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Aristoteles und der Zivilisationsprozeß - Von geistigen Werten, der Sklaverei und dem Staat

Scholary Paper (Seminar), 2000, 19 Pages
Author: Marko Ferst
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Event: zum Proseminar: Polis, Reich, Staat
Institution/College: Free University of Berlin (Otto-Suhr-Institut)
Tags: Aristoteles, Politik, Ethik
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 19
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V3715
ISBN (E-book): 978-3-638-12297-9

File size: 176 KB
Notes :
Vom Autor erschienen: Erich Fromm als Vordenker (www.umweltdebatte.de)



Excerpt (computer-generated)

Aristoteles und der Zivilisationsprozeß - Von geistigen Werten, der Sklaverei und dem Staat -

von Marko Ferst

Inhalt

Einstieg 3
Aristoteles Auffassung zur Sklaverei 4
Ausbeutung und von den Unmaßen des Reichtums 6
Von den geistig-seelischen Werten 8
Der Staat und die Ethik 10
Aristoteles und die Krise der Zivilisation 12
Literaturliste 17

Einstieg

Wenn man sich in das Werk von Aristoteles einliest, ist ganz offensichtlich, ethisch hochgesteckte Ansprüche an den Menschen und die Gesellschaft sind eng verquickt mit der Legitimierung von Zusammenhängen, deren Anliegen aus unserem heutigen Blickwinkel, sich nicht verteidigen läßt. Ganz besonders kraß tritt dies hervor, wenn man Aristoteles Auffassungen zur Glückseligkeit, zu den seelischgeistigen Werten, die er im Zeichen des Guten manifestiert sieht, nimmt, und sie mit seiner Verteidigung der Sklavenhaltergesellschaft zusammen sieht. Was für Aristoteles problemlos einen Guß bildet, scheint aus der Sicht der Nachgeborenen so ganz und gar nicht passen.
Die vorliegende Arbeit will beide Akzente in ihren Grundannahmen rekonstruieren. Darüber hinaus wird versucht, die Ebene der Ethik mit den Konsequenzen für das antike Staatswesen aufzuzeigen. In einem ausführlichen abschließenden Exkurs soll betrachtet werden, auf was für eine Zivilisationsentwicklung der aristotelische Ansatz, Gesellschaft zu fassen, hinausläuft. Vor dem Hintergrund der heutigen sozialökologischen Grundlagenkrise ist es besonders interessant zu fragen, welche Fehlentwicklungen daraufhin bereits im Frühstadium angelegt waren, kann man indirekte Hinweise bei Aristoteles finden bzw. lassen sich in seiner Art und Weise, die Dinge zu sehen, auch abschwächende Momente feststellen? In diesem Kontext dürften uns dann seine Auffassungen zum ausbeuterischen Prinzip, dem patriarchalen Gestus und den ethischen Normen einige Indizien liefern.
Wenn man in der heutigen Gesellschaft nach etwas Vergleichbarem sucht, wie es Aristoteles in seinen Ausführungen zur betrachtenden und glückseligen Lebensweise artikuliert, dann findet man ohne Frage dazu Literatur, aber in der praktischen Wirklichkeit fällt diese Ebene weitgehend aus. Sie hat keine Wirkmächtigkeit. Vor einigen Generationen hatte immerhin hierzulande noch Kirche einiges in dieser Richtung belegt. Das ist vorbei. Auch wenn man sich mit manchen Bezeichnungen und Verknüpfungen bei Aristoteles nicht anfreunden will, möglicherweise könnte uns u.a. seine Nikomachische Ethik darauf verweisen, daß es Sinn machen könnte, diese Ebene in neuer Form zu besetzen, und daß dies eine gesellschaftliche Aufgabe sein müßte.
In der hier vorliegenden Arbeit konnten natürlich nicht sämtliche Werke des Aristoteles berücksichtigt werden. Ohnehin ist ein sehr großer Teil seiner Schriften verlorengegangen. Deshalb sind ganz zwangsläufig nicht alle Aussagen hier berücksichtigt, wenngleich zentrale Grundannahmen gewiß umrissen wurden.

Aristoteles Auffassung zur Sklaverei

So wie der Staat von Natur aus eingerichtet scheint, ist auch die Sklaverei eine Einrichtung von Natur aus, meint Aristoteles. Er hält es für angemessen und notwendig, daß es in der Gesellschaft das Dienen und das Herrschen gibt. Der Sklave gehört dem Herrn ganz, er ist sein dienendes Werkzeug. Bei denjenigen Menschen, wo die Verwendung des Körpers das Beste ist, was sie aus sich hervorbringen können, diese sind bei ihm naturgemäß als Sklaven anzusehen. Schon mit der Geburt werden die Menschen in Dienende und Herrschende eingeteilt. Er schlußfolgert sogar, daß die Körper der Freien und Sklaven tendenziell verschieden beschaffen sind. Die Dienenden sind kräftig für die Beschaffung des Notwendigen. Der Körper der Freien ist aufgerichtet und nicht geeignet, die angesprochene Sklavenarbeit auszuführen. Brauchbar ist er jedoch für das politische Tätigsein. Aristoteles räumt ein, es komme auch oft vor, daß manche Sklaven den Körper und die Seele von Freien hätten. Jedoch können nur diejenigen für sich in Anspruch nehmen, keine Sklaven zu sein, die sich körperlich den Standbildern der Götter annähern. Analog verhalte es sich mit der Seele, jedoch mit noch mehr Recht. Dabei sei die innere Schönheit der Seele schwerer zu erkennen, als die körperlichen Anzeichen.

[...]


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