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The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1996, 17 Pages
Author: Marcus Knoche
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Event: Das Doppelgängermotiv im englischem Roman
Institution/College: University of Wuppertal
Tags: Strange, Case, Jekyll, Hyde, Doppelgängermotiv, Roman
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1996
Pages: 17
Grade: 2
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V37487
ISBN (E-book): 978-3-638-36815-5

File size: 208 KB


Excerpt (computer-generated)

The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde

von: Marcus Knoche

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung S. 1

I. Die Entstehung von Hyde S. 2

a) Hydes Einfluß auf Jekylls Umfeld S. 5
b) Hyde als ausgelebter Charakterzug S. 7

II. Tabus und Normen: Jekyll als Opfer und Täter S. 11

Schlußbemerkung S. 14

Literaturverzeichnis S. 15



Einleitung

Ich habe mich in der vorliegenden Arbeit mit dem Doppelgängermotiv beschäftigt, und dabei primär den gesellschaftlichen Kontext der damaligen Zeit berücksichtigt. Die Epoche des Viktorianismus ist nicht nur eine Zeit rigider Moralvorstellungen, sondern auch besonders gegen Ende eine Zeit des Umbruchs gewesen; vorher scheinbar ewig gültige Werte und religiöse Wertvorstellungen verloren ihre Unantastbarkeit.
„The particular difficulties encountered by the English imperialism in its decline were conditioned by the nature of the supremacy which had been asserted: not a simple racial supremacy, but one constantly seen as founded on moral superiority.“ (Punter 241)

Die Theorien Darwins waren dafür zu einem großem Teil verantwortlich, und wurden besonders nach Stevenson von vielen Schriftstellern verarbeitet. Daß es dabei, wie später bei Jack London, zu einer Überbetonung des „survival of the fittest“ (was den jeweiligen Autor natürlich immer einschloß) kam, wird heute wohl zu Recht eher belächelt. Auch Stevenson war vor dieser Versuchung nicht gefeit; seine oft markigen Sprüche wirken vor dem Hintergrund seiner körperlichen Konstitution wenig überzeugend, und sind Teil dieser damals weitverbreiteten Modeerscheinung unter Intellektuellen.
„He went where he did partly because he was an adventurer and partly because he was an invalid.“ [...] „He was couragous; and yet he had to be shielded against two things at once, his weakness and his courage. But his picture of himself as a vagabond with blue fingers on the winter road is avowedly an ideal picture; it was exactly that sort of freedom that he could never have.“ (Chesterton 13)
Stevenson war getrieben von seinen Träumen, den „Brownies“, denen er praktisch ein Eigenleben zugestand. „Born with a weakness of chest inherited from his mother, he would often as a small boy spend long nights awake, wracked by painful bouts of coughing. Bad as these nights were, the alternative of drifting off to sleep offered terrors far more formidable.“ (Hennessy 19) Auch „Jekyll and Hyde“ soll seine Entstehung einem dieser Träume verdanken, und im Falle Stevensons erscheint dieses mystische Argument sogar glaubwürdig. Er wurde von einem starken Freiheitsdrang beseelt, und besaß wohl deshalb eine besondere Sensi-bilität für unsinnige Moralvorstellungen. Vor der völligen Freiheit bar jeder moralischen Kontrolle schreckte er zurück; aber diese wäre ja auch keine wirkliche Freiheit, da sie die anderer Menschen nicht zuließ. „Die unheimlichste und [...] klassische Darstellung jener Sehnsucht, das einem starken Lebensdrang im Wege stehende Gewissen loszuwerden, und gleichzeitig des Entsetzen vor dem Ergebnis einer solchen schranken-losen moralischen Freiheit liegt in der Erzählung „The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ (1886) vor.“ (Michel 100)
Daß „Jekyll and Hyde“ ein moralisches Buch ist, darauf ist häufig hingewiesen worden. Aber zu oft wurde nur dieser Umstand betont, und die zwischen den Zeilen liegende Kritik an dem viktorianischem Gesell-schaftsmodell übergangen; auf diesen Aspekt kam es mir besonders an.
Natürlich ist „Jekyll and Hyde“ ein moralisches Buch, aber die Moral ist gegen den Zwang zur Konformität gerichtet, und wenig geeignet um die von einer bigotten Gesellschaft vorgegebenen Normen zu verteidigen.

„But if Jekyll and Hyde could provide a text to illustrate the self-destruction of evil it could just as easily show how difficult it was for good to resist it. The respectable Dr Jekyll cannot resist the temptation to become the abonimable Mr Hyde, not because he is himself ‘bad’, but because the chains of respectability weigh so heavily on him.“ (Calder 222)
An der Entstehung des Charakters Hyde sind am meisten die Faktoren beteiligt, die genau diesen dunklen Wesenszug unterdrücken wollen.
Hyde verändert die „heile Welt“ von Jekylls Freundeskreis in einem Ausmaß, daß auch ihre Welt aus den Fugen gerät. Viktorianische Tabus und Normen schaffen erst den paranoiden, von Schuldgefühlen geplagten Menschen Jekyll, der zu seinem verhängnisvollen Schritt getrieben wird, weil er sich ein Leben ohne Schuldgefühle durch das Ausleben seiner geheimen Wünsche, oder deren ständige Unterdrückung nicht vorstellen kann. Ein Umstand, der ihn zu Opfer und Täter in einer (gespaltenen) Person macht.

Die Entstehung von Hyde

Jekyll bedient sich einer nicht näher definierten Droge, um die Kreatur Hyde aus Jekyll zu extrahieren; daß er sie als „tincture“ und „potion“ bezeichnet, erinnert eher an einen faustischen Zaubertrank als eine nach wissenschaftlichen Regeln synthetisierte Chemikalie. Auch die Szenerie, als er die Droge zusammenstellt, erinnert stark an eine Hexenküche: „late one accursed night, I compounded the elements, watched them boil and smoke together in the glass“, „the ebullition ceased, and the compound changed to a dark purple, which faded again more slowly to a watery green.“ (Stevenson 83,79). Doch dies wirkt nicht vor dem Hintergrund der Erzählung unglaubwürdig, „even though belief in the powers of ‘the powders’ is likely always to have been in short supply.“ (Cornwell 96)
Realistisch wirkt die Geschichte vor allem durch die Zusammenstellung von „journals, letters and first-person narratives [...] combined with legal documents, distinguishing a world dominated by professional men - lawyers, doctors and scientists. [...] Jekyll’s experiments, while possessing a diabolical, Faustian or alchemical suggestiveness, are performed with scientific instruments and chemical compounds; their results, moreover, are described in contemporary secular and scientific terms“(Botting 139-40).
Wie sich ein ansonsten respektabler Mensch durch die Einnahme einer Droge verändern kann, dafür gibt es auch in Stevensons Jugend ein Beispiel: In einem Brief an seine Mutter beklagt er sich über einen Betrunkenen, der in seinem Hotel nachts herumlärmt:
There ist a drunken brute in the house who disturbed my rest last night. He’s a very respectable man in general, but when on the ‘spree’ a most consummate fool. When he came in he stood on the top of the stairs and preached in the dark with great solemnity and no audience from 12 P.M. to half-past one. At last I opened my door. ‘Are we to have no sleep at all for that drunken brute?’ I said. As I hoped, it had the desired effect. Drunken brute!’[sic!] he howled, in much indignation; then after a pause, in a voice of some contrition, ‘Well, if I am a drunken brute, it’s only once in the twelvemonth!’ (Colvin 18-19)

[...]


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