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Psychische Folgen des Nationalsozialismus an Beispielen ehemaliger KZ-Häftlinge

Diploma Thesis, 2000, 184 Pages
Author: Mag. Karin Stepanek
Subject: Politics - International Politics - Topic: Miscellaneous

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2000
Pages: 184
Grade: Gut
Language: German
Archive No.: V37259
ISBN (E-book): 978-3-638-36656-4

File size: 1346 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit versucht einen Einblick in die Vernichtungsmaschinerie in Form der Konzentrationslager während des Dritten Reiches zu geben. Um dies zu erreichen, gliedert sich die Arbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der theoretische Teil soll vor allem einen Überblick über die Ideologie, die im Dritten Reich herrschte und auf die sich das Phänomen der Konzentrationslager stützte geben. Es soll aufgezeigt werden, wie sich Hitlers Rassenwahn äußerte, auf welche Bevölkerungsgruppen er sich bezog und welche Dimensionen er annahm. Das System der KZs als Vernichtungslager wird untersucht und die lagerinterne Organisation der KZs behandelt. Schließlich wird als konkretes Beispiel Mauthausen beleuchtet. Der auf den theoretischen folgende empirische Teil stützt sich vor allem auf vier Interviews, die mit ehemaligen KZ-Häftlingen geführt wurden. In den Interviews wird auf die Bedingungen in den KZs, auf die Folgen, die der dortige Aufenthalt auf überlebenden Häftlinge hatte, auf Überlebensstrategien der Häftlinge und auf sonstige Gründe, die für ein Überleben möglicherweise ausschlaggebend waren. Auch soll versucht werden, mittels der Interviews Information darüber zu gewinnen, inwieweit die Erlebnisse im KZ die Psyche der Betroffenen verändert hatten. Schließlich soll auch abgeklärt werden, inwieweit die Häftlinge mit der Tatsache psychisch belastet waren, dass sie für eine Kriegsmaschinerie, die zu ihrer eigenen Vernichtung beitrug, als Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Zu diesem Zweck werden 7 forschungsleitende Fragen gestellt, die im Anschluss an die Interviews vor dem Hintergrund der Aussagen der Interviewten ausgewertet werden.


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien

Psychische Folgen des Nationalsozialismus an Beispielen ehemaliger KZ-Häftlinge

Diplomarbeit

eingereicht von

Karin Stepanek

2000

 

Inhaltsverzeichnis

I. Zielstellung und Aufbau der Arbeit ... 7
a. Zielstellung ... 7
b. Aufbau der Arbeit ... 7

II. Einleitung ... 11
a. Geschichtlicher Rückblick ... 11
b. Begriffsabgrenzung ... 12

III. Ideologie und Rassenwahn im Dritten Reich ... 16
a. Verfolgte Gruppen ... 16
b. Die Verfolgung der Juden- Der Versuch der Auslöschung eines gesamten Volkes ... 18

IV. Das System nationalsozialistischer Konzentrationslager ... 23
a. Zahlenmäßige Entwicklung und Verbreitung der Konzentrationslager ...23
b. Die „gesetzlichen“ Grundlagen für die Greueltaten des SS-Apparates ... 25
c. Konzentrations- und Vernichtungslager als Ort der Systematisierung von Gewalt und Terror ... 28
c.a. Einschüchterungs-, Folter- und Terrormethoden der SS in den Konzentrations- und Vernichtungsöagern ... 29
c.a.a. Die Standortwahl der Konzentrationslager ... 29
c.a.b. Die Lebensbedingungen im KZ ... 30
c.a.c. Der quälende Hunger ... 31
c.a.d. Der lagerinterne Normen- und Strafsystem ... 32
c.a.e. Angst und Abschottung ... 32
c.a.f. Extremer Platzmangel ... 33
c.a.g. Entindividualisierung ... 33
c.a.h. Die Brechung des Einzelnen ... 34
c.a.i. Muselmänner ... 35
c.b. Greueltaten in Konzentrations- und Vernichtungslagern – ein Zeugnis menschlicher Inhumanität ... 36
c.b.a. Die Arbeit als Foltermethode ... 36
c.b.b. Todesmärsche ... 37
c.b.c. Medizinische Experimente ... 38
c.b.d. Greuel an Kindern ... 39
c.b.e. Die Hinrichtung ... 40
d. Die Ausbeutung der KZ-Häftlinge für die Industrie ... 41

V. Die Lagerorganisation ... 45
a. Die Spitze der Hierarchie ... 45
b. Das Lagerpersonal ... 45
c. Die Verwaltung ... 47
d. Das Sanitätswesen ... 47
e. Der Politische Sektor ... 47
f. Das Bewachungspersonal ... 48
g. Die Häftlingsfunktionäre ... 48
h. Die Organisation unter den Häftlingen ... 49

VI. Das Konzentrationslager Mauthausen ... 53
a. Standortwahl ... 53
b. Häftlingszusammensetzung ... 53
c. Häftlingsidentifikation ... 55
d. Mauthausen – ein Lager der Lagerstufe III ... 56
e. Räumliche Anordnung und spezielle Einrichtungen des Konzentrationslagers Mauthausen ... 56
f. Arbeits- und Tagesablauf im KZ Mauthausen ... 67
g. Verpflegung der Häftlinge ... 68
h. Nebenlager ... 69
i. Die Befreiung Mauthausens ... 69

VII. Das Leben im KZ und seine Folgen ... 70 dargestellt an Hand von Interviews mit Betroffenen
a. Forschungleitende Fragen ... 70
b. Methodik ... 71
c. Persönliche Daten - Charakterisierung der Interviewpartner ... 72
d. Auswertung der Interviews vor dem Hintergrund der forschungsleitenden Fragen ... 75
e. Zusammenfassende Schlußfolgerungen ... 92

VIII. Anhang ... 96
a. Interviews mit ehemaligen Kz-Häftlingen ... 96
a.a. Irma Trksak ... 96
b.b. Dr. Hermann Lein ...121
c.c. Leo Kuhn ...138
d.d. Mag. Kurt Hacker ...154
b. Erklärungen der Fachausdrücke ...171

IX. Quellenangaben ...173

 

I. Zielstellung und Aufbau der Arbeit

a. Zielstellung

Die vorliegende Arbeit versucht einen Einblick in die Vernichtungsmaschinerie in Form der Konzentrationslager während des Dritten Reiches zu geben. Um dies zu erreichen, gliedert sich die Arbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der theoretische Teil soll vor allem einen Überblick über die Ideologie, die im Dritten Reich herrschte und auf die sich das Phänomen der Konzentrationslager stützte, das System der KZs und die Organisation der Konzentrationslager geben. Dazu wird der erste Teil der Arbeit in vier Kapitel gegliedert.

b. Aufbau der Arbeit

Das erste Kapitel wird sich mit der Ideologie des Dritten Reiches auf die sich das System der Vernichtungslager stütze, befassen. In diesem Kapitel soll vor allem aufgezeigt werden, wie sich Hitlers Rassenwahn äußerte, auf welche Bevölkerungsgruppen er sich bezog und welche Dimensionen er annahm. Der Schwerpunkt wird hier auf dem Endziel der Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa liegen. Darüber hinaus wird auch aufgezeigt werden, daß sich das Ziel der Vernichtungsmaschinerie auch auf andere Gruppen, wie z.B. Russen, Polen und andere Nationalitäten, Homosexuelle, Zigeuner, religiöse Sekten etc. bezog.

Das zweite Kapitel ist dem System der KZs als Vernichtungslager gewidmet. Eine Schlüsselrolle spielte hier die Tatsache, daß der Vernichtungsapparat der SS vor allem ab 1941 einem geradezu industriell betriebenen Massenmord gleichkam. Nachdem auf die Entstehung der KZs mit Anfang 1933 eingegangen wird, wird auch der Tatsache Augenmerk geschenkt werden, daß es anfangs eher politische Häftlinge, später jedoch vorwiegend unerwünschte Bevölkerungs-gruppen waren (die bereits oben erwähnten Gruppen), gegen die sich die „Säuberungsmaßnahmen“ richteten. Auch werden die „gesetzlichen“ Grundlagen beleuchtet, die der nationalsozialistischen Maschinerie die rechtliche Grundlage boten, Menschen willkürlich in die Lager einzuweisen (Verordnungen, die die Polizei zur Schutzhaft ermächtigten, das Ermächtigungsgesetz vom 24.3.1933, das Reichsbürgergesetz, etc.).

Einen weiteren Schwerpunkt dieses Kapitels soll die Tatsache bilden, daß mit Voranschreiten des Krieges immer mehr ausländische Häftlinge aus allen Teilen Europas für die Überflutung der Konzentrationslager sorgten, trotzdem die Todesraten rasant stiegen. Schließlich soll die Rolle der Häftlinge als Arbeitskräfte für die Industrie behandelt werden.

Im dritten Kapitel wird die lagerinterne Organisation der KZs behandelt. Es soll aufgezeigt werden, wie die Lager organisiert waren, welche Hierarchie es beim Bewachungspersonal in den KZs gab, aber auch wie die Lagerleitung für eine Organisation unter den Häftlingen sorgte.

In Kapitel V sollen schließlich die in den ersten drei Kapiteln gemachten Aussagen an dem konkreten Beispiel Mauthausen demonstriert werden.

Der auf den theoretischen folgende empirische Teil stützt sich vor allem auf vier Interviews, die mit ehemaligen KZ-Häftlingen geführt wurden. In den Interviews wird auf die Bedingungen in den KZs, auf die Folgen, die der dortige Aufenthalt auf überlebenden Häftlinge hatte, auf Überlebensstrategien der Häftlinge und auf sonstige Gründe, die für ein Überleben möglicherweise ausschlaggebend waren, wie z.B. Abstammungsgründe, besondere Verhältnisse zum Bewachungs-personal, Solidaritätshandlungen, etc. eingegangen werden. Auch soll versucht werden, mittels der Interviews Information darüber zu gewinnen, inwieweit die Erlebnisse im KZ die Psyche der Betroffenen verändert hatten. Schließlich soll auch abgeklärt werden, inwieweit die Häftlinge mit der Tatsache psychisch belastet waren, daß sie für eine Kriegsmaschinerie, die zu ihrer eigenen Vernichtung beitrug, als Arbeitskräfte eingesetzt wurden.

Zu diesem Zweck werden 7 forschungsleitende Fragen gestellt, die im Anschluß an die Interviews vor dem Hintergrund der Aussagen der Interviewten ausgewertet werden.

Eine zusammenfassende Schlußbetrachtung wird die Arbeit abrunden.

 


Das äußerst bedrohte Leben verlöscht bis auf eine Sparflamme, die sich nachher meist nicht wieder aufdrehen läßt und deren Licht [...] immer einen begrenzten Schein wirft.

(Armanski)

II. Einleitung
a. Geschichtlicher Rückblick

Ende der 30er Jahre trat das nationalsozialistische Deutschland unter der Führung des Diktators Hitler den Kampf um die Hegemonie in Europa und in der Folge um die Weltherrschaft an. Zuerst wurde unter der deutschnationalen Lösung „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ im März 1938 Österreich militärisch besetzt. Im gleichen Jahr wurden mit Hilfe der Regierungen von Großbritannien, Frankreich und Italien die befestigten Randgebiete der Tschechoslowakei abgetrennt. Im März 1939 wurde das restliche tschechoslowakische Staatsgebilde zerschlagen und die Länder Böhmen und Mähren okkupiert. Als dann unmittelbar nach einem Freundschafts- und Nichtangriffsvertrag (samt geheimen Zusatzabkommen) mit der Sowjetunion (23.8.1939) die deutschen Truppen im Morgengrauen des 1. September 1939 zum Überfall Polens antraten, setzte Hitler-Deutschland eine bewaffnete Auseinandersetzung in Gang, die sich bald zu einem Weltbrand ausbreitete. So begann der bisher blutigste Krieg der Menschheit und die nationalsozialistischen Machthaber begannen sofort die erste Phase ihrer Weltherrschaftspläne zu realisieren: Zuerst erfolgte die „Rückdeutschung der fremdvölkischen“ Polen, dann die „Ausmerzung der bolschewistischen Untermenschen“ und die unter der Bezeichnung „Endlösung der Judenfrage“ stattgefundene Ermordung der europäischen Juden.

In den ersten Jahren des zweiten Weltkrieges besetzten Soldaten der Deutschen Wehrmacht zahlreiche europäische Länder; im Sommer 1941 wurde in einem Vernichtungskrieg die Sowjetunion überfallen. Den Spuren der Militärstiefel folgten in allen okkupierten Ländern die Experten der deutschen Wirtschaft, der Banken und die fanatisierten Organe des nationalsozialistischen Terrorapparates: die Angehörigen der unter dem Zeichen eines Totenkopfes gekennzeichneten Gliederung der NSDAP. Es waren die Männer der Schutzstaffel (SS) als Angehörige der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO), des Sicherheitsdienstes (SD), der Exekutionseinheiten (Einsatzkommandos) und als Erbauer von Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslagern. Infiziert von einer rassistischen Wahnidee und einem barbarischen Slawen- und Fremdenhaß hatten diese Organe den Auftrag, erbarmungslos alle Juden, Marxisten und die slawische Intelligenz festzunehmen und entweder sofort zu ermorden oder in den Konzentrationslagern durch den Einsatz für schwerste Arbeiten der Vernichtung zuzuführen (Österreicher in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, o. J., S. 2f).

[...]


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