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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 29 Pages
Author: Thomas Fröhlig
Subject: Economics / Business : Economic and Social History
Details
Institution/College: RWTH Aachen University (Wirtschafts- u. Sozialgeschichte)
Tags: Geschichte, Elektrifizierung, Industrie, Alltag, Kraft, Licht, Technik, Energieversorgung
Year: 2005
Pages: 29
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36614-4
File size: 988 KB
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Excerpt (computer-generated)
Geschichte der Elektrifizierung von Industrie
und Alltag bis 1914
von: Thomas Fröhlig
Inhalt
1 Einleitung 6
2 Elektrifizierung der Ballungsräume
2.1 Beginn der städtischen Elektrizitätsversorgung 7
2.2 Elektrifizierung des tertiären Sektors 9
2.3 Elektrifizierung des sekundären Sektors 11
2.4 Elektrifizierung der Haushalte 17
3 Elektrifizierung der ländlichen Regionen
3.1 Elektrifizierung der kleineren Gemeinden 21
3.2 Elektrifizierung des primären Sektors 25
4 Fazit 27
Literaturverzeichnis 29
1 Einleitung
Elektrizität ist aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Die Bilder der chaotischen Zustände während des großen Stromausfalls in den USA im August 2003 sind jedem von uns noch im Gedächtnis und zeigen uns, wie sehr wir von dieser Energieform abhängig sind. Doch wie kam es dazu, dass die Elektrizität in annähernd jeden Bereich unseres täglichen Lebens eingedrungen und zu dem mit Abstand wichtigsten Sekundärenergieträger der Industriestaaten geworden ist? Einen Teil dieser Frage möchte ich in dieser Hausarbeit durch die Untersuchung der Elektrifizierung Deutschlands bis zum ersten Weltkrieg beantworten und sowohl die Ausbreitung als auch die Auswirkungen auf die Industrie und den Alltag in diesem Zeitraum erklären. Die zeitliche Begrenzung bis 1914 ist von mir bewusst gewählt worden, um sowohl die erste als auch die zweite Phase des Elektrifizierungsprozesses, d.h. die Epoche der kommunalen und die der regionalen Stromversorgung, genauer zu behandeln. Die dritte und letzte Phase der Großkraftwerke, auf welcher unser heutiges Verbundsystem basiert, wird – um bei den Anfängen der Elektrifizierung zu bleiben – nicht behandelt.
Durch die Aufteilung des Hauptteils in zwei Kapitel soll gezielt auf die verschiedenen Entwicklungen in den Städten und ländlich geprägten, kleineren Gemeinden eingegangen und untersucht werden, warum es zu zeitlichen Disparitäten bei der Elektrifizierung der jeweiligen Gebiete kam. Weiterhin hat diese Arbeit das Ziel, die für jeden Sektor spezifischen Ursachen und Auswirkungen der Elektrifizierung zu untersuchen und herauszustellen. Um dieses in Kapitel 2 durchführen zu können habe ich den einzelnen Sektoren aufgrund des besseren Verständnisses einen kurzen Überblick über den Beginn der Elektrizitätsversorgung vorangestellt.
Die von mir verwendete Basisliteratur unterteilt sich in drei Schwerpunkte: Während Wolfgang König und Wolfhard Weber1 sowie Helmut Lindner2 sich schwerpunktmäßig mit den technischen Merkmalen einzelner elektrischer Geräte und den technischen Ursachen für die Verbreitung der elektrischen Energie beschäftigen, legen Wolfgang Zängl3 und außerdem Martina Jung und Richard Birkefeld4 in ihren Ausführungen besonderen Wert auf die sozialen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen der Elektrifizierung. Den dritten Teil meiner Basisliteratur bildet Wolfram Fischer5, der die Elektrifizierung hauptsächlich aus dem Blickwinkel der Elektrizitätsversorgungsunternehmen betrachtet.
2 Die Elektrifizierung der Ballungsräume
2.1 Beginn der städtischen Elektrizitätsversorgung
Die Elektrifizierung der Städte begann in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch die Verbreitung des elektrischen Lichts. Nach der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips durch Werner von Siemens 1866 hatten dessen sogenannten Dynamomaschinen nach anfänglichen Problemen bereits um 1870 ihre Einsatzreife erreicht.6 Der damit erzeugte Strom wurde in Kombination mit Bogenlampen zur Beleuchtung verschiedener Einrichtungen verwendet. So wurden beispielsweise die Fabrikräume der Friedrich-Krupp-Werke in Essen (1876), das Postgebäude (1878), die Kaisergalerie und der Reichstag in Berlin (1879) mit Bogenlampen beleuchtet.7 Jede dieser Beleuchtungseinrichtungen besaß ihren eigenen kleinen Generator (Dampfmaschine oder Gasmotor mit einem Dynamo), um die nötige Menge elektrischer Energie bereitzustellen, weshalb diese auch „Eigenanlagen“ genannt wurden. Mit dem Bau von sogenannten Blockkraftwerken ab 1883 (erste Blockstation: Schadowstraße, Berlin) begann schließlich die flächendeckende Elektrifizierung der Städte. Diese Kleinkraftwerke wurden von Privatleuten meist zur Eigenversorgung ihrer Gewerbebetriebe errichtet und versorgten darüber hinaus auch den gesamten angrenzenden Häuserblock mit elektrischer Energie. Die Installierung von Blockanlagen schritt auch weiter voran, nachdem bereits die ersten öffentlichen Elektrizitätskraftwerke mit wesentlich höheren Kapazitäten ihren Dienst aufnahmen.8 Über den Zeitpunkt der Inbetriebnahme des ersten Elektrizitätskraftwerkes im deutschen Reich ist sich die Literatur uneinig. Während nach Zängl das erste öffentliche Kraftwerk bereits 1882 in Stuttgart errichtet wurde, geben sowohl Fischer als auch König und Weber das Kraftwerk in der Marktgrafenstraße in Berlin im Jahr 1885 an.9 In allen frühen Elektrizitätswerken wurde Gleichstrom produziert, weil sich dieser in Akkumulatoren speichern ließ und dadurch die am Tage auftretenden Lastkurven besser bewältigt werden konnten. Der Nachteil lag allerdings in den hohen Spannungsverlusten während des Transportes zu den Verbrauchern. Dadurch war der Versorgungsradius eines Gleichstromkraftwerkes anfangs auf 600 m10 und nach technischen Verbesserungen auf ca. 2 km begrenzt. So mussten die Kraftwerke direkt in den Städten errichtet werden, da dort auch die Nachfrage am größten war.11 Deshalb nannte man diese auch Stadt- bzw. Ortszentralen. Dieses Problem wurde durch den Einsatz von Wechselstrom gelöst. Mit der Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt 1891, auf der erstmals eine Stromfernübertragung von 16.000 Volt über 175km von Lauffen am Neckar ohne hohe Spannungsverluste präsentiert worden war, begann der Wechsel hin zu Dreh- bzw. Wechselstromkraftwerken, was von Zängl als „Sieg des Wechselstroms“12 über das Gleichstromsystem bezeichnet wird.
[...]
1 König, Wolfgang/Weber, Wolfhard, Netzwerke, Stahl und Strom, Berlin 1993.
2 Lindner, Helmut, Strom. Erzeugung, Verteilung und Anwendung der Elektrizität, Reinbek 1985.
3 Zängl, Wolfgang, Deutschlands Strom. Die Politik der Elektrifizierung von 1866 bis heute, Frankfurt a.M. 1989.
4 Jung/Birkefeld, Die Stadt der Lärm und das Licht. Die Veränderung des öffentlichen Raumes durch Motorisierung und Elektrifizierung, Seelze 1994.
5 Fischer, Wolfram, Die Geschichte der Stromversorgung, Verlags- und Wirtschaftsgesellschaft der Elektrizitätswerke, Frankfurt a.M. 1992.
6 Vgl. Lindner, Strom, S.123 f.
7 Vgl. Fischer, Die Geschichte der Stromversorgung, S. 41.
8 Mit „öffentlich“ ist nicht die Rechtsform des Kraftwerkes gemeint, sondern ein Kraftwerk, das nicht primär der Eigenversorgung, sondern der gewerbsmäßigen Versorgung Dritter dient.
9 Vgl. Zängl, Deutschlands Strom,S.20. sowie Fischer, Geschichte der Stromversorgung, S.46. und König/ Weber, Netzwerke, Stahl und Strom, S.330.
10 Vgl. ebd. S. 331.
11 Vgl. Fischer, Geschichte der Stromversorgung, S.125.
12 Vgl. Zängl, Deutschlands Strom, S.27.
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