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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 27 Pages
Author: Alexandra Meier
Subject: German Studies - Comparative Literature
Details
Institution/College: Saarland University
Tags: Kleist, Molière, Zwei, Bearbeitungen, Amphitryon-Stoffes, Amphitryon-Thema
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36522-2
File size: 214 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität des Saarlandes
Fachrichtung 4.5 Komparatistik
Hauptseminar: Das Amphitryon
9. Semester
Kleist und Molière: Zwei Bearbeitungen des
Amphitryon-Stoffes
von: Alexandra Meier
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kleist und Molière: Zwei Dramen, eine Fabel? 5
2.1 Zweimal Amphitryon: Entstehungsgeschichte und zeitgenössische Rezeption. 5
2.1.1 Molière 5
2.1.2 Kleist 7
2.2 Äußere Form, Struktur und Gliederung 9
3. Zentrale Problematik 13
3.1 Molières „Amphitryon“. Eine Gesellschaftskomödie 13
3.1.1 Die Gott/Mensch-Beziehung 14
3.1.2 Die Gestalt des Sosie: Identitätskrise und Knechtschaft 15
3.2 Molières „Amphitryon“ und Kleists „Alkmene“? Die Verschiebung des Schwerpunkts 19
3.3 Komödie vs. Tragödie
4. Fazit 25
5. Literaturverzeichnis
5.1 Quellen 26
5.2 Literatur 27
1. Einleitung
„Der Vergleich mit der Vorlage, mit der Komödie Molières, bietet sich an. An Vergleichen dieser Art fehlt es nicht. Je nach Auslegung betont man die ursprüngliche Absicht der Übersetzung bis in die wörtlichen Entsprechungen hinein; oder man betont – und das ist das Häufigere im Verfahren der Interpreten und Comparatisten – die Andersartigkeit dessen, was Kleist da unter den Händen entstanden war. [...] Die vergleichende Philologie, die alles und jeden am Original mißt, muß wissen, was sie tut. Aber der spätere Dichter wäre der Dichter nicht, der er ist, wenn er sich dem Buchstaben nach an das Original gehalten, wenn er es nicht zugleich in seine Welt, in seine Zeit und in seine Ausdrucksweise übersetzt hätte; und das hat Kleist getan.“1 Wie Walter Müller-Seidel bereits andeutet, eignet sich „Amphitryon“ – in welcher Fassung auch immer – tatsächlich ideal für die wissenschaftliche Arbeit der Komparatistik. Nur wenige Stoffe der Weltliteratur finden in derart zahlreichen Epochen der Literaturgeschichte immer wieder Zugang in das Repertoire bedeutender Dichter.
Grundlage für den Amphitryon-Mythos ist die Sage von Zeugung und Geburt der ungleichen Brüder Iphikles und Herakles, und so findet sich bereits bei Homer und Hesiod eine Erwähnung des Themas. Das Motiv des Gottes, der sich auf die Erde begibt und mit einer sterblichen Frau ein Kind zeugt, ist ein universales:
„In der indischen Literatur erscheint das Motiv in dem Epos ‚Mahabharhata’ [...], im Alten Testament (1.Mose 6,4) heißt es: ‚Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden darauf die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten’.“2
Zur ersten Dramatisierung kam es im 5. Jhd. v. Chr. bei Aischylos, Euripides und Sophokles – wahrscheinlich nicht die einzigen Dramatiker, die sich mit dem Stoff befasst haben, aber die einzigen, bei denen es die Forschung heute sicher belegen kann. Allerdings ist keines dieser Dramen erhalten.3 Die älteste erhaltene dramatische Fassung stammt von Plautus, entstanden um 200 v. Chr. Die besondere Eignung für einen direkten Vergleich der beiden Dramen von Molière und Kleist manifestiert sich schon im Titel des Kleistschen Werkes: “Amphitryon. Ein Lustspiel nach Molière“.
Aufgabe dieser Arbeit soll es nun sein, die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Werke sowie die jeweilige zentrale Problematik zu analysieren. Dazu ist es zunächst notwendig, sowohl gesellschaftliche als auch persönliche Hintergründe der Autoren sowie die Stoff- und Entstehungsgeschichte zu berücksichtigen. Des weiteren sollen die äußere Form, die sprachliche Gestaltung, Handlung, Personenkonzeption und - konstellation im direkten Vergleich betrachtet werden. Im zweiten Teil der Arbeit soll dann auf die jeweilige zentrale Problematik eingegangen werden. Hierzu werden formelle Unterschiede herangezogen, die im ersten Teil erarbeitet wurden sowie der geschichtliche Hintergrund berücksichtigt. Dritter Teil der Arbeit ist dann der Versuch einer Annäherung an eine populäre Fragestellung insbesondere in Bezug auf Kleist. Hier sollen tragische sowie komische Elemente der Handlung und die ambivalente Konzeption des Personals näher untersucht und anhand ausgewählter Textstellen belegt werden.4 Den Schluss der Arbeit bildet schließlich die Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und der Ausblick: Welche neuen Fragen haben sich bei der Beschäftigung mit dem The ma gestellt?
2. Kleist und Molière: Zwei Dramen, eine Fabel?
2.1 Zweimal Amphitryon: Entstehungsgeschichte und zeitgenössische Rezeption
2.1.1 Molière
Es ist mehr als wahrscheinlich, betrachtet man die teilweise wortgetreue Textnähe, dass Molière sich bei seiner Fassung des Stücks nicht nur auf Plautus „Amphitruo“, sondern auch auf Jean Rotrous Stück „Les Sosies“ gestützt hat. Rotrou, der sein Stück 1636 veröffentlichte, war zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten französischen Dramatiker. Es ist also anzunehmen, das Molière mit seinen Stücken vertraut war. Molière übernimmt zwar teilweise Textpassagen aus „Les Sosies“ wörtlich, verändert aber Struktur, Inhalt und Problematik tiefgreifend.
Statt die fünf Akte von Rotrou beizubehalten, beschränkt Molière sein Drama auf drei Akte. Das Hauptaugenmerk liegt nicht länger auf der Geburt des Herkules, sondern auf der Zeugung, dem damit verbundenen Betrug und dessen Aufklärung. Die Geburt findet nur noch in den letzten Sätzen der Schlussszene Erwähnung. Auch beim Personal geht Molière seinen eigenen Weg: Er fügt „La Nuit“ hinzu, macht aus dem Prolog einen Dialog zwischen der personifizierten Nacht und Mercure. Insgesamt finden sich in Molières Stück nur noch wenige Monologe, vieles wird in dynamischeren Dialogen dargestellt. Cléanthis, die Gefährtin des Sosie taucht bei Molière zum ersten Mal auf. Gemeinsam mit ihrem Gatten bildet sie den Gegenpol zu Alcmène und Amphitryon auf der Dienerebene.
Es ist anzunehmen, dass Molière bei der Konzeption seines Dramas sehr wohl auf Publikumswirksamkeit geachtet hat. Durch seine enge Zusammenarbeit mit Schauspielern im Theaterbetrieb als Leiter der „Troupe du roi“ war er mit den Vorlieben des Publikums vertraut, in der dritten Aufführung übernahm er selbst die Rolle des Sosie. Offensichtlich wird diese Orientierung am Publikum, wenn man den Prolog und den Schluss betrachtet – hier schweben die Götter auf und von der Bühne. Diese Effekte eines „pièce à machines“ war beim zeitgenössischen Theaterpublikum sehr beliebt, wurde jedoch wegen der kostspieligen Technik, die notwendig war, nur sparsam eingesetzt.
[...]
1 Müller-Seidel (1961). S. 119.
2 Bachmaier (1995). S. 64.
3 vgl. Szondi (1973). S. 158.
4 Zur leichteren Unterscheidung werden im laufenden Text bei der Nennung der Personen die Namen in der jeweiligen Originalsprache verwendet (z. B. Alkmene /Alcmène). So sollen Verwechslungen vermieden werden, ohne dass eine permanente Berücksichtigung der Fußnoten nötig ist.
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