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Biografisches Arbeiten - ein interventionsgerontologisches Konzept für die Arbeit mit demenziell erkrankten alten Menschen in der ambulanten Pflegepraxis?

Hausarbeit, 2005, 34 Seiten
Autor: Klaus Reiners
Fach: Pflegemanagement / Sozialmanagement

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 34
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 31  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V37190
ISBN (E-Book): 978-3-638-36607-6

Dateigröße: 2812 KB


Textauszug (computergeneriert)

Biografisches Arbeiten - ein interventionsgerontologisches
Konzept für die Arbeit mit demenziell erkrankten alten
Menschen in der ambulanten Pflegepraxis?

von: Klaus Reiners

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung Seite 03

1. Die demografische Entwicklung als Impuls für neue Herausforderungen Seite 04

1.1 Die demografische Revolution Seite 04
1.2 Folgen für Gesellschaft und pflegerische Versorgung Seite 04

2. Gerontologie als wertvolle Quelle für die Pflegepraxis Seite 07

2.1 Definition und Ziele Seite 07
2.2 Schnittstellen zu Pflegewissenschaft und -praxis Seite 08

3. Erläuterungen wichtiger Begriffe Seite 10

3.1 Lebenserfahrung Seite 10
3.2 Biografie Seite 11
3.3 Autobiografisches Erinnern Seite 12

4. Biografisches Arbeiten Seite 14

4.1 Begriffsklärung Seite 14
4.2 Biografiearbeit in der Pflegepraxis Seite 16

4.2.1 Chancen Seite 16
4.2.2 Risiken Seite 18

4.3 Der biografieorientierte Pflegeprozess Seite 20

Schlussbetrachtung Seite 24

Literaturverzeichnis Seite 25

Anhang Seite 29


 

Einleitung

Biografiearbeit ist eine von der Pflege heutzutage weitgehend anerkannte Methode, die es den Pflegenden erleichtert, einen Zugang zu den pflegebedürftigen Menschen zu finden, besonders im Falle von demenziellen Erkrankungen.

Ziel dieser Hausarbeit ist die Darstellung des Konzeptes „Biografiearbeit“ im Zusammenhang mit der ambulanten Pflege von demenziell erkrankten alten Menschen. Der Hauptfokus liegt dabei allerdings auf dem Konzept des biografischen Arbeitens selbst. Die Arbeit besteht aus vier Hauptkapiteln. Im ersten Teil werden zunächst die aktuelle Lage sowie Perspektiven hinsichtlich Altersverteilung in der Bevölkerung und die sich daraus ergebenden Folgen für Gesellschaft und Pflege skizziert. Im Zuge dessen wird außerdem versucht, eine Brücke zur besonderen Situation der ambulanten Pflege demenziell Erkrankter zu schlagen. Als Ergebnis dieses Kapitels soll schließlich deutlich werden, warum die Pflege zunehmend auf wirkungsvolle Methoden zur Versorgung alter Menschen angewiesen sein wird.

Im zweiten Abschnitt geht es um das Zusammenspiel der „Disziplinen“ Gerontologie und Pflege. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Biografiearbeit seine Wurzeln in der Gerontologie hat, wird in diesem Kapitel erläutert, warum eine Verquickung von Gerontologie und Pflege für beide Seiten sinnvoll und auch notwendig ist. Im dritten Kapitel werden dann die Begriffe „Lebenserfahrung“, „Biografie“ und „autobiografisches Erinnern“ erläutert, da sie im Kontext der Biografiearbeit von besonderer Relevanz sind. Im vierten Kapitel wird schließlich das biografische Arbeiten vorgestellt. Nach einleitender Klärung des Begriffes „Biografiearbeit“ werden sowohl Chancen als auch Risiken des Konzeptes für die Pflegepraxis erläutert. Abschließend wird anhand des Pflegeprozesses dargestellt, wie Biografiearbeit in die praktische Pflege integriert werden kann.

1. Die demografische Entwicklung als Impuls für neue Herausforderungen

1.1 Die demografische Revolution

Das Phänomen „Alter“ ist weltweit zu einem zentralen Thema avanciert, sowohl im Allgemeinen als auch in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen und -feldern. Der Hauptgrund dafür ist die als „demografische Revolution“ bezeichnete Entwicklung des stetigen Anstiegs der Lebenserwartung bei gleichzeitiger Stagnation der Geburtenraten, welche den Anteil älterer Menschen in den Gesellschaften gegenüber dem der jüngeren immer mehr ansteigen lässt. Den weltweit größten Fortschritt haben dabei die so genannten entwickelten Länder, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland gehört, zu verzeichnen.

[Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]

1.2 Folgen für Gesellschaft und pflegerische Versorgung

Die Folgen der demografischen Entwicklungen betreffen sowohl die alten Menschen individuell als auch die gesamte Gesellschaft und insbesondere die sozialen Versorgungssysteme. Für die alten Menschen selbst scheint die hohe Lebenserwartung zwei Gesichter zu haben1. So kann das Erreichen eines hohen Lebensalters mit völlig neuen Möglichkeiten und Chancen verbunden sein, sofern es gelingt, die negativen Begleiterscheinungen des Alters in Schach zu halten. Wahl und Heyl (2004) beschreiben in diesem Kontext, dass alte Menschen heute wie selbstverständlich große Reisen unternehmen oder technische Geräte bedienen und sprechen sogar von einer „viel versprechenden Kultur der späten Lebensphase“.

Auf der anderen Seite kann das Alter allerdings auch ein anderes Gesicht haben und Probleme generieren, die zu einem deutlichen Verlust der Lebensqualität führen. Hiervon betroffen sind besonders die Hochaltrigen, also Menschen über etwa 80 Jahre. Zu diesen Problemen zählt, neben dem allgemeinen Verlust körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, besonders der signifikante Anstieg des Risikos für demenzielle Erkrankungen. Diese führen durch fortschreitende Hirnleistungsstörungen zu einer Abnahme des Gedächtnisses und des Denkvermögens, zu Orientierungsstörungen sowie zu Verhaltensstörungen und Persönlichkeitsveränderungen. Als weitere Konsequenz folgt dann der Verlust der Alltagskompetenz verbunden mit einem hohen Maß an Pflegebedürftigkeit

[Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]

Auseinandersetzungen mit dem Thema „Alter“ finden auch auf der gesellschaftlichen und sozialpolitischen Ebene statt. Als besonders problematisch wird dabei die zunehmende Belastung des gesetzlichen Rentensystems bewertet. Lampert und Althammer (2001) weisen zum Beispiel darauf hin, dass die Rentnerquote in Deutschland, also der Quotient aus der Zahl der Rentenempfänger und der Zahl der Beitragsversicherten, in Zukunft so sehr steigen wird, dass die gesetzliche Rente nur noch durch ein sinkendes Rentenniveau oder/und steigende Beitragssätze am Leben gehalten werden kann, so dass eine Beibehaltung des bisherigen Systems zwangsläufig zu einer empfundenen Ausbeutung der jungen Generation und damit zu einem Bruch des Vertrauensverhältnisses zwischen den Generation führen wird („Generationenkonflikt“). Die Pflege wird sich zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Zunahme der Anzahl älterer Pflegebedürftiger einstellen müssen (Statistisches Bundesamt, 2003b). In diesem Zusammenhang rechnet das KDA (2003) mit einer Zunahme der Anzahl von Menschen mit Demenz um 500.000 bis zum Jahr 2030. Die Hauptprobleme werden dann ebenfalls in der Knappheit finanzieller und personeller Ressourcen verortet sein (Wahl & Heyl, 2004).

Für die ambulante Pflege stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Eines der Hauptziele der gesetzlichen Pflegeversicherung ist die Förderung der häuslichen Pflege und Pflegebereitschaft der Angehörigen, damit den Pflegebedürftigen ein möglichst langes Verbleiben in ihrer häuslichen Umgebung ermöglicht wird („ambulant vor stationär“)2 (§3 SGB XI). Gemäß Wahl und Heyl (2004) sind fortgeschrittene Demenzen und damit einhergehende Pflegebedürftigkeit die wichtigsten Gründe für Übersiedelungen pflegebedürftiger Menschen in Pflegeheime. Letztlich unterstreicht dies die Notwendigkeit dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Altersforschung als wirksame Konzepte bzw. „Werkzeuge“, besonders für den Umgang mit Dementen, in die ambulante Pflegepraxis zu transferieren. Diese sollten sowohl den professionell Pflegenden, aber auch den pflegenden Angehörigen zur Verfügung stehen, die einen nicht unwesentlichen Teil der häuslichen Pflege leisten und durch die Versorgung ihrer demenziell erkrankten Angehörigen besonderen Belastungen ausgesetzt sind (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – BMFSFJ, 2002).

2. Gerontologie als wertvolle Quelle für die Pflegepraxis

2.1 Definition und Ziele

[...]


1 In der Literatur ist häufig von der so genannten „Janusköpfigkeit“ oder vom „Janusgesicht“ des Alters die Rede (Wahl & Heyl, 2004; Wahl & Tesch-Römer, 2000).

2 Nach Erhebungen des Statistischem Bundesamtes (2003c) wurden 2001 70% der insgesamt 2,04 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt. Von diesen ca. 1,44 Millionen waren 45% 80 Jahre und älter. Des Weiteren wurden 1,0 Millionen ausschließlich von ihren Angehörigen und die restlichen 435000 von ambulanten Pflegediensten versorgt.


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