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Autor: B.A. Silke Gerlach
Fach: Kunst - Malerei
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Kunstgeschichtliches Institut)
Tags: Gehör, Rahmen, Allegorie, Fünf, Sinne, Zwei, Wirtshausszenen, Steen, Grundseminar, Musiker, Musik, Kunst, Jahrhunderts
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 670 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-36623-6
Textauszug (computergeneriert)
Ruhr-Universität Bochum
Kunstgeschichtliches Institut
Seminar der Grundstufe: Musiker und Musik
in der Kunst des 17. Jahrhunderts
4. Semester
Das „Gehör“ im Rahmen der Allegorie der Fünf Sinne –
Zwei Wirtshausszenen von Jan Steen
von: Silke Gerlach
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Das Fünf Sinne Thema in der Malerei 5
3 Jan Steen – Sein Leben zur Zeit der Herstellung seiner Wirtshausszenen 7
4 „Verkehrte Welt“ 8
4.1 Bildbeschreibung 8
4.2 Analyse 9
5 „Wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen“ 12
5.1 Bildbeschreibung 12
5.2 Analyse 13
6 Vergleich beider Werke – Bedeutung des Gehörs 15
7 Schlussbetrachtung 17
8 Literaturverzeichnis 18
9 Abbildungsverzeichnis 18
1 Einleitung
Im Sommersemester 2004 lautete das Thema eines Grundseminars: Musiker und Musik in der Kunst des 17. Jahrhunderts. Unter anderem beschäftigten wir uns mit der Frage: Welchen Stellenwert hat eigentlich das Gehör im Vergleich zu den fünf Sinnen und wie wurde es in Gemälden dargestellt? Im Folgenden werde ich zwei Gemälde von Jan Steen vorstellen, die inhaltlich auf dieselbe Thematik eingehen. Steen malte seine Gemälde nicht nur im Hintergrund der Darstellung der Fünf Sinne; in seinen Werken sind auch deutlich moralisierende Szenen dargestellt; ich werde versuchen, auf beide Themen gleichgewichtig einzugehen.
Die verkehrte Welt wurde von mir im Seminar vorgestellt und zusammen in der Sitzung besprochen. Das zweite Werk Wie die Alten sungen, so pfeifen die Jungen erschien mir als Vergleich sehr sinnvoll, da Steen in beiden Bildern auf die gleiche Thematik eingeht und dies nicht nur formal mit dem ersten Blick sichtbar wird. Bei der Recherche und Betrachtung der Werke Steens fiel mir auf, dass Steen immer wieder die Musik als Thema oder Teilthema verwendete. Auch in seinem Selbstbildnis malte er sich als musizierenden Lautenspieler. Ich werde mich jedoch auf die beiden bereits erwähnten Werke konzentrieren.
2 Das Fünf Sinne Thema in der Malerei
„Musik war in den Genrebildern des Goldenen Zeitalters ein beliebtes Thema, vor allem wegen der vielen symbolischen Bedeutungen, die mit ihr verbunden sind.“1 Denn Musik galt zu dieser Zeit als Statussymbol und Musikinstrumente und Musizierende wurden daher gerne als Demonstration des Wohlstands gemalt. Als Beispiel dafür kann das Werk Selbstportrait mit Familienmitgliedern von Jan Miense Molenaer (1634-1636) gelten, das nahezu alle Personen mit Saiteninstrumenten darstellt.
Vor allem im späten 16. und im 17. Jahrhundert war das Fünf Sinne Thema mit franco-flämischen Ursprung bei Künstlern sehr beliebt. Symbolisiert wurden die Sinne oftmals durch einen weiblichen Genius, manchmal auch durch mehrere Personen als Halb- oder Ganzfiguren. Vor allem am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde „jeder Sinn durch eine Frau personifiziert, mit einem Attribut [...] versehen, von einem sinnbegabten Tier [...] begleitet, gelegentlich auch durch ein Naturphänomen [...] erläutert.“2 Anfangs wurden die Sinne noch einzeln dargestellt, doch im Laufe des 17. Jahrhunderts stellten die Künstler immer häufiger alle Sinne in einem einzigen Bild zusammen. Das Fünf Sinne wurden damals zum Hauptthema der Genremalerei. Auch Bibelszenen dienten als Sinnesdarstellung, z.B. die Darstellung der Blindenheilung für den Sehsinn oder die Johannespredigt als Symbolisierung des Gehörs.
Das Gehör (Auditus) wurde durch Musikinstrumente, Notenblätter, tickende Uhren, aber auch durch entsprechend sinnbegabte Tiere wir den Hirsch, die Katze und den Vogel dargestellt. Das Gefühl (Tactus) im Sinne des Tast- und Liebesgefühls wurde oftmals durch ein sich umarmendes Paar dargestellt; aber auch die Darstellung einer Schildkröte wies darauf hin. Denn die Schildkröte galt in der Antike als Attribut der Allegorie der Keuschheit („Keusche Venus“) oder Faulheit. Venus ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Die Schildkröte wird somit als gesittetes Liebesgefühl verstanden. Adriaen Brouwer stellte das Gefühl jedoch auch einmal als Fußoperation dar.
Das Gesicht (Visus) wurde mit Spiegeln (Symbol der Selbsterkenntnis), Karten, Büchern, scharfäugigen Adlern oder Löwen dargestellt. Aber auch die Darstellung des Sehenden (Videntes) wie der Geograph, der Astronom oder der Arzt verweisen auf den Gesichtssinn. Blumen, speziell Rosen, und die Darstellung eines schnuppernden Hundes sollten den Geruch (Odoratus) darstellen. Der Geschmack (Sapor) wurde durch Wein, Äpfel, Trauben oder durch den naschhaften Affen symbolisiert. Das Fünf Sinne Thema war typisch für die niederländische Malerei; außerhalb der Niederlande wurde dieses Thema jedoch kaum behandelt. Lediglich im westlichen Teil Deutschlands verwendete man das Thema zum Teil als beliebten Schmuck bei Fachwerkhäusern.
Es entstand eine Hierarchie der Sinne, bei der Visus und Auditus über den anderen Sinnen standen. Dies spiegelte sich auch in der Kunst wider. Wieso wurden Visus und Auditus höher angesehen? Zum einen sind der Geschmack, das Gefühl und der Geruch auf die individuelle, körperliche Reichweite begrenzt. Sehen und Hören sind jedoch auch Wahrnehmungen, die sich nicht direkt am eigenen Körper abspielen. Des weiteren spielt die Religion eine Rolle. Glaubensverkündigungen waren immer ein Akt des Sehens und des Hörens. Wunder wurden gesehen, Predigen wurden erhört. Zumal Martin Luther einmal sagte: „Glauben ist Hören des Wort Gottes“
[...]
1 Grijp, Louis Peter: Die Rolle der Musik in satirischen und vergnüglichen Szenen im Haarlen des 17. Jahrhundert. In: Biesboer, Pieter; Sitt, Martina (Hrsg.): Von Frans Hals bis Jan Steen. Ve rgnügliches Leben – Verborgene Lust. Holländischer Gesellschaftsszenen, Belser/Stuttgart 2004, S.51.
2 Kauffmann, Hans: Die Fünfsinne in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, S. 137.
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