welche Meldungen zum Druck freigegeben werden. Durch dieses Überangebot an Nachrichten müssen ambivalente journalistische Selektionsentscheidungen getroffen werden. Einerseits soll die Nachrichtenauswahl die wichtigsten realen Geschehnisse eines Tages widerspiegeln, andererseits muss sie potenzielle Rezipienten zum Kauf anregen, was besonders bei Boulevardformaten ökonomisch bedeutsam ist.
2.2. Abgrenzung der Nachrichtenwert-Theorie zu anderen Forschungstraditionen
Die Publizistikforschung unterscheidet daher drei Forschungstraditionen, die journalistische Selektionsentscheidungen erklären. Der zentrale Gedanke der Gatekeeper-Forschung, die David Manning White (1950) initiierte, besagt, dass Journalisten die Rolle eines „Pförtners“ wahrnehmen und nur wenigen Meldungen Einlass zur Veröffentlichung gewähren. White unterscheidet weiter in subjektive und objektive Selektionskriterien. Subjektive Selektion meint die individuell durch eigene Sozialisation bedingte Auswahlentscheidung und bezieht die persönliche Wirkung auf den Journalisten mit ein, während objektive Selektion die institutionellen Rahmenbedingungen, z.B. ein Ereignis, das erst nach Redaktionsschluss eintrifft und dessen Publikation nicht mehr realisierbar ist, umfasst. 6 Einen zweiten Ansatz stellt die News-Bias-Forschung von Malcolm Klein und Nathan Maccoby (1952) dar, die sich kritisch mit der Tendenzberichterstattung von Printmedien auseinandersetzt. Hier werden Selektionsentscheidungen als Folge subjektiver Weltanschauungen von Journalisten gesehen. Auch die politische Einstellung und Positionierung von Herausgebern oder Verlegern kann die journalistische Einseitigkeit einer Zeitung bedingen, nach der sich die Redakteure richten müssen. Durch die Kritik an derartigen Selektionsentscheidungen fordert die News-Bias-Forschung journalistische Objektivität.7 Die dritte und dieser Hausarbeit zugrunde liegende Forschungstradition bildet die Nachrichtenwert- Theorie. Sie versteht Nachrichtenauswahl - in Abgrenzung zu den bereits genannten Konzeptionen - als unpolitisch und objektiv. Trotz ihrer Unterscheidung zur Gatekeeper- und News-Bias-Forschung sind Überschneidungen der Ansätze dennoch unvermeidbar, da es sich bei allen Ansätzen zugleich auch um Modelle zur Widerspiegelung von Ereignissen (Realität) in den Medien handelt.
3. Die Nachrichtenwert-Theorie
Der Nachrichtenwert-Theorie liegt die Annahme zugrunde, dass Ereignisse bestimmte Eigenschaften aufweisen, die Nachrichtenfaktoren genannt werden. Je mehr (quantitativ) oder je intensiver (qualitativ) diese Faktoren mit einem Ereignis kongruieren, desto höher ist der Nachrichtenwert des Ereignisses und folglich seine Chance, veröffentlicht zu werden. Nachrichtenfaktoren stellen damit die neutralen Bausteine einer Meldung dar, und Selektionsentscheidungen werden heute nach dem Auswahlkriterium des höchsten Nachrichtenwertes folglich als objektiv verstanden.8 In der Entstehungsgeschichte dieses Modells entwickelten sich unabhängig voneinander ein amerikanischer sowie ein europäischer Forschungszweig, der als der jüngere und bedeutsamere Ansatz von beiden einzuordnen ist und beständig wuchs. Christiane Eilders sieht den eigentlichen Beginn der Nachrichtenwert- Theorie in der 1965 von Galtung und Ruge überarbeiteten Untersuchung Östgaards.9 Diese Hausarbeit folgt in der Schwerpunktlegung der Sichtweise Eilders’, erwähnt aber auch die Anfänge.
3.1. Die Grundidee: Walter Lippmann
[...]
1 Lippmann, Walter (1922), zit. nach: Schulz, Winfried (1997): Politische Kommunikation: Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung zur Rolle der Massenmedien in der Politik. Westdeutscher Verlag. Opladen/Wiesbaden, S. 68
2 o.V. (1949): Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5, Absatz 1
3 ebd.
4 Vgl. Staab, Joachim-Friedrich (1996): Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Verlag Karl Alber. Freiburg/München, S. 11ff.
5 Wie bei den ersten Entwürfen der Nachrichtenwert-Theorie sollen auch hier Printmedien (resp. Tageszeitungen) Gegenstand der Untersuchung sein.
6 Vgl. Staab (1996), S. 12-13; S. 202
7 Vgl. ebd., S. 203
8 Vgl. Staab, Joachim-Friedrich (1990): Entwicklungen der Nachrichtenwert-Theorie. Theoretische Konzepte und empirische Überprüfungen. In: Wilke, Jürgen (Hrsg.) (1990): Fortschritte der Publizistikwissenschaft. Verlag Karl Alber, Freiburg/München, S. 161-172, S. 161
9 Vgl. Eilders, Christiane (1997): Nachrichtenfaktoren und Rezeption. Eine empirische Analyse zur Auswahl und Verarbeitung politischer Information. Westdeutscher Verlag. Opladen, S. 19
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