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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 29 Pages
Author: Yvonne Luterbach
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Lausanne (Section Allemand)
Tags: Peter, Stamm, Agnes, Universität, Lausanne
Year: 2005
Pages: 29
Grade: gut
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36682-3
File size: 390 KB
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Excerpt (computer-generated)
Peter Stamm "Agnes"
von: Yvonne Luterbach
Inhalt
1. EINFÜHRUNG 3
1.1 DER „TOD IM SCHNEE“ IN DER SCHWEIZER LITERATUR 3
1.2 HYPOTHESE ZUR KÄLTE 3
2. PETER STAMM 4
2.1. WER IST PETER STAMM 4
2.2 KÄLTE ALS MOTIV IN SEINEN WERKEN 5
2.3 DAS WERK AGNES 6
3. SPRACHE 7
3.1 STAMMS ERZÄHLHALTUNG 7
3.2 STAMMESKE SPRACHE 8
3.3 DIALOGE IN AGNES 9
3.4 VERSTUMMEN 10
3.5 SCHWEIGEN IM TEXT 11
4. AGNES’ TOD 13
4.1 VORWEGNAHME DES TODES 13
4.2 MOTIVE ALS VORBOTEN FÜR AGNES’ TOD 14
4.2.1 Natur 14
4.2.2 Sterne und Punkte 16
4.2.3 Frieren 19
5. ENTWICKLUNG VON AGNES 21
5.1 AGNES’ ENTWICKLUNG 21
5.2 VERHINDERTE ALTERNATIVEN 22
5.3 VERMISCHUNG DER ERZÄHLEBENEN 23
5.4 GEGENSATZ VON KALT UND WARM 25
6. SCHLUSSFOLGERUNG 26
LITERATURVERZEICHNIS 28
1. Einführung
1.1 Der „Tod im Schnee“ in der Schweizer Literatur
Der Tod im Schnee durch Erfrieren und Kälte sind Themen, die in der Schweizer Literatur der letzen Jahrzehnte immer wieder auftauchen. Dieses unheimliche Motiv wird von den Autoren, vor allem seit der vermehrten Pflege des Walser- Mythos, bewusst oder unbewusst, immer öfter aufgenommen und bearbeitet.1 Es gibt verschiedene Schweizer Autoren, wie Dürrenmatt Mondfinsternis, Margrit Schriber Schneefessel, Paul Nizon Stolz, Gerhard Meier Ballade vom Schneien oder E.Y. Meyer In Trubschachen, um nur einige zu nennen, bei denen der Tod im Schnee, oder Kälte zum Hauptmotiv wird, das in einer „eigen“-artigen Weise durch das Werk führt. Bei einigen ist der Einfluss Walsers auch direkt zu spüren, so etwa bei Paul Nizon oder Gerhard Meier. In der folgenden Arbeit habe ich einen Autor gewählt, bei dem diese „Kälte“ ein Leitmotiv in seinem Werk ist. Es ist das Werk Agnes vom jungen Autor Peter Stamm, bei dem Fremde und Kälte in vielen seiner Geschichten eine fast schon philosophische Basis bilden.
1.2 Hypothese zur Kälte
Die Geschichte Agnes endet mit dem Tod der Hauptfigur im Schnee. Dieser Tod ist das Ergebnis einer sich durch die Geschichte hindurchziehenden Entwicklung. Die Figuren, die im Grunde auf der Suche nach Nähe und Wärme sind, entfernen sich im Verlauf der Geschichte immer weiter von dem, was sie erreichen möchten. Der Autor unterstreicht die Distanz und Entfremdung der Protagonisten mit winterlicher Kälte, die die im Text angelegte metaphorische Kälte noch intensiviert. Diese nimmt gegen Ende der Geschichte zu und führt dann zum Kältetod im Schnee. Die Protagonisten sind innerlich leer und können diese Leere nicht mehr überwinden. Sie sind in der Welt, in der sie leben, fremd und können darin keine näheren menschlichen Beziehungen aufbauen. Die Fremdheit und Kälte, die sie von Anfang an bedrängen, aber noch nicht bedrohlich wirken, werden ihnen am Ende zum Verhängnis. Der Tod selber wird dann aber nicht mehr als Qual, sondern als Erlösung empfunden. Die Kälte, die die Protagonisten verfolgt, ist nicht mehr spürbar. Der Schnee, der sie umgibt, wird zum neuen Mantel, der sie weich und sanft umhüllt. Er lässt sie den Schmerz und die Kälte nicht mehr fühlen und gibt zum letzten Mal, die schon lang erhoffte Wärme. In der folgenden Analyse werde ich am Beispiel von Agnes untersuchen, wie und mit welchen Mitteln der Autor die Kälte in seinem Roman herstellt und entwickelt. Wie die Erzählung auf den Tod hin orientiert ist, ob sie eventuell Alternativen bietet und welche Anzeichen es dafür gibt. Es ist interessant festzustellen, auf welchen Ebenen die Kälte spielt und welche Dynamik sie entwickelt. Welche Motive es sind, die auf den Tod hinweisen und wie sie dargestellt werden. Ich werde zudem auch der Frage nachgehen, welchen Einfluss der Gegensatz von Kälte, die Wärme auf den Roman ausübt. Gibt es nur Kälte oder gibt es auch noch etwas anderes?
2. Peter Stamm
2.1. Wer ist Peter Stamm
Peter Stamm wurde 1963 im thurgauischen Weinfelden geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Er studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie, brach aber nach wenigen Semestern sein Studium ab. Es folgten längere Aufenthalte in Paris, New York, Skandinavien, London und Berlin. Seit 1990 ist Stamm freier Autor und Journalist (u.a. Publikationen für Nebelspalter, NZZ, Tages-Anzeiger, Weltwoche). Er hat mehrere Hörspiele und Theaterstücke, sowie Beiträge für verschiedene Bücher verfasst. Peter Stamm ist Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift "Entwürfe für Literatur" (seit 1997). Mit seinem Debüt Agnes (1998) feierte Peter Stamm einen durchschlagenden Erfolg bei der Literaturkritik. Allerdings musste die Idee zu diesem Roman fast 15 Jahre reifen, bevor Stamm sie auf Papier bringen konnte. „Ich weiss nur noch, dass ich in der Silvesternacht vor meinem zwanzigsten Geburtstag die Idee zu einem Roman hatte, die ich erst Jahre später zu ihrem schlechten Ende führte. Wie man Schriftsteller wurde, wusste ich nicht, und hätte ich damals gewusst, dass es noch fünfzehn Jahre dauern würde, bis mein erster Roman erscheinen würde, hätte ich wohl kaum weitergemacht.“2 Heute lebt Peter Stamm hauptsächlich in London, um dort zu schreiben. Seine Heimat kennt er zu gut, sie ist ihm zu nah für den fernen Blick, der seinen Werken eigen ist.3
2.2 Kälte als Motiv in seinen Werken
Auch in seinen folgenden Romanen und Erzählungen stösst man auf bekannte Elemente, die er immer wieder aufnimmt. Stamm hat eine Vorliebe für das weisse Element und die Kälte. Den gesammelten Werken gibt er den Titel Blitzeis, Agnes verlässt in einer Winternacht alles, um in Schnee und Eis den Tod zu finden. „Ungefähre Landschaft beschreibt das Portrait einer Frau“4. Kathrine, die Protagonistin in Ungefähre Landschaft, ist in gewisser Hinsicht eine Weiterführung der Figur von Agnes, die gescheiterte Beziehung am Ende von Agnes, bildet in Ungefähre Landschaft den Ausgangspunkt. Die kleine Hafenstadt, in der Kathrine lebt, liegt die meiste Zeit im Schnee. Die Kälte die Agnes den Tod bringt, bildet für Kathrine die Essenz des Lebens. Ihr Weg führt hinaus ins grenzenlose Weiss. Stamm leitet indirekt den Titel des neuen Buches aus seinem früheren Werk ab. Bereits Agnes führt durch eine Landschaft, die etwas Ungefähres, Ungenaues hat, und diese ungefähren Landschaften scheinen Stamms Gebiet zu sein.5
Auf seinen zahlreichen Reisen spürt Peter Stamm immer wieder jenen Typ Mensch auf, der an sich selbst unbeteiligt wirkt, dessen innere Kälte aber auch so etwas wie eine Lebensbedingung darstellt. Diese Menschen können nicht aus sich heraus, sie schweigen, wo sie reden sollten, sie warten ab, um sich zu schützen und bleiben daher immer für sich alleine. Eine typische Figur dafür ist Kathrine in Ungefähre Landschaft, die sich am Polarkre is wieder findet, auf einer ziellosen Suche, in einer Gegend, die ihr keinen Halt zu geben vermag. Oder Agnes, die sich an eine Liebe klammert, die ihr nichts geben kann. Stamm hat für diese Einsamkeit und Vereinzelung eine literarische Ausdrucksform gefunden. Er verortet die Kälte in unserer Lebensphilosophie.
„In einer mehr oder weniger gottlosen Gesellschaft spüre der Einzelne die Kälte des Universums ganz besonders, ,was einerseits erschreckend ist, andererseits aber eine so seltsam kalte Schönheit hat, wie die Schönheit von Eiskristallen’. Das Individuum merke, dass es ,sehr klein, sehr allein im Universum’ lebe. Eben der Dualismus von Gottlosigkeit und Einsamkeit mache die Faszination von Kälte aus, philosophiert der Schriftsteller über sich und sein Werk.“6
2.3 Das Werk Agnes
[...]
1 Vgl. von Matt, Peter: Die tintenblauen Eidgenossen, S. 306-307.
2 Stamm, Peter: Warum ich schreibe, www.peterstamm.ch.
3 Stamm, Peter: Die Schönheit der Eiskristalle, TV-Sendung im 3sat, vom 26.09.2001. http://www.3sat.de.
4 Greiner, Ulrich: Im Schnee, Was der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm alles kann und weshalb er nicht darauf vertrauen sollte, in Die Zeit, Nr. 36 / 30.08.2001.
5 Vgl. Sorg, Reto: Lob des Fortkommens, Peter Stamms Roman „Ungefähre Landschaft“, in Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2001, S. 55.
6 TV-Sendung 3sat: Ohne festen Boden, Peter Stamms neuer Erzählband „In fremden Gärten“, Gespräch mit der Literaturkritikerin Gunhild Kübler, in Kulturzeit, 14.08.2003.
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